Überraschung im Kohlrabi-Beet 

Sommerferien! Auch für die Schulgarten-AG der Inselschule. Doch kein Garten ohne Pflege. 
Eineinhalb Stunden habe sie letztens gegossen. Als es mehrere Tage am Stück so heiß war, sei sie täglich im Gewächshaus gewesen, um die Tomaten, Gurken, Paprika und Wassermelonen zu gießen. Auch heute, am ersten Schultag nach den Sommerferien, steht Lehrerin Kirsten Rottmann nach Schulende mit Gießkanne im Glashaus und versorgt die Pflanzen. Weil auf Langeoog viele Eltern im Tourismus arbeiten, gibt es an der Inselschule nur vier Wochen Sommerferien. Die hat Kirsten Rottmann auf der Insel verbracht – und immer wieder im Schulgarten.
Zusammen mit Antje Julius und Nadine Wilts aus der Elternschaft und den Kindern aus der Schulgarten-AG, die in diesem Schuljahr neu zusammengestellt wird, betreut sie den Garten auf dem Gelände der Inselschule. Jeden Mittwoch trifft sich die Gruppe für eine Stunde, um zu pflegen, zu säen, zu pflanzen und zu ernten. Außer in den Ferien. In dieser Zeit sprechen sich die drei Frauen ab, wer wann da ist und sich um den Garten kümmern kann – die Nähe zum Schulgarten sei dabei ein klarer Vorteil Langeoogs im Vergleich zum Festland, sie seien immer schnell vor Ort, sagt Kirsten Rottmann.
Raupenbesuch 
Dass das gut funktioniert, ist zu sehen und zu hören: Überall blüht und summt es. In den Pflanzsteinen rund um das Klettergerüst leuchten die gelben Ringelblumen, die Stockrosen schmiegen sich malerisch an den Staketenzaun und werden immer wieder von Hummeln angeflogen, Stangenbohnen, Zucchini, Kohlrabi und vieles mehr wächst in den Hochbeeten. Der Kohlrabi wurde dieses Jahr allerdings von den Raupen des Kohlweißlings besucht. Kristen Rottmann war die Einzige, die sich darüber gefreut hat: „Als Biologin fand ich es grandios!“ Doch zugleich kann sie verstehen, dass sie mit ihrer Freude alleine dasteht, denn die Raupen seien nun einmal auf den Kohl fixiert, den sie selbst ernten möchten.
Beim Rundgang durch den Garten erzählt Kirsten Rottmann vom Einbruch ins Gewächshaus, bei dem Tomaten verschwunden seien, sie deutet auf die Zugänge zum Garten, die mit Bändern abgesperrt werden mussten, da immer wieder Besucher hineingingen. Sie zeigt voller Begeisterung auf gelbe, blumenförmige Zucchini, die „Diskus-Zucchini“, wie sie die ungewöhnliche Form nennt, und sie spricht das große Jubiläumsfest der Inselschule an, bei dem die Schulgarten-AG einen Stand haben wird. Obst und Gemüse wollen sie verkaufen, aus ihrer Ernte kleine Snacks anbieten, etwa Gurkensushi, eventuell auch Samen der Stockrosen zum Kauf anbieten – eben alles, was der Garten so hergibt.
Was sie für den Garten selbst gerne hätten, sind zwei Regentonnen, die mit den Regenrinnen des Schulgebäudes verbunden sind. Nachhaltig Wasser zu sammeln, sei ihnen wichtig, erzählt Kirsten Rottmann. Durch die Regentonnen könnten sie auch leichter Hilfe beim Gießen bekommen. „In den Pausen könnten dann die Grundschüler ihre Bäume, die zur Einschulung gepflanzt wurden, bei Bedarf ganz einfach selbst gießen.“ Dafür habe sie einen Antrag beim Förderverein der Inselschule gestellt, der Projekte unterstützt, die dem Wohl der Kinder und ihrer Ausbildung und Entwicklung zugutekommen. Er wurde genehmigt. Samt mehrerer kleiner Gießkannen.

Schulfest und neue Garten-Gruppe 
Eine Woche später. Die erste Schulwoche ist vorbei. Gestern war das Schulfest (Artikel dazu folgt im nächsten Utkieker). Die vorherige Schulgarten-AG aus der inzwischen 6. Klasse war kurz nach den Sommerferien noch zweimal freiwillig dabei, um alles für das Fest vorzubereiten. Mit dem Verkauf ihrer Erzeugnisse – Kartoffeln, 20 Beutel à 1 Kilo, Gurken, Freilandgurken zum Einlegen, Tomaten, Zucchini, Kohlrabi, Bohnen, Mairübchen, Rucola, Rosmarin und Blumensträuße mit Sonnenblumen, Fetthenne, Dahlien, Holunder- und Brombeeren, außerdem selbstgemachten Gemüsekuchen – nahmen sie 259 Euro ein. Weitere Hochbeete und eine Vogeltränke planen sie nun zu kaufen.
Heute hat die neue Gruppe der Schulgarten-AG ihren ersten Tag. Es ist sehr heiß. Die 13 Kinder aus der 3. bis 6. Klasse haben mit Kirsten Rottmann und Antje Julius erst einmal einen Rundgang durch den Garten gemacht. Und dabei probiert: Cocktailtomaten, Rukkola, Koriander, Pfefferminze und Limonenminze. Inka sieht den Schulgarten als Chance, dass „man tolle Sachen lernt“ und freut sich über die Tomatenernte. Rieke sieht das genauso: „Was man nicht gekannt hat, lernt man hier.“ Lisbeth freut sich darauf „neue Pflanzen kennenzulernen“, und dass man „viel machen kann, wie anbauen“, findet Jonne super.
Neben der heutigen Ernte von Tomaten, Zwiebeln und Rucola, ist die Schulgarten-AG damit beschäftigt, Stauden einzupflanzen, die Kirsten Rottmann vorm Blumenhaus Peters entdeckte, zum kostenlosen Mitnehmen für Kunden. Die Samen der Stockrosen, die zum Schulfest noch nicht getrocknet waren, können heute gesammelt werden. Und es muss gegossen werden. Doch der Verschluss des Gartenschlauchs funktioniert nicht mehr richtig. Ein neuer muss her. Das ist schnell erledigt. Für das Wasser sind nicht nur die Pflanzen dankbar – auch die Kinder haben bei dem ein oder anderen kühlenden Spritzer ihre Freude. -jeg-