Ein Ankerplatz für die Gemeinschaft
Blick auf erstes Jahr „Ein Treff am Meer“ auf Langeoog
Zwischen Kloster Loccum und Dünen ist ein besonderer Begegnungsort entstanden: „Ein Treff am Meer“ feiert sein einjähriges Bestehen. Was als ambitioniertes Integrationsprojekt – gefördert mit Mitteln der Deutschen Fernsehlotterie – begann, ist heute eine lebendige Begegnungsstätte für Insulaner und Zugezogene gleichermaßen. Projektleiterin Monika Palutke blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück, in dem aus leeren Räumen ein echtes Zuhause für Gemeinschaft wurde.
Wer den Kavalierpad entlangschlendert und den Weg in das Gebäude direkt hinter dem Haus Kloster Loccum findet, betritt eine Welt der Möglichkeiten. Seit einem Jahr ist hier „Ein Treff am Meer“ beheimatet. Die Räumlichkeiten, die anfangs noch kahl wirkten, haben sich dank einer enormen Spendenbereitschaft der Inselgemeinschaft gewandelt.
Breites Angebot: Sprachen, Spiele und mehr
Von der Küchenausstattung über Gesellschaftsspiele bis hin zu den Plissees an den Fenstern – vieles wurde gespendet, um eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich sofort willkommen fühlt. „Uns ist es auf jeden Fall gelungen, mithilfe vieler Menschen die Räumlichkeiten so auszustatten, dass sie wirklich genutzt werden können“, resümiert Projektleiterin Monika Palutke zufrieden.
Das Angebot des Treffs ist so vielfältig wie die Menschen, die ihn besuchen. Besonders fest im Wochenplan verankert sind die Sprachangebote. Ein wöchentliches Sprachcafé dient dazu, Deutschkenntnisse in lockerer Runde zu verbessern. Für jene, die bereits das B1-Niveau erreicht haben, bietet der Treff an zwei Vormittagen gezielte Wiederholungskurse an, um mehr Sicherheit im Alltag und Beruf zu gewinnen. Dies ist besonders wichtig für die vielen Arbeitskräfte aus dem asiatischen Raum, etwa aus Indien und Vietnam, die in vielen Betrieben auf der Insel die Teams verstärken.
Doch es geht nicht nur um Sprache. Ein regelmäßiger Stricktreff hat sich zu einem generationenübergreifenden Highlight entwickelt. Hier geben erfahrene Insulanerinnen ihr Wissen an junge Leute weiter, die das Handwerk neu für sich entdecken. Auch die Geselligkeit kommt nicht zu kurz: Jeden dritten Samstag im Monat verwandelt sich der Treff in eine Spielarena für den gut besuchten Spieleabend. Kulinarisch wird es bei den „Pasta and People“- oder „Pinsa and People“-Abenden. Einmal im Quartal wird gemeinsam gekocht, um das Kennenlernen über die Grenzen der eigenen Betriebe hinweg zu fördern.
„Über bürokratische Hürden helfen“
Trotz der vielen Freizeitangebote ist der Bereich der „Formularhilfe“ der am stärksten nachgefragte Sektor. Monika Palutke nennt es bescheiden Beratung, auch wenn es primär um die Bewältigung akuter bürokratischer Hürden geht.
Ob Anträge auf Wohnberechtigungsscheine, Bürgergeld oder Hilfe bei Bewerbungen für sozialen Wohnraum – der Treff bietet die nötige Sicherheit im Paragraphendschungel. „Manchmal reicht schon ein kleiner Anruf bei den Ämtern aus, um Dinge zu klären“, berichtet Palutke. Die Sorge ist groß, dass dieses essenzielle Angebot wegfallen könnte, sollte das Projekt nach derzeitigem Stand Ende 2027 nicht verlängert werden. Man suche daher bereits jetzt nach Wegen, diese Hilfe langfristig auf der Insel zu verankern.
Damit die Hilfe und der Austausch verlässlich stattfinden können, ist das Büro am Kavalierpad zu festen Zeiten besetzt: Montags und mittwochs öffnet der Treff von 9 bis 17 Uhr seine Türen, wobei zwischen 13 und 15 Uhr eine kurze Mittagspause eingelegt wird. Dienstags und donnerstags ist das Team durchgehend von 12 bis 19 Uhr vor Ort, um auch Berufstätigen den Besuch zu ermöglichen. Wer das Projekt unterstützen möchte – aktuell besonders gesucht werden Pflanzen und zusammenklappbare Gartenmöbel für den Außenbereich – erreicht Projektleiterin Monika Palutke telefonisch unter 04972 / 9909 507 oder per E-Mail an: monika.palutke@kubusev.org.
Starke Aktionen – internationaler Austausch
Das Leben auf Langeoog folgt eigenen Gesetzen, was sich auch in der Nutzung des Treffs widerspiegelt. Die Teilnahme an den Angeboten schwankt saisonal und ist stark von den knappen Zeitressourcen der Langeooger geprägt. Gerade in der Hochsaison ist die freie Zeit kostbar und Erholungsphasen sind oft wichtiger als ein zusätzliches Programm.
Dennoch ist das Feedback durchweg positiv. „Es ist gut zu wissen, dass das Projekt als sinnvoll und wertvoll wahrgenommen wird“, betont die Projektleiterin. Für den kommenden Sommer sind verstärkt Outdoor-Aktivitäten geplant, wie etwa Strandbesuche oder gemeinsame Fahrradtouren, um den Alltag hinter sich zu lassen.
Die Agenda für die kommenden Monate ist bereits gut gefüllt. Ende Mai erwartet der Treff den Besuch einer Kindergruppe der Zukunftswerkstatt aus Baden-Württemberg, bei der sich auch der Langeooger Jugendbeirat einbringen wird. Im Juni folgt die eintägige Stippvisite einer tschechisch-deutschen Austauschgruppe aus Oyten, die sich über die Arbeit im Rahmen des Projekts informieren möchte. Ein großer Höhepunkt wird die Teilnahme an der bundesweit laufenden „Interkulturellen Woche“ Ende September sein. Parallel dazu soll die Ausstellung zur Integration, die bereits im Haus der Insel zu sehen war, erneut gezeigt werden.
Trotz des Erfolgs bleibt Monika Palutke realistisch: „Es gibt noch viele Ideen und vieles, das man machen könnte; aber es fehlt oft an der Umsetzung, finanziell und zeitlich.“ Doch das erste Jahr hat gezeigt: „Ein Treff am Meer“ ist zu einem unverzichtbaren Teil des sozialen Gefüges auf Langeoog geworden.
