Von Türmer zu Türmer

Jonny Vestering und Ulf Heyen über ihre Arbeit im Wasserturm

Der alte und der neue Türmer: Jonny Vestering und Ulf Heyen vor „ihrem“ Wasserturm (v.l.).

Fast die ganze Insel kann man von hier oben aus sehen: Nach Süden erstrecken sich Fähr- und Yachthafen, nach Osten wandert der Blick über Höhen und Tiefen der Dünen Richtung Pirolatal. Im Norden wartet das mal raue, mal friedliche Wattenmeer mit einer unendlichen Sicht in die Ferne auf, während nach Westen der Hauptstrand mit all seinen Attraktionen einladend seinen Teppich aus Sand ausbreitet. Und über all dies wacht der Wasserturm: unverkennbares Wahrzeichen von Langeoog und – neben dem Glockenturm der ev.-luth. Kirche – der höchste zugängliche Punkt der Insel.
Und so ein „Wachturm“, der braucht nun mal auch einen Wächter und da kommen wir zum Türmer oder besser den Türmern, denn Langeoog hat davon gleich zwei: Als ehemaliger Wächter des Wahrzeichens blickt Jonny Vestering auf 28 Jahre Tätigkeit im Wasserturm zurück, während Ulf Heyen das Amt im Juli 2024 übernahm und nun seine dritte Saison in den höchsten Höhen der Insel beginnt.

Prägende Erinnerungen

Von hier oben kann man den Blick weit schweifen lassen.

Der 88-jährige Jonny Vestering blickt etwas wehmütig, aber auch voller Freude zurück auf seine Zeit als Türmer: „Ich zehre heute noch davon“, erzählt er. „Es war eine sehr, sehr schöne Zeit.“ Vor allem die Menschen, die er am Wasserturm traf, berührten ihn, wie etwa Kindergruppen, die auch mal ein Ständchen für ihn dargeboten haben. Einmal kamen zwei Damen zu ihm, die über einen Podcast von Jonny Vestering und dem Wasserturm erfahren hatten. „Die haben gesagt: ‚Den Herren müssen wir begutachten, der das alles erzählt hat‘“, lacht Jonny Vestering.
Aber nicht nur der „Langeoog-Podcast“ interviewte ihn, auch die Presse und sogar TV-Teams waren oft zu Gast bei ihm am Wasserturm. „Es gibt hier einfach so viele spannende Dinge zu erfahren: über die Insel, das Meer, die Wasserlinse unter Langeoog …“, erklärt der ehemalige Türmer die Anzugskraft des Wasserturms.

Neue Wege

Doch vor zwei Jahren war es schließlich an der Zeit, die Schlüssel zu Langeoogs Wahrzeichen weiterzureichen. „Ich bin froh, dass Ulf in meine Fußstapfen tritt“, sagt Jonny Vestering und gibt seinem Nachfolger gleich noch ein paar Tipps mit auf den Weg: „Du muss immer Freude an den Gästen haben und ganz viel über die Insel erzählen – dann kann man mit dieser Aufgabe alt werden.“
Ulf Heyen ist dankbar für seine neue Position als Türmer: „Ich habe sehr viel Spaß mit den Gästen, genieße es aber auch, wenn ich mal allein im Turm bin, beim Saubermachen etwa.“ Der Kontakt zu Urlaubsgästen ist für den 65-jährigen Langeooger nichts Neues: 43 Jahre lang hat er am Inselbahnhof hinterm Fahrkartenschalter gesessen, das Gepäck verstaut oder den Gästebeitrag kassiert. Am 1. Juli 2024 ging er in den Ruhestand – nicht einmal einen Monat später, am 27. Juli, fand er sich im Wasserturm als der neue Türmer wieder. „Als die Gemeinde mich fragte, wann ich anfangen kann, habe ich einfach ‚Morgen‘ gesagt – und so kam es dann auch“, lacht er.
Und so hat Langeoog gleich zwei Türmer, die untrennbar mit dem Wasserturm verbunden sind. Denn auch Jonny Vestering schaut noch immer ab und zu bei „seinem“ Turm vorbei. Der Wasserturm steht hinter der Lale-Andersen-Statue am Beginn der Dünen am Westerpad. Er kann dienstags, donnerstags und samstags von jeweils 10.30 Uhr bis 11.30 besichtigt werden. „Ich schließe ihn aber oft schon früher auf und bin auch noch bis mittags da“, verrät Ulf Heyen und freut sich schon auf die nächsten Gäste.

Ulf Heyen erzählt in und um den Wasserturm Interessantes über die Insel.