Amateurfunk ist Völkerverständigung

Kontakt weltweit – von Langeoog bis nach Australien
„Hier ist Delta-Mike-Sieben-Lima-Alfa.“ Wer dieses Rufzeichen hört, ist bei Christoph Baller auf Langeoog gelandet. Oder hat, anders gesagt, die aktuelle Frequenz des 47-jährigen Amateurfunkers erwischt. Und mit diesem außergewöhnlichen Hobby ist Christoph Baller auf dem Eiland nicht allein. Mit ihm teilen Alfred Feith, Hans-Hermann „Hacky“ Otten und Jan Schmidt die Leidenschaft für drahtlose Kommunikation.
Doch zunächst einmal muss man wissen, dass es zwei Arten von privatem Funkverkehr gibt. Da ist zum einen der CB-Funk, der sogenannte Jedermannsfunk. Für diese Funkart gibt es eine recht überschaubare Anzahl an Frequenzbereichen, die nur mit dafür zugelassenen Geräten benutzt werden darf. Eine Funk­lizenz oder Ähnliches ist nicht notwendig.
Und dann gibt es den „richtigen“ Amateurfunk, ein interessantes und vielseitiges, aber auch anspruchsvolles Hobby. Der Amateurfunk darf im Gegensatz zum CB-Funk nur nach Ablegung einer Prüfung genutzt werden und bietet zudem eine Vielzahl an Möglichkeiten, sein eigenes Equipment zu bauen und in Betrieb zu nehmen. Ziel des Hobbys ist der Versuch, Funkverbindungen mit anderen Funkamateuren in der gesamten Welt herzustellen, meist mit relativ kleiner Senderleistung und oft an der Grenze des technisch Möglichen.
„Sechzig pro Minute waren Pflicht“
Von rund 2,8 Millionen weltweit lizensierten Funkamateuren werden etwa 80.000 in Deutschland gezählt. Zwei dieser Funkamateure leben auf Langeoog: Christoph Baller und Alfred Feith. Die beiden anderen im Bunde, Hacky Otten und Jan Schmidt, sind „nur“ CB-Funker, gehören aber „trotzdem zum elitären Kreis der Funkamateure auf der Insel dazu“, wie Jan Schmidt schmunzelt. „Das sind unsere Schwarzfunker“, ergänzt Alfred Feith. Der heute 77-Jährige ist seit vielen Jahrzehnten Funker mit Leib und Seele, legte 1967 die Prüfung ab.
Damals musste noch die richtige Telegrafie gelernt werden, also das Morsen. „60 Zeichen pro Minute waren Pflicht, aber ich habe es locker auf über 80 geschafft“, erzählt Alfred Feith. Im Lauf der Jahre konnte er sich dank moderner „Schlackertaste“ sogar auf über 100 Zeichen steigern. „Die Technik beherrsche ich noch heute“, sagt der rüstige Senior, der sich seit einiger Zeit aus der Funkerei etwas zurückgezogen hat. „Ich habe in meiner Funklaufbahn so gut wie alles abgegrast, hatte Kontakte bis Australien und Neuseeland. Jetzt lässt das Interesse etwas nach. Was soll auch noch kommen?“
„Der Kontakt steht im Vordergrund“
Sein damaliger Volksschullehrer hat bei Alfred Feith das Interesse am Amateurfunk geweckt – und das nicht nur bei ihm. „Er hat vielen von uns jungen Leuten das Funken beigebracht“, erzählt der Langeooger. Der Reiz lag damals wie heute darin, über lange Entfernungen den Kontakt zu Gleichgesinnten herzustellen, ob über Telegrafie oder den Sprechfunk. „Bei Amateurfunkern steht der Kontakt im Vordergrund. Gespräche oder gar Diskussionen über Politik und Religion sind verpönt.“ Also machte Alfred Feith die A-Lizenz, erwarb damit die umfassendste Erlaubnis zum ­Betrieb einer eigenen Funkstation. Als Rufzeichen wurde ihm DK5BJ zugeteilt. Mit dem können Alfred Feith und seine Station bis heute weltweit identifiziert werden.
Auch wenn der Reiz für Amateurfunker darin besteht, möglichst über weite Strecken miteinander in Kontakt zu treten, so erinnert sich Alfred Feith noch heute an einen Funker aus Mecklenburg-Vorpommern, mit dem er seit über 30 Jahren in Kontakt steht und in deren Gesprächen stets auf Platt gesprochen wird. Außerdem war der Amateurfunker viele Jahre Mitglied im DARC, dem Deutschen Amateur-Radio-Club, dessen Orts­verband Harlingerland seinen Sitz in Wittmund hat. Ausgetreten ist Alfred Feith nur, weil er das Hobby heute nicht mehr ganz so intensiv pflegt wie früher.
Nicht mehr auf den Kurzwellensendern zu hören ist Hacky Otten. Der 80-jährige CB-Funker hat lange Jahre seines Lebens die Gesprächspartner nach einem Funkkontakt vor Ort besucht, ist mit seinem Wohnwagen vor allem nach Italien und Marokko gefahren und hat sich dort mit seinen Funkkontakten getroffen. „Das war Völkerverständigung, wie es Ziel aller CB- und Amateurfunker ist“, erzählt Jan Schmidt. Und aus diesen Kontakten entstanden zum Teil bis heute bestehende Freundschaften.
QSL und QRP
Natürlich konnte Hacky Otten nicht jeden Kontakt persönlich besuchen, das wäre selbst dem reiselustigen Langeooger zu viel geworden. Daher hat der heute 80-Jährige immer wieder zu einer QSL-Karte gegriffen. Mit diesen Karten im Postkartenformat bestätigen Funkamateure untereinander den Empfang der Sendungen einer Station oder Sendestationen die Richtigkeit eines eingegangenen Hörberichts. Auch Hacky Otten besitzt derartige Exemplare. Für das außergewöhnliche Design seiner Karte hat er Mitte der 1980er-Jahre sogar mal einen Pokal gewonnen.
Nicht ganz so originell, aber auch nicht weniger schön sind die QSL-Karten von Christoph Baller. Sie zeigen die Insel Langeoog, den Standort seiner Station und natürlich sein Rufzeichen. Der 47-Jährige  ist ein Freund von „QRP“. Damit wird im Amateurfunk der Sendebetrieb mit kleiner Leis-tung bezeichnet. Der Begriff entstammt der Abkürzung für „Verringern Sie die Sendeleistung“.
Ausgestattet mit einem kleinen mobilen Funkgerät, einem Laptop und einer Ringantenne aus einfachem Kupferdraht veranschaulicht Christoph Baller, dass man schon mit einfachsten Mitteln den Kontakt zu weit entfernten Amateurfunkern herstellen kann. Denn schon wenige Augenblicke nach Aufbau und Anschluss aller Geräte erscheint der erste Kontakt in der Liste: Der gelernte Kommunikationselektroniker hat eine Gegenstelle in Italien gefunden, bestätigt den Kontakt und sieht kurz darauf den nächsten Funker auf dem Bildschirm. Diesmal aber ist das Gegenüber weiter im Osten zu finden. Laut Rufzeichen steht jetzt die Leitung nach Russland.
Die Zukunft …
des CB- und des Amateurfunks verläuft seit Jahren völlig unterschiedlich. Während der CB-Funk aufgrund des mittlerweile weltweit verfügbaren Internets mit all seinen Möglichkeiten fast in Vergessenheit geraten ist, erfreut sich der Amateurfunk auch weiterhin eines stabilen Interesses. Ein Grund ist der Umstand, dass der Funk als Ergänzung und praktisches Erprobungsfeld für digitale Anwendungen in Kombination mit Hochfrequenztechnik die entsprechenden Studiengänge an den Universitäten und Fachhochschulen ergänzt.
Über steigendes Interesse erfreuen sich dagegen die Amateurfunk-Anwendungen im QRP-Bereich, dem Senden mit kleiner Leistung. Seit etwa 2003 steht zunehmend das Thema Software Defined Radio (SDR) im Fokus der Funkamateure. Einher geht es mit einer deutlichen Wiederbelebung des Selbstbaus von Funkgeräten (aus Komponenten) sowie von deren Eigen- und Weiterentwicklung. Mit den im Internet zugänglichen „WebSDR“ können auch Amateurfunkbänder im Internet ohne physisches Empfangsgerät am Computer empfangen werden.
In der Geschichte der modernen Welt stellen Telegrafie und Funk wahre Meilensteine dar. Umso wichtiger ist es den CB- und Amateurfunkern, dass dieses einst weit verbreitete Hobby nicht in der Versenkung verschwindet. Daher ist Nachwuchs, gleich welchen Alters, immer gern gesehen. Wer sich ganz ­unverbindlich informieren möchte, kann sich jederzeit bei Jan Schmidt per E-Mail an radbod@gmx.de melden. -ut-