Als Kurpastorin auf Langeoog

Bettina Reinefeld-Wiegel unterstützt vom 26. Mai bis 9. Juni 2024 für die Inselkirchengemeinde

Auf Langeoog werden die Kirchengemeinden von Kurpastorinnen und Kurpastoren unterstützt. Sie übernehmen für einige Wochen die Gestaltung von Gottesdiensten, halten Vorträge und führen Seelsorgegespräche. In der katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus gehören auch Taufen und Trauungen dazu, in der ev.-luth. Inselkirche nur in Ausnahmefällen.

Passionierte Teetrinkerin, begeisterte Kutschfahrerin und engagierte Kurpas­torin: Bettina Reinefeld-Wiegel aus Weimar. Foto: privatGeboren 1962 in Walsrode in der Lüneburger Heide, machte Bettina Reinefeld-Wiegel erst eine Ausbildung zur Redakteurin, bevor sie in Göttingen Theologie studierte. 1997 zog sie mit ihrer Familie nach Weimar. Dort war sie 15 Jahre Pastorin an der Herderkirche und für vier Dörfer in der Nähe von Weimar verantwortlich. Zu ihrem Dienst gehörte auch die Begleitung der Gehörlosengemeinde. Seit sechs Jahren arbeitet sie als Pastorin und Seelsorgerin in Gräfentonna, dem größten Gefängnis Thüringens. „Diese seelsorgerische Arbeit ist mir wichtig und erfüllt mich“, sagt die 61-Jährige. Bettina Reinefeld-Wiegel ist Mutter von vier Kindern. Mit ihrer Familie ist sie schon oft auf Langeoog gewesen. Als passionierte Teetrinkerin genießt sie die Teezeit auf der Insel: „Es ist eine wunderbare Auszeit am Tag. Allerdings kann man beim Tee auch sehr gut mit Familie, Freundinnen und Freunden und Gemeindegliedern ins Gespräch kommen.“

Welche Erwartungen, Hoffnungen und Wünsche haben Sie an Ihren Inselaufenthalt?
Wenn ich die zwei Wochen auf Langeoog verbringe, dann ist mir wichtig, Pastorin Schurig im Pfarramt zu unterstützen. Dabei geht es mir darum, Frauen, Kinder, Väter, Familien beim Aufenthalt auf der Insel zu begleiten. Die Leute machen Urlaub, eine Kur oder nehmen sich einfach eine Auszeit. Dabei kommen die unterschiedlichsten Gedanken in den Vordergrund, die Freude machen, die Sorgen, die Probleme, die Zweifel und auch die Glaubensgewissheit; alles möchte ich gerne mit den Gästen und Inselbewohnerinnen und -bewohnern teilen. Am Strand oder auch in der Kirche oder irgendwo unterwegs gibt es viele Gelegenheiten, um sich auszutauschen.

Per pedes, mit dem Rad oder der Kutsche – Langeoog ist eine autofreie Insel. Wie erleben Sie diese Art der Mobilität?
Mich befreit es, nicht ins Auto steigen zu müssen, um von zu Hause zur Arbeit zu fahren. Zurzeit fahre ich in der Regel mit dem Zug nach Gräfentonna. Das ist sehr abenteuerlich, weil die Bahn oft streikte oder es irgendwelche Hindernisse gab und der Zug nicht weiterfahren konnte. Deshalb finde ich es sehr befreiend, auf Langeoog zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu fahren, um das eine oder andere zu erledigen. Ich liebe Pferde und freue mich schon jetzt, in eine Kutsche einzusteigen und die Landschaft auf Langeoog zu bestaunen und zu genießen. Auch die sogenannten „Großeinkäufe“ sind nicht möglich – das tut gut, in Etappen nur das einzukaufen, was ich gerade benötige. In diesem Sinne freue ich mich auf die Zeit als Kurpastorin.

Was können wir aus ihrer Sicht vom Leben auf einer Insel lernen?
Ich kann mir vorstellen, dass es mir auf der Insel noch leichter als sonst in meinem Alltag gelingt, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Es gibt dieses wunderbare Gebet: Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Amen. Ich glaube, dass es mir auf Langeoog leichter fällt, das Notwendige und Wichtige besser in den Blick zu bekommen.

-jeg-