„Ihre neue Pastorin kann auch Whoopi Goldberg!“

Jeannette Schurig ist die erste Pastorin der Inselkirche

Jeannette Schurig ist als neue Pastorin der Inselkirche von Superintendentin Eva Hadem (r.) in ihr Amt eingeführt worden. Im Leben ist immer irgendwann einmal das erste Mal. Das trifft auch auf die evangelisch-lutherische Inselkirche zu. Mit Jeannette Schurig hat die Kirche erstmals eine Pastorin. Am Sonntag Sexagesimae, 4. Februar 2024 wurde sie von der Kirchen- gemeinde offiziell in einem Einführungsgottesdienst begrüßt. Dabei war alles: Freude und Traurigkeit, Musik und Tanz, Reden, Kaffee und Kuchen und Geschenke.

Von Thüringen nach Ostfriesland
Jeannette Schurigs Vorgänger Christian Neumann hatte nach acht Jahren als Inselpastor im vergangenen Sommer die Superintendentur des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Norden übernommen. Die Vakanzvertretung übernahm ab Juli 2023 Superintendent i. R. Heinz Behrends. Wenige Monate später, im November, verstarb der 75-Jährige plötzlich. Er hatte während seiner Zeit auf der Insel auch das Bewerbungsverfahren um die Neubesetzung begleitet. An ihn wurde während der Eröffnungsfeier immer wieder erinnert. Pastor i. R. Hermann Rottmann, der auf Langeoog lebt, hatte bereits mit ihm gearbeitet und widmete sich daraufhin der Vakanzvertretung komplett.
Gemeinsam mit Frank Niemeier vom Kirchenvorstand leitete er durch die Eröffnung und Begrüßung des Einführungsgottesdienstes. Als „Pastor in der Hinterhand“ bezeichnete ihn Eva Hadem, Superintendentin des ev.-luth. Kirchenkreises Harlingerland, die nicht nur ihm für seinen Einsatz und sein Engagement dankbar war, sondern auch Frank Niemann und dem gesamten Kirchenvorstand, der das Ruder in der Hand gehalten und durch Schnee und Sturm geführt habe.
Gemeinsam auf Langeoog: Marko und Jeannette Schurig.Von Jeannette Schurig sprach die Superintendentin als „erste Frau, die in das Amt der Inselpastorin eingeführt“ werde, die in ihrem ersten Leben Erzieherin gewesen sei, die wisse, wie man zuhöre und sich zuwende. Im thüringischen Magdala, das zwischen Weimar und Jena liegt, war Jeanette Schurig stellvertretende Superintendentin und als Pastorin für 14 Orte zuständig. Mit der „Kirche im Kofferraum“, die sie während der Coronazeit einführte, um vom Auto aus Gott zu den Menschen zu bringen, habe sie mit Lust gezeigt, wie neue Gottesdienstformen entwickelt werden könnten. Allein ist Jeannette Schurig nicht nach Langeoog gekommen – mit ihr zog ihr Ehemann, der Landschaftsarchitekt Marko Schurig, auf die Nordseeinsel.
Die Einführung der neuen Inselpastorin wurde durch das Vorlesen der Urkunde ausgeführt sowie durch Segenssprüche, ­Gebete und durch viel Musik mit Kirchenkantorin Olga Persits und Pianistin Elizaveta Don begleitet.

„Alles hat seine Zeit“
Als der Gospelchor das Lied „I will follow him“ singt, ist die neue Pastorin nicht mehr auf ihrem Sitz zu halten – sie steht auf, singt mit und tanzt. Was Eva Hadem wiederum im Anschluss erfreut zu der Aussage verleitet: „Ihre neue Pastorin kann auch Whoopi Goldberg!“
„Ich bin sehr glücklich“, sagt Jeannette Schurig. In ihrer ersten Predigt als Inselpastorin spricht sie vom Anfangen, dem Thema des Gottesdienstes. Sie greift das Bild eines Feldes auf. Viele seien schon vor ihr da gewesen, nun gehe auf, was die Vorgänger gesät hätten. „Wir können nicht immer alles bis zum Schluss begleiten. Wir können nichts erzwingen. Machen und warten, das können wir. Abwarten und Tee trinken, würde man hier sagen.“ Gottvertrauen gehöre dazu. Der Samen würde schon liegen. Einen Wunsch habe sie: was riskieren. Fehler machen. Alles Gute streuen und werfen. Geduld haben. Umtopfen. „Alles hat seine Zeit, es geht der Reihe nach.“

Beisammensein im „Beiboot“
Die Vakanz ist beendet: Pastor i. R. Hermann Rottmann hatte in den vergangenen Monaten die Vakanzvertretung bis zum Start von Jeannette Schurig übernommen.Um im Miteinander einen neuen Lebensabschnitt einzuläuten, hatte der Kirchenvorstand im Gemeindehaus „Beiboot“ alles für ein gemütliches Beisammensein vorbereitet. Ein Gläschen zum Anstoßen für jeden, ein Kuchenbuffet, Heißgetränke. An Tischen und Stehtischen versammelte sich die Kirchenge­meinde, um Jeannette Schurig zu würdigen. Viele Langeooger richteten ein Grußwort an sie oder überreichten ein Willkommensgeschenk.
Zu ihnen gehörten Bürgermeisterin Heike Horn, Ratsmitglied Uwe Garrels, Schulleiterin Petra Ahrenholz, Susanne Wübker von der katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus, Eva Funke vom Chor „de Likedeeler“, Vertreter des Organisationsteam der „Insulaner unner sück“, der ehemalige Inselpastor Torsten Both und seine Ehefrau Katja, der Bastelkreis „Klön und Knütt“, der Kirchenvorstand. Und auch Jeannette Schurig war an diesem Einführungstag in ihr neues Amt noch einmal zu hören: „Ich fühle mich so wohl und erwartet und gewünscht zu sein. Ein ganz herzlicher Dank. Dann hat es Gott gewollt.“

-jeg-