Im „Schweinsgalopp“ über die Insel 

Altes Insulanerhaus wird saniert 
Im „Schweinsgalopp“, wie Tischlermeister Holger Schwede sagt, geht es mit dem Rad von seiner Tischlerei am Schniederdamm zum alten Insulanerhaus, nur wenige Straßen entfernt. „Es wird gerade von Grund auf renoviert und erweitert. Wir machen die Fenster und Türen“, so Holger Schwede.
Seit über 50 Jahren ist die Schwede-Tischlerei auf der Insel tätig.
„Wir machen alles“, sagt Holger Schwede, der die Tischlerei 2012 von seinem Vater Heinz Schwede übernahm. Gemeint ist damit, neben Fenstern und Innentüren einsetzen, zum Beispiel Glasscheiben erneuern, Möbel anfertigen und reparieren; Parkett, Kork und Laminat verlegen, Treppen und Fensterbänke herstellen, Wintergärten bauen – und sogar der Schlüsseldienst gehört zu den Aufgaben, die er mit seinen zwölf Mitarbeitern umsetzt. Früher, so erinnert er sich, wurden in der Tischlerei auch Särge hergestellt.
„Dass eine Arbeit nach der anderen umgesetzt werden kann, ist eher die Ausnahme“, erklärt Holger Schwede. Vielseitig seien die Aufgaben und viel zu tun gebe es auch: „Hier muss mal eine Scheibe ausgetauscht, da ein Fenster eingebaut werden; mal muss ein Bett in einer Ferienwohnung repariert und dann wieder ein Insektenschutz angebracht werden. Es sind viele kleine Projekte.“ Gerade sind sie auf zwei Baustellen für das Einsetzen der Fenster verantwortlich. Rund 20 Fenster sind es in dem alten Insulanerhaus. Fünf Tage benötigen sie, um alle einzusetzen. Abdichtungsfolien von innen und außen müssen bei jedem Fenster angebracht werden, damit Wind und Feuchtigkeit nicht eindringen können. Leisten und Laibungen müssen anmontiert werden. Immer schwerer würden die Fenster werden, die nur noch zu zweit getragen werden könnten; daher würden auch zuerst die Rahmen eingebaut und anschließend die Flügel, erzählt der Tischlermeister, der auch als Ortshandwerksmeister auf der Insel aktiv ist.
Auf der Baustelle vor Ort ist auch Maurergeselle Fred Schuster vom Langeooger Bauunternehmen Schreiber Bau GmbH tätig. Er berichtet, dass sie im März mit dem Rückbau des Bestandsgebäudes angefangen haben. Vor Ostern, ergänzt Holger Schwede – da hatte er noch rechtzeitig die Fenster bestellt, bevor sie teurer wurden. Fred Schuster und seine Kollegen haben in den vergangenen Monaten das Haus entkernt und Wände eingerissen, das alte Dach komplett abgenommen und ein neues Dach aufgesetzt. Die Giebel und Dachüberstände wurden mit HardiePlank-Faserplatten in Skandinavischrot verkleidet.  „Auch die Bauherrinnen haben viel mitgeholfen“, so Fred Schuster.
Die Bauherrinnen sind die Töchter von Dietlinde „Didi“ Voß. Sie hat 60 Jahre in dem Haus gewohnt. Viel habe sie ausgemistet, sagt sie, und führt nun durch ihre sich noch im Rohzustand befindende neue Wohnung im alten Haus. „Das Haus war mal eine Baracke. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es ein Kinderheim; sie haben die ersten Erholungsreisen gemacht“, beschreibt sie die Geschichte des Hauses. Zweimal hatte sie im Laufe der Jahre mit ihrem Mann das Haus umgebaut. Nun, bei der dritten Sanierung, haben ihre Töchter, die auf der Insel geboren sind und inzwischen in Delmenhorst und Berlin leben, mit den Enkelkindern und Freunden geholfen, das Dach abzudecken und das Haus zu entrümpeln. Ihre älteste Tochter Minsine hatte – trotz eines gebrochenen Fußes – alte Fliesen abgeklopft. Iris, ihre Jüngste, Bauschutt weggeräumt und immer wieder für Ordnung gesorgt. Noch drei weitere Wohnungen sollen entstehen. „Didi“ Voß plant zu Ostern 2023 einzuziehen. Bis dahin wohnt sie nur wenige Schritte von der Baustelle entfernt, in der Ferienwohnung von Freunden. -jeg-