Die Handwerkskammer für Ostfriesland informiert:

Handwerk ist gefragt wie nie
Aber: Fachkräftemangel in allen Berufen spürbar –

Positive Erwartungen für die kommenden Monate
„Das ostfriesische Handwerk läuft auf Hochtouren“, zu dieser Einschätzung kommt Hauptgeschäftsführer Peter-Ulrich Kromminga nach der Auswertung der aktuellen Konjunkturumfrage. An der Herbstumfrage 2017 beteiligten sich 94 Betriebe aus allen Handwerkssparten. 87 Prozent der befragten Handwerksbetriebe beurteilen ihre derzeitige Geschäftslage als gut oder befriedigend. Die zukünftigen Erwartungen werden ebenfalls mit 57 Punkten (Vorjahr 55) bewertet. Zwei Drittel der Unternehmen glaubt, dass die Geschäftslage in den kommenden drei Monaten so bleibt. Ein Viertel der Betriebe ist optimistisch gestimmt und erwartet positive geschäftliche Entwicklungen mit weiter steigenden Umsätzen und Auftragseingängen. „So positiv hat sich das Handwerk lange nicht mehr eingeschätzt“, sagte Kromminga.
Die beste Konjunktur verzeichneten die Gesundheitshandwerke: So legten die Augenoptiker, Zahntechniker, Hörgeräteakustiker, Orthopädieschuhmacher und -techniker gegenüber dem Vorjahr um 15 Punkte zu. Trotz des Fachkräftemangels konnten die Betriebe Personal einstellen, um den hohen Auftragsbestand abzuarbeiten. Drei Viertel der Befragten erwarten künftig mehr Aufträge und Umsatzsteigerungen.
Das Lebensmittelhandwerk folgte mit 71 Punkten (Vorjahr 63) und erreichte damit einen neuen Spitzenwert der Branche der letzten sechs Jahre. Dabei verzeichneten die Bäcker, Konditoren und Fleischer eine gute Umsatzentwicklung und die meisten Investitionen. Um der Auftragslage weiterhin gerecht zu werden, werden jedoch dringend Fachkräfte benötigt. Das Bauhaupt­gewerbe profitiert vom schwungvollen Wohnungsneubau. Neun von zehn Unternehmen beurteilen die Geschäftslage als gut oder befriedigend. Auch hier sind fehlende Fachkräfte ein Sorgenthema. Die Ausbauhandwerke melden durchweg positive Ergebnisse. Ein Ende der ausgesprochen guten Stimmung ist nicht in Sicht.
Der Optimismus des ostfriesischen Kfz-Handwerks ist getrübt. Erfreulich ist jedoch, dass jeder vierte Betrieb höhere Verkaufspreise durchsetzen konnte; vor allem wurden Benziner mehr nachgefragt – eine Folge der Dieselkrise. Von gedämpfter Konjunkturlage wird in den Dienstleistungshandwerken gesprochen. Das Friseurhandwerk ist unmittelbar vom Fachkräftemangel betroffen. „Der Fachkräftemangel ist ein Dauerthema in allen Handwerksberufen. Deshalb arbeitet die Handwerkskammer intensiv daran, junge Menschen für eine Karriere im Handwerk zu interessieren“, versicherte Kammerchef Kromminga.
Der Arbeitsmarkt entwickelt sich im Gesamthandwerk per Saldo 6,4 Prozent im Plus. Fast ein Fünftel der Betriebe stellte zusätzliches Personal ein; rund 12 Prozent haben ihr Team verkleinert. Über Umsatzsteigerungen und Auftragszuwächse mit einer Auftragsweite von rund sechs Wochen freut sich das Handwerk. Das Investitionsvolumen konnte branchenübergreifend im Vergleich zu den Vormonaten leicht um 8,5 Prozent angehoben werden. Jeder fünfte Betrieb hat Investitionen getätigt.
Mehr Informationen unter: www.hwk-aurich.de/uber-uns/zahlen-daten-fakten

Fördersummen für junge Talente aufgestockt
Bewerber erhalten ab diesem Jahr die Chance auf eine Begabtenförderung in Höhe von 7.200,– Euro.
Wer sich beruflich weiterbilden will, muss je nach Gewerk viel Geld in die Hand nehmen. Umso positiver sind die Neuigkeiten, die es in diesem Jahr von der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung, kurz sbb, gibt. Sie hat die Fördertöpfe für Berufs­einsteiger erhöht. Seit diesem Jahr erhalten Stipendiaten einen Zuschuss von bis zu 7.200,– Euro in maximal drei Jahren bei einem Eigenanteil der Kosten von 10 Prozent. Zuvor waren es 6.000,– Euro. Das Weiterbildungsstipendium unterstützt junge Menschen nach dem besonders erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung bei der weiteren beruflichen Qualifizierung.
Aus der Region können sich frischgebackene Handwerksgesellen bei der Handwerkskammer für Ostfriesland bewerben. Gefördert werden fachliche Lehrgänge, zum Beispiel die Fortbildung zum Techniker, zum Handwerksmeister oder zum Fachwirt, aber auch fachübergreifende Weiterbildungen wie EDV-Seminare oder Intensivsprachkurse. Unter bestimmten Bedingungen kann auch ein berufsbegleitendes Studium unterstützt werden. Vorausgesetzt: Der Bewerber muss jünger als 25 Jahre alt sein und hat seine Ausbildung mit mindestens 87 Punkten oder besser als die Note „gut“ bestanden.
Das Weiterbildungsstipendium kann darüber hinaus künftig nicht nur für Lehrgangskosten, sondern auch für Prüfungskosten verwendet werden. Zudem gibt es einen IT-Bonus: die Stipendiaten erhalten einen Zuschuss von 250,– Euro, wenn sie sich einen Computer anschaffen wollen. Das Programm wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert.
Ansprechpartnerin in der Handwerkskammer ist Anita Friedrichs, erreichbar unter Tel. 04941/1797-78 oder E-Mail a.friedrichs@ ­hwk-aurich.de. Nähere Infos auf www.sbb-stipendien.de.