Ein Arbeitsleben für die Gemeinde 

Verabschiedungen und Dienstjubiläen: Im Rathaus wurden mehrere Mitarbeiter geehrt 
Die Tische im Ratssaal des Langeooger Rathauses sind festlich mit belegten Brötchen, Kaffeestückchen und Getränken eingedeckt, mehrere Blumensträuße stehen in Vasen auf einem Beistelltisch. Es ist Freitagvormittag, der 2. September 2022. Die Inselgemeinde ehrt an diesem Tag mehrere Mitarbeiter für ihre jahrzehntelange Gemeindearbeit: So feiern Hartmut Börgmann und Thomas Pree ihr 40-jähriges Dienstjubiläum. Karl-Heinz Jung, Michael Thannberger und Jens Guder werden in den Ruhestand verabschiedet. Antje Bünting und Detlev Schrage, die ihr 25-jähriges Dienstjubiläum feiern, wurden in Abwesenheit geehrt, genauso wie Ralf Zimmermann und Jonni Kamke, die zu ihrer Verabschiedung verhindert waren.
Bürgermeisterin Heike Horn konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht die Ehrung vornehmen. Dies übernahm ihre Stellvertreterin Ines Mühlinghaus. In ihrer Rede zeigt sie sich beeindruckt: „Es ist schon etwas Besonderes, was ihr vollbracht habt.“ Hinter dem zu stehen, was man mache und sich auch immer wieder dafür einzusetzen, sei nicht selbstverständlich. Der „Utkieker“-Redaktion haben die fünf anwesenden Geehrten ein wenig aus ihrem Leben erzählt.
„Urlaubsmodus – nicht Rentnermodus“ 
Immer wenn ein Kind geweint habe, habe es eine Badeente bekommen, erzählt Michael Thannberger. Der 65-Jährige hat 39 Jahre und sechs Monate für die Inselgemeinde gearbeitet und selbst die fröhlichen Gummitiere gesammelt. Die Sammlung löste er zum Ende seiner Dienstzeit als therapeutischer Leiter des Kur- und Wellness-Centers (KWC) gegen eine Spende für den guten Zweck auf („de Utkieker“ berichtete in Ausgabe 6/2022).
Eingestellt wurde der heute 65-Jährige als Masseur für die Saison 1981 und 1982. Am 1. April 1984 dann unbefristet als Masseur und medizinischer Bademeister. 1995 übernahm er die Funktion des stellvertretenden Leiters. Viele Fortbildungen gehörten für Michael Thannberger, der in Harlingerode im Harz geboren wurde, zu seinem Beruf, etwa die Fußreflexzonentherapie, manuelle Lymphdrainage und die Sporttherapie. Kurzum: Michael Thannberger hat das KWC vom klassischen Kurmittelhaus zum modernen Wellness-Zentrum aktiv mitgestaltet. Begeistert nennt er die Zertifizierung zum Thalasso-Standort, 2014 einem der ersten. Er erzählt von den zahlreichen Aqua-Kursen, die immer schnell ausgebucht seien, von den Rennfahrern, die seit Jahren zu ihm zum Training kämen. Fröhlich sagt er: „Ich habe alle im Kopf. Ich bin wie ein Elefant.“
Sport hat im Leben Michael Thannbergers einen hohen Stellenwert: Seit seiner Kindheit ist er im Ski-Club, genießt er ausgedehnte Skilanglauftouren. Im Langeooger Seglerverein ist er seit 50 Jahren. Wandern. Radfahren. Golfen. Gerne mit seiner Ehefrau zusammen. Seinen neuen Lebensabschnitt, den er, mit Abstechern nach Langeoog, in der alten Heimat im Harz verbringen wird, möchte er auf eine ganz bestimmte Art genießen: „Im Urlaubsmodus bleiben und nicht in den Rentnermodus kommen.“
„Urlaub mit Unterbrechung“ 
Für seine letzte Fahrt wurde die Inselbahn geschmückt: Jens Guder war 34 Jahre bei der Schiffahrt Langeoog als Lokführer beschäftigt – und so ganz aufhören kann er nicht, obwohl er seit August im Ruhestand ist. Der 63-Jährige wird weiterhin Insulaner und Gäste vom Hafen zum Bahnhof und zurückbringen, auch wenn es nur noch einige Stunden im Monat sind.
Als er 1988 als Lokführer und Rangierer anfing, fuhr er noch die alte Inselbahn. 1995 kam der Wechsel. Das sei wie der Umstieg vom Trabi auf einen Rolls-Royce gewesen, erzählt er beeindruckt. Seit 1996 war er ausschließlich als Triebwagenführer im Einsatz. Eine Fortbildung zum Brandschutz- und Evakuierungshelfer schloss der gelernte Fliesenleger vor vier Jahren noch zusätzlich ab. Blickt er auf die vergangenen Jahrzehnte zurück, sei das wie „Urlaub mit Unterbrechung“ gewesen. Gerne erinnert er sich an Erlebnisse mit Kindern, die früher vorne bei ihm mitfahren durften, und erzählt von einem besonders schönen Erlebnis: Eins der Kinder von damals sei inzwischen selbst Vater und mit seinen eigenen Kindern auf der Insel gewesen.
Nicht verschwiegen werden darf das sportliche Engagement von Jens Guder: Viele Jahre war er beim TSV Langeoog in den Sparten Badminton und Volleyball aktiv, und zwar sowohl als Spieler wie auch als Spartenleiter.
Im Ruhestand habe er nun eine „neue Firma“, sagt er schmunzelnd über seine Ehefrau. Sie haben einen großen Garten und zwei Häuser, die auch als Ferienunterkünfte angeboten werden. An Arbeit werde es nicht mangeln, meint er lachend.
„Die schönste Melodie ist die Melodie der Stille“ 
Mit einer Saisonbeschäftigung von 2010 bis 2016 begann Karl-Heinz Jungs Tätigkeit bei der Gemeinde. In den letzten sieben Jahren war der gelernte Maler und Lackierer, der einen eigenen Betrieb auf der Insel hatte, in der Strandkorbwerkstatt angestellt.
Seit Juni ist der 64-Jährige nun im Ruhestand. In den ersten Tagen des neuen Lebensabschnitts hatte er den Stecker vom Wecker gezogen, um runterzukommen, abzuschalten. Augenzwinkernd sagt er über seinen Ruhestand: „Man gewöhnt sich schnell ans Angenehme.“ Nun hat er Zeit, seinen Hobbys nachzugehen. Ausgedehnte Strandläufe von vier bis sechs Stunden gehören für den Insulaner dazu, denn „die schönste Melodie ist die Melodie der Stille.“ Am Strand war er schon immer gerne unterwegs: In den vergangenen 14 Jahren habe er Bernstein gesammelt – 40 Kilo habe er in einem Gefäß als Dekoration bei sich zuhause. Die Steine seien unbearbeitet, da Natur Handwerk sei. „Da mag ich nicht reinpfuschen“, sagt er.
Im Ruhestand dürfe man nicht anfangen zu dröseln. Man müsse sich Ziele setzen, sich für etwas interessieren. Für ihn gehört dazu auch der Modellbau: Eine Galeriemühle ist bereits entstanden; aktuell baut er das Greifswalder Leuchtfeuer und danach plant er, den Langeooger Wasserturm nachzubilden. Im Winter wird er weiterhin für einige Stunden in der Woche Strandkörbe reparieren. Ansonsten freut sich der Vater von drei Kindern sehr über die gemeinsame Zeit, die er nun mit seinen sechs Enkelkindern hat. Zwei von ihnen leben auf der Insel, vier in Wittmund. Fernweh kenne er nicht: „Alles, was ich brauche, ist hier.“
„Immer draußen unterwegs“ 
Sein 40. Dienstjubiläum feiert in diesem Jahr Hartmut Börgmann. Der gelernte Schmied fing 1982 als Saisonkraft in der Gärtnerkolonne der Inselgemeinde an. Nach drei Monaten wechselte der Insulaner zum Bauhof. Eine berufsbegleitende mehrjährige Umschulung zum Ver- und Entsorger folgte Anfang der 1990er Jahre.
Als Bereichsleiter des Bauhofs ist der 59-Jährige seit 1997 tätig.  In seinen Verantwortungsbereich gehören die Straßenreinigung und -unterhaltung, die Müllentsorgung, zu der auch der Sperrmüll zählt, die Betreuung der Grünanlagen, die Vorbereitung für Beerdigungen auf dem Dünenfriedhof, Baumpflegearbeiten und die Kontrolle der gemeindeeigenen Spielplätze samt kleinerer Reparaturen.
Der Arbeitsalltag von Hartmut Börgmann und seinem Team ist abwechslungsreich. Diese Vielfältigkeit sei es, die ihm gefalle: „Ich mache jeden Tag etwas anderes und ich bin zu 95 Prozent immer draußen unterwegs. Ich mach die Arbeit gern.“ In den kommenden Jahren, noch bevor er in Rente gehe, hoffe er, die Umsetzung des neuen Bauhofs noch begleiten zu können. Die Planungsphase laufe gerade.
„Viele Gäste für Langeoog gewonnen“
Er hat Langeoogs touristische Entwicklung mit geprägt: Thomas Pree blickt auf 40 Jahre in Gemeindediensten zurück. Gleich nach der Inselschule begann der damals 16-Jährige im Sommer 1982 seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten im Langeooger Rathaus. Dass er so lange „bei einer Firma bleiben“ würde, hätte er sich anfangs nicht träumen lassen. Eher per Zufall sei er im Werbe- und Veranstaltungsbüro „gelandet“ und dann mit den touristischen Aufgaben gewachsen.
Als Veranstaltungsleiter koordiniert der gebürtige Insulaner nicht nur zahllose Events auf Langeoog, sondern war und ist als Teil des Marketing-Teams auch in touristischen Gremien der Region aktiv. Mit der „OFI“ und der „Nordsee“ hat er zudem federführend erfolgreiche Kampagnen im deutschsprachigen Raum gestartet, wie den Nordseelauf und die Stammgastmesse. „Auch auf unzähligen Messen wie der ITB und Events wie dem Essener Weihnachtsmarkt konnten wir viele Gäste für Langeoog werben“, berichtet Thomas Pree, der vielen Urlaubern als Moderator der beliebten Gästebegrüßung bekannt ist. Und der sich für die Zukunft wünscht, dass alle am Tourismus Beteiligten die Insel fürs Leben gemeinschaftlich auf einem guten Weg halten. -jeg/köp-