Archiv der Kategorie: Inselgeschichten

Danke für 40 Jahre „de Utkieker“

Lesegenuss für Insulaner und Gäste gleichermaßen – das ist seit jeher das Ziel des „de Utkieker“. Im Juni 1982 kam die Informationsbroschur für Langeoog zum ersten Mal heraus. Anfangs noch ein reines Veranstaltungsmagazin, sind es im Laufe der Zeit immer mehr Geschichten von und für Insel-Menschen geworden, die sich mit Informationen rund um Langeoog und Veranstaltungshinweisen abwechseln. Das ist ein Grund zu feiern und Danke zu sagen. Unser „Utkieker“ wäre ohne unsere zum Teil langjährigen Inserenten nicht möglich. Wir danken auch der Inselgemeinde und ihrem Team des Tourismus-Service für Veranstaltungstipps, Hinweise und die Bereitstellung zahlreicher Informationen. Vereine, Institutionen und Privatpersonen sorgen mit redaktionellen Beiträgen und Anregungen zu Insel-Geschichten für Aktualität, Unterhaltung und Einblicke. Nicht zu vergessen: Unsere Abonnenten. Bundesweit verschicken wir seit 1988 den „Utkieker“ an hunderte überzeugte Langeoog-Fans. Unser Dank gebührt auch den Austrägern auf Langeoog: Sie übernehmen die Verteilung der Informationsbroschur, die kostenfrei an alle Haushalte ausgegeben wird. Im Jubiläumsjahr werden Sie immer mal wieder unterhaltsame Insel-Geschichten zu lesen bekommen, die sich mit den vergangenen Jahrzehnten beschäftigen. Fotografien gehören natürlich auch dazu. Zum Sommer startet daher unser Jubi- läums-Fotowettbewerb! Einzelheiten hierzu werden Sie in der Juni-Ausgabe finden. Wir wünschen Ihnen gute Unterhaltung mit unserem aktuellen „Utkieker“ und ein herzliches Dankeschön für 40 abwechslungsreiche Jahre!

Ihr Team vom Druck- und Verlagshaus Enno Söker

Percy, Chica und die Flaschenpost

Im Urlaub fand Sabine Brockhöft eine Flaschenpost 
mit einer anrührenden Hundegeschichte 
Es war kurz nach dem Sturmtief „Nadia“ Anfang des Jahres, als Sabine Brockhöft den Flaschenhals in einem „Nest aus Strandhafer“ herausragen sah. „Mhm, gehste mal hin, ist bestimmt ne Flaschenpost“, dachte sie mehr, anstatt es zu glauben. „Und dann habe ich tatsächlich ein Foto darin gesehen!“, freut sich die 56-Jährige noch heute.
Sabine Brockhöft verbrachte ihren Urlaub gemeinsam mit ihrem Hund Percy auf der Insel. Auf Langeoog war sie zum ersten Mal nach ihrem Abitur. Bis auf das vergangene Jahr fährt sie seit 2019 einmal im Jahr im Winter allein auf die Insel. Ende Januar fand sie die Flaschenpost in der Nähe des Strandübergangs Seekrug.
Auf dem Foto ist die Hündin Chica zu sehen. „Sie starb, bevor ihr Mensch ihr das Meer zeigen konnte. Da er wohl immer seine Versprechen hielt, hat er ein Foto von Chica mit einem Text hintendrauf in eine schöne Flasche gesteckt, damit sie noch was vom Meer sehen kann. Wer Chica findet, soll ihr nach Hause helfen – drum steht die Adresse dabei“, beschreibt die Hundeliebhaberin den Inhalt der Flaschenpost.
Von Wangerooge nach Langeoog
Der Text ist im Namen der verstorbenen Hündin geschrieben. Nachdem Sabine Brockhöft die Zeilen gelesen hatte, musste sie sich erst einmal beruhigen und sammeln: „Es war so liebevoll gemacht.“ Ihren eigenen Hund hat die Münsteranerin über die Hundepfoten Steinfurt, einer Vermittlungshilfe für Hunde in Not, bekommen – „Percy war in Ungarn bereits in der Tötungsstation.“ Daher habe die Geschichte sie sehr gerührt. Noch während ihrer Zeit auf der Insel schrieb sie an die angegebene Adresse – im Namen von Percy. Die Antwort aus Eppstein im Taunus ließ nicht lange auf sich warten.
Sascha und Angela Kammler hatten die Flasche auf der Rückfahrt von Wangerooge vom Schiff aus auf die Reise geschickt. Ende Juli 2021 hatten sie ihre Flitterwochen auf der Insel verbracht. Während dieser Zeit hatten sie die Flaschenpost bei jedem Ausflug dabei, am Strand und in den Wellen, denn Chica liebte das Wasser und wäre gerne einmal in ihrem Leben selbst durch die Wellen gesprungen, lautete die Antwort. Seitdem seien sie lose in Kontakt, erzählt Sabine Brockhöft, für die der Fund ihren Langoog-Urlaub besonders gemacht hat. -jeg-

Inselschule setzt Zeichen gegen Diskriminierung

„Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage“ –
Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber überreicht Zertifikat an Inselschule
Ein kleines Fest zum großen Anlass: Am 22. Dezember 2021 erhielt die Inselschule die Zertifizierung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Verliehen wurde die Auszeichnung von dem gleichnamigen bundesweiten Netzwerk. Projektpate war kein Geringerer als Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber. Der Journalist und Autor war aus Hamburg angereist, um das Zertifikat persönlich zu überreichen.

Abwechslungsreicher Rundgang
Für den Ehrengast hatte die Inselschule ein kleines Programm vorbereitet. Nach einer Gesprächsrunde in der Aula mit Schülern der Klassen 9 und 10 zum Thema Rassismus lernte Constantin Schreiber auf einer Führung durch die Schule alle Klassen kennen; diese konnten den Rundgang über ihre White­boards verfolgen.
Alle Klassen hatten etwas vorbereitet. So führte die 4. Klasse ein selbst geschriebenes Theaterstück über ein Flüchtlingskind auf. In Klasse 1 übersetzte Constantin Schreiber, der längere Zeit in Syrien gelebt hat, die Weihnachtsgeschichte spontan ins Arabische. Zwei Klassen hatten je ein Quiz präpariert, denen sich der Moderator erfolgreich stellte, andere zeigten Powerpoint- oder Videopräsentationen. Anschließend erfolgte in der Aula der Festakt zur Zertifizierung.

„Das sind wir, dafür stehen wir!“ – Ansprachen
In ihrer Begrüßung der Anwesenden betonte Schulleiterin Christine Deuter, dass der Leitsatz „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ kein leerer Satz sei, sondern von der ­Inselschule täglich gelebt werde: „Das sind wir, dafür stehen wir!“ So gehe das Projekt auch auf eine Initiative der Schülervertretung zurück und werde von der Schülerschaft stark ­unterstützt. Zudem gebe es einmal im Jahr ein Projekt zum Thema Courage.
Die beiden Schülersprecher Geske Bents und Kai Wettstein warfen in ihrer Ansprache einen kurzen Blick auf die Vorbereitung des Projektes, das von 97 Prozent der Schülerschaft bestätigt worden war. Möglich wurde das Vorhaben nur, „weil jede Klasse ihren Teil zum Gelingen beigetragen hat.“ Vor allem die höheren Klassen hätten an der Vorbereitung mitgewirkt. Besonders stolz sei man darauf, Constantin Schreiber als Paten gewonnen zu haben.
Auch Bürgermeisterin Heike Horn lobte in ihrem Grußwort das besondere Engagement, das über die Inselschule hinausweise. Diese könne stolz darauf sein, dass so viele Schulmitglieder hinter dem Projekt stünden: „Ein starkes Zeichen für Langeoog.“ Nun sei der Weg bereitet für weitere Projekte. Die Inselgemeinde werde diese Arbeit gern unterstützen.
Aus Oldenburg zugeschaltet war die Landeskoordinatorin des Netzwerks, Constanze Schnepf, die ihre Grußbotschaft per Live-Video schickte. „Gerade für eine kleine Schule, in der Ihr ja sehr vertraut miteinander umgeht, ist es wichtig, dass Ihr Euch gegen jede Art der Diskriminierung einsetzt“, mahnte Schnepf einen sensiblen Umgang miteinander an.
Die Projektleiterinnen Petra Ahrenholz und Kirsten Rottmann, Klassenlehrerinnen der Klassen 5 und 9, beleuchteten in einem gespielten Dialog die Hintergründe und Visionen des Projektes. Die Förderung von Toleranz, Teamgeist, gegenseitige Anerkennung und Empathie seien wesentliche Ziele der Inselschule, an der immerhin 16 verschiedene Nationalitäten versammelt seien. Eindrucksvoll sei, wie freundlich alle neuen Schülerinnen und Schüler aufgenommen und integriert würden.
Constantin Schreiber: „Komme gern wieder!“
„Als ich gefragt wurde, habe ich sofort zugesagt“, berichtete Constantin Schreiber, für den es die erste Patenschaft ist, in ­seiner Rede. Denn aufgewachsen in Wilhelmshaven, habe er einen Bezug zur Region. Zum anderen habe ihn bewegt, dass die Anfrage von einer Insel gekommen sei. Als Journalist sage er oft, wie wichtig es sei, nicht nur in die Großstädte, sondern auch aufs Land zu schauen.
Die Patenschaft bereue er nicht: „Ich war überrascht, wieviel die Schule auf die Beine gestellt hat, und mit welcher Ideenkraft die Klassen alles vorbereitet haben.“ Er freue sich unglaublich und sei beeindruckt vom Engagement der Schülerschaft, die mit überwältigender Mehrheit hinter dem Projekt stehe: „Ich komme gern wieder, wenn ich darf.“
Constantin Schreiber dankte auch für die fürsorgliche Betreuung durch die Inselschule. Die Schülersprecher hatten ihn tags zuvor vom Bahnhof zum Hotel und morgens vom Hotel zur Schule geleitet.
In einem feierlichen Akt …
wurden anschließend Urkunde und Plakette überreicht. Zugegen waren auch Wiebke Freye von der Elternvertretung und Jördis Recker vom Förderverein der Inselschule, der die Plakette gestiftet hatte. Als Geschenk an den Paten übergab die Inselschule ein umfangreiches Album mit Fotos von allen Klassen und ihren Aktivitäten.
Den Abschluss des Programms bildete draußen auf dem Schulhof eine Darbietung des eigens gegründeten Projektchores „Langeooger Regenbogenchor“. In nur kurzer Probenzeit studierten die Schülerinnen und Schüler unter Leitung von Katja Agena zwei Lieder ein: „We are the World“ von U.S.A. for Africa und „Happy Xmas (War is over)“ von John Lennon und Yoko Ono. Ein starker Auftritt, der mit viel Applaus bedacht wurde. Geplant sei, so Katja Agena, den Chor weiterzuführen.
Der Dank der Inselschule geht an die Langeooger Unternehmen Eckhardt und Buddelei, die Bühnenwagen und Chorkleidung gestellt haben sowie Fotograf Deff Westerkamp, der sich ehrenamtlich um das Fotoalbum verdient gemacht hat. -köp-
„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

Das Netzwerk
Träger von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist der vor 20 Jahren gegründete Verein Aktion Courage e.V.; 1995 rief er das bundesweite Netzwerk ins Leben. Inzwischen gehören ihm über 3.000 Schulen an.
Ausführliche Informationen zum Netzwerk sind auf www.schule-ohne-rassismus.org im ­Internet zu finden.
Text der Urkunde
„Die Inselschule Langeoog erhält den Titel ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘. Mit Eurer Zustimmung setzt Ihr ein Zeichen gegen alle Formen von Diskriminierung und Rassismus für ein gewaltfreies und respektvolles Miteinander, das über Eure Schule hinaus in die Stadt Langeoog hineinwirkt. Ihr seid mit Eurem Engagement ein Vorbild für andere Schülerinnen und Schüler.“ -ut-

„Segeln ist so tief im Kopf drinnen“

Die Leistungssportlerinnen Finja und Geske Bents im „Strandkorb“-Interview 
Die 16-jährigen Zwillinge Finja und Geske Bents sind passionierte Seglerinnen. Der Sport wurde den beiden Langeoogerinnen in die Wiege gelegt: Gemeinsam mit ihren Eltern Gerdine (Sozialpädagogin an der Inselschule Langeoog) und Helge Bents (Bootsbaumeister mit eigener Werkstatt auf der Insel) segeln sie seit ihrer Kindheit. Inzwischen nehmen sie auch an Regatten teil. Finjas und Geskes Mutter war beim Gespräch über Segeln und Leben auf der Insel dabei.

Wie seid Ihr zum Segeln gekommen? 
Geske: Mit zehn Tagen waren wir zum ersten Mal an Bord. Unsere Eltern segeln ja auch.
Finja: Und als wir so sechs, sieben Jahre alt waren, hat Papa für jede von uns einen Opti aus Holz gebaut (Anm.d.Red.: Die Optimisten-Jolle ist eine kleine und leichte Bootsklasse für Kinder und Jugendliche. Sie dient neben Freizeitzwecken als Einstiegsklasse für den Regattasport). Meins heißt Kröte …
Geske: … und meins Sprotte.
Gerdine Bents: So haben wir sie als Kinder immer genannt; daher die Namen.
Finja: Im Langeooger Verein sind wir die einzigen Jugendlichen und bekommen viel Unterstützung. Zum Beispiel haben wir einen Spinnaker zum Trainieren bekommen (Anm.d.Red: Der Spinnaker ist ein besonders großes, sehr leichtes und bauchig
geschnittenes Vorsegel).

Was ist für Euch der Reiz am Segeln? 
Finja: Durch unsere Eltern haben wir von Anfang an die Begeisterung fürs Segeln vorgelebt bekommen. Segeln ist so tief im Kopf drinnen. Ich finde es toll, auf dem Wasser zu sein, mit Leuten in unserem Alter Zeit zu verbringen und der Ehrgeiz packt einen auch.
Geske: Ich finde es auch cool, mit ganz vielen anderen Jugendlichen zusammen zu sein. Wir trainieren einmal im Monat in einem Speicherbecken in Geeste (Anm.d.Red.: Es handelt sich um einen künstlich angelegten See, der als Kühlwasserbecken für das Kernkraftwerk im Emsland erbaut wurde. Naherholungsgebiet für verschiedene Wassersportmöglichkeiten.) gemeinsam mit anderen Jugendlichen im „Sailing Team Weser-Ems“ im Perspektivkader (Anm.d.Red.: Der Deutsche Segler-Verband (DSV) teilt Leistungssportler in unterschiedliche Kader ein.).

Seit wann nehmt Ihr an Regatten teil? 
Geske: Seit 2018. In Travemünde haben wir 2019 bei den Deutschen Meisterschaften mitgemacht. Insgesamt sind wir bisher 25 Regatten gefahren. Letztes Jahr haben wir an 13 teilgenommen.
Finja: Wir sind dann viel unterwegs. Letztes Jahr waren es sechs Wochenenden am Stück. Mama und Papa begleiten uns, wir schlafen im Auto.
Gerdine Bents: Wir haben einen Caddy mit Dachzelt. Daher geht das.
Finja: Durch unsere Eltern bekommen wir viel Unterstützung, denn Segeln, so wie wir es machen, ist viel Aufwand.
Geske: Im März fängt es langsam an und im Mai geht es richtig los. Im November sind die letzten Regatten. Dann ist Winterpause und wir trainieren viel Ausdauer und Kraft; gehen joggen, strandsegeln, machen Krafttraining. All das fünfmal die Woche. Theorie gehört auch dazu, wir skypen dann mit unserem Trainer einmal die Woche. In den Winterferien gehen wir auch Ski fahren.
Segelt Ihr als Team?
Geske: 2019, bei den Deutschen Meisterschaften. Aber unser Boot heißt nicht umsonst „Drama Twins“ – wir haben uns nur gestritten…
Gerdine Bents: Sie waren aber auch immer zusammen. Zuhause, in der Schule. Das war einfach zu viel Enge.
Finja: Wir sind beide gerne in der Position der Vorschoterin (Anm.d.Red.: Vorderfrau im Segelboot. Im Gegensatz zur Hinterfrau, sie steuert das Boot, setzt, bedient und birgt das Vorsegel und den Spinnaker) und haben seit fast zwei Jahren jede eine andere Partnerin am Steuer. Das klappt super.
Wie habt Ihr die Corona-Zeit auf der Insel erlebt? 
Geske: Der erste Lockdown war noch ganz schön. Wir konnten richtig lange strandsegeln, weil der Strand so lange menschenleer war. Aber es war schon auch langweilig. Wir sind oft spazieren gegangen, weil sonst nichts ging.
Finja: Wir hatten aber auch Glück: Ostern 2020 konnten wir schon wieder segeln. Geske und ich bekamen eine Ausnahmegenehmigung vom Landkreis Wittmund, weil wir ja eine Familie sind. Das war gut.
Dieses Jahr macht Ihr Euren Realschulabschluss. Was habt Ihr danach vor?
Finja: Im August haben wir noch eine Regatta in Kiel. Dann gehen wir beide für fünf Monate ins Ausland. Aber nicht zusammen. Ich gehe in die USA nach Oklahoma.
Geske: Und ich im September nach Kanada. Wir gehen dort weiterhin zur Schule und die Zeit wird uns angerechnet. Wenn wir zurückkommen, werden wir beide ins Internat, ins NIGE (Anm.d.Red.: Niedersächsisches Internatsgymnasium Esens) gehen.
Habt Ihr ein Lebensmotto? 
Geske: Das Beste aus den Sachen machen. Ehrgeizig an die   Sachen gehen.
Finja: Ja. So ist es auch bei mir.
Was würdet Ihr Euch für Langeoog wünschen? 
Geske: Dass mehr für Jugendliche gemacht wird. Mehr für Kinder. Das Freizeitangebot könnte ausgebaut werden. Im Winter ist gar nix los. Außer Strandsegeln kann man nix machen. Ich würde mir wünschen, dass wir jungen Menschen mehr beachtet werden. Wir sind doch auch die Zukunft der Insel!
Finja: Wir Jungen sollten gefragt werden, mehr einbezogen werden, damit wir mitbestimmen können.
Was bedeutet Euch Langeoog? 
Finja: Wir sind sicher und behütet aufgewachsen. Mit vier konnten wir schon allein zum Kindergarten gehen. Ohne Autos aufzuwachsen, ist manchmal nervig, aber dass die Luft nicht nach Abgasen riecht, ist toll.
Geske: Wenn ich an Zuhause denke, muss ich an Langeoog denken.
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Euch, Finja und Geske. -jeg-

Wenn die Flagge weht …

Heimatmuseum „Seemannshus“ am Caspar-Döring-Pad 
ab April geöffnet – Wiedersehen nach 60 Jahren
Es lohnt sich dieser Tage im Casper-Döring-Pad nachzu-schauen, ob vorm Seemannshus die Flagge weht, denn sie bedeutet: Das Heimatmuseum hat wieder auf!
„Das Seemannshus wird ab Samstag, 2. April wieder geöffnet sein“, berichtet Erhard Nötzel, 1. Vorsitzender des Heimatvereins Langeoog e.V., der das Museum betreut. Gerade im Frühjahr locken nicht nur die Ausstellungen im Museum, sondern auch der Garten des Hauses, speziell zur Zeit der Birnenblüte. Von April bis Mai, je nach Witterung, steht der Birnbaum im     Innenhof in weißer Blütenpracht.
Ein weiterer Grund für das Wehen der Flagge sind Trauungen im Seemannshus. Denn dessen romantische Friesenstube gilt als beliebte „Eheschmiede“ für Brautpaare aus aller Welt. Und viele von ihnen hinterlassen eine dauerhafte Spur auf Langeoog: ihren „Hochzeitsstein“. Diese Klinker mit eingravierten Initialen und Datum bilden den beliebten „Hochzeitspfad“ im Seemannshus-Garten und rund ums Haus – ein ganzjähriger Hingucker.
Nach 60 Jahren das Seemannshus wieder besucht
Von einer ganz besonderen Begegnung, die sich Ende 2021 im Heimatmuseum ereignete, berichtet Erhard Nötzel: „1961 kam Manfred Hammes als Kind mit seinen Eltern nach Langeoog.“ Die Familie aus dem Schwarzwald wohnte damals bei Anni Seemann, die das „Haus Seemann“ mit zehn Gästebetten betrieb. „Und jetzt schaute Manfred wieder aus ‚seinem‘ Zimmer heraus – 60 Jahre später im Seemannshus.“ Da war selbstverständlich eine ausgiebige Extra-Führung durch die Räume des Hauses fällig. -köp/ut-

„Die Jagd soll nachhaltigen Nutzen bringen“

Mehrmals im Jahr organisiert die Langeooger Jagdgesellschaft eine Treibjagd zur Hege des Wildbestandes auf der Insel 
Durch Felder und Salzwiesen, die Dünen hoch und runter – ihr „Revier ist ein Biotop; etwas Besonderes, allein schon, weil es auf einer Insel ist“, sagt Andreas Stolle, stellvertretender Vorsitzender der Jägerschaft Wittmund und Hegeringleiter für Langeoog. Für viele Jagdgäste sei es beeindruckend „nicht mit aller Gewalt Wild auszumachen und zu strecken, sondern die Natur als solche zu erleben.“
Sie laufen zwischen 14 und 15 Kilometer an einem Tag, legen bis zu 20.000 Schritte zurück. Die bejagbare Fläche ist circa 1.600 Hektar groß. In diesem November haben sich rund 30 Männer und Frauen zu den insgesamt vier Treibjagden zur Jagd auf Langeoog getroffen. Mitte des Monats fanden die Treibjagden von der Katastrophenstraße ausgehend bis zum Ostende auf den Hellerwiesen und vom Ostende bis zur Jagdhütte in den Dünen statt. Zwei Wochen später durchs Flinthörn, vom Hafen bis an die Willrath-Dreesen-Straße und vom Pirolaweg bis zum Vogelwärterhaus. Morgens um halb neun ging es los, eingepackt in orangerot leuchtende Warnwesten, Jacken, Mützen und Käppis.

Ablauf der Treibjagd 
Im Vorfeld einer jeden Treibjagd gibt es eine Menge zu organisieren: Beim Ordnungsamt, der Nationalparkverwaltung und auch bei der Polizei werden die Treibjagden angemeldet. In diesem Jahr kamen die Corona-Maßnahmen hinzu. Fanden die ersten beiden Jagden noch unter 3G statt, galt beim letzten Termin zwei Wochen später freiwillig 2G+. Durch die Inselgemeinde werden alle Insulaner und Gäste aufgerufen, ihre Hunde vorsichtshalber an der Leine zu führen oder im Haus zu lassen; auch Katzen sollten an den Tagen der Treibjagd im Haus bleiben.
Die Jäger und ihre Hunde sind den ganzen Tag unterwegs. „Jagd ohne Hund ist Schund“, nutzt Andreas Stolle eine für Jäger gängige Redewendung. 13 Hunde hatten sie dabei. „Sie suchen das Wild, das, wenn es geschossen wurde, nicht sichtig ist und im Gebüsch, Wasser oder Gras liegt. Die Hunde wittern es und sind für das Apportieren ausgebildet.“
In der Regel wird in der Zeit von drei Stunden vor bis drei Stunden nach Niedrigwasser gejagt. „In dieser Zeit haben die Zugvögel die Möglichkeit ins Wattenmeer auszuweichen, dort wird nicht gejagt“, erklärt der Jäger. Nach jedem Treiben und einmal am Tagesende werde „die Strecke gelegt“, sagt Andreas Stolle. Das Nebeneinanderlegen der Tiere habe eine Struktur, eine Ordnung gemäß dem jagdlichen Brauchtum. „Die Wertigkeit ist aber grundsätzlich für alle Wildarten immer gleich.“ Wenn die Jagd vorbei ist, kommen die Jagdhornbläser, die für jede Wildart das Totsignal anstimmen – dem erlegten Wild wird die letzte Ehre erwiesen. Mit dem Signal „Jagd vorbei und Halali“ wird der Jagdtag dann beendet. Bis halb drei am Nachmittag haben sie gejagt, anschließend das Wild versorgt: abgebalgt, ausgeweidet, ausgespült und zum Trocknen aufgehängt. „Wir sind den ganzen Tag unterwegs und abends alle kaputt. Man merkt es an den Hunden und an den Jägern – am Ende des zweiten Tages sind sie platt“, so der Hegeringleiter.

Vereinsarbeit 
Trotzdem werde sich zum gemeinsamen Abendessen getroffen: „Geselligkeit gehört dazu, wie bei jedem anderen Verein auch“, sagt der 49-Jährige. Auf Langeoog hat die Jagd Tradition: Im März 1883 sei sie erstmals verpachtet worden, an Carl-Friedrich Eucken vom Wilhelminenhof bei Dornum, erzählt Andreas Stolle. Andere Jagdpächter seien erst in den 1920er-Jahren hinzugekommen. Der Beginn der Langeooger Jagdgesellschaft. Wagner, Flörke, Albers, Dr. Dreesen, Wissmann und Falke seien alte Namen, Generationsweitergabe der Jagd sei üblich gewesen und werde heute immer noch gerne gesehen.
Die Jagdverbände sind in mehrere Organisationseinheiten aufgeteilt: Hegering ist die kleinste Einheit der Jagdverbände. So ist der Hegering Langeoog der Jägerschaft Wittmund untergeordnet, die wiederum der Landesjägerschaft Niedersachsen und diese dem Deutschen Jagdverband. Andreas Stolle betont, dass es ihm wichtig sei zu informieren. Von der Jägerschaft gebe es ein Infomobil, mit dem sie Menschen die Aufgaben der Jagd näherbringen. „Kritik gibt es. Wir suchen aber ganz bewusst das Gespräch und sprechen die Menschen an und zeigen uns nicht als verschlossene Gruppe.“ Nachwuchsschwierigkeiten haben sie keine. Auf Langeoog seien in den letzten Jahren drei Jungjäger hinzugekommen; ansonsten sei die Mehrheit der Jäger zwischen Ende 30 und Mitte 50. Inzwischen gebe es auch immer mehr Jägerinnen, sagt Andreas Stolle.
Bei der letzten Treibjagd waren zwei Treiberinnen ohne Waffen und zwei Jägerinnen dabei. Alle zwei Jahre biete der Landkreis einen Jägerkurs an: Ein Viertel der Teilnehmer seien Frauen. Im Vergleich zu früher, einer damals relativ starken Männerdomäne, sei das viel. So hat die Jägerschaft Wittmund aktuell 690 Mitglieder, davon 70 Frauen. Auf Langeoog ist es eine Frau bei insgesamt 17 Mitgliedern.

Nachhaltigkeit der Jagd 
Der Aufwand und die Intensität der Jagd nehme insgesamt zu. So gebe es etwa am Festland immer mehr Rot- und Schwarzwild. Wichtig sei es, die Bestände kurz zu halten, damit alles verträglich und in einem ausgewogenen Verhältnis bleibe, sagt Andreas Stolle. Auf Langeoog werden jährlich um die 30 Rehe, meist in den frühen Morgen- oder Abendstunden der Sommermonate, erlegt.
Bei den Treibjagden im November haben sie überwiegend Feldhasen, Fasane, und Waldschnepfen gejagt. Das erlegte Wild verkaufen sie seit Jahrzehnten an Michael Recktenwald, der lange Zeit das Restaurant Seekrug auf der Insel betrieb und inzwischen die Inselmanufaktur gegründet hat. „Er wird auch in Zukunft den größten Teil des Wilds von uns abnehmen und in seiner Manufaktur anbieten“, sagt Andreas Stolle.
Das seien bei den Hasen so um die 100 Stück. Was darüber hinausgehe, werde an Gastronomen und Wildhändler auf dem Festland verkauft. Zugleich habe jeder Jagdgast die Möglichkeit, Wild käuflich zu erwerben. Vor Ort werden die Tiere bei Bedarf zugeschnitten, verpackt und gekühlt.
Wie viele Hasen sie überhaupt maximal schießen sollten, finden sie im Frühjahr und Herbst heraus: Nachts suchen sie mit Taschenlampen und Wärmebildkameras die Fläche ab und zählen, wie viele Hasen sich auf dieser befinden. Basierend auf dieser Zählung wird der Bestand geschätzt. „Wir wollen eine nachhaltige Jagd betreiben und den Wildbestand kontrollieren. Durch Hege und durch Pflege“, betont Andreas Stolle. „Die Jagd soll nachhaltigen Nutzen bringen.“ Hobby- und Berufsjäger seien sie nicht. „Jagd ist Berufung. Jagd ist Passion, kein Hobby. Ich möchte mein Leben lang auf Jagd gehen und der nachfolgenden Generation ein intaktes Umfeld hinterlassen.“ -jeg-

Das Ende einer Ära

Im Frühjahr 2021 feierte die Reithalle ihr 40-jähriges Bestehen.
Im Herbst 2021 wurde sie nun geschlossen. 
Gummistiefel liegen auf dem Boden, ein Stapel aus Matratzenauflagen an der Rückwand, davor ein Sattel; Pferdegeschirr hängt gegenüber. Alte Papiere, Prospekte, ein Buch über Pferdezucht, Fotografien liegen stapelweise auf dem Tisch, sogar ein Kalender von 1995 ist unter den Erinnerungsstücken. Die Schränke seien alle ausgeräumt, dies nun der Rest, den er noch sichten wolle, sagt Edzard Kuper. Behalten oder entsorgen – darum geht es gerade in dem kleinen Raum der Reithalle E. Kuper, die zwischen Wald und Bahnschienen gegenüber vom Flugplatz der Insel liegt. Im Frühjahr 2021 wurde erst das 40-jährige Bestehen der Reithalle E. Kuper und der 80. Geburtstag des Gründers Edzard Kuper gefeiert (siehe dazu de Utkieker 1/2021). Im Herbst 2021 fiel die Entscheidung, die Reithalle und das dazugehörige Areal zu verkaufen.
Edzard Kuper hat die Reithalle vor 15 Jahren seiner Tochter Joana übergeben. Sie sei im September beruflich bedingt nach Hamburg gezogen und könne sich nicht mehr um den Betrieb kümmern und er selbst würde ja auch nicht jünger werden, erzählt er.
Die Reithalle 
Von Ferdinand Vrbec übernahm Edzard Kuper vor 40 Jahren die 1969 erbaute Halle, baute Pferdeboxen und eine Remise an.
Reitunterricht findet in der Halle keiner mehr statt, dort stehen jetzt die Planwagen im Trocknen, bis sie verkauft werden. Denn auch das gehörte zum Angebot des Familienbetriebs: Planwagen- und Kutschfahrten. Früher brachte er mit seinem Pferdewagen den Strauchschnitt für die Lahnung zum Strand. Seine Kutschen wurden für Beerdigungen genutzt. 18 Jahre lang, 350 Beerdigungen, sagt Edzard Kuper – und zum Glück mehr Hochzeiten. „Über 500 waren es“, erinnert er sich.
Jetzt stehen die Hochzeitskutschen aus den 1920er-Jahren abgedeckt in der Remise und warten auf Interessenten. „Vielleicht sind sie sogar noch älter“, meint Edzard Kuper, aber so genau lässt sich das Alter der gepflegten Kutschen nicht sagen. Kürzlich habe ein Brautpaar bei ihm angefragt, ob er sie Ende Dezember fahren könne. „Da musste ich leider absagen.“
Leer sind die angebauten Ställe, die einst aus zwei Schiffscontainern gebaut wurden. Diesen ungewöhnlichen Stall bescherten Edzard Kuper alte Kontakte aus seiner Zeit als Seemann.
Seefahrer 
Er war gerade einmal 14 Jahre alt, als er das erste Mal zur See fuhr. Er habe keine Lust mehr gehabt in die Schule zu gehen, sagt Edzard Kuper; daher wurde er Seemann. Die erste Reise dauerte sogleich ganze 18 Monate. Er erinnert sich aber auch an eine Fahrt, da war er 36 Monate und 29 Tage von der Insel weg. Bis auf Australien habe er die ganze Welt gesehen, sagt der Insulaner. Als Schiffsjunge fing er an, als Kapitän hörte er nach 25 Jahren auf. Zu viel hatte sich geändert, was ihm nicht mehr gefallen hat: „Früher waren fünf Schiffe im Einsatz; jetzt wird nur noch ein großes gebraucht und weniger Besatzung.“ Lange Liegezeiten durfte er noch erleben und dadurch Länder entdecken. „Besser trennen, als da rummachen“, sagt Edzard Kuper über seine Entscheidung, die Seefahrt aufzugeben.
Pferde hatte er schon damals. Mit den sieben Tieren baute er dann auch den Familienbetrieb auf: Kutschfahrten, Hochzeitsfahrten, Reitunterricht, Strandausritte und Ponyführen für die Kleinen – so steht das noch auf der Website. Und er hatte viele Jahre ein sehr „zeit- und geldaufwendiges“ Hobby.
Pferdezucht als Hobby 
Edzard Kuper züchtete auf Langeoog Pferde. 72 Fohlen kamen bei ihm auf die Welt. Hannoveraner, die „Mercedes unter den Pferden“, sagt der Züchter. Die Namen, die sie bekamen, richteten sich, wie es in der Pferdezucht üblich ist, nach dem ersten Buchstaben des Vaters – manchmal bekamen die Fohlen dann auch Namen, die ihren Besitzer an seine Reisen erinnerten, wie etwa Curaçao oder Belize.
Eigene Pferde hat er jetzt keine mehr. Noch fünf Gastpferde sind bei ihm. Morgens lässt er sie raus auf die Weide, am Abend kümmern sich die Besitzer um sie. Bis die Tiere einen neuen Stall haben, die Reithalle und das gesamte dazugehörige Areal um sie herum verkauft sein wird, sorgt er sich weiterhin um die Tiere. Und dann? Es sei eher die Frage, was die Coronasituation erlaube, sagt Edzard Kuper. Reisen mag er noch immer. Die Westküste der USA würde ihn reizen, die sei schöner als die Ostküste. -jeg-

Neues aus der Kita „Wichtelnüst“ und vom Förderverein

In der Kita „Wichtelnüst“ beginnt die Vorbereitung auf die Einschulung frühzeitig 
Für die Eltern der zukünftigen Schulkinder fand in der Langeooger Kindertagesstätte „Wichtelnüst“ am Donnerstag, 4. November 2021 ein gut besuchter Informationsabend statt. Im Rahmen eines Elternabends stellten Nicolas Bradtmöller und Sabine Birgfeld vom Vorschulteam der Kita interessante Informationen zum Thema „Übergang vom Kindergarten zur Schule“ vor.
Birgfeld und Bradtmöller berichteten über die praktische Arbeit mit den aktuell 15 Vorschulkindern und in welcher Form die Kooperation mit der Inselschule gestaltet wird. „Für uns ist es wichtig, dass die Kinder von sich aus eine Schulbereitschaft entwickeln. Dies geschieht durch gemeinsame Angebote, Projekte und auch die Teilnahme am Unterricht“, so das Vorschulteam. „Durch unsere Vorschularbeit bauen wir eine Brücke vom Kindergarten zur Inselschule!“
Auch die teilnehmenden Eltern mussten gleich mit „ins Boot“: Sie sollten unter anderem von ihren eigenen Schulerlebnissen berichten und später auch die Wünsche zur bevorstehenden Einschulung ihrer Kinder beschreiben.
Mit unterhaltsamen Videos der Vorschulkinder aus dem Kita-Alltag, Fotos von Aktionen und einer kleinen „Eltern- Mitmachak­tion“ verging der kurzweilige Abend wie im Flug. Zum Abschluss stöberten die interessierten Eltern dann noch in den Vorschulmaterialien und Arbeitsheften, die das Team zusammengestellt hatte. -Nicolas Bradtmöller-
Hügelrutsche und Pfandbons – 
Neues vom Förderverein der Kita „Wichtelnüst“ 
Erfreuliche Neuigkeiten hat es bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins der Kindertagesstätte „Wichtelnüst“ Langeoog e. V. gegeben. Das Treffen fand Ende November in der „Spöölstuv“ statt.
Projekt Hügelrutsche 
So berichtet Inken Peters, 1. Vorsitzende des Vereins, dass das Projekt Hügelrutsche nun endlich abgeschlossen sei. Die breite Rutsche war die neueste Anschaffung des Fördervereins für den Kita-Spielplatz und wurde Mitte Oktober offiziell eingeweiht. Die Hügelrutsche wurde komplett aus Spenden und durch die Mitgliedsbeiträge für den Verein finanziert. In Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Bauhofes der Inselgemeinde haben die Mitglieder des Fördervereins die Rutsche aufgebaut. „Der Aufbau ging relativ schnell“, erinnert sich Denise Kuppi, die als Kassenwartin im Verein tätig ist. „Den Erdhaufen anzulegen, war mehr Arbeit als gedacht; da mussten einige Sandsäcke aufgeschüttet werden. Das dauerte dann rund zwei Nachmittage.“ Eine Weile durfte der Bereich auch nicht betreten werden: „Die Rutsche war mehrere Wochen gesperrt, da das Gras erst noch anwachsen musste.“
Pfandbonspende bei Feinkost Eckart
Ein weiteres Projekt, mit dem die Mitglieder des Fördervereins sehr zufrieden sind, ist die Pfandbonspende, die sie im Juni 2021 bei Feinkost Eckart aufgestellt und nun beendet haben. „Das Projekt ist sehr gut gelaufen. Es sind 6.200 Euro zusammengekommen“, sagt Inken Peters, die von den Anwesenden der Jahreshauptversammlung für ihre Arbeit als 1. Vorsitzende gelobt wurde.
Adventsmarkt und Aktionen für 2022 
Ein weiteres Thema der Sitzung war der Adventsmarkt, der coronabedingt leider nicht stattfinden kann. Für 2022 sind aus diesem Grund bisher noch keine Aktionen geplant.
50 Jahre Kindertagesstätte am Meer
1972 war ein besonderes Jahr: Die Kindertagesstätte am Meer wurde am heutigen Standort eröffnet. „Wir hoffen, dass wir im Sommer 2022 das Jubiläum feiern können“, sagt Mark Mikoteit, Leiter der Kindertagesstätte „Wichtelnüst“ mit Blick auf die aktuelle Coronasituation. Gerne würden sie auch eine Ausstellung mit alten Fotos und Gegenständen, die etwas mit der Kita zu tun haben, organisieren. „Daher freuen wir uns, wenn Insulaner und Urlaubsgäste etwas beisteuern könnten – gerne auch etwas Gebasteltes oder alte Zeitungsausschnitte“, sagt Mark Mikoteit. Und Nicolas Bradtmöller, stellvertretender Leiter der Kindertagesstätte, ergänzt: „Wir möchten das ganze Jahr in Feierlaune sein.“ Ein Sommerfest und ein Flohmarkt schweben ihnen schon jetzt vor – und wer weiß, was 2022 noch alles an Ideen verwirklicht werden kann. -jeg

Meisterhafte Würstchen aus Waldhof

Stammgast Philipp Burkhardt stiftet sein preisgekröntes
Grillgut fürs Allerheiligenschwimmen
Ein feuchtfröhliches Spektakel war am 1. November 2021 das diesjährige Allerheiligenschwimmen. Nach coronabedingter Pause im Vorjahr lockte es erneut zahlreiche Akteure und Zuschauer an (siehe separaten Artikel „Im November in die Nordsee“ auf Seite xxx).
Untrennbar zur Benefiz-Aktion des Langeooger Allerheiligen-Schwimmer e.V. gehört das anschließende „Wiederaufwärmtraining“ mit heißem Kakao, Glühwein und Grillwürstchen an der Tischtennishalle. Wenn’s nach dem Schwimmen dort um die Wurst geht, liegt das nicht zuletzt an Peter Burkhardt und seinem Sohn Philipp. Die beiden betreiben in Mannheim-Waldhof eine Metzgerei. Nicht irgendeine, sondern mit preisgekrönten Würstchen.
Denn zum vierten Mal in Folge darf sich Philipp Burkhardt deutscher Weißwurstmeister nennen. Der Feinschmeckerwettbewerb findet im französischen Alençon statt. Und mehr noch: Bei der dort in der Normandie gleichzeitig ausgerufenen Bratwurst-Europameisterschaft errang der 29-jährige Metzgermeister zum zweiten Mal nacheinander den „Grand Prix d’excellence“, den großen Preis der Klassenbesten. Von diesen buchstäblich ausgezeichneten Bratwürstchen spendeten Burkhardts satte 400 Exemplare fürs After-Swim-Grillen – und für den guten Zweck. Der Preisträger höchstpersönlich stand am Holzkohlegrill.
Umweht die Herstellung ein Geheimnis? „Nein“, lacht Philipp Burkhardt, eine Reihe Würstchen wendend. „Meine Bratwurst besteht zu 40 Prozent aus Weißwurstbrät und zu 60 Prozent aus grober Fleischeinlage. Frisches Fleisch aus der Keule – nicht zu fett, nicht zu mager –, kerniger Rückenspeck für den guten Biss, dazu natürliche Gewürze wie Muskat, Koriander und Pfeffer. Das war’s.“ Er greift eine Wurst mit der Zange: „Mal probieren?“ Och ja, gerne. Die schmeckt – und das bestimmt nicht nur nach dem Allerheiligenschwimmen.
Die Affinität zur Benefiz-Aktion kommt nicht von ungefähr: Stammgast Peter Burkhardt ist einer der vier Gründerväter des Allerheiligenschwimmens. Und Philipp ist Langeoog-Urlauber quasi seit Geburt: Ein- bis zweimal im Jahr stattet er der Insel ­einen Besuch ab. Am November-Schwimmspaß nahm er schon mehrmals teil. Lebensgefährtin Anna ist ebenfalls mit dem Inselbazillus infiziert: „Wir wollen nächstes Jahr auf Langeoog heiraten.“ Direkt vorm Allerheiligenschwimmen? „Nein, im Sommer.“ Bis dahin – alles Gute! -köp-

Im November in die Nordsee

Seit 17 Jahren organisiert der Verein Langeooger Allerheiligen-Schwimmer e. V. das Schwimm-Event am 1. November – originelle Verkleidungen gehören dazu 
„Super Mario“ war dabei, ein Scheich, manch einer hatte eine Wette verloren, einige trugen historische Badekleidung und viele kamen in Bikini, Badeanzug und Badehose, um am 17. Allerheiligen-Schwimmen teilzunehmen. Etwa 80 Teilnehmer seien an diesem 1. November zusammengekommen, die für den guten Zweck in die Nordsee eintauchten, schätzt Bernd Spies, Mitbegründer und Vorsitzender des Vereins Langeooger Allerheiligen-Schwimmer e.V.
Treffpunkt war um 10.30 Uhr am Lale-Andersen-Denkmal unterhalb des Wasserturms. Dort begrüßte Bürgermeisterin Heike Horn die Teilnehmer und Zaungäste. Dann wurde – wie es Tradition ist – gemeinsam Lale Andersens bekanntes Lied „Lili Marleen“ gesungen. Interpreten waren die Langeoogerin Katja Agena am Mikrofon und Musiker Lothar Voigt an der Gitarre. Anschließend ging es zum Strandübergang Seekrug/Düne 13.
Bei Sonnenschein und 11 Grad Außentemperatur standen zahlreiche Zuschauer bis hinunter zur Wasserkante Spalier und feuerten die Schwimmer an. Zur Sicherheit der Teilnehmenden war die DLRG Ortsgruppe Langeoog an Land und im Wasser dabei. Nachdem Bernd Spies das Startsignal gab, rannten die Teilnehmenden den Strand hinunter in die auch gerade einmal 11 Grad frische Nordsee.
Wie es ist, bei solch kalten Temperaturen in die Nordsee einzutauchen, beantwortet Olaf Meyer freudestrahlend mit einem zufriedenen „Gut“. Er verbringt seinen Urlaub auf der Insel. „Ich bin extra deswegen gekommen“, sagt er über die Schwimmveranstaltung. Bereits zum vierten Mal sei er dabei. Nachdem er sich zuvor als Koch und Rettungsschwimmer aus der Fernsehserie Baywatch verkleidet hatte, kam er in diesem Jahr als „Super Mario“.
Bei Glühwein, Kakao und Bratwurst konnten sich die Teilnehmenden im Anschluss bei der After-Swim-Party, die unter Beachtung der 2G-Regel stattfand, vor der Tischtennishalle aufwärmen. Die Getränke wurden von Kramps Lütje Laden gespendet. Die Würstchen kamen aus Mannheim. Dort betreibt Philipp Burkhardt eine Metzgerei. In diesem Jahr wurde er zum vierten Mal Deutscher Weißwurstmeister (siehe Artikel „Meisterhafte Würstchen aus Waldhof“ auf Seite ???) und grillte nach dem Bad im Meer für die Teilnehmenden des Allerheiligen-Schwimmens das von ihm gespendete Grillgut.
Schwimmen für den guten Zweck
Auf der Website des Vereins heißt es: „Wir, das sind Menschen, die sich gefunden haben, um jedes Jahr am 1. November für den guten Zweck in der Nordsee schwimmen zu gehen.“ In den vergangenen Jahren konnten dadurch viele Projekte für das Gemeinwohl der Insel unterstützt werden – denn „alles bleibt auf der Insel“, betont Veranstalter Spies. Mit den Spenden konnten bislang schon ein Stromerzeuger für die Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr finanziert werden, Übungsgeräte für die Ausbildung der örtlichen DLRG-Gruppe, elektrische Strandrollstühle, eine barrierefreie Umkleidekabine und Panzermatten, die Rollstuhlfahrern den Weg zu den Strandkörben erleichtern. Dieses Mal wird der Erlös der Freiwilligen Feuerwehr zugutekommen, die einen Atemluftkompressor benötigt.
Auf die Idee, an Allerheiligen ein Schwimm-Event zu veranstalten, erzählt Spies, sei man im Oktober 2005 im Hotel Flörke gekommen. So habe ein Gast ihm an der Bar gesagt, noch Ende des Monats schwimmen zu gehen, erinnert sich Spies. Seine Antwort: Im Oktober könne das jeder, aber am 1. November nicht. Zu viert gingen sie damals in die Nordsee. Damit nahm das jährliche Allerheiligen-Schwimmen seinen Anfang. -jeg-
Info zum Verein/Spendenkonto Langeooger Allerheiligen-Schwimmer e.V. 
Ziel des Vereins ist es, Projekte auf der Insel zu fördern, die das Gesundheitswesen und die freiwillige Feuerwehr auf der Insel unterstützen. Der Verein hat 370 Mitglieder – neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Der Jahresbeitrag liegt bei 20,– Euro. Weitere Informationen sind auf der Website www.allerheiligenschwimmer.de zu finden. Spenden können auf folgendes Konto überwiesen werden:
Sparkasse Witmund, IBAN: DE35 2855 0000 0040 0000 10
BIC: BRLADE21LER