„Insulaner unner sück“

Großes Inseltreffen auf Langeoog

Das nennt man wohl ein perfektes Wochenende. Hier stimmte einfach alles: Vom 8. bis 10. März 2024 fand auf Langeoog das Inseltreffen „Die Sieben zum Verlieben – Insulaner unner sück“ statt. Regelmäßig vor Ostern treffen sich die Chöre, Tanz-, Musik- und Theatergruppen der sieben Ostfriesischen Inseln von Borkum bis Wangerooge reihum auf einem ihrer liebenswerten Eilande. Auf den großen Treffen feiern die künstlerisch Aktiven ihr Wiedersehen, tauschen Erfahrungen und Erlebnisse aus – und geben in einem öffentlichen „musischen Marathon“ Kostproben ihres Könnens.

Langeoog als diesjähriger Austragungsort hatte sich mächtig ins Zeug gelegt: Vereine und Institutionen, Gastronomie und Gewerbe, Inselgemeinde und Privatpersonen: Sie alle hatten es sich zur Herzensaufgabe gemacht, den gut 440 angereisten Insulanern umsichtige Gastgeber zu sein – von der Begrüßung am Hafen bis zum Abschiedsfrühstück im Bahnhof. Das Organisationsteam unter Federführung des Shantychors „de Flinthörners“ sorgte für einen reibungslosen Ablauf. Immerhin waren die Auftritte von über 30 Gruppen zu koordinieren.

Anreisetag
Freitag, 8. März war Anreisetag. Juist, Norderney und Baltrum reisten vormittags auf eigenem Kiel an, Borkum, Spiekeroog und Wangerooge folgten mittags mit der Langeoog-Fähre ab Bensersiel. Alle Inseln wurden herzlich in Empfang genommen, teils schon in Bensersiel, auf jeden Fall am Hafen und spätestens am Bahnhof. Dort wartete bereits jeder Langeooger Verein als Pate für eine Gastinsel, die er am Wochenende aufmerksam betreute.

Höhepunkt des Tages war die erste Abendveranstaltung im „Haus der Insel“. Im ausverkauften großen Saal des HDI präsentierten sich ab 19.30 Uhr die Gruppen von Baltrum, Spiekeroog und Wangerooge. Nach kurzer Einstimmung durch Raimund Buss und Klaus Kremer vom Orga-Team begrüßte Bürgermeisterin Heike Horn die Anwesenden. Sie erkannte im Insulanertreffen den „warmen Sonnenstrahl, der durch die Decke des Alltags bricht – alte Freundschaften werden erneuert, neue Bande geknüpft“ und lobte die vereinten Anstrengungen aller Organisatoren und helfenden Hände: „Das sind die Säulen, auf denen eine Inselgemeinschaft ruht.“

Ein besonderer Gruß ins Publikum ging an Hans Heyken und seine Frau Helga. Der Juister ist der Initiator von „Insulaner unner sück“. Vor bald 30 Jahren sprach er mit Vertretern der anderen Inseln über seine Idee, man griff den Gedanken auf, und so fand 1997 auf Juist das erste Treffen statt. Doch, so Hans Heyken, gehe es nicht um gegenseitiges Übertrumpfen: „Wenn jede Insel einfach ihr Bestes gibt, ist das mehr als genug.“

Und jede gab ihr Bestes. Etwa im Viertelstundentakt präsentierten die Gruppen Ausschnitte ihres weit gefächerten Repertoires. Alle Auftritte ausführlich zu beschreiben, würde den Rahmen sprengen. Den Auftakt machte Spiekeroog mit dem Orchesterprojekt der Hermann-Lietz-Schule und dem „Chörchen“. Ungewohntes Hörerlebnis war eine jazzige Version des Shantys „The Drunken Sailor“ für Frauenchor und Orchester.

Mit gleich sieben Gruppen trat die kleinste Insel Baltrum an: „Nippties“, „Linedance Sandy Boots“, „Springtied“, „Eiländer“, „De Fleitjes“ und Shantychor ließen ihre vielseitigen Auftritte mit Flöten, Folk und frechem Pop gemeinsam mit der Theatertruppe in einer Art Kurz-Musical rund um den „Drunken Sailor“ gipfeln – ein spektakuläres Finale. Wangerooge beschloss den Abend mit den rockig tanzenden „Lime Stompers“, der traditionellen Wangerooger Volkstanzgruppe und der Percussion Band „Wangoo Diptams“, die mit ihren elektrisierenden Rhythmen karibisches Flair schuf.

Durch das Programm führten, wie auch am Folgeabend, Gerrit Agena und Torsten Meyer. Die beiden „Flinthörners“-Mitglieder gaben zudem noch Infos zum Wochenendablauf. – Nach der Show wurde im Foyer des HDI fröhlich Party gemacht. Zunächst gab die Langeooger Band „Lazy Jack“ nach neunjähriger Pause ein kleines Revival-Konzert, dann übernahmen die Baltrumer „Eiländer“. Als das HDI nach Mitternacht schloss, wurde in der Langeooger Gastronomie, speziell im eigens dekorierten „In’t Dörp“, noch wacker weitergefeiert.

Am Samstag, 9. März …
konnten die Insulanergäste tagsüber Langeoog erkunden. Gelegenheit dazu bot ein Aktionsprogramm von Fahrradtour über Ortsführung und Kutschfahrt bis Museums- und Wasserturmbesuch sowie das „Wanderpokalschießen der Inseln“ auf dem Schießstand. „Die Radtour war ein voller Erfolg“, berichtet Gerrit Agena. Mit 30 Gästen ging es auf E-Bikes vom „Radakteur“ zur Meierei, wo Dagmar Falke und ihr Team alle mit Sanddorngrog, Kaffee oder Tee versorgten. Sowohl die Getränke als auch die E-Bikes für die Tour waren kostenlos.

Parallel wurde im Ort das Musikprogramm fortgesetzt. Ab 11 Uhr spielte im ausgeräumten Feuerwehrhaus der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Borkum, verstärkt durch Musiker von Baltrum, Juist und Norderney sowie den Borkumer Männerchor. Das Repertoire reichte von „Fluch der Karibik“ bis Queens „Bohemian Rhapsody“. Fetzige Dance-Moves legte danach die Jugendabteilung der Borkumer Trachtengruppe aufs Parkett. Songs wie „Peeping Tom“ und „bei mir biste scheen“ der Elektro Swing Band „Kowalskys“ mit der Langeooger Sängerin Katja Agena brachten das Publikum in Tanzlaune. Viel Applaus erhielt auch der Kurzauftritt der neuen TSV-Kindertanzgruppe „Wippsteertjes“.

Weiter ging es um 14 Uhr in der Inselkirche mit einem Gospelkonzert. Hier traten, teils auch gemeinsam, Wangerooges „Vocal Waves“, „Um Himmels Willen“ aus Borkum und der Langeooger Gospelchor auf. Langeoogs neue Pastorin Jeannette Schurig nahm die Gelegenheit wahr, sich vorzustellen. Beim Konzert kam moderne Technik zum Einsatz: Da die Kirche nicht viel Platz bot, wurden die Auftritte in die Inselschule gestreamt, um möglichst viele Menschen in den Genuss zu bringen.

Zudem empfahl sich die Schule als Café mit Tee, Kaffee und ­Kuchen. Und dem Livestream, der in der Aula und den Klassenzimmern gern geschaut wurde, folgten Liveauftritte der Schulband, des gemischten Schulchores und der „Wippsteertjes“.

Um 19.30 Uhr begann im HDI die zweite große Veranstaltung, diesmal mit den Inseln Norderney, Juist und Borkum. Fünf Gruppen brachte zum Auftakt Norderney auf die Bühne: „Neue ostfriesische Welle“, Bläserchor „Zehn im Watt“, der Förderkreis der Norderneyer Schulen, Swing-Trio „SeaStars“ und „Döntje Singers“ boten ein bunt gemischtes Programm aus schmissigen Songs inklusive „Star Wars“-Laserschwertkampf, Schwarzlicht-Tanz und Comedy-Show.

Juist war mit der versierten Volkstanzgruppe, dem klassischen Shantychor und den agilen „Crows in Line“-Tänzerinnen vertreten, außerdem nahm die Theatergruppe Antjemöh in ihrem Inselhotel-Sketch betriebliche Unzulänglichkeiten aufs Korn. Den fulminanten Ausklang bildete Borkum: Die Niederdeutsche Bühne inszenierte mit „Radio Dörnanner“ ein rasantes Hörspiel um eine verpatzte Rundfunksendung. Die Trachtengruppe von 1830 faszinierte mit teils akrobatischem Volkstanz und treffsicher setzte der Männerchor „Borkumer Jungs“ einen stimmgewaltigen Schlussakkord.

Kurz schloss sich der Vorhang, damit Doreen Richter vom Schießverein den Sieger des Pokalschießens küren konnte: Der Juister Olaf Hollwedel durfte den Wanderpokal in Empfang nehmen. Als der Vorhang wieder aufglitt, nahte der Höhepunkt des Abends: Bürgermeisterchor und Flaggenübergabe. Die sieben Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sangen eine umgetextete Version des wohlbekannten Shantys „The Drunken Sailor“ mit dem Refrain „Heyho, Insulaner halten fest zusammen“. Zu guter Letzt reichte das Langeooger Orga-Team die „Sieben zum Verlieben“-Flagge an den nächsten Gastgeber Wangerooge weiter. Dort findet vom 28. bis 30. März „Insulaner unner sück 2025“ statt. Selbstredend war nach dem Schluss noch lange nicht Schluss: Musikalisch begleitet von den „Borkumer Oldtimern“ und dem Duo „Strandgut“, setzte sich die Feier erst im HDI-Foyer fort, später im „Dörp“ und anderswo …

Am Sonntag, 10. März …
hieß es Abschied nehmen. Auf dem Güterboden des Inselbahnhofs stand ab 9 Uhr ein Frühstück mit belegten Brötchen, Kaffee und Kaltgetränken parat. Den musikalischen Frühschoppen bespielten Eva Funke und Herbert Burmester auf dem Akkordeon. Für die Abreisenden gab es für die teils recht lange Heimfahrt überdies Lunchpakete. Dafür hatte die Bäckerei Remmers Gebäck in Form des Wasserturms gestiftet.

Schnell füllte sich die Halle. Da die Tore weit geöffnet waren, hatten die Insulaner schon vor der Abfahrt das Gefühl, im Zug zu stehen. Um 10 Uhr fuhr die erste Inselbahn, kurz darauf die zweite. Während sich der Bahnhof langsam leerte, herrschte auf der Fähre noch munteres Treiben. „Das war wie Lego: Alle Bausteine passten zusammen“, fasste ein Borkumer das Wochenende anerkennend zusammen. Was will man mehr? Ach, den Termin für das nächste Langeooger „Insulaner unner sück“? Gern: Im Plan steht der 21. bis 23. März 2031. Bitte zeitig vormerken …

-köp-