„Wasser ist mein Leben“

Ein Lotse geht von Bord: Michael Thannberger prägte über 40 Jahre das Gesicht des KWC
Manche Menschen sind einfach da. Und man mag sich gar nicht vorstellen, dass sie einmal fort sein könnten. Doch genau dies tritt nun im Kur- und Wellness-Center (KWC) ein, zu dem er unverwechselbar gehörte: Michael Thannberger. Zum 30. Juni 2022 ging der therapeutische Leiter des Hauses in den ­Ruhestand.
Runde 40 Jahre lang gehörte er zu den konstanten und ­prägenden Kräften der Einrichtung. Vieles hat der 64-Jährige angestoßen und aktiv mitgestaltet, speziell die Wende vom klassischen Kurmittelhaus zum modernen Kur- und Wellness-Zentrum. Rückblickend sagt er, ein bisschen fühle er sich wie ein Lotse, der das Schiff „KWC“ durch unterschiedlichste Fahrwasser begleitet und geleitet habe.
Wandel von der Kur zur Wellness
Geboren 1957 in Harlingerode/Harz, begann Michael Thannberger nach der Schul- und Bundeswehrzeit eine Ausbildung zum Masseur, medizinischen Bademeister und medizinischen Fußpfleger. Nach bestandener Prüfung 1979 absolvierte er ein mehrmonatiges Klinikum im Krankenhaus Bad Harzburg. ­Anschließend sammelte er in Goslar und Flensburg Berufserfahrung in Privatpraxen. Den passionierten Segler reizte die Küste: 1981 kam Michael Thannberger erstmals nach Langeoog, um als Saisonkraft das Team des damaligen Kurmittelhauses zu verstärken. 1984 wurde er fest angestellt, im selben Jahr lernte er auch seine Frau Gabriele kennen: „Das war mein Glücksjahr.“ Das Paar heiratete 1987 und ließ sich auf Langeoog nieder.
In seiner langjährigen Tätigkeit erlebte Michael Thannberger hautnah die durch Gesundheitsreformen bedingten Veränderungen. 1995 wurde das Kurmittelhaus erweitert und die Krankengymnastik dorthin integriert. Ende des Jahres erhielt Michael Thannberger die kommissarische therapeutische Leitung, ab 1997 die stellvertretende Leitung im Haus. Seit Februar 1997 war er der therapeutische Leiter des KWC. „In Top-Zeiten waren wir 21 Therapeutinnen und Therapeuten, die pro Tag bis zu 150 Schlickpackungen, 300 Inhalationen, 100 Bäder und 60 Unterwassermassagen verabreichten.“
Im neuen Jahrtausend kam ein neues Gebiet hinzu: Wellness fand immer mehr Fans, auch auf Langeoog. So folgte 2003 der Umbau im Haus: Auf gut 500 Quadratmetern entstand der „Nordsee SPA & Wellness“ als stilvolle Wohlfühloase. „Mit einer eigenen SPA-Abteilung waren wir damals Vorreiter an der Küste“, so Michael Thannberger.
Neuem stets aufgeschlossen, war Vielseitigkeit sein Marken­zeichen: Für Michael Thannberger gehörte die Fortbildung in neuen Therapieformen zum Alltag. Früher waren das etwa Lymphdrainage und Fußreflexzonenmassage. Weitere Therapieformen sind die aus der Hotstone- entwickelte Flint-Massage und die beliebten Ayurveda-Anwendungen. 2015 kam noch Yoga hinzu. Und mit der „Langeooger Naturkosmetik“ entstand ab 2006 eine hauseigene Pflegelinie aus hochwertigen Produkten.
Aqua-Kurse und Thalasso
Wenn Michael Thannberger „Wasser ist mein Leben!“ sagt, meint er damit nicht nur das Segeln. Im Kur- und Wellness-Center gilt dies zentral von A wie Aquakurse bis Z wie zertifizierte Thalasso-Einrichtung.
Aquakurse sind im KWC eine beliebte Selbstverständlichkeit. Ob Aqua-Fit, Aqua-Power oder Aqua-Cycling: Begonnen hat alles vor 25 Jahren: 1997 absolvierte Michael Thannberger an der Uni Göttingen eine Fortbildung zum „Aquatic Fitness ­Instructor“ und gehörte damit zu den ersten hundert seiner Zunft in Deutschland. Zunächst bot er zwei Kurse an – Wassergymnastik und Aquafitness. Schon damals stellte er im „Utkieker“ erfreut fest, dass auch „viele Insulaner von diesem neuen Angebot der Kurverwaltung regen Gebrauch“ machten.
Inzwischen kann er sagen: „Ich hatte eine Viertelmillion Köpfe im Wasser.“ Zu diesen zählen auch die Fans des Aqua-Cycling. Das gesunde „Radeln im Wasser“ auf dem Aquarider, einem speziellen Unterwasser-Ergometer, hatte im Sommer 2008 seine Premiere im Therapiebecken. „Mit neun Rädern am Start haben wir zwei Kurse in der Woche angeboten“, erinnert sich Michael Thannberger. „Zuletzt waren es bis zu elf Kurse pro Woche – mit 16 Rädern.“
Ein weiteres Thema war Thalasso: Im Frühjahr 2010, bot das KWC mit „Luft und Meer“ erstmals eine thalasso-therapeutische Wanderung an. Zeitgleich hatte das Team für die damalige Kurverwaltung vier feste Thalasso-Kur-Wege ausgearbeitet, die jeder Interessierte auf eigene Faust erwandern kann. 2014 wurde Langeoog, parallel mit Norderney, als erster zertifizierter Thalasso-Standort Deutschlands ausgezeichnet. Das KWC wurde damit zur geprüften Thalasso-Einrichtung. Was Thalasso ist? „Kurz gesagt, die Nordsee als Therapeutikum“, weiß Michael Thannberger. „Die Elemente des Meeres wie Seeluft, Salzwasser und Schlick werden zur Unterstützung der Gesundheit eingesetzt.“ Dies geschehe qualifiziert im KWC.
Der Abschied fällt nicht ganz leicht, aber: „Ich bin dankbar für die Zeit, die ich hier verbringen und in der ich einiges bewirken durfte“, erklärt Michael Thannberger, der seinen Fortgang mit einem tiefen Dank verbindet. Der geht einmal ans KWC-Team und an die Weggefährten in Tourismus-Service, Rat und ­Verwaltung. „Danken möchte ich aber auch allen Patienten, Gästen, Freunden und Insulanern für bald vier Jahrzehnte ­lebendigen Austausch. Es war ’ne aufregende Zeit!“
Der Tourismus-Service Langeoog bedauert den Weggang des Urgesteins sehr: „Michael Thannberger hat dieses Haus und seine Leistungen über Jahrzehnte geprägt. Mit ihm verlässt jemand das Unternehmen, der sich mit Herzblut und voller Energie eingebracht hat und der jederzeit im besten Sinne des Hauses agiert hat“, sagt Nils Jenssen, Leiter Tourismusmanagement. „Wir bedanken uns ganz herzlich für seinen Einsatz und wünschen ihm für seinen neuen Lebensabschnitt von Herzen alles Gute! Es wird mit Sicherheit eher ein Unruhestand als ein Ruhestand. Aber auch das gehört zu Thanne dazu!“
Ausgleich zur Arbeit war und ist für Michael Thannberger der Sport. Neben dem eingangs erwähnten Segeln auf seiner Kielyacht „Kiek an“ sind es das Golfspiel und (selbstverständlich für einen Mittelgebirgler) das Skifahren.
Mit dem Ruhestand verlagert sich künftig auch der Lebens­mittelpunkt: Michael Thannberger zieht mit seiner Frau zurück in den Harz. Das Boot ist bereits verkauft, die Golfschläger nimmt er mit und die Skiausrüstung wartet schon – in seinem alten, neuen Zuhause. -köp