„Das sind gute Aussichten“

Wohnungsbaumodell „Uns Oog“ steht vor dem 
Abschluss – ein „Spiegel unserer Inselgesellschaft“
Lebenslanges Wohnrecht und stabile Mieten über Jahrzehnte hinweg – für so manchen Mieter klingt dies nach einem schönen Märchen. Und doch ist dies Wirklichkeit. Die Wohngenossenschaft „Uns Oog“ setzt ein solches Projekt in Form von 34 Wohneinheiten (ursprünglich waren es 31 Wohnungen, drei weitere kamen mit Nachtragsbaugenehmigung hinzu) auf dem Gelände des ehemaligen Internats an der Kirchstraße um. Baustart war 2019, in diesem Jahr sind die ersten Mieter in zwei der Häuser eingezogen. Bis Ende des Jahres sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. „Das schaffen wir“, ist sich der Vorsitzende der Wohngenossenschaft, Uwe Garrels, sicher.
Die Idee …
zu dem Projekt hatte Ratsherr Jan Martin Janssen vor vier Jahren. Er hatte im Internet von einem Wohngenossenschaftsmodell auf Amrum erfahren und die Gemeinde davon überzeugt, dass so etwas auch auf Langeoog umzusetzen wäre. Das Ziel: bezahlbaren Wohnraum für Menschen schaffen, die ihren Hauptwohnsitz und Lebensmittelpunkt auf der Insel haben, dort leben und arbeiten.
Der Gemeinderat beauftragte die Ting-Projekte GmbH aus Schleswig-Holstein – sie hatte auch das Amrumer Vorbild umgesetzt – damit, die Möglichkeiten genossenschaftlichen Wohnens, auch mit Wohnberechtigungsschein, abzuklopfen und eine Planung für das Gelände vorzulegen. Da das Internatsgrundstück dem Erbbaurecht unterliegt, konnten niedrigere Grundstücks­kosten für die Realisierung angesetzt werden. Interessierte fanden sich schnell. Im März 2018 wurde die „Wohngenossenschaft Uns Oog eG“ gegründet und das Genossenschaftsmodell mit  Eigenbeteiligung umgesetzt.
Rund 20 Prozent der Gesamtsumme – über 1,5 Millionen Euro – werden durch Einlagen der Genossenschaftsmitglieder gedeckt. Zuschüsse für sozialen Wohnungsbau und Energiesparmaßnahmen gab es von der NBank und der OLB. „Alles ist bis zum letzten Cent finanziert und wird vollständig ohne Zinsanpassung abbezahlt werden“, so Uwe Garrels. Auch Instandhaltungsrück-   lagen seien in die Kosten eingerechnet worden. Mieterhöhungen müsse man in den Wohnungen von „Uns Oog“ somit nicht fürchten. „Für manches Mitglied war es nicht einfach, seine Einlagen zusammenzutragen, aber es hat geklappt“, freut sich Garrels.
Entstehen werden 34 Wohneinheiten mit Größen zwischen 34 und 124 Quadratmetern. Die sechs Gebäude wurden im Energieeffizienzstandard KfW55 errichtet und sind schwellenfrei. Vier Aufzüge erreichen auch die Abstellräume im Dachgeschoss. Wasser wird durch Solarenergie erwärmt. Und bei der Heiztechnik hat „Uns Oog“ auf Gas verzichtet –  zugunsten von Wärmepumpen.
Die Bewohner …
sind laut Garrels eine bunte Mischung von Menschen aus allen Alters- und Einkommensstufen. „Damit soll sich unsere Insel­gesellschaft widerspiegeln“, so Langeoogs ehemaliger Bürgermeister. „Die Genossenschaft verwaltet sich selbst“, erklärt er. „Sie stellt ihre Gärtner für die Pflege der Außenanlagen ebenso wie den Hausmeister.“ Dafür habe es schon Schulungen gegeben.
Wohnen dürfen in der Genossenschaftsanlage ausschließlich Mitglieder. Die Bewohner dürfen ihre Wohnungen tauschen, so etwa, wenn sich Lebensumstände geändert haben. Wer wegzieht, muss einen Nachmieter stellen, der die oben genannten Vorgaben erfüllt. Die Wohnungen dürfen nicht als Ferienwohnungen oder Mietobjekte genutzt werden. „Sie sind Gemeinschaftseigentum und keine Eigentumswohnungen“, macht Uwe Garrels klar. Die meisten Wohnungen sind bereits vergeben. Zwei Wohneinheiten – eine mit 73, eine mit 76 Quadratmetern – sind noch zu haben. Garrels ist zuversichtlich, dass auch sie bald Mieter gefunden haben werden.
Die Realisierung der Anlage wollen die Genossenschaftsmitglieder mit einer Einweihung feiern. „Die Corona-Richtlinien geben vor, wann dies möglich sein wird. Aber wir feiern selbst im tiefs­ten Winter. Denn bisher mussten alle Feiern wegen der Pandemie ausfallen – sogar das Richtfest, obwohl das Unglück bringen soll“, sagt Uwe Garrels und winkt gleich ab: „Aber ich bin nicht abergläubisch und auf Amrum funktioniert das Modell schon seit fünf Jahren. Das sind gute Aussichten.“ -sbo-