Archiv der Kategorie: Veranstaltungen

Tourismus und Nationalsozialismus

Vortrag mit Prof. Dr. Jörg Echternkamp am 5. Juni im HDI

 „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die ­Zukunft gestalten“ heißt es im Infokasten des Heimatvereins vorm Seemannshus. Das vierte Foto auf der linken Seite zeigt das „Café Dünenschlößchen“. Anfang Juni werden zur Erinnerung an die Familie de Heer unterhalb des Langeooger Wasserturms Stolpersteine verlegt. Dort hatte die jüdische Familie das „Café Dünenschlößchen“ betrieben, bis sie 1938/39 in die Niederlande fliehen musste. Wenige Tage vor der Stolpersteinverlegung wird es auf der Insel die Vortragsveranstaltung „Volksgemeinschaft – Tourismus und Nationalsozialismus auf Langeoog“ des Heimatvereins Langeoog e. V. und der Inselgemeinde geben. Den Vortrag Anfang Juni im Haus der Insel (HDI) hält Prof. Dr. Jörg Echternkamp. Er arbeitet am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften (ZMSBw) in Potsdam und lehrt Neuere Geschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Der Historiker ist Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte der NS-Zeit und der ost- und westdeutschen Nachkriegsgeschichte im europäischen Zusammenhang.

Ausgrenzung und Verfolgung
Als Deutscher Teil der „Volksgemeinschaft“ zu sein: So lautete ein zentrales Versprechen der Nationalsozialisten. Auf der Ferieninsel Langeoog sollte diese Volksgemeinschaft erfahrbar werden. Tausende Jungen und Mädchen der Hitlerjugend nahmen an Zeltlagern im Pirolatal teil, während Gäste des „Kraft durch Freude“-Programms für ausgebuchte Pensionen und Erholungsheime sorgten. Die Dorfbewohner selbst erlebten das neue Regime als Mitglied der NS-Volkswohlfahrt, bei Veranstaltungen der NSDAP-Ortsgruppe oder auf feierlichen Umzügen, wo sie mit Gästen zusammentrafen. Auch symbolpolitisch ­bekräftigte die Gemeinde ihre Zugehörigkeit zu dem neuen Regime, indem sie Straßen umbenannte und Denkmäler errichtete.

Die Kehrseite der „Volksgemeinschaft“ war die Ausgrenzung und Verfolgung jener, die nach der rassistischen und antisemitischen NS-Ideologie nicht dazugehörten. Während sich die Zwangssterilisation gegen Insulaner richtete, zielte die antisemitische Hetze darauf, jüdische Gäste gar nicht erst aufzunehmen und zugezogene Konkurrenten loszuwerden. Die Verfolgung der als jüdisch gebrandmarkten Familie von Pieter und Margarethe de Heer führt das deutlich vor Augen. Während des Krieges zeigte sich die rassistische Politik im tödlichen Umgang mit sowjetischen Zwangsarbeitern, die den Ausbau der Insel zu einer Garnison vorantreiben sollten.

In seinem Vortrag nimmt Prof. Dr. Jörg Echternkamp die ostfriesische Insel unter die Lupe, um zu prüfen, wie tief Nationalsozialismus und Antisemitismus in die deutsche Gesellschaft eingedrungen waren. Mit Blick auf die Gegenwart verdeutlicht der Historiker, dass Teile der touristischen Tradition und des heutigen Markenkerns unter anderen Vorzeichen ihren Ursprung auf der Insel der „Volksgemeinschaft“ haben.

Der Vortrag ist am Mittwoch, 5. Juni um 20 Uhr im HDI zu hören. Karten sind für 10,- Euro in der Tourist-Information im HDI erhältlich. Die Stolpersteinverlegung für Familie de Heer wird am Samstag, 8. Juni um 15 Uhr vorgenommen

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Von „Shantyman“ bis „Meerjungfrau“

Bombastische Shantychor-Premiere: „de Flinthörners“ rissen ihr Publikum mit

Foto: Doreen RichterDreimal 13 bringt Glück: In seiner 39. Saison brachte der Langeooger Shantychor „de Flinthörners“ wieder ein mitreißendes Programm auf die Bühne. Zur Premiere am Montag, 18. März 2024 um 20 Uhr war ein erwartungsfrohes Publikum ins „Haus der Insel“ (HDI) geströmt, um im großen Saal die Seewasserbarden um Chorleiterin Elisabeth „Puppa“ Peters zu erleben. Es sollte nicht enttäuscht werden.

Nach Begrüßung durch „Flinthörners“-Chef Raimund Buss öffnete sich der Vorhang und lenkte den Blick auf das von Inselmaler Anselm gestaltete Bühnenbild, das den Langeooger Wasserturm zeigte. Mit der deutschen Fassung des Walfängerliedes „Old Maui“ stieg der Chor ins Geschehen ein. Zuvor hatte Solist Ralf Preuß mit dem Whaler Song „Blow ye winds in the morning“ für Gänsehaut gesorgt. Als weitere Stücke präsentierte er „North West Passage“, das kernige Trinklied „Down among the Dead Men“ und zum Konzertschluss den unverzichtbaren „Last Shanty“.

Die letzte Fahrt von „The bonnie ship ‚The Diamond‘ “ besang Gerrit Agena, desgleichen seine zwiespältige Zuneigung zur „Dirty old Town“ Salford sowie, im Forebitter „Fiddlers Green“, den Seefahrerhimmel. Im „Pirate Song“ und dem neuen Stück „On the Sea of Thieves“ lobte Torsten Meyer in den treffendsten Tönen gleich zweimal das Leben der Seeräuber. Deren Getränkeversorgung thematisierte er in „Was wollen wir trinken sieben Tage lang“, einem ursprünglich bretonischen Volkslied.

Klaus Kremer setzte mit „The Wild Goose Shanty“ einen alten „Flinti“-Klassiker neu in Szene. Im Halyard Shanty „Sam’s gone away“ beschrieb er die Karrierewunschleiter eines Seemanns vom Kriegsschiffmatrosen zum Flotten-Kommodore, während er im neuen Stück „Shantyman“ die moderne Seefahrt mit ihren „schwimmenden Computern“ aufs Korn nahm.

Auf die Spur des „Flinthörners“-Mitbegründers Els Sanders begab sich Peer Agena, der dessen Klassiker „Cock Robin“ und „Jeder Hafen hat’n Kai“ neu und überzeugend darbrachte. Im ­beseelten „Adieu to Maimuna“ nahm er schweren Herzens ­Abschied von seiner großen Liebe.

Durch das Programm führte Stephan Bohlen als neuer Modera­tor so souverän, als hätte er nie etwas anderes getan. Als Solist war er schon 2023 – wie auch jetzt – mit der lustigen „Meerjungfrau Story“ zu hören; außerdem brillierte er mit dem ­pädagogisch wertvollen „Hafenunterricht“.

Ihr glanzvolles Debüt als Solisten gaben Martin Willenberg mit der Frage „Can’t you dance the Polka“ und Mo Agha, der in seinem „Sturmlied“ von Seemann Jimmys reiner Liebe berichtete. In der Pause wussten die „Washhouse Company“ mit einem Folksong und die Langeooger Sängerin Katja Agena mit Jazz und mehr zu begeistern. – Bürgermeisterin Heike Horn brachte es auf den Punkt, als sie in ihrem Grußwort „eine bombastische Premiere“ lobte und sich „stolz auf den besonderen Chor“ zeigte.

„De Flinthörners“ treten der Saison alle 14 Tage montagabends auf. Die nächsten Termine: 29. April in der ev.-luth. Inselkirche, 13. Mai in der kath. Kirche St. Nikolaus und ab 27. Mai wieder im HDI. Los geht‘s jeweils um 20 Uhr, Eintrittskarten (10,– Euro) gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen und der Abendkasse; Onlinebuchungen über www.langeoog.de sind ebenfalls möglich. Viel Spaß im Konzert!

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Langeooger Vogelfrühling

Erkundungstouren im Mai mit Birte und Jan Weinbecker

Ein abendliches Erlebnis: die „Vogelbeobachtungstour zum Sonnenuntergang“. Alle Fotos: Jan WeinbeckerIm Frühjahr entfaltet sich in der Natur das Leben: Wenn Watt und Salzwiesen, Dünen und Wäldchen die Kinderstube der Tiere bilden, ist auch Langeoogs Vogelwelt besonders aktiv. Was es alles zu entdecken gibt, zeigt Birte Weinbecker auf ihren Erkundungstouren. Seit 15 Jahren bietet die diplomierte Umweltwissenschaftlerin und staatlich geprüfte Wattführerin ­zusammen mit ihrem Mann, dem früheren Langeooger Nationalpark-Wart Jan Weinbecker, verschiedene Vorträge und Ausflüge an.

Die abendliche „Vogelbeobachtungstour zum Sonnenuntergang“ führt direkt hinein ins gefiederte Leben: „Seltene Watvögel geben Hinweise auf versteckte Küken – und vielleicht können wir die ersten winzigen Kiebitze beobachten“, wirbt Birte Weinbecker für den etwa zweieinhalbstündigen Familien-Spaziergang. „Mit Glück entdecken wir auch Löffler und Schwarzkopfmöwen.“ Zum Abschluss winkt der Blick übers Flinthörn in den Sonnenuntergang. Startpunkt ist das Deichschart am Seedeich (beim Treff für Wattwanderungen); bitte Fahrrad mitbringen. Die Termine: Samstag. 4. Mai um 18.30 Uhr mit Birte Weinbecker, Pfingstmontag, 20. Mai um 19 Uhr mit Jan Weinbecker.

Speziell an Jüngere wendet sich die „Vogelbeobachtungstour für Kinder: Kiebitzküken und weitgereister Knutt“: Für 90 ­Minuten tauchen die Teilnehmer ein in das Langeooger Vogelgeschehen. „Beim Blick durchs große Fernrohr rücken die wilden Langeooger Vögel nah ran. Wir entdecken mit Glück die kleinen Kiebitzküken, wie sie die blühenden Weiden erkunden. Auch Zugvögel machen hier Rast, auf ihren sagenhaften Reisen von Afrika in die Arktis“, erklärt Birte Weinbecker. Treffpunkt der Beobachtungstour für Kinder ab vier Jahren mit ihren Eltern ist der Anlegeplatz des Seenotrettungsbootes am Langeooger Hafen. Die Termine: Sonntag, 5. Mai um 10 Uhr mit Birte Weinbecker, Dienstag, 21. Mai um 10 Uhr mit Jan Weinbecker. Diese Veranstaltung ist barrierefrei.

Wie war das doch gleich mit dem frühen Vogel, der den Wurm fängt? Das erfahren alle, die an der morgendlichen Exkursion „Langeoogs seltene Singvögel“ teilnehmen. Wem das Morgengrauen kein Grauen einflößt, der wird mit einem besonderen Erlebnis belohnt: „Zahlreiche Vögel singen in Langeoogs wilden Schilf- und Buschgebieten“, weiß Birte Weinbecker. „Mit etwas Glück entdecken wir auch das Schwarzkehlchen, die Nachtigall und den Feldschwirl.“

Der Termin: Sonntag, 26. Mai um 6 Uhr früh. Der Treff zur etwa zweistündigen Tour ist am Deichschart, dem Sammelpunkt für Wattwanderer; bitte ein Fahrrad mitbringen.

Dass nicht nur am, sondern auch im Watt etwas los ist, erfahren die Teilnehmer von „Einmal Wattwurm und zurück“: Der etwa 90-minütige, erlebnisreiche Spaziergang für Jung und Alt zu den kleinen Wundern des Wattenmeeres steckt voller Überraschungen. Mit den Überlebenskünstlern der Salzwiesen ist Birte Weinbecker ebenso vertraut wie mit der wimmelnden Tierwelt im Wattboden. Einblicke in die „schlickige Unterwelt“ ermöglicht eine vierzinkige Grabegabel, mit deren Hilfe Wattwurm und Co. behutsam ans Tageslicht befördert werden.

Die Termine: Samstag, 4. Mai um 15 Uhr und Sonntag, 26. Mai um 10 Uhr; Startpunkt ist jeweils das Deichschart am Seedeich, dem Treff für Wattwanderungen.
Kartenvorverkauf für alle genannten Exkursionen in der Tourist-Info im „Haus der Insel“ sowie auf www.langeoog.de. – Unterhaltsam und sachkundig vorgestellt werden die gefiederten Inselgäste darüber hinaus in Jan und Birte Weinbeckers Buch „Von Weltreisenden, Flugkünstlern und Rolling Stones – Langeooger Vögel im Portrait“ (ISBN 978-3-941163-20-1; Preis 18,– Euro). Erhältlich ist der Bildband im örtlichen Buchhandel.

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Aus heiterem Himmel

Stand-up-Comedy am 3. Juni mit Marco Brüser im HDI

Berufspilot, Comedian, Zauberer, Moderator, selbsternannter Hausmann des Jahres und ein netter Kerl – so beschreibt sich Marco Brüser selbst. Seit Kindertagen steht er auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“ und präsentiert innovativen Blödsinn, fingerfertige Tricks und schlagfertige Comedy. Er hat es faustdick hinterm Schlitzohr und berichtet kabarettistisch von seinen fliegerischen Erfahrungen aus dem Cockpit.

Schlagfertige Stand-up-Comedy über den faszinierenden Alltag der Fliegerei und Erlebtes aus 15 Jahren über den Wolken. Marco Brüser weiß, welche Luftfahrtklischees stimmen, wie man Flugangst besiegt und warum „Herr Fluggast“ die Sache mit dem Handgepäck einfach nicht begreifen will. Was als ­kleiner Junge mit dem Traum vom Fliegen begann, ist nun ein einzigartiges Pilotprojekt für jeden, der das Reisen liebt. Hoch hinaus, aber nicht abgehoben.

Am Montag, 3. Juni 2024 tritt Marco Brüser um 20 Uhr im Haus der Insel (HDI) auf. Karten gibt es für 18,– Euro (Erwachsene) bzw. 12,– Euro (Kinder sechs bis 15 Jahren) in der Tourist-Information im HDI und zzgl. 2,– Euro an der Abendkasse.

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Musik liegt in der Luft

Klarinette- und Klavier-Konzert am 26. Mai in der Inselkirche

Olga Persits, Kantorin der ev.-luth. Inselkirche, musiziert mit Eduard Don in der Langeooger Kirche. Sie spielt Klavier, er ­Klarinette und gemeinsam spielen sie Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Giuseppe Verdi, Astor Piazzolla und anderen Komponisten.

1981 in Moldavien geboren, besuchte Eduard Don schon als Sechsjähriger eine Spezialschule für Musik, Fachbereich Klarinette. In Israel, wohin er mit seiner Familie 1991 zog, setzte er seine musikalische Ausbildung fort und studierte an der Jerusalemer Musikakademie. Seit 2012 lebt er in Deutschland und tritt als Solist in der Laeiszhalle Hamburg, im Kieler Schloss, im Konzerthaus Die Glocke in Bremen oder auch im Gewandhaus in Leipzig mit dem Neuen Philharmonie Hamburg Orchestra auf. Zwei Konzertreisen mit dem Leipzig Orchester führten ihn 2015 und 2017 nach China. Europaweit spielt er als Kammermusiker mit verschiedenen Ensembles.

Am Sonntag, 26. Mai 2024 sind Eduard Don und Olga Persits um 20 Uhr in der Inselkirche zu hören. Karten sind am Konzerttag ab 19.15 Uhr für 12,– Euro an der Abendkasse erhältlich (Kinder bis 14 Jahren frei).

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Katja’s Cabaret

Konzertabend mit Langeoogerin Katja Agena am 30. Mai im HDI

Ein Kessel Buntes aus Chanson, Pop, Swing und ein bisschen Jazz erwartet Sie an diesem Konzertabend mit der Langeoogerin Katja Agena. Sie präsentiert zumeist bekannte, aber auch ein paar Überraschungsstücke auf Englisch, Französisch und Deutsch. Begleitet von ihrem Playback Orchestra singt sie Lieder von Ella Fitzgerald, Peggy Lee, Liza Minelli und Trude Herr – natürlich auch Lale Andersen – und kredenzt damit ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm.
Musik hat Katja Agena schon ihr Leben lang „mit im Gepäck“. Angefangen hat es im Schulchor am Niederrhein, wo sie aufwuchs. Später auf Langeoog entdeckte sie, über Kirchenchor und Gospelchor, erneut die Musik für sich. Gelegentliche Auftritte im damals eigenen Restaurant zeigten ihr, „wieviel Freude es macht, Menschen durch Musik zu berühren“, so die Sängerin. Gesangs- und Jazzgesangsworkshops folgten – und viele weitere Auftritte auf Langeoog zu unterschiedlichsten Anlässen, von der privaten Feier bis zum „Flinthörners“-Konzert. Im November 2018 ist ihre erste CD „Katja s(w)ingt!“ erschienen. Seit 2019 ist sie zudem Teil der Electroswing-Band „Kowalskys“. Mehr über sich verrät sie auf ihrer Website www.katja-singt.de im Internet.

Lassen Sie sich also am Donnerstag, 30. Mai in „Katja’s Cabaret“ entführen und von der ausdrucksstarken Stimme der Langeooger Sängerin bezaubern. Beginn im Haus der Insel (HDI) ist um 20 Uhr. Karten für 10,– Euro im Vorverkauf bei der Tourist-Info im HDI oder online erhältlich, Restkarten an der Abendkasse zzgl. 2,– Euro.

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Mit Akkordeon auf Weltreise

Konzert mit Akkordeonist Alexandre Bytchkov
am 12. Mai in der Inselkirche

Foto: Simon Zimbardo„Eine musikalische Weltreise mit Akkordeon“ – auf diese nimmt Alexandre Bytchkov seine Konzertbesucher in der Langeooger Inselkirche mit. Der bekannte Akkordeonvirtuose und Preisträger nationaler und internationaler Wettbewerbe (unter anderem zweifacher Deutscher Akkordeonmeister) präsentiert die breite Palette der Möglichkeiten des Akkordeons. Er spielt Werke von Johann Sebastian Bach, Domenico Scarlatti, Astor Piazzolla, Richard Galliano und weiterer Komponisten.

„Das Akkordeon-Repertoire reicht von Klassik bis Jazz und umfasst spezielle Musikgenres wie Musette, Tango und eine besondere Spalte – Akkordeonmusik. Ein Akkordeon kann ein ganzes Orchester ersetzen. Dazu sind sonst nur Klavier und Orgel in der Lage. Das Akkordeon vereint die Vorteile beider Instrumente“, erklärt Alexandre Bytchkov den besonderen Reiz des Instruments.

Der Musiker wurde in St. Petersburg, vormals Leningrad, geboren. Von 1971 bis1975 studierte er Akkordeon an der staatlichen Musikfachschule Leningrad und von 1975 bis 1979 an der staatlichen Hochschule für Kultur Leningrad. Seit 1996 lebt er in Mainz, wo er als Dozent am Peter-Cornelius-Konservatorium arbeitet.

Alexandre Bytchkov spielt am Sonntag, 12. Mai 2024 um 20 Uhr in der Inselkirche. Karten sind am Konzerttag ab 19.15 Uhr für 12,– Euro an der Abendkasse erhältlich (Kinder bis 14 Jahren frei).

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„Insulaner unner sück“

Großes Inseltreffen auf Langeoog

Das nennt man wohl ein perfektes Wochenende. Hier stimmte einfach alles: Vom 8. bis 10. März 2024 fand auf Langeoog das Inseltreffen „Die Sieben zum Verlieben – Insulaner unner sück“ statt. Regelmäßig vor Ostern treffen sich die Chöre, Tanz-, Musik- und Theatergruppen der sieben Ostfriesischen Inseln von Borkum bis Wangerooge reihum auf einem ihrer liebenswerten Eilande. Auf den großen Treffen feiern die künstlerisch Aktiven ihr Wiedersehen, tauschen Erfahrungen und Erlebnisse aus – und geben in einem öffentlichen „musischen Marathon“ Kostproben ihres Könnens.

Langeoog als diesjähriger Austragungsort hatte sich mächtig ins Zeug gelegt: Vereine und Institutionen, Gastronomie und Gewerbe, Inselgemeinde und Privatpersonen: Sie alle hatten es sich zur Herzensaufgabe gemacht, den gut 440 angereisten Insulanern umsichtige Gastgeber zu sein – von der Begrüßung am Hafen bis zum Abschiedsfrühstück im Bahnhof. Das Organisationsteam unter Federführung des Shantychors „de Flinthörners“ sorgte für einen reibungslosen Ablauf. Immerhin waren die Auftritte von über 30 Gruppen zu koordinieren.

Anreisetag
Freitag, 8. März war Anreisetag. Juist, Norderney und Baltrum reisten vormittags auf eigenem Kiel an, Borkum, Spiekeroog und Wangerooge folgten mittags mit der Langeoog-Fähre ab Bensersiel. Alle Inseln wurden herzlich in Empfang genommen, teils schon in Bensersiel, auf jeden Fall am Hafen und spätestens am Bahnhof. Dort wartete bereits jeder Langeooger Verein als Pate für eine Gastinsel, die er am Wochenende aufmerksam betreute.

Höhepunkt des Tages war die erste Abendveranstaltung im „Haus der Insel“. Im ausverkauften großen Saal des HDI präsentierten sich ab 19.30 Uhr die Gruppen von Baltrum, Spiekeroog und Wangerooge. Nach kurzer Einstimmung durch Raimund Buss und Klaus Kremer vom Orga-Team begrüßte Bürgermeisterin Heike Horn die Anwesenden. Sie erkannte im Insulanertreffen den „warmen Sonnenstrahl, der durch die Decke des Alltags bricht – alte Freundschaften werden erneuert, neue Bande geknüpft“ und lobte die vereinten Anstrengungen aller Organisatoren und helfenden Hände: „Das sind die Säulen, auf denen eine Inselgemeinschaft ruht.“

Ein besonderer Gruß ins Publikum ging an Hans Heyken und seine Frau Helga. Der Juister ist der Initiator von „Insulaner unner sück“. Vor bald 30 Jahren sprach er mit Vertretern der anderen Inseln über seine Idee, man griff den Gedanken auf, und so fand 1997 auf Juist das erste Treffen statt. Doch, so Hans Heyken, gehe es nicht um gegenseitiges Übertrumpfen: „Wenn jede Insel einfach ihr Bestes gibt, ist das mehr als genug.“

Und jede gab ihr Bestes. Etwa im Viertelstundentakt präsentierten die Gruppen Ausschnitte ihres weit gefächerten Repertoires. Alle Auftritte ausführlich zu beschreiben, würde den Rahmen sprengen. Den Auftakt machte Spiekeroog mit dem Orchesterprojekt der Hermann-Lietz-Schule und dem „Chörchen“. Ungewohntes Hörerlebnis war eine jazzige Version des Shantys „The Drunken Sailor“ für Frauenchor und Orchester.

Mit gleich sieben Gruppen trat die kleinste Insel Baltrum an: „Nippties“, „Linedance Sandy Boots“, „Springtied“, „Eiländer“, „De Fleitjes“ und Shantychor ließen ihre vielseitigen Auftritte mit Flöten, Folk und frechem Pop gemeinsam mit der Theatertruppe in einer Art Kurz-Musical rund um den „Drunken Sailor“ gipfeln – ein spektakuläres Finale. Wangerooge beschloss den Abend mit den rockig tanzenden „Lime Stompers“, der traditionellen Wangerooger Volkstanzgruppe und der Percussion Band „Wangoo Diptams“, die mit ihren elektrisierenden Rhythmen karibisches Flair schuf.

Durch das Programm führten, wie auch am Folgeabend, Gerrit Agena und Torsten Meyer. Die beiden „Flinthörners“-Mitglieder gaben zudem noch Infos zum Wochenendablauf. – Nach der Show wurde im Foyer des HDI fröhlich Party gemacht. Zunächst gab die Langeooger Band „Lazy Jack“ nach neunjähriger Pause ein kleines Revival-Konzert, dann übernahmen die Baltrumer „Eiländer“. Als das HDI nach Mitternacht schloss, wurde in der Langeooger Gastronomie, speziell im eigens dekorierten „In’t Dörp“, noch wacker weitergefeiert.

Am Samstag, 9. März …
konnten die Insulanergäste tagsüber Langeoog erkunden. Gelegenheit dazu bot ein Aktionsprogramm von Fahrradtour über Ortsführung und Kutschfahrt bis Museums- und Wasserturmbesuch sowie das „Wanderpokalschießen der Inseln“ auf dem Schießstand. „Die Radtour war ein voller Erfolg“, berichtet Gerrit Agena. Mit 30 Gästen ging es auf E-Bikes vom „Radakteur“ zur Meierei, wo Dagmar Falke und ihr Team alle mit Sanddorngrog, Kaffee oder Tee versorgten. Sowohl die Getränke als auch die E-Bikes für die Tour waren kostenlos.

Parallel wurde im Ort das Musikprogramm fortgesetzt. Ab 11 Uhr spielte im ausgeräumten Feuerwehrhaus der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Borkum, verstärkt durch Musiker von Baltrum, Juist und Norderney sowie den Borkumer Männerchor. Das Repertoire reichte von „Fluch der Karibik“ bis Queens „Bohemian Rhapsody“. Fetzige Dance-Moves legte danach die Jugendabteilung der Borkumer Trachtengruppe aufs Parkett. Songs wie „Peeping Tom“ und „bei mir biste scheen“ der Elektro Swing Band „Kowalskys“ mit der Langeooger Sängerin Katja Agena brachten das Publikum in Tanzlaune. Viel Applaus erhielt auch der Kurzauftritt der neuen TSV-Kindertanzgruppe „Wippsteertjes“.

Weiter ging es um 14 Uhr in der Inselkirche mit einem Gospelkonzert. Hier traten, teils auch gemeinsam, Wangerooges „Vocal Waves“, „Um Himmels Willen“ aus Borkum und der Langeooger Gospelchor auf. Langeoogs neue Pastorin Jeannette Schurig nahm die Gelegenheit wahr, sich vorzustellen. Beim Konzert kam moderne Technik zum Einsatz: Da die Kirche nicht viel Platz bot, wurden die Auftritte in die Inselschule gestreamt, um möglichst viele Menschen in den Genuss zu bringen.

Zudem empfahl sich die Schule als Café mit Tee, Kaffee und ­Kuchen. Und dem Livestream, der in der Aula und den Klassenzimmern gern geschaut wurde, folgten Liveauftritte der Schulband, des gemischten Schulchores und der „Wippsteertjes“.

Um 19.30 Uhr begann im HDI die zweite große Veranstaltung, diesmal mit den Inseln Norderney, Juist und Borkum. Fünf Gruppen brachte zum Auftakt Norderney auf die Bühne: „Neue ostfriesische Welle“, Bläserchor „Zehn im Watt“, der Förderkreis der Norderneyer Schulen, Swing-Trio „SeaStars“ und „Döntje Singers“ boten ein bunt gemischtes Programm aus schmissigen Songs inklusive „Star Wars“-Laserschwertkampf, Schwarzlicht-Tanz und Comedy-Show.

Juist war mit der versierten Volkstanzgruppe, dem klassischen Shantychor und den agilen „Crows in Line“-Tänzerinnen vertreten, außerdem nahm die Theatergruppe Antjemöh in ihrem Inselhotel-Sketch betriebliche Unzulänglichkeiten aufs Korn. Den fulminanten Ausklang bildete Borkum: Die Niederdeutsche Bühne inszenierte mit „Radio Dörnanner“ ein rasantes Hörspiel um eine verpatzte Rundfunksendung. Die Trachtengruppe von 1830 faszinierte mit teils akrobatischem Volkstanz und treffsicher setzte der Männerchor „Borkumer Jungs“ einen stimmgewaltigen Schlussakkord.

Kurz schloss sich der Vorhang, damit Doreen Richter vom Schießverein den Sieger des Pokalschießens küren konnte: Der Juister Olaf Hollwedel durfte den Wanderpokal in Empfang nehmen. Als der Vorhang wieder aufglitt, nahte der Höhepunkt des Abends: Bürgermeisterchor und Flaggenübergabe. Die sieben Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sangen eine umgetextete Version des wohlbekannten Shantys „The Drunken Sailor“ mit dem Refrain „Heyho, Insulaner halten fest zusammen“. Zu guter Letzt reichte das Langeooger Orga-Team die „Sieben zum Verlieben“-Flagge an den nächsten Gastgeber Wangerooge weiter. Dort findet vom 28. bis 30. März „Insulaner unner sück 2025“ statt. Selbstredend war nach dem Schluss noch lange nicht Schluss: Musikalisch begleitet von den „Borkumer Oldtimern“ und dem Duo „Strandgut“, setzte sich die Feier erst im HDI-Foyer fort, später im „Dörp“ und anderswo …

Am Sonntag, 10. März …
hieß es Abschied nehmen. Auf dem Güterboden des Inselbahnhofs stand ab 9 Uhr ein Frühstück mit belegten Brötchen, Kaffee und Kaltgetränken parat. Den musikalischen Frühschoppen bespielten Eva Funke und Herbert Burmester auf dem Akkordeon. Für die Abreisenden gab es für die teils recht lange Heimfahrt überdies Lunchpakete. Dafür hatte die Bäckerei Remmers Gebäck in Form des Wasserturms gestiftet.

Schnell füllte sich die Halle. Da die Tore weit geöffnet waren, hatten die Insulaner schon vor der Abfahrt das Gefühl, im Zug zu stehen. Um 10 Uhr fuhr die erste Inselbahn, kurz darauf die zweite. Während sich der Bahnhof langsam leerte, herrschte auf der Fähre noch munteres Treiben. „Das war wie Lego: Alle Bausteine passten zusammen“, fasste ein Borkumer das Wochenende anerkennend zusammen. Was will man mehr? Ach, den Termin für das nächste Langeooger „Insulaner unner sück“? Gern: Im Plan steht der 21. bis 23. März 2031. Bitte zeitig vormerken …

-köp-