Wollwickler mit Wasserturm

Im Glücks-Lädchen lässt sich rund um die Wolle 
Schönes entdecken und erleben 
Krafttraining, genau das sei es, beschreibt Britta Freist ihre Arbeit am Wollwickler. Dafür hat sie den Wollstrang um die Haspel gelegt und den Anfang des Strangs mit dem Wickler verbunden. Rhythmisch-schnell dreht sie die Kurbel und nach einigen Minuten ist es geschafft – das fertige Wollknäuel ist da. Seit zwei Jahren gehört diese Beschäftigung zu ihrem Arbeitsalltag. Dass es so gekommen ist, hat mit der Schließung des Wollgeschäfts in der Kirchstraße 16 zu tun.
Faire Wolle im Glücks-Lädchen 
Britta Freist, deren Geschäft sich ebenfalls in der Kirchstraße 16 befindet, wurde schon seit November 2019 immer wieder von Kunden gefragt, ob sie denn keine Wolle „mehr“ habe. Das sei sehr oft der Fall gewesen, sodass sie sich entschloss, ein ausgewähltes Wollsortiment aufzunehmen. Fairness und Nachhaltigkeit sind für sie wichtig. Auf laminierten Kärtchen beschreibt sie in ihrem Laden die Besonderheiten der verschiedenen Wollsorten und stellt die Produkte samt zugehöriger Geschichte auf ihrer Website vor. So etwa die handgefärbte Wolle einer Frauenkooperation aus Uruguay: Es handelt sich um fair gehandelte Wolle des Unternehmens Manos del Uruguay, das seinen Arbeiterinnen eine angemessene Bezahlung zusichert und Mitglied in der World Fair Trade Organization (WFTO) ist. Im Vergleich zu herkömmlicher Wolle besticht sie durch ihre Haptik: „Fassen Sie die Wolle an und dann gewinnt die Wolle“, antwortet Britta Freist auf die Frage, wie sie die Besonderheiten des farbintensiven Materials beschreiben würde. Bis zu sechs Mal werde jeder einzelne Strang gefärbt, um die besondere Farbtiefe zu erreichen – ein Unikat, jeder einzelne. Dieses Farbspiel „muss man am Strang sehen“, sagt sie.
Gegen eine kleine Spende für die Seenotretter wickelt sie für ihre Kunden die Stränge zur Weiterverarbeitung zu Wollknäueln. Damit das fertige Wollknäuel bei der Weiterverarbeitung nicht wegrollt, werden in ihrem Laden auch Wollwickler aus Holz angeboten: Ein langer Stab ist mit einer runden Platte verbunden, auf der das Wollknäuel liegt. Hergestellt werden sie von dem ehemaligen Insulaner Ulrich Fokken, der extra für das Glücks-Lädchen den Langeooger Wasserturm auf diesen verewigt.
Stricken und Sticken ausprobieren 
Mit der Wolle kam vor zwei Jahren auch der große Raum im Nachbarhaus: Dort, wo einst das Wollgeschäft war, ist nun der Seminarraum Glücks-Sachen. Im April werden wieder Kurse angeboten. Im Zweitageskurs „Auf die Socke – fertig – los!“ werden am ersten Tag Anschlag und Schaft und am zweiten die Ferse und Spitze gestrickt. Mäppchen, Etuis, Taschen oder Kissen mit lustigen Motiven können im Kurs „Kreuz und quer!“ mit den Stickpackungen des dänischen Anbieters „fru zippe“ umgesetzt werden. Beide Kursinhalte werden von ihrer langjährigen Mitarbeiterin Martina Schwarz vermittelt. Mit zwölf Jahren strickte sie ihr erstes Paar Socken, erinnert sie sich. Da das Handarbeiten ihre Leidenschaft ist, sind auch immer wieder Modelle von ihr im Glücks-Lädchen, die Kunden inspirieren und zum Nachstricken und Nachsticken einladen.
Zum Kursangebot gehört auch eine sehr alte ostfriesische Handarbeitskunst: Im Kurs „Stickbreyn“ wird ein Täschchen mit einem Stick – Plattdeutsch für Stock – aus Holz, der einer sehr dicken Häkelnadel ähnelt, hergestellt. Als „Ostfriesische Entspannung“ beschreibt Britta Freist diese Kunst, mit der früher oft ältere Männer im Winter vor dem Ofen Decken, Mützen oder Ähnliches herstellten. Von Hand zu Hand oder Mund zu Ohr sei dies überliefert worden und werde es noch heute.
Im Glücks-Lädchen können die für die jeweiligen Kurse benötigten Materialien erworben werden. Sobald die Termine feststehen, werden sie auf der Website mitgeteilt und am Schaufenster von Glücks-Sachen ausgehängt.
Über das Glücks-Lädchen 
Seit 2016 betreibt Britta Freist ihren Laden auf der Insel. Für sie ein Glücksfall, der auch zum Namen ihres Geschäfts führte. Im Glücks-Lädchen gibt es Artikel von vielen kleinen Familienbetrieben und mehreren Behindertenwerkstätten.
Neben dem Wollsortiment gehören unter anderem auch Schals der kleinen Weberei McKernan aus Irland, Wollfleece-Kleidung aus 100% Merinowolle von drei Frauen in Irland entwickelt und gefertigt, faire Kleidung aus Hanf, Barfuß-Schuhe mit Korksohle, ätherische Öle von Primavera, kreative Holz-Bausätze, Postkarten und Spiele sowie viele „Glücks-Artikel“ zum Angebot. Britta Freist kennt alle ihre Lieferanten seit Jahren, probiert und nutzt viele Produkte selbst. Bereits vor ihrem Umzug nach Langeoog war sie Inhaberin eines Ladens. -jeg-
Kontakt & Öffnungszeiten 
Das Glücks-Lädchen – Kirchstraße 16 – ist zurzeit wie folgt geöffnet:
montags bis samstags von 10.00 bis 13.00 Uhr
Betriebsferien: 10.1. bis 13.2. 2022
Ab April: montags bis freitags von 10.00 bis 18.00 Uhr
samstags von 10.00 bis 13.00 Uhr
Tel.: 0175-4969703
E-Mail: info@gluecks-laedchen.de
www.gluecks-laedchen.de