Kren statt Meerrettich

Absolvierten während der Betriebsferien ein Praktikum in Österreich: Sally und Sukai Sowe, Auszubildende im Restaurant „Luciano“

Zwei Monate Urlaub oder zwei Monate in Österreich arbeiten? Die Frage stellten sich die Zwillinge Sally und Sukai Sowe schon. Und ließen sich mit der Entscheidung ein wenig Zeit. Doch dann siegten Neugierde und Abenteuerlust: Anfang Januar machten sich die jungen Langeoogerinnen mit 40 weiteren Schülern der Berufsbildenden Schulen für den Landkreis Wittmund, die das Praktikum vermittelte, auf die Reise.

Die Zwillinge absolvieren im Restaurant „Luciano“ ihre Ausbildung zur Fachfrau für Restaurant- und Veranstaltungsgastronomie. Als das Restaurant in die Winterpause ging, fuhren sie für ihr Praktikum nach Österreich. Die Hinfahrt dauerte fast 17 Stunden, mehrmals mussten sie umsteigen mit Bus und Bahn, erinnern sie sich.

Die erste Woche verbrachten sie in Bramberg im Salzburger Land an der Tourismusschule. Dort konnten sie auch eine ­Barista-Prüfung ablegen. „Wir hatten einen Heimvorteil“, sagt Sally, da sie im „Luciano“ bereits die Kaffeezubereitung an der Siebträgermaschine gelernt hatten. Zeit, die Gegend zu erkunden, blieb ihnen auch, und so waren sie zum Beispiel auf dem mehr als 3.000 Meter hohen Kitzstein.

1.000 Kilometer von Langeoog entfernt
Dann ging es weiter ins knapp eine Stunde von Bramberg entfernte Saalfelden. Der Ort liegt mitten in den Salzburger Alpen – von dort sind es rund 1.000 Kilometer nach Langeoog. In Saalfelden arbeiteten die 17-Jährigen im 4-Sterne-Hotel „Gut Brandlhof“ im Service. „Wir haben viel poliert, eingedeckt, Staub gesaugt. Im Hotel gibt es auch Veranstaltungen, dementsprechend groß sind die Räume“, erzählt Sally. Sie waren im Schichtdienst eingeteilt – Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Zwei Tage die Woche hatten sie frei, ansonsten arbeiteten sie täglich acht Stunden. „Wie auf Langeoog auch“, so Sukai.

In dem luxuriösen Hotel waren sie von der Vorspeisenküche und Patisserie beeindruckt. Eine Herausforderung war das Eindecken der runden Tische für acht Personen: „Das haben wir vorher noch nie gemacht“, sagt Sukai und erklärt, was es dabei zu beachten gibt: „Man muss auf die Brüche der Tischdecke achten, also die Bügelfalten. Auf die Brüche und dazwischen werden die Teller gelegt.“ Überhaupt das Thema Wäsche, erzählt Sally lachend. „Wir mussten unsere Kleidung selbst bügeln.“ Auf der Nordseeinsel hat das bisher immer ihre Mutter gemacht, in Saalfelden anfangs eine Mitarbeiterin aus dem Zimmerservice, bis sie es selbst konnten. Gewohnt hatten sie in einem Appartement der Personalhäuser, keine zwei Minuten Fußweg vom Hotel entfernt. Auch für die Schule in Ostfriesland hatten sie während ihres Aufenthaltes einiges zu erledigen. Drei bis vier Stunden seien es wöchentlich gewesen, die Zeit konnten sie sich selbst einteilen.
An einem ihrer freien Tagen fuhren sie ins 65 Kilometer entfernte Salzburg und erkundeten die nähere Umgebung. „Da sind ja Berge …“, ist Sally noch heute beeindruckt. „Wir dachten, wir gehen einfach mal spazieren …“ Die Höhenunterschiede haben bei ihnen Eindruck hinterlassen.Fotos: Sally und Sukai Sowe

Sprache und Sonnenaufgänge
Heimweh hatten sie nicht, aufgeregt waren sie am Anfang aber schon. „Was kommt auf einen zu? Darüber hatten wir schon nachgedacht“, erzählt Sally. Die anfängliche Unsicherheit ist schnell verflogen. „Sie haben sich alle viel Zeit für uns genommen.“

Mit der österreichischen Sprache hatten sie zu Beginn ihre Schwierigkeiten. „Sie sprechen ganz anders. Sagen zum Beispiel Kren statt Meerrettich. Am Anfang haben wir gar nichts verstanden“, erinnert sich Sukai. Gleich in der ersten Woche im Hotel sprachen sie auch Englisch. Niederländer waren da. „Das ging ganz gut. Wir sprachen ein Deutsch-Englisch-Gemisch.“

Für die Zwillinge war es das erste Mal, dass sie so lange von zu Hause weg waren. „Es war schön“, sind sich beide einig. „Das Einzige, was man dort nicht so sieht, sind Sonnenuntergänge“, sagt Sally. Die seien an der Küste einfach am besten zu sehen.

-jeg-