„Ich reise nie ohne Geige“

Kurpastor Stefan Buss sorgt wieder für Musik im Gottesdienst
„Man hat deutlich gemerkt, dass die Menschen zu Zeiten der Pandemie-Regelungen an irgendetwas teilnehmen wollten“, hat Stefan Buss während seiner Zeit als Kurpastor im vorigen Frühjahr festgestellt. „Deshalb waren die Gottesdienste wohl auch begehrter, als wir es erwartet hatten.“
Unter Einhaltung der Corona-Auflagen – geringere Teilnehmerzahl, Abstandsregelung und Hygienemaßnahmen – kamen die Menschen in der Inselkirche zum gemeinsamen Gebet zusammen. Auf gemeinschaftlichen Gesang musste verzichtet werden. „Menschen brauchen Klänge. Deshalb habe ich mit Unterstützung von Kantorin Noémi  Roloff an der Orgel mit meiner Geige einige Musikstücke eingebracht. Und es gab die Möglichkeit, dass zwei bis drei Gemeindemitglieder im Altarraum mit gebührendem Abstand voneinander zusammen singen konnten. Dafür gab es oft dankbare Bemerkungen nach den Gottesdiensten“, so Stefan Buss, der diese Idee von Langeoog in seine Heimatgemeinde Oldenburg mitgenommen und dort angeregt hat. „Und sie wird dort bis heute praktiziert“, freut sich der 74-Jährige.
Im Rückblick auf seine fünfte Amtszeit als Kurpastor, die so ganz anders verlief als die vorigen, hat der frühere Geschäftsführer eines regionalen Diakonischen Werks in Südhessen folgende Erfahrung gemacht: „Ich habe gestaunt, wie problemlos die notwendigen Regelungen eingehalten wurden. Ohne Murren wurden die Vorgaben konsequent umgesetzt. Ich hatte den Eindruck von einer nächstenliebenden Verhaltenskontrolle, die da an den Tag gelegt wurde“, erinnert sich der ehemalige Gemeinde- und Gefängnispfarrer. „Ein großer stiller Anteil von Menschen hat sich der schlimmen Lage angepasst und mit der Einhaltung der Regelungen nicht nur sich selbst, sondern auch diejenigen geschützt, die kein Verständnis für die Vorgaben finden konnten.“
Buss rechnet damit, dass auch während seiner sechsten Amtszeit als Kurpastor vom 21. Juni bis 11. Juli noch Einschränkungen hingenommen werden müssen. „Aber die Flexibilität wird da sein“, ist er sich sicher. Für musikalische Untermalung während des Gottesdienstes ist gesorgt, denn: „Ich reise nie ohne Geige“.
Stefan Buss hofft darauf, dass wieder Gesprächsabende im „Beiboot“ möglich sein werden. „Dann würde ich gerne das Thema ‚Wenn die Wahrheit schmerzt‘ vorschlagen“, plant er. Und auch auf die seelsorgerischen Gespräche freut er sich. „Ich empfinde es als besonders wertvoll, Zeit für Gespräche mit Menschen zu haben. Bei gemeinsamen Spaziergängen können wir die Weitläufigkeit der Insel ausnutzen und über Lebensfragen sprechen. Im Gehen lässt es sich leichter reden – es schafft Nähe und Abstand gleichermaßen. Da hat das Wort ‚zugänglich‘ eine tiefere Bedeutung.“   -sbo-