Gemeinde-Rat und Tat 

Neues von der Inselgemeinde Langeoog
Ausbau „neues KWC“ 
Bautätigkeit am Erlebnisbad: Der bogenförmige zweigeschossige Vorbau an der Südseite soll später den Anwendungsbereich des Kur- und Wellness-Centers (KWC) beherbergen. Bauherrin des Projekts ist die Inselgemeinde, Auftraggeber der Tourismus-Service Langeoog. Baumanagement und Baubetreuung übernahm die Projektsteuerungsgesellschaft-OL mbH. Der Ausbau des Vorhabens schreitet voran. Allerdings „wäre die Geschwindigkeit deutlich schneller, wenn wir eine Verschlankung der Verwaltungsprozesse, etwa bei den Vergabeverfahren hätten“, schränkt Bürgermeisterin Heike Horn ein. So entstünden wochenlange Verzögerungen, die aus Sicht der Verwaltung nicht nötig wären. Die Eröffnung des „neuen KWC“ ist zum Sommer 2023 angestrebt.
Neu: Business-Bike
Mit dem Dienstrad zur Arbeit: Die Inselgemeinde mit ihren Eigenbetrieben bietet ihren Mitarbeitern seit Kurzem Dienstfahrräder an. Über 50 Bedienstete nutzten bislang diese Möglichkeit. Die meisten wählten ein E-Bike, doch auch konventionelle Räder waren gefragt. Die Räder können bis zu einer Höhe von 4.000 Euro geleast werden. Insbesondere Mitarbeiter, die am Festland wohnen (und etwa in Bensersiel tätig sind), haben sich für dieses Angebot entschieden, berichtet die Inselgemeinde.
Mit der Idee war der Personalrat der Schiffahrt an die Verwaltung herangetreten, die sofort zugesagt hatte. „Die Teilnahme an diesem Modell ist für den öffentlichen Dienst eine gute ­Gelegenheit, außerhalb des Tarifregelwerks eine Leistung des Arbeitgebers anzubieten“, so Bürgermeisterin Heike Horn.
Schiffsneubau
Sie sind in die Jahre gekommen: „Onkel Otto“ und „Pionier“, die beiden Frachter der Schiffahrt der Inselgemeinde Langeoog. In Planung ist daher ein Frachtschiff-Neubau, der konkrete Züge annimmt. Unlängst ließen sich Rat und Verwaltung diesbezüglich auf einer Sitzung durch ein erfahrenes Hamburger Schiffsbau-Planungsbüro informieren. Ziel: „Die Beförderungskapazität der Inselschiffahrt soll mit dem Neubau erhöht werden, ebenso wird auf einen umweltfreundlichen Antrieb geachtet“, so die Inselgemeinde.
Langeoog beim Kommunalkongress des DStGB
Am 27. und 28. Juni 2022 standen in Berlin beim Deutschen Kommunalkongress des DStGB (Deutscher Städte- und Gemeindebund) die Städte und Gemeinden im Fokus. Unter dem Slogan „Stadt.Land.Nachhaltig – Zukunft vor Ort gestalten“ hatte der DStGB zum kommunalen Spitzentreffen eingeladen, um Lösungsansätze für eine nachhaltige Zukunft – Stichwort: Klimaschutz und Energieversorgung – vor Ort zu diskutieren. Mit dabei waren unter anderem Franziska Giffey, Regierende Bürgermeisterin von Berlin, sowie Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Bundesfinanzminister Christian Lindner.
Zu den rund 800 TeilnehmerInnen zählte auch Heike Horn: „Deutlich wurde, dass Verwaltungsprozesse beschleunigt werden müssen, um schneller handeln zu können“, berichtete die Langeooger Bürgermeisterin. Gastgeberin Giffey habe eine Verschlankung besagter Prozesse gefordert: „Die Bürger wollen Lösungen.“ Laut Innenministerin Faeser müsse man an einer Verschlankung gemeinsam arbeiten, um auf Krisen adäquat reagieren zu können. Finanzminister Lindner habe bekräftigt, dass staatliche Subventionen in der bisherigen Größenordnung künftig nicht mehr zur Verfügung stehen würden.
Eine weitere Erkenntnis der Kommunen sei, eindeutig zu sagen, dass Bestimmungen von der Bundes- zur Kommunalebene nicht einfach „von oben heruntergebrochen“ werden: „Gesetze, die sich auf kommunaler Ebene nicht umsetzen lassen, dienen den Bürgern nicht.“ Zu prüfen sei, ob exponierte Kommunen wie die Ostfriesischen Inseln nicht andere Rechte zugestanden bekommen müssten, um überlebensfähig zu bleiben. Langeoog etwa mit 1.800 Einwohnern halte eine ­Infrastruktur für 250.000 Gäste vor, und das auf begrenztem Raum. Dauerthemen wie Wohnraummangel und Gesundheitsversorgung bedingten Umstände, die aus Sicht der Bürgermeisterin „im kommunalen Kontext dringend neu bewertet werden“ müssten.
Zukunftskonzept Langeoog
Unter dem Label „Zukunftskonzept“ arbeitet Langeoog derzeit an der Definition und Gestaltung seiner touristischen Zukunft. „Wichtig ist es, das Profil der Urlaubsdestination zu schärfen und ein touristisches Gesamtkonzept zu entwickeln“, erklären Bürgermeisterin Heike Horn und Nils Jenssen, Leitung Tourismusmanagement. Dazu gehöre dann auch der Umgang mit den Liegenschaften wie KWC und HDI hinsichtlich des Entschuldungsvertrags mit dem Land Niedersachsen: „Wir müssen hier eine Wirtschaftlichkeit erreichen.“ Begleitet wird die Entwicklung des Zukunftskonzepts durch das Hamburger Beratungsunternehmen Project M GmbH.
Am 22. Juni fanden, vormittags und abends, zwei Zukunfts-Workshops im „Haus der Insel“ statt. Zu beiden Veranstaltungen kamen insgesamt rund 60 interessierte Bürgerinnen und Bürger, die sich mit ihren Ideen einbrachten. Nach einer Einführung durch Project M wurde jeweils in drei Gruppen gearbeitet: Wichtige Themen, wie zukünftiger Tourismus in Einklang mit der Dorfgemeinschaft, wurden lebendig erörtert; Ideen und Vorschläge wurden mittels Pinnwand gesammelt und dokumentiert. „Deutlich wurde wieder“, so Heike Horn im Rückblick, „wie verantwortungsbewusst und kreativ die Insulaner mit ihrer ‚Insel fürs Leben‘ umgehen.“ Ein wichtiges Signal war, dass „alle Ratsmitglieder, trotz persönlicher Eingebundenheit, an jeweils einem der Termine teilgenommen haben.“
Anschließend fand vom 5. bis zunächst 18. Juli eine anonymisierte Online-Bürgerbefragung „mit hoher Beteiligung“ statt, wie Heike Horn und Nils Jenssen erklären. „Um jedoch noch mehr Bürgerinnen und Bürger mit Erstwohnsitz Langeoog zu erreichen, die bislang keine Zeit zur Befragung fanden, wurde der Zeitraum bis zum 25. Juli verlängert.“
Im Vorfeld hatte es Expertengespräche und eine Vorortbegehung durch Project M gegeben. Zudem hatte die Inselgemeinde weitere Unterlagen zur Verfügung gestellt. Das gesamte Material wird nun einer Stärken-Schwächen-Analyse unterzogen, um Chancen und Risiken für den Standort Langeoog zu benennen. Die Ergebnisauswertung erfolgt zum Spätsommer.
In einer zweiten Runde mit Workshops und einer Steuerungsgruppe sollen dann Konzept und Strategie entwickelt werden. Dabei sollen im Rahmen eines Bürgerforums sowohl kurzfristige Ziele für 2023 als auch langfristige für die Folgejahre benannt werden. „Alles kommt auf den Prüfstand, auch die eigene Struktur“, so Bürgermeisterin und Tourismusmanager. Bis Jahresende soll das Projekt abgeschlossen sein, das dann in einen Ratsbeschluss münden soll. Ziel ist ein Lebensraumkonzept, das auch die Bedürfnisse der Bevölkerung einbezieht: „Die Insel kann nicht nur für Gäste da sein, auch die auf Langeoog Lebenden müssen sich wohlfühlen.“ -köp/ut-
Einzigartig: Naturerlebnispfad Wattenmeer 
Seit dem Herbst 2020 wurde auf der Insel Langeoog der „Inklusive Naturerlebnispfad Wattenmeer“ entwickelt und vor Ort durch acht Info-Stelen und digital als „Watt-APP“ umgesetzt. Die Schirmherrschaft übernahmen der Krimi-Autor Klaus-Peter Wolf und seine Ehefrau, die Kinderbuchautorin Bettina Göschl, beide bekennende Langeoog Fans.
Die Info-Stelen sind auf der Insel an markanten Weg- und Sichtpunkten positioniert, wie etwa am Hafen, dem Wäldchen und der Melkhörndüne. Jede Stele hat einen standortbezogenen Themenschwerpunkt. Besucherinnen und Besucher verbinden sich über einen QR-Code mit der „Watt-APP“ und können dort bei Bedarf über das Menü eine Darstellung und Erzählform aussuchen, die ihre Beeinträchtigung berücksichtigt. Virtuelle Hilfsmittel wie Filme, Augmented Reality sowie Gebärdensprache, leichte Sprache, Bilder, Klänge und die eigens geschaffene Erzählfigur „Ikke“ vermitteln die Inhalte zielgruppengerecht.
Menschen mit und ohne Behinderungen werden durch die gute Erreichbarkeit am Wegrand und die barrierefreie Watt-APP vielfältige Informationen etwa zum Watt, dem UNESCO-Weltnaturerbe und der Insel Langeoog vermittelt, ohne selbst das für einige Menschen beschwerliche Wattgebiet betreten zu müssen. Die Inhalte der Stelen wurden mit Unterstützung des Nationalpark-Niedersächsisches Wattenmeer ausgearbeitet. Bei der Ideenfindung half auch Nationalpark-Wattführer Joke Pouliart; auf seinem Gulfhof Friedrichsgroden hat er bereits einen Ort geschaffen, an dem Arbeit und Urlaub für Menschen mit und ohne Behinderungen möglich ist.
Weiterer Bestandteil des Projektes ist ein pädagogisches Beiprogramm mit Langeooger Kindern und Jugendlichen. Dazu gehörte die Gründung einer Theatergruppe, die durch Regisseur Wilhelm Schneck und Schauspielerin Kathrin Hildebrand vom Stuttgarter Theater Lokstoff angeleitet wurde. Die Gruppe hat das Stück in der Saison schon mehrfach aufgeführt, weitere Termine sind in Planung.
Dieses für die Ostfriesischen Inseln bisher einzigartige Projekt konnte dank der finanziellen Unterstützung der Europäischen Union durch die LEADER Region Wattenmeer-Achter, einer Förderung der Deutschen Postcode-Lotterie und des Kubus e.V. umgesetzt werden. Zwar steht die offizielle Einweihung noch aus, doch sind Bürgermeisterin und Tourismus-Chef stolz, diesen Pfad allen Insulanern und Gästen bieten zu können:­ „Es lohnt sich wirklich, dieses alle Sinne ansprechende Info-­Medium auszuprobieren.“ -ut-