Sonne, Sand – Seelsorge

Strandkörbe der Kirchen haben viel zu bieten

Die ev.-luth. Inselkirche auf neuen Pfaden: Wegweiser zu der etwas anderen „Kirche am Meer“.

„Kirche muss da sein, wo auch Menschen sind“, weiß Inselpastorin Jeannette Schurig. Und wo sind die Menschen auf Langeoog? Na klar, am Strand! In der vorigen Saison stellte der Tourismus-Service Langeoog (TSL) erstmals der ev.-luth. Inselkirche und der kath. St.-Nikolaus-Kirche je zwei Strandkörbe zur freien Verfügung. Und da das Angebot 2025 so ein großer Erfolg war, wird es dieses Jahr gleich wiederholt.
„Diese Körbe haben ein tollen Überraschungseffekt“, erzählt Susanne Wübker, katholische Seelsorgerin. Denn wo gibt es das schon: Kirche am Strand? „Wir erleben es oft, dass wir ‚Zaungäste‘ haben – Menschen, die vielleicht sonst Berührungsängste mit der Kirche haben, aber doch interessiert stehen bleiben.“ „Das ist eine Riesenchance für die Kirche“, findet auch Jeannette Schurig.

Rückblick auf die „Testsaison“

Die katholische Seelsorgerin Susanne Wübker letzte Saison im Strandkorb.

Zu nutzen wussten beide Kirchen diese Chance schon im letzten Jahr. „Wir haben verschiedene Formate ausprobiert, um ­herauszufinden, was die Menschen brauchen“, erzählt die ­Inselpastorin. Eine erste Erkenntnis: Abends werden die Strandkörbe stärker frequentiert als am Morgen. „Bei der Abendandacht kamen schnell mal bis zu 80 Leute zusammen.“ Persönliches Highlight der „Strand.Korb.Kirche.“, wie es Jeannette Schurig nennt, war eindeutig das Tauffest, das 2025 zum ersten Mal am Strand stattfand. Fünf Gläubige, darunter vier Insulaner, wurden im Juli mit Meerwasser getauft. „Das Wetter war super, die Atmosphäre genial. Es hat alles gepasst“, erzählt die Inselpastorin. „Die Jungen werden sich mit Spaß an ihre Taufe erinnern.“
Auch Susanne Wübker blickt zufrieden aufs vergangene Jahr zurück: Die katholische Kirche nutzte ihre Strandkörbe hauptsächlich als Gesprächsangebot. Einmal wöchentlich war hier der jeweils aktuelle Kurpastor oder aber die Seelsorgerin selbst anzutreffen und für Unterhaltungen aller Art offen. In dieser ­lockeren Weise kamen innerhalb einer Stunde oft zwei bis drei seelsorgerische Gespräche zustande. „Gerne wurde dann das, was als Plauderei begann, substantiell“, erzählt Susanne Wübker. „Das waren meine stillen Highlights.“

Angebote in der Saison 2026

Auch in diesem Jahr gibt sowohl bei den Strandkörben der ­Inselkirche als auch denen von St.-Nikolaus verschiedenste Aktionen und Angebote. Weiterhin wird es jeden Mittwoch um 11 Uhr die Möglichkeit des Gesprächs geben. „Alles zwischen Plaudern und Seelsorge ist willkommen“, lädt Susanne Wübker ein. Aber auch Aktionen, wie die Nikolaus-Überraschung im Mai – Groß und Klein konnten hier den Nikolaus an dem Tag treffen, an dem er auch im italienischen Bari gefeiert wird – wird es an den katholischen Strandkörben geben. Die Termine dazu werden kurzfristig bekanntgegeben.
An den Strandkörben der Inselkirche ist ein Wochenplan angebracht, der über die verschiedenen geplanten Veranstaltungen Auskunft gibt. Dort gibt es ebenfalls Seelsorge-Präsenzzeiten, zusätzlich noch Angebote wie gemeinsames Singen, Abendandachten oder ähnliches. „Wir arbeiten hier ganz viel mit den Kurpastoren und Kirchenhelfern zusammen“, verrät Jeannette Schurig. Und auch das Tauffest findet natürlich wieder am Strand statt: Am 9. August 2026 ist es soweit.

Einmal Pause machen

Übrigens sind beide Strandkörbe von St.-Nikolaus und einer der Inselkirche durchgehend geöffnet. Da alle anderen Körbe am Strand seit letztem Jahr mit Gittern verschlossen sind, ist dies eine willkommene zusätzliche Einladung, sich zu setzen und die Füße hochzulegen. „Es haben sich schon viele Leute in unserem Anliegenbuch und auch persönlich bedankt“, erzählt Susanne Wübker. Wenn also einmal keine Bank am Strand frei ist und das Sitzen im Sand schwierig, sind die Kirchen-Strandkörbe zur Stelle. „Sie sind ein guter Schutz vor Wind und Wetter“, weiß Jeannette Schurig.

Hier sind die Kirchen-Strandkörbe zu finden

Die katholischen Körbe befinden sich im Strandabschnitt A und tragen die Nummern 6 und 1087. „Die 6 steht für den ­Nikolaustag am 6. Dezember und im Jahre 1087 wurden die Gebeine vom Heiligen Sankt Nikolaus überführt“, erklärt ­Susanne Wübker. Erkennbar sind die Strandkörbe außerdem an einem Banner mit der Aufschrift „Offene Kirche – Offener Strandkorb – St.-Nikolaus“.
Die Strandkörbe der Inselkirche stehen im Strandabschnitt D. Auch sie sind durch ein Banner – dieses trägt die Aufschrift „Strand.Korb.Kirche.“ – erkennbar. Wenn ein Kirchenvertreter anwesend ist, steht dort zusätzlich eine Beachflag.
Jeannette Schurig und Susanne Wübker freuen sich, auch in diesem Jahr wieder Kirche ganz neu gestalten zu können: „Wir wollen uns herzlich beim TSL bedanken für die tolle Möglichkeit, einmal auf eine andere Art und Weise mit den Menschen in Kontakt kommen zu können.“