Kaffeezeit international

Mehr über die Ein- und Auswandergeschichte Deutschlands haben die Teilnehmenden bei einem Ausflug nach Bremerhaven erfahren. Dort haben sie das Deutsche Auswandererhaus besucht.Das Projekt „Moin-Miteinander, Langeoog“ bringt Menschen aller Nationen zusammen

„Im Anschluss an unsere Ausstellung ‚Langeoog 800 Jahre ­Migration‘ hat der Ausflug ins Deutsche Auswandererhaus gut gepasst. So konnten wir viel über Migration aus Deutschland erfahren“, erzählt Monika Palutke. Mit „wir“ meint sie die Teilnehmenden des Projekts „Moin-Miteinander, Langeoog“, das es seit April 2022 auf der Insel gibt. Bei dem Projekt geht es um die Förderung des Gemeinschaftsgefühls aller auf der Insel lebenden Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Monika Palutke ist von Anfang an dabei und hat im November die Projektleitung übernommen.

Gemeinschaft leben
Viel konnte in den vergangenen knapp zwei Jahren umgesetzt werden. Dazu gehört die Ausstellung zur Migrationsgeschichte auf Langeoog, die im August und Oktober im Haus der Insel (HDI) gezeigt wurde (der „Utkieker“ berichtete). Neben den ­Tafeln zur Migrationsgeschichte der Insel erzählten einige ­Inselbewohnerinnen und -bewohner ihre ganz persönliche ­Geschichte, die über QR-Codes abgehört werden konnten. ­Monika Palutkes Vorgänger Ralph Keuenhof hat die Ausstellung organisiert. „Durch sein Wissen und Können aus dem ­Medienbereich hat er die Ausstellung professionell vorbereiten können“, betont die neue Leiterin. Daher werde er weiterhin die technischen und medialen Aufgaben übernehmen, sagt sie. Denn, so der Plan, 2024 soll die Ausstellung ein weiteres Mal zu sehen sein.
„Viele Besucherinnen und Besucher der Ausstellung haben in unser Gästebuch geschrieben und sich gewünscht, die Ausstellung nochmal zu sehen. Auch eine Dauerausstellung fänden viele gut“, erzählt Monika Palutke. Was genau wann möglich sei, darüber müsse noch gesprochen werden.
Die Fahrt nach Bremerhaven ins Deutsche Auswandererhaus Anfang November ist in diesem Jahr ein besonderer Ausflug gewesen, um mehr über die Ein- und Auswanderergeschichte in Deutschland zu erfahren. Wie alle anderen Aktionen des Projekts, sei auch der Ausflug nach Bremerhaven vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert worden.
„Wir waren zu siebzehnt, kannten uns zum Teil noch nicht und haben auf der Fähre erst einmal ein Kennenlern-Spiel gemacht“, sagt Monika Palutke. Sie habe im Vorfeld in den Langeooger Hotels Werbung für den Ausflug gemacht, da viele neue Auszubildende aus Vietnam in den Hotels beschäftigt seien. „Wer in ein fremdes Land kommt, freut sich, wenn es Informationen über den neuen Ort und Angebote gibt. Sie helfen dabei, Unsicherheiten abzubauen und unterstützen das Ankommen“, weiß Monika Palutke, die auch Deutschkurse für die Volkshochschule Friesland-Wittmund auf der Insel anbietet. Der Besuch des Museums sei ein Erlebnis gewesen: „Alle konnten Kontakte knüpfen. Die Auszubildenden kamen aus der Schul- und Arbeitswelt raus, sonst sind sie immer unter sich. Wenn man sich jetzt auf der Straße sieht und begrüßt, ist das viel mehr, als man denkt.“

Menschen zusammenzubringen, das ist es, was Monika Palutke erfreut. Seit Beginn des Projekts organisiert sie (bis Oktober 2023 gemeinsam mit Ralph Keueunhof) die wöchentlichen Mittwochstreffen im Pfarrsaal der katholischen Kirche St. Nikolaus. Im Oktober haben die Teilnehmenden dort gemeinsam Halloween gefeiert, eine Woche zuvor sich getroffen, um die Dekoration für das Fest – Fledermäuse, schwarze Katzen, Kürbisse und Hexenhüte aus buntem Papier – zu basteln, um dem Raum Halloween-Atmosphäre zu verleihen. Halloween sei ein internationales Fest und so sei auch die Zusammensetzung der Gruppe gewesen: Menschen aus Rumänien, Polen, Ungarn, der Ukraine und Deutschland haben zusammen gefeiert, gegessen und gespielt, erinnert sich Monika Palutke. Gemeinsam wurde Halloween im Pfarrsaal der katholischen Kirche St. Nikolaus gefeiert. Fotos: Moin-Miteinander, Langeoog

Karpatka, Tiramisu und Plätzchen
Gemeinsame Spieleabende sind für die Winterzeit angedacht sowie für die Adventszeit eine Weihnachtsbastel-Aktion. Im Oktober fand zum ersten Mal die „KaffeeZeit international“ statt. Jeden dritten Mittwoch im Monat wird eine Gebäckspezialität aus einem anderen Land, einem anderen Bundesland oder einer anderen Region aus Deutschland zum Kaffee gereicht. Polen machte den Auftakt. Es ist das Heimatland von Monika Palutke. Sie bereitete polnischen Kaffee zu: „Das Kaffeepulver kommt direkt in die Tasse und muss mit heißem Wasser aufgegossen werden, damit sich Schaum bildet.“ Außerdem hat sie Karpatka gebacken. Zum ersten Mal. Von der Optik ähnelt der Windbeutelkuchen den Karpaten, daher auch der Name. Gefüllt ist er mit einer Puddingmasse und viel Butter. Zusätzlich hat sie verschiedene polnische Schokoladenriegel und Kekse mitgebracht. Im November war es Italien; gemeinsam wurden Tiramisu und Espresso genossen. Um Weihnachtsplätzchen aus Deutschland geht es im Dezember.
„Bei unserer Kaffeezeit können alle auf andere Gedanken kommen, ihr Land vorstellen und andere begeistern“, sagt Monika Palutke. Die Vielfalt und Offenheit sei schön und bereichernd, nichts sei negativ behaftet. Für das nächste Jahr wolle sie noch mindestens zwölf Teilnehmende motivieren, die Kaffeezeit ihres Landes vorzustellen. „Ich habe das Gefühl, dass es den Leuten gefällt und gut tut“, freut sie sich und ergänzt, was die „KaffeeZeit international“ so bedeutsam macht: „Neben der ­Gesundheit ist Zeit das wichtigste Gut. Daher haben wir die KaffeeZeit.“

-jeg-

Moin-Miteinander, Langeoog
Projekt zur Förderung des Gemeinschaftsgefühls aller vor Ort lebenden Menschen
Das gemeinnützige Projekt wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Rahmen des Programms „Gesellschaftlicher Zusammenhalt – Vor Ort. Vernetzt. Verbunden“ noch bis Ende 2024 gefördert. Die Projektdurchführung hat der gemeinnützige Verein Kubus e. V. (Kultur und Begegnung für Menschen in unterschiedlichen Situationen) übernommen.
Wer sich für das Integrationsprojekt interessiert, kann sich an Projektleiterin Monika Palutke wenden (Telefon: 04972-990 9507; E-Mail: monika.palutke@kubusev.org). Die Mittwochstreffen finden ab 16.30 Uhr im Pfarrsaal der katholischen Kirche St. Nikolaus, Strandjepad 1, statt. Weitere Informationen auch auf www.moin-miteinander-langeoog.de.