Grüße aus dem Vogelwärterhaus – Gedichte zum Verschenken

„Grüße von der See“: Marion Döberts Neuerscheinung entstand im „Vogelwärterhaus Langeoog“

Autorin Marion Döbert mit ihrem Gedichtband.

Mal braust sie, mal stürmt sie, mal liegt sie ganz ruhig da: Die wechselhafte Nordsee zeigt sich niemals gleich. Doch zu einem lädt sie immer ein: die Gedanken frei laufen zu lassen, über die Natur oder auch das eigene Leben zu sinnen und ihr alle Sorgen auszuschütten.


Marion Döbert hat diese Gedanken in ihrem Buch „Grüße von der See – Meeresgedichte für Leib und Seele“ eingefangen. In atmosphärischer Sprache, zugleich glasklar und eindringlich, bringt sie mit ihren Gedichten das Wesen des Wattenmeeres und auch das, was es mit uns macht, zum Vorschein. Gepaart mit Illustrationen und Fotografien der Autorin, entsteht so eine Gefühlswelt, die das Erleben der Nordsee nachhallen lässt.


Ihren Ursprung haben die „Meeresgedichte“ übrigens als „Verschenk-Gedichte“ im „Vogelwärterhaus Langeoog“. Die Autorin ist seit 2021 dort regelmäßig ehrenamtlich im Einsatz für den Nationalpark Wattenmeer Niedersachsen und bringt im „Vogelwärterhaus“ Besuchern die Tierwelt und den Naturschutz der Insel näher. Aus den vielen auch tiefgründigen Gesprächen, die sie dort führt, entstand die Idee zu den Gedichten, die Döbert, geschrieben auf kleine Papierrollen und umhüllt mit Fäden von Geisternetzen aus gefundener Fischereiausrüstung, an die Besucher verschenkte. Im Gedichtband sind nun 30 der schönsten „Verschenk-Gedichte“ mit Fotografien und Illustrationen der Autorin vereint.

 

Als Erinnerung an das große weite Meer, als Appell, die eigenen Träume nicht aus den Augen zu verlieren, aber auch als Impuls, über sich und die Welt zu schmunzeln, sind die Meeresgedichte nicht nur ein wunderbares Mitbringsel vom Nordseeurlaub, sondern auch ein kleiner Anker, sich voller Freude an die Natur des Wattenmeeres zu erinnern.


„Grüße von der See – Meeresgedichte für Leib und Seele“ (ISBN 978-3-941163-51-5) erschien im Mai 2026 im Verlag Enno Söker Esens (ESE), bekannt vor allem für Regionalliteratur aus Ostfriesland. Den 36 Seiten umfassenden Gedichtband gibt es für 11,95 Euro im Buchhandel sowie versandkostenfrei online über www.soeker-druckshop.de. Auf Langeoog ist das Buch in der „Buchhandlung Krebs“, Am Wasserturm 14, und im „BilderBuch“, Höhenpromenade 4, erhältlich.

Autorin Marion Döbert ...

lebt und schreibt in Bielefeld und der Welt. Ein paar Monate des Jahres verbringt sie auf Langeoog und arbeitet dort ehrenamtlich für den Nationalpark Wattenmeer. Die Autorin ist international anerkannte Alphabetisierungsexpertin und hat den Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. mitbegründet. 2003 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz am Bande für ihre Verdienste in der Literalitätsförderung für ­Erwachsene verliehen. Marion Döbert ist bekannt für ihre glasklare, verständliche Sprache, die zum Lesen und Leben verführt.

Interview mit Marion Döbert

Sie verbringen seit neun Jahren jeden Winter auf Langeoog und arbeiten dort ehrenamtlich im „Vögelwärterhaus“. Was an Ihrer Arbeit hat Sie inspiriert, die „Meeresgedichte“ zu verfassen?
Bei meinem Ehrenamt mitten zwischen den Dünen komme ich oft ins Gespräch mit Gästen und Inselbewohnern. Der Blick auf den weiten Horizont, das Spiel zwischen Licht und Wolken, die Bewegung der Natur ruft oft Emotionen ins uns hervor, besonders, wenn wir im Urlaub sind. Die Natur spiegelt das Leben wider. Aus meinen Gesprächen mit den Leuten, die zum „Vogelwärterhaus“ kommen, entwickelte sich irgendwann das Bedürfnis, den Besuchern etwas zum Mutmachen oder auch einen Stimmungsaufheller mitzugeben. So kam ich auf die Idee mit den Gedichten.

 

Hatten Sie von Anfang an vor, eigene Gedichte zu schreiben?
Nein, ursprünglich habe ich mich auf die Suche nach Gedichten von großen, bekannten Autoren gemacht, die das Thema „Meer“ enthalten. Goethe oder Storm beschreiben die See aber oft als Bedrohung und unheimliches Element. Das wollte ich Menschen, die sowieso schon ein Bündel mit sich tragen, nicht zumuten.

 

Also haben Sie angefangen, selbst Gedichte zu verfassen?
Ja. Ich habe versucht, Worte zu finden, die tragen. Worte, die dazu einladen, tief Luft zu holen. Ich hoffe, meine Gedichte drücken die Schönheit der Natur aus und wirken wie eine frische Brise für Geist und Seele.

 

Normalerweise schreiben Sie Romane in einfacher Sprache. Warum wurden es diesmal Gedichte?
Ich war schon immer ein „Wort-Mensch“ und liebe es, mit Sprache zu spielen. Gedichte sind die komprimierteste Form des Schreibens. Sie müssen mit wenigen Mitteln das Wesentliche transportieren, das ist eine schöne Herausforderung.

 

Ursprünglich dachten Sie gar nicht an eine Buchveröffentlichung, sondern haben die Gedichte einzeln im „Vogelwärterhaus“ verteilt.
Richtig. Ich habe sie mit der Hand auf kleine Zettel aus Geschenkpapier geschrieben, aufgerollt und mit einem Faden von alten Geisternetzen zusammengebunden. Jeder Besucher bekam, bevor er ging, noch ein Gedicht-Röllchen. An den Reaktionen konnte ich sehen, dass die Gedichte genau den richtigen Nerv trafen. Eine Frau begann zu weinen, nachdem sie ihr Röllchen gelesen hatte. Sie meinte, dass es genau zu ihrer Lebenssituation passe, und fragte, ob es ein Buch gäbe. Einige Insulaner kamen sogar immer wieder mit dem Rad zum „Vogelwärterhaus“ geradelt, um sich ein neues Gedicht abzuholen. Auch sie ermutigten mich, die Gedichte in einem Buch zu bündeln.

 

Es finden sich in der Sammlung auch einige Illustrationen von Ihnen. Haben Sie diese extra für das Buch angefertigt?
Nein, ich zeichne und male sowieso sehr gerne. In Reiseskizzen mit Pastellkreide, Bleistiften oder Aquarellfarbe halte fest, was ich sehe und fühle. Diese Impressionen erinnern mich hinterher mehr an den Moment, als es ein Foto je tun könnte. Es geht darum, das Wesentliche zu erfassen, ohne viel Schnickschnack, so wie in den Gedichten ja auch.

 

Wie kam es zu dem Untertitel „Meeresgedichte für Leib und Seele“?
Essen hält Leib und Seele zusammen. Und Worte sind auch eine Art von Nahrung. Ich wünsche mir, dass meine Leser die Schönheit und den Rhythmus der Natur noch stärker erleben und sich selbst damit verbinden können.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Als Gedicht-Röllchen verteilte Marion Döbert kleine Mutmacher im „Vogelwärterhaus Langeoog“. Foto: M. Döbert