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„Sonny’s Dream“ von „Rosabella“

Lang erwartet und grandios:
„de Flinthörners“-Premiere am 4. April 2022 im „Haus der Insel“
Die erste Premiere im neuen Jahrzehnt! Nach zwei premierenlosen Jahren (Corona geschuldet) waren sie am Montagabend, 4. April richtig neugierig, wenn nicht gar wild aufeinander: „de Flinthörners“ und ihr Publikum. Aus aktuellem Anlass hatte sich der Langeooger Shantychor entschieden, seine Premiere im „Haus der Insel“ zum Benefizkonzert zu machen, für die Menschen in der Ukraine und die vor dem Krieg Fliehenden. Auf die gegenwärtige Situation wiesen „Flinthörners“-Chef Raimund Buss in seiner Begrüßung und Bürgermeisterin Heike Horn in ihrem Grußwort eingangs hin. Dennoch solle es, so ihr Wunsch, „ein unvergleichlicher Abend“ werden.
Erwartungsfrohe Spannung war im gut besuchten Saal zu ­spüren, auch wenn es für den Chor die 35. Premiere im 37. Jahr seines Bestehens war. Dank vier Neuzugängen (trotz Corona!) stehen bis zu 23 Sänger, darunter sieben Solisten, auf der Bühne. Chorleiterin Elisabeth „Puppa“ Peters, neben Tenor ­Dieter Kapfermann eines der letzten Gründungsmitglieder an Deck, hat alle(s) fest im Griff. Dabei sucht „Puppa“ (in Abstimmung mit dem Chor) nicht nur die Lieder aus, sondern arrangiert sie auch zum Teil neu. Gesungen wird diese Saison in fünf Sprachen: deutsch, englisch, französisch, spanisch, plattdeutsch. Und ein bisschen hawaiianisch soll auch dabei sein. Nun aber genug der Statistik – Vorhang auf!
Mit der „Hoffnung“ um die Welt
Das Bühnenbild zeigt den Langeooger Hafen. Es ist eines der ersten, die Inselmaler Anselm für den Chor gefertigt hat. Am Kai vertäut darf man sich die Bark „Hoffnung“ der Flinthörners vorstellen, die nun zu ihrer musikalischen Weltreise ablegt. Den starken Auftakt macht das neuseeländische Walfängerlied „Soon may the Wellerman come“ mit Shantyman Ralf Preuß. Eine britische Popvariante des Shantys war mal Nummer-eins-Hit in Deutschland; doch die kernige Version der „Flinthörners“ ist unschlagbar.
Weiter geht’s nach Brasilien zum „Rio Grande“: Gerrit Agena trägt den Klassiker des früheren „Flinthörners“-Shantymans Siggi Maurischat erstmals in englischer Fassung vor. Anschließend freut sich Klaus Kremer auf seine Heimat „South Australia“, einem von den „Dubliners“ bekannt gemachten Haul-away-Shanty.
Längst ist der berühmte Funke aufs Publikum übergesprungen, als Solist und Moderator Torsten Meyer mit „Being a Pirate“ amüsant über die Seeräuberei referiert, deren größter Nachteil im Verlust wichtiger Körperteile besteht. Demonstriert wird dies am Beispiel von Ex-„Flinti“ Siggi, der als Projektion auf einer Leinwand quasi Modell steht. Zum Mitklatschen lädt „The Mermaid“ ein: Der Shanty, den Chor-Mitgründer Els Sanders einst zum Schmugglerlied umgedichtet und selbst vorgetragen hatte, beschreibt auf Plattdütsch eine Reise zum „Fusel­felsen“ Helgoland. Shantyman Peer Agena erweist sich hier als überaus würdiger Nachfolger.
Eine Zeitreise unternimmt Gerrit Agena mit „Here’s a Health“: In nur einem Song wird die ganze Geschichte der Seefahrt von der römischen Galeere über Kolumbus bis zum Hightech-Schiff lebendig. Was die Bewohner vom amerikanischen Kap Kabeljau mit besagtem Fisch alles anfangen (oder auch nicht), verrät Ralf Preuß im Capstan-Shanty „Cape Cod Girls“. Gänsehaut-­Potenzial besitzt das von Torsten Meyer konzentriert vorgetragene „Sailing Home“: Was nach uraltem Shanty klingt, ist tatsächlich ein holländischer Song von 1987. Und wenn Sepp Enenkel sein Lieblingsschiff „The Rosabella“ besingt, kann er neben seinem stimmlichen auch sein mimisches Talent (früher: Inselbühne Langeoog) entfalten.
Großes Kino vor der Pause …
bietet ein Lale-Andersen-Potpourri: Anlass ist der Ende August nahende 50. Todestag der berühmten Sängerin, die auf Langeoog ihre letzte Ruhe fand.    Höhepunkt ist das in drei Sprachen dargebotene „Lili Marleen“, wobei Katja Agena die französische Strophe singt. Die bezaubernde Langeooger Sängerin überbrückt auch die Pausenzeit und unterhält das Publikum, derweil die Seewasserbarden sich kurz erfrischen.
Eine Entdeckung wert ist die weitgehend unbekannte „Lili Marleen“-Version des Komponisten Rudolf Zink, die Katja Agena mit ausdrucksstarker Stimme vorträgt. Ebenso hörenswert sind ihre Interpretationen von „Mein Herr“ aus dem Musical „Cabaret“ und Maite Kellys „Ich bin die Frau meines Lebens“. Zudem rezitiert sie noch das Inselgedicht eines Langeoog-Fans und das „Liebesgedicht an den Norden“ der Slam-Poetin Mona Harry. Da müssen sich „de Flinthörners“ nach der Pause aber anstrengen.
Von „fünf Uhr früh“ bis „nachts um halb eins“
Und das tun sie auch. Mit einem maritimen Medley von den „Blauen Jungs“ bis zum „Hamburger Veermaster“ melden sie sich auf der Bühne zurück. Nachdenklich stimmt Gerrit Agenas „Hard Times“: In dem 1854 geschriebenen Lied des Songwriters Stephen Foster geht es um schwere Zeiten, die nie mehr ­wiederkehren sollen. Als erfolgreich bekehrter Spitzbube aus Irland stellt sich anschließend Klaus Kremer in „The Wild Rover“ vor. Viele kennen die deutsche Version „An der Nordseeküste“ – ein Stimmungsgarant …
In seinem einfühlsamen „Five o’clock in the morning“ besingt Ralf Preuß das früh        beginnende Tagewerk der schottischen ­Hebridenfischer. Aus Kanada stammt Peer Agenas Volkslied „Sonny’s Dream“, das die (vergebliche) Sehnsucht eines Bauernjungen nach der See ausdrückt. Auf spanisch – und unter Riesen-Sombreros – präsentieren Torsten Meyer (lyrischer Tenor) und Ralf Preuß (Gitarre) ihre angebetete „La Bella Lola“ dem Publikum, dem sich die Frage stellt: Wo bitte kriegt man solche Wagenräder her? Stimmung bringt auch Klaus Kremers „John Kanaka“: Der Long-Haul-Shanty mit hawaiianischen ­Vokabeln ist ein Klassiker der „Flinthörners“.
Dann gibt Neuzugang Dirk Heutelbeck sein gelungenes Debüt als Solist: Mit cooler Rock’n’Roll-Note schildert er im Forebitter „Unmooring“ (Leinen losmachen) ein komplettes Ablege­manöver – den obligaten Abschiedsschmerz inklusive.
Zum guten Schluss entführt Sepp Enenkel das Publikum auf die „Reeperbahn nachts um halb eins“ – Hans Albers hätte seine helle Freude gehabt. „Bis zum nächsten Mal, auf Wiedersehen“ verabschieden sich „de Flinthörners“. Als Zugabe erklingt (wer sonst?) „The Last Shanty“.
Und während sich der Vorhang nach einem grandiosen Konzert unerbittlich schließt, dankt ein restlos begeistertes Publikum mit nicht enden wollendem Applaus.
Und das Fazit? 
Das hatte Heike Horn bereits in ihrem Grußwort vorweggenommen. „De Flinthörners“ seien „der beste Shantychor der sieben Ostfriesischen Inseln – nicht zuletzt wegen der begnadeten Chorleiterin ‚Puppa‘“, urteilte unparteiisch die Bürgermeisterin, die ja von Amts wegen „nicht lügen darf“. Doch es gab auch ernste Töne: Das Kriegsgeschehen in der Ukraine mache einen fassungslos, erklärten sowohl Heike Horn als auch Raimund Buss. Vereintes Handeln sei das Gebot der Stunde. Und so wurde zum Lale-Potpourri als Solidaritätsbekundung die Flagge der Ukraine erhoben. Während des Konzerts ging ein Spendenkorb im Saal herum, auch am Ausgang wurde noch gesammelt. Mit Erfolg: Insgesamt kamen durch Eintritte und dank zahlreicher Spenden des Publikums sowie einer Aufrundung durch den Chor 3.000 Euro zusammen.
Bis zum Saisonende gibt es alle zwei Wochen montags um 20.15 Uhr ein Wiedersehen und -hören mit „de Flinthörners“. Die nächsten Termine: am 9. Mai im „Haus der Insel“ und am 23. Mai, als Benefizkonzert, in der Inselkirche. Weiter geht es dann ab Montag, 13. Juni im 14-Tage-Rhythmus im HDI. Bis dahin: Shanty ahoi! -köp-

Fulminantes Klavierspektakel

Insulaner Dirk Heutelbeck spielt am 14. April im HDI
Der Insulaner Dirk Heutelbeck präsentiert teils bekannte, teils unbekanntere Stücke zwischen Rock und Pop mittels Stimme und Klavierbegleitung im „Haus der Insel“. Lieder von Moop Mama, Foo Fighters, Eric Clapton, Joris, Olli Schulz und vielen weiteren Interpreten garantieren einen abwechslungsreichen Abend. Geplant ist auch wieder eine kurze Gitarreneinlage.
 „Wenn mir Stücke gefallen, setze ich mich einfach ans Klavier und gucke, ob sich was draus machen lässt“, skizziert Dirk Heutelbeck seine Songauswahl. Der Grundstein für das Klavierspielen wurde auf Langeoog gelegt, und zwar  „durch Unterricht bei der Lehrerin Helene Rübesam, die früher für die musikalische Bildung der gesamten Inselkinder zuständig war“, verrät der Musiker.
Das Konzert am Gründonnerstag, 14. April im HDI beginnt um 20 Uhr, Karten im Vorverkauf bei der Tourist-Info im HDI oder online erhältlich zum Preis von 10,– Euro, Restkarten zzgl. 2,– Euro an der Abendkasse. Es gilt die aktuelle Corona-Verordnung für Niedersachsen. -ut-

„Die Wiese – Ein Paradies nebenan“

Beeindruckender Dokumentarfilm am 12. April im HDI
Sie ist das Paradies nebenan – die Wiese. Nirgendwo ist es so bunt, so vielfältig und so schön, wie in einer blühenden Sommerwiese. Hunderte Arten von Vögeln, Heuschrecken, Zikaden und anderen Tieren leben zwischen den Gräsern und farbenprächtig blühenden Kräutern der Wiese. Eine faszinierende Welt, in der ein Drittel unserer Pflanzen- und Tierarten zu Hause ist. In nie gesehenen Bildern und mit großem, technischen Aufwand gedreht, stellt die Dokumentation einige der schönsten, liebenswertesten und skurrilsten Bewohner unserer Wiese vor. Der Hauptdarsteller des Filmes ist ein junges Reh, das ein Leben zwischen Waldrand und Wiese führt und den Zuschauer mitnimmt auf seine Abenteuer, in eine Welt, die jeder zu kennen glaubt, und die doch voller Wunder und Überraschungen steckt.
Nach dem sagenhaften Erfolg seiner großen Naturfilmproduktionen „Das Grüne Wunder – Unser Wald“ und „Magie der Moore“ bringt der vielfach international prämierte Regisseur und Kameramann Jan Haft, der inzwischen als einer der besten Naturfilmer der Welt gilt, das nächste heimische Biotop auf die große Leinwand. Gefördert wurde der Film von der Deutschen Wildtier Stiftung. Er ist ein Aufruf zum achtsamen Umgang mit einem Lebensraum, dessen fortschreitender Rückgang schwerwiegende Auswirkungen haben könnte.
Beginn des 90-minütigen Dokumentarfilms am Dienstag, 12. April ist um 17 Uhr. Karten (8,– Euro/5,– Euro) erhalten Sie in der Tourist-Info im „Haus der Insel“ oder online. -ut-