„Die Kehle muss gut geölt werden“

„Strandkorb“-Interview mit Herbert Burmester, 
dem Leiter des Dünensingens 

Er singt im Langeoog-Chor „De Likedeeler“, spielt Akkordeon und leitet seit 2003 das beliebte Dünensingen auf der Insel – Herbert Burmester. Auf seinem E-Bike fährt er mit Akkordeon und Verstärker im Fahrradanhänger noch bis Mitte Oktober dienstags ins Dünental zwischen Wasserturm und Hauptbad. Dieses Jahr wird der gebürtige Wilhelmshavener 83. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

Was bedeutet Ihnen Musik? 
Musik ist gut für die Leute und für mich auch. Musik ist gut für die Seele und beruhigt. Beim Dünensingen machen wir Volksmusik, in Schulen wird diese, denke ich, nicht mehr unterrichtet. Wir verbreiten das weiter. Es ist schön, wenn ein Kind zu mir kommt und fragt: „Machst du heute wieder ,Wir lagen vor Madagaskar’?“

Seit wann spielen Sie Akkordeon?
Ich war Anfang, Mitte 30 als ich die Chance hatte, ein gebrauchtes Akkordeon zu kaufen. Das Spielen habe ich mir alleine beigebracht. „Hänschen klein“ habe ich rauf und runter gespielt. So fing das an. Ich brauche keine Noten. Ich habe nach Gehör gelernt. Aus dem Bauch raus. Musik liegt ein wenig in den Genen. Meine Mutter hat gesungen, ein Instrument konnte sie sich nicht leisten. Das war damals richtig teuer.

Wie sind Sie zum Dünensingen gekommen? 
Das Dünensingen gibt es seit fast 60 Jahren. Mein Vorgänger spielte Gitarre, bei schlechtem Wetter musste es dann immer ausfallen. Das war anscheinend recht häufig. Wir kamen ins Gespräch und dann ging es ganz schnell. Nächstes Jahr mache ich es seit 20 Jahren.
Am Anfang fand das Dünensingen noch in einer Mulde statt. Ich stand in der Mitte und die Leute drumherum. Ich bin damals zwischen den Leuten gelaufen, damit jeder was hören konnte, sie saßen da ja nicht eng zusammen. Mein großes Akkordeon wiegt 30 Kilo, das kleine 25. Da sagte ich mir, das musst du anders machen und besorgte mir eine Box mit Lautsprecher.

Wie hat sich das Dünensingen im Laufe der Jahre entwickelt? 
Sehr gut. Es hat sich bei den Gästen rumgesprochen. Die Resonanz ist gewaltig geworden. Es wird auch gut beworben, vielleicht war das damals nicht so ausgeprägt.

Wie gehen Sie bei der Auswahl der Lieder vor? 
Es gibt das Langeooger Liederbuch. Das wird gerade neu gemacht. 50 Lieder sind dann dabei. Das Dünensingen dauert eine Stunde, da können wir um die 20 Lieder singen. Viele sind Lale-Andersen-Lieder, da warten die Leute auch drauf.
Zwei schnelle und dann drei langsame Lieder zum Runterkommen im Wechsel. Die Lieder sind nummeriert. Wir fangen immer mit „Hoch auf dem gelben Wagen“ an, dann kommt „Eine Seefahrt, die ist lustig“ und als drittes ein Seemannslieder-Potpourri.
Mein Lieblingslied ist „Wo die Nordseewellen…“ – das ist sehr bekannt, kennen alle, sogar die Bayern und es gibt sogar eine kölsche Version. Ein, zwei Lieder für Kinder sind jedes Mal auch dabei. Und am Schluss kommt immer „Lili Marleen“ von Lale Andersen.

Was ist das für Sie Besondere am Dünensingen? 
Im Sommer ist die Stimmung einzigartig! 600, 700 Leute kommen in der Hochsaison, mit Polsterkissen und Wolldecken. Vor Corona waren 180 Kinder dabei. Das weiß ich so genau, da ich einen Sponsor für kleine Päckchen Süßigkeiten habe und an dem Tag genau 180 Päckchen dabeihatte, die dann alle weg waren. Manche Gäste sagen, dass sie nur auf die Insel kommen, weil es das Dünensingen gibt. Ob das der alleinige Grund ist… Es freut mich natürlich. Und am schönsten ist es, wenn die Sonne scheint!
Dann gibt es auch lustige Begebenheiten: Ein Gast brachte mal seine Gitarre mit. Zwölf Saiten hatte diese. Zehn rissen während des Spielens ab. Aber er hat immer weitergemacht. Oder die zwei kleinen Jungs mit ihren aufblasbaren Gitarren, die sie nicht spielen konnten, aber die sich dann damit gekloppt haben.

Wie haben Sie die Corona-Zeit auf der Insel erlebt? 
Das Dünensingen war ja nicht möglich. Zusammen mit Eva Funke, sie ist auch im Chor „De Likedeeler“ und spielt seit fünf Jahren Akkordeon beim Dünensingen, habe ich für soziale Einrichtungen musiziert und Spenden gesammelt. Letztes Jahr für das Ahrtal. Wir haben auch für die Stiftung der Inselkirche „Musik auf Langeoog“ gespendet, für das Jugendhaus, die DGzRS. Einmal die Woche machen wir das weiterhin, wenn es nicht regnet und zu kalt ist.
Im letzten Jahr haben wir dann, statt des Dünensingens, Musik für Gäste, die hier waren, im Ortskern gespielt. Wenn die Leute Musik hören, bleiben sie stehen. Ans Abstandhalten mussten wir dann erinnern. Viele Genehmigungen brauchte es auch.

Sie sind gebürtig aus Wilhelmshaven. 
Wie kam es, dass Sie auf die Insel gezogen sind? 
Ich habe 30 Jahre in Wilhelmshaven in einer Maschinenbaufirma gearbeitet. Als diese Insolvenz anmelden musste, habe ich nach einer neuen Stelle gesucht. In einem Radio-Spot habe ich gehört: „Auf Langeoog wird ein Fahrradmechaniker gesucht“ – da habe ich mich bei dem Verleih beworben. Als ich mich dort vorstellte, hieß es: „Sie können gleich hierbleiben!“ Das war 1997. So bin ich dann hier gelandet.

Wie hat sich die Insel im Laufe der Jahrzehnte ­verändert? 
Baulich hat sich einiges verändert, aber so lange es im Rahmen bleibt, ist es in Ordnung. Es ist nichts Extravagantes entstanden.

Was bedeutet Ihnen Langeoog? 
Der Slogan der Insel ist: „Die Insel fürs Leben“. Das ist sie auch. Ich habe alle anderen ostfriesischen Inseln gesehen, mit dem Chor sind wir immer auf einer anderen gewesen. Sie gefallen mir auch, außer die Inseln auf denen Autos fahren. Jede Insel hat ihr Flair. Hier ist es am schönsten.

Haben Sie ein Lebensmotto? 
Die Kehle muss gut geölt werden. Am besten ist klares Wasser, nix Süßes. Ich hoffe, ich kann das Dünensingen noch ein paar Jährchen machen. So lange es mir gut geht, kann es noch eine Weile so bleiben.

Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Insel? 
Langeoog ist ein Ort. Ein großer Ort.
Und auch der Balkon, der zu unserer Wohnung gehört, ist einer meiner Lieblingsorte. Ich bin ein Blumenfreund. Auf Langeoog sammle ich gerne Holunder- und Brombeeren – wo verrate ich aber nicht! Daraus mache ich dann Marmeladen, die ich verschenke, aber auch für mich selbst.

Was wünschen Sie sich für Langeoog? 
Dass viele Gäste kommen und auch viele mit Kindern, die gehören dazu. Ansonsten: gutes Wetter, aber das wünschen wir uns ja alle.
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Sie!

-jeg-

Langeooger Dünensingen 
Das Dünensingen mit Herbert Burmester und Eva Funke findet noch bis Mitte Oktober jeden Dienstag im Dünental unterhalb des Wasserturms statt. Bei Regen wird unter dem Dach vor der Apotheke gesungen. Beginn ist noch bis einschließlich 9. August um 20 Uhr.