„Auf sehr gutem Weg zu einem echten Miteinander“
Erster Neujahrsempfang durch Bürgermeister Onno Brüling: „Transparenz als Fundament für Vertrauen der Bürger“ – Ehrung für Langeooger Seenotretter
Frostklar und teils sonnig zeigte sich das Wetter am Sonntag, 11. Januar 2026 zum Neujahrsempfang der Inselgemeinde. Zuvor hatte Sturmtief „Elli“ für Schneechaos gesorgt, dennoch waren gut 200 Langeoogerinnen und Langeooger um 15 Uhr der Einladung ins „Haus der Insel“ (HDI) gefolgt.
In seiner knapp einstündigen Ansprache beleuchtete Bürgermeister Onno Brüling seine ersten Monate im Amt und stellte wichtige Themen für 2026 vor. Anschließend stand eine Ehrung der Inselgemeinde auf dem Programm. Den musikalischen Rahmen gab traditionell der Langeooger Shantychor, der indes mit zwei markanten Neuerungen aufwartete.
Stabilität, Weiterentwicklung und Neuanfang
Unter den Anwesenden im großen Saal des HDI begrüßte Onno Brüling neben Ehrenbürger Frerich Göken die Vertreter aus Rat und Verwaltung sowie Repräsentanten der Langeooger Kirchen, Institutionen, Betriebe und Vereine. In seinem persönlich angelegten Jahresrückblick wanderte er wie ein Chronist durch das Jahr und hob besondere Begebenheiten heraus.
Zu Beginn seines Rückblicks sprach der Bürgermeister allen Langeoogerinnen und Langeoogern seinen Dank für deren „Engagement, Geduld und Ideen“ aus sowie „dafür, dass Sie auch unterschiedliche Meinungen miteinander aushalten.“ Das gehöre zu einer lebendigen Gemeinde, speziell auf einer Insel, auf der man gemeinsam Lösungen finden müsse: „Aus meiner Sicht sind wir hier auf einem sehr guten Weg … zurück zu einem echten Miteinander.“
2025 sei ein Jahr der Stabilität und der Weiterentwicklung gewesen – und durch die Bürgermeisterwahl zugleich ein Neuanfang. Am 30. März gewählt, trat Brüling sein Amt am 7. April an – „eine mehr als intensive Zeit.“ Der Wahlkampf sei von Fairness und Respekt geprägt gewesen. Dafür danke er ausdrücklich seinen Mitbewerbern Jan Martin Janssen und Rüdiger Schmidt. Gegenseitige Wertschätzung sei das Fundament für die gemeinsame Arbeit im Rat.
Zusammenarbeit in Politik und Verwaltung
Eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Rat und Verwaltung, so Brüling weiter, sei ein wesentlicher Baustein für die gute Entwicklung und die Zukunft Langeoogs. Im Gemeinderat gehe es um das Wohlergehen der Insel. Parteipolitische Debatten, weltanschauliche Unterschiede und Parteizugehörigkeiten sollten dabei in den Hintergrund treten: „Entscheidend ist, was Langeoog nützt.“ Für die am 13. September anstehende Kommunalwahl warb er für ein breites Kandidatenspektrum, um „ein möglichst gutes Abbild unserer Gesellschaft im Rat“ zu spiegeln.
„Sichtbar und unsichtbar“ seien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung im Einsatz. 2025 sei ein Jahr gewesen, in dem die Verwaltung zuverlässig, engagiert und lösungsorientiert gearbeitet habe: „Dafür sage ich heute ganz bewusst: Danke.“ 2026 wolle man das Personal durch gezielte Workshops und Schulungen weiterentwickeln: „Dienstleistung wollen wir sowohl gegenüber den Gästen als auch gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern weiter verbessern.“
Alltag auf Langeoog
Als „konkret und lebensnah“ beschrieb Onno Brüling den Alltag auf Langeoog. Eine funktionierende Infrastruktur trage entscheidend dazu bei, auf Langeoog ein lebenswertes Umfeld zu ermöglichen.
Intensiv sei 2025 das Thema Wohnen diskutiert worden: „Eine Insel bleibt nur dann lebendig, wenn Menschen aller Generationen hier Platz finden.“ Ein erster Schritt sei mit der Vergabe der ersten Wohnungen im Mietwohnungsbau in der Kirchstraße erfolgt. Das Projekt werde zum Sommer abgeschlossen. In diesem Thema bleibe auch die Dauerwohnraum-AG weiterhin aktiv und im engen Austausch mit der Inselgemeinde.
Auch die medizinische Versorgung verzeichne Fortschritte: Der seit Oktober 2024 vakante zweite Arztsitz sei wieder vergeben, und zwar an die Praxisgemeinschaft Langeoog um Dr. med. Gabriele Schmidt. „Das freut mich sehr, denn damit ist die allgemeine hausärztliche Versorgung besser abgesichert.“
Ein großes Privileg für die Langeooger Schülerinnen und Schüler sei die Inselschule mit kleinen Klassen, familiärem Umfeld und hervorragenden, wenn auch nicht perfekten Rahmenbedingungen. Trotzdem sei die Schule sehr aktiv – etwa im Schulgarten und bei der Schulhofgestaltung.
Kurz blickte der Bürgermeister auf die Kindertagesstätte, deren Trägerschaft Ende 2023 von der Gemeinde auf die AWO übergegangen war: „Die Kita wird durch die AWO sehr gut geführt, und die Übernahme ist gut gelungen.“ In diesem Zusammenhang dankte der Bürgermeister allen Beteiligten, die eine reibungslose Grundversorgung auf Langeoog gewährleisteten.
Der Fährverkehr …
war auch 2025 ein Thema: „Wetter, Wasserstände und betriebliche Rahmenbedingungen führen uns deutlich vor Augen, wie abhängig wir von natürlichen Gegebenheiten sind“, so Onno Brüling. Es freue ihn, dass 2025 zwei wichtige Prozesse abgeschlossen werden konnten: Zum einen die Inbetriebnahme der Anlegebrücken, was den Alltag für Fahrgäste wie für Mitarbeitende erleichtere. Zum anderen die Sicherung der Inselfracht, die weiterhin von den Langeooger Unternehmen Eckhardt und Janssen besorgt werde.
Aufgabe der Inselschiffahrt sei es, ihre Rentabilität zu steigern und die Flotte zukunftsfähig zu strukturieren. So brauche es etwa ein Konzept zur Erneuerung der sehr alten Frachtschiffe. Auch die Antriebe der Inselbahn würden überdacht.
Tourismus
Auch der Tourismus habe sich 2025 weiterentwickelt: „Viele Gäste haben bewusst Langeoog gewählt, weil sie Ruhe, Natur, Bewegung, aber auch unsere Echtheit suchen.“ Der TSL habe darauf reagiert – mit Digitalisierung, neuen Events und weiteren Neuerungen. Gleichzeitig war 2025 für viele Unternehmen kein leichtes Jahr – Stichwort Fachkräftemangel und steigende Kosten. „Umso höher ist der Einsatz zu bewerten, der täglich erbracht wird, oft weit über das Erwartbare hinaus.“
Ein besonderes Projekt war eine dreimonatige Aktion in Hamm im Schwimmbad „Maximare“, wo sich Langeoog erfolgreich präsentieren konnte. Als wichtigste Neuerung nannte der Bürgermeister das neue KWC, das bis Ostern 2026 in Betrieb gehen solle. Es biete dann „attraktive Räumlichkeiten, in denen wir unseren Gästen professionelle Dienstleistungen in einem angemessenen Ambiente anbieten können.“
Der gelernte Bankkaufmann Brüling nannte hierzu einige Eckdaten: Mit 1,56 Millionen Übernachtungen, 237.000 Gästen und 129.000 Tagesgästen sei die Entwicklung stabil. Auf weiteres Zahlenwerk verzichtete der Bürgermeister in seiner Ansprache. Stattdessen unterlegte er seine Ausführungen anschaulich mit einer Bildpräsentation. Zudem stellte er einen neuen Image-Kurzfilm des TSL vor, der die Urlaubsseiten der Insel aufblättert und auf der Langeoog-Website zu sehen ist.
Ehrenamt und Kultur
Dankbar blickte Brüling auf das 2025 geleistete Ehrenamt. Ob Feuerwehr, Seenotretter, Sport- und Kulturvereine, Service-Clubs oder stille Nachbarschaftshilfe: „Überall übernehmen Menschen Verantwortung, freiwillig, zuverlässig und oft ohne öffentliche Aufmerksamkeit.“ Dieses Engagement schaffe Sicherheit, Gemeinschaft und Vertrauen. Ehrenamt sei auf Langeoog tief verwurzelt. Er hoffe, dass „sich auch künftig immer wieder Menschen finden, die Verantwortung übernehmen, wenn andere nach langen Jahren verdient ausscheiden.“
2025 war ein Jahr mit vielen Momenten der Begegnung: traditionelle Feste, Veranstaltungen, Konzerte, Märkte und Aktionen. „Diese Ereignisse stiften Identität und zeigen, dass Langeoog eine lebendige Gemeinschaft ist.“ Für die Zukunft wünsche man sich das Dörpfest zurück und arbeite an seiner Wiederbelebung.
Umwelt, Natur und Verantwortung
Als Teil des Wattenmeerraums trage Langeoog eine besondere Verantwortung für Natur und Umwelt. Manche Entwicklung, so Brüling, mache indes ratlos, etwa die Querung von Kabeln durch die Ersatzsüßwasserlinse, um Offshore-Windparks anzubinden. Der Schriftwechsel nach dem Eilverfahren war ernüchternd: Ein „überragendes Interesse“ stehe nun über dem Schutz der Natur vor Ort und über dem Schutz einer potenziellen Trinkwasserquelle. Der Bürgermeister ermutigte die Langeooger, dennoch ihre Bedenken und Fragen zum Netzentwicklungsplan einzubringen: „Wir werden weiter für die Interessen unserer Insel kämpfen.“
Erfreulicher seien die Nachrichten zum Klimaschutzkonzept der Inselgemeinde. Es wurde vom Langeooger Klimamanager Thomas Hönscheid erarbeitet und bildet die Grundlage für eine weitere Förderung der Klimamanagementstelle. Lob erhielt auch das Fairtrade-Engagement, das Langeoog den Titel „Hauptstadt des fairen Handels 2025“ bescherte.
Blick nach vorn
Das neue Jahr werde neue Aufgaben bringen, die man „optimistisch und gemeinsam“ angehen wolle. Als ein Beispiel nannte Onno Brüling die Zukunft des HDI. „Das Thema wird uns auch 2026 beschäftigen.“ Von Belang sei auch die Neustrukturierung der Flotte. Dazu zähle der Verkauf der Langeoog I, ferner werde man die Idee einer Schnellfähre weiterverfolgen. Bis zur Wahl im September soll der Eingangsbereich zum Ratssaal neugestaltet und ein direkter, barrierefreier Zugang geschaffen werden. „Das ist ein wichtiger Schritt für mehr Teilhabe.“
Kinder und Jugendliche seien die Zukunft dieser Insel. Man müsse ihnen gute Rahmenbedingungen bieten: „Aus meiner Sicht verlassen derzeit zu viele junge Menschen die Insel aus Mangel an Perspektiven.“ Das wolle er ändern.
Der Bürgermeister versprach, weiterhin offen über alle Entwicklungen und Planungen zu informieren: „Transparenz soll das Fundament sein, auf dem das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in ihre Verwaltung ruht.“
Ehrung der Langeooger Seenotretter
Zum Ausklang bot der Neujahrsempfang das Forum für eine Würdigung: Mit der Silbernen Ehrennadel der Inselgemeinde Langeoog – in Form einer Urkunde im silbernen Rahmen – zeichnete Onno Brüling die Crew der Langeooger DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger) aus.
„Ihr Mut, ihre Entschlossenheit und ihr Einsatzwille sind ein leuchtendes Beispiel für Menschlichkeit und Zusammenhalt auf See. Dieser Dienst kennt keine Routine, keine Selbstverständlichkeit – er erfordert Können, Teamgeist und ein großes Herz“, betonte der Bürgermeister. Die Inselgemeinde verneige sich in Dankbarkeit vor allen Frauen und Männern der DGzRS: „Sie sind ein unverzichtbarer Teil unseres Lebens an der Küste, ein starkes Stück Gemeinsinn und gelebte Verantwortung.“
Die Ehrung sei Ausdruck gemeinsamer Anerkennung und „ein Zeichen dafür, wie wertvoll euer Engagement für uns alle ist. Die Seenotretter verdienen nicht nur Respekt, sondern auch unsere stetige Unterstützung.“ Eine namentliche Würdigung mit der Silbernen Nadel erhielten Vormann Sven Klette und Folkert „Finas“ Uhlenkamp für mehr als 30 Jahre ehrenamtlichen Dienst in der DGzRS.
Den musikalischen Rahmen ...
des Nachmittags lieferte wie gewohnt der Langeooger Shantychor „de Flinthörners“. Diesmal mit zwei Neuerungen: Zum einen präsentierte er sich erstmals öffentlich unter der neuen Leitung von Susanne Agena als Nachfolgerin der langjährigen Chorleiterin Elisabeth Peters (siehe Bericht auf Seite 66). Zum anderen wurden die vorgetragenen Stücke nicht auf dem Akkordeon, sondern am Konzertflügel begleitet – ungewöhnlich, aber eindrucksvoll. Wie der gesamte Neujahrsempfang.
-köp-
