Langeooger Dünensingen begeistert auch 2022 wieder

Mitmachen ist die Devise, wenn Herbert Burmester zum Akkordeon greift
Zu den großen Attraktionen im Programm der Insel zählt das „Langeooger Dünensingen“, das seit Jahrzehnten Gäste wie Insulaner jeden Dienstagabend wie von magischer Hand gezogen ins Dünental unterhalb des Wasserturms treibt. Zwei Jahre war das Original wegen Corona ausgefallen, seit 15. Mai stehen sie wieder im Dünenrund, in der Hochsaison ab 20 Uhr, und genießen die besondere Atmosphäre dieser einmaligen OpenAir-Veran-staltung.
Auch am 26. Juli waren wieder Scharen herbeigeeilt, zunächst ein wenig enttäuscht, weil es wegen der unsicheren Wetterlage vom offenen Dünental ins geschützte Ausweichquartier unter den Arkaden bei der Apotheke ging. Doch das änderte sich sehr schnell, als Herbert Burmester mit dem Akkordeon loslegte. 83 Jahre alt ist er und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Seinen Hauptwohnsitz hat er mittlerweile in Pilsum in der Krummhörn, aber im Sommer kehrt er zurück auf die Insel – für sein Dünensingen.
Seit 19 Jahren führt er die Truppe an, die an diesem Abend ohne Eva Funke angetreten ist, die sonst mit einem zweiten Akkordeon begleitet. An der Gitarre spielte Garry Walden, den Gesang unterstützten Erika Lange, Ursel Reinboth und Elke Gewert vom Langeooger Chor „de Likedeeler“. Sie treten seit Jahren zum Dünensingen alle ehrenamtlich auf, und das immer wieder gerne.
Eine, die sich ganz besonders darüber freut, dass das Langeooger Dünensingen wieder stattfinden kann, ist Inge Römer-Wienert aus Dinslaken. Die heute Achtundsiebzigjährige war als kleines Mädchen im Alter von drei Jahren das erste Mal auf der Insel, feiert jetzt also ihr 75-jähriges Gästejubiläum. Jedes Jahr war sie seitdem mir ihrer Familie auf Langeoog und immer auch beim Dünensingen. Sie hat über die Jahrzehnte jedes erlebt und auch die Generationen von Chorleitern, die das Programm gestalteten. Sie erinnert sich besonders gern an die Zeit, als viele Abendlieder gespielt wurden, da war sie noch Kind. Wie sie in den Dünen spielten und bei den Klängen die Sonne langsam hinter den Kuppen versank. Heute singt sie gemeinsam mit ihrer Tochter Claudia Siebertz (49), die als Baby von 6 Wochen schon beim Dünensingen mit dabei war, und auch deren Tochter Annabelle (13) gesellt sich zu dem besonderen Mutter-Tochter-Gespann.
Das Dünensingen war immer und ist bis heute eine Veranstaltung für die ganze Familie, für Alt und Jung, Groß und Klein.
Die Kleinen zieht es immer besonders gern zum Dünensingen. Für sie sind immer – egal ob im Dünental oder vor der Insel-Apotheke – die vordersten Plätze reserviert. Gespannt warten sie auf das nächste Lied, aber noch viel gespannter auf die Runde Gummibärchen, die traditionell verteilt werden. Da geht man doch gerne mit – und lernt ganz nebenbei das Liedgut, das bei den Eltern meistens noch ganz tief sitzt und Erinnerungen an die eigene Kindheit weckt.
Wie einst erklingt „In einem In einen Harung jung und schlank – zwo, drei, vier, sit, tata, tirallala – der auf dem Meeresgrunde schwamm…“, und schon singen alle lauthals mit. Neben Kinderliedern wie diesem oder etwa der bekannten „Vogelhochzeit“ spielen vor allen Dingen die See und das Fernweh, die Sehnsucht nach der Heimat und dem oder der Liebsten eine Hauptrolle im musikalischen Programm. Wo, wenn nicht hier so nah am Meer, könnten diese Lieder authentischer klingen? „Meine Heimat ist das Meer, meine Sehnsucht sind die Sterne“, „Wo die Nordseewellen trecken an den Strand“, „An der Nordseeküste, am plattdeutschen Strand“ – da möchte man schon gleich beim Lesen mitsingen.
Obwohl nicht im beliebten Dünenrund begeistert und überrascht dieser Abend. Denn die Enge des Ausweichplatzes ist auch zugleich sein Vorteil. Wenn auch atmosphärisch vielleicht nicht ganz so idyllisch, lässt es sich vor den Einkaufsarkaden sehr gut singen. Man hört sich besser, ist näher bei den anderen und ihrem Gesang. Auch Herbert Burmester ist ganz begeistert, wie gut sein Publikum bei dieser Vorstellung mitmacht.
Die Sonne blitzt noch kurz auf hinter dem Wasserturm, der Himmel schickt noch ein letztes Blau über die Menge, dazu Lales Andersens sehnsuchtsvolle Zeilen: „Ich schau den weißen Wolken nach und fange an zu träumen“. Mit der berühmtesten Frau der Insel und ihrem Welthit „Lili Marleen“ geht es auch an diesem Abend für den Chor aus hundert Kehlen dem Ende zu. Mit einer allerletzten Zugabe und „La Paloma“ von Hans Albers ist dann endgültig Schluss: „Auf Matrosen – ohe! Einmal muss es vorbei sein“.
Nicht auf Langeoog, denn da geht es jeden Dienstag bis zum 15. Oktober mit dem Dünensingen weiter. Zum Programm gibt es ein Liederbuch, das der Tourismus-Service Langeoog seit diesem Jahr neu herausgibt, und das für 3 Euro an der Tourist-Info im Haus der Insel zu erwerben ist. -Petra Wochnik-