Alle Beiträge von de Utkieker

Ein Herz aus Tulpen für den guten Zweck

Schulgarten-AG der Inselschule verschönert Schulhof
Wetterfest in Matschhose und Regenjacke eingepackt, schaufeln die zehn Kinder im Nieselregen Kiesel, Sand und alte Erde aus den Pflanzsteinen, die rund um das Klettergerüst der Langeooger Inselschule aufgestellt sind. In ihrer Schulgarten-AG sind die Fünftklässler normalerweise zu elft, aber heute ist eine ihrer Mitschülerinnen krank. Wenn keine Ferien sind, treffen sie sich immer mittwochnachmittags, um ihren Schulgarten zu pflegen und zu vergrößern, denn auch die Verschönerung ihres Schulhofs gehört dazu: In die Pflanzsteine kommt frische Erde; Stockrosen- und Ringelblumen-Samen werden in ihnen ausgesät. Vereinzelte Farbtupfer gibt es jetzt im April schon zu sehen. Die Kinder der Garten-AG, ihre Lehrerin Kirsten Rottmann, Antje Julius und Nadine Wilts aus der Elternschaft pflanzten insgesamt 1.980 Tulpenzwiebeln ein.

Tulpenherz aus 480 Zwiebeln
Vor der Schule, auf der Seite zur Kirchstraße, haben sie im Rahmen der Aktion „Grünes Herz für Niedersachsen – 75 Jahre Niedersachsen“ zur Förderung der Artenvielfalt aus 480 Tulpenzwiebeln ein Herz aus Tulpen angelegt. Die Tulpenzwiebeln selbst und auch die anderen 1.500 Stück, die im Schulgarten gepflanzt wurden, seien eine Spende aus der bundesweiten Aktion „Tulpen für Brot“, an der sich die Schulgarten-AG auch in diesem Jahr wieder beteilige, erzählt Kirsten Rottmann. Die Aktion ist von Kindern für Kinder, die mit der Bepflanzung und dem späteren Verkauf der Tulpen verschiedene Organisationen unterstützen. 2021 und auch 2022 sind es BOS Deutschland, die zwei Rettungszentren auf Borneo für Orang-Utans betreiben, die Deutsche Welthungerhilfe und die Deutsche KinderKrebshilfe. Der Verkauf der Tulpen der Schulgarten-AG startet nach den Osterferien über das Blumenhaus Peters, das, wie schon im Jahr zuvor, als Kooperationspartner gewonnen werden konnte.

Geschenke vom Langeooger Kleingärtnerverein
Ein besonderes Geschenk bekam die Schulgarten-AG durch ihren Kooperationspartner, den Langeooger Kleingärtnerverein „Am Wald“ Langeoog e. V., Anfang April: Frank Wißbrock (Vorsitzender) und Till Martin Peters überreichten im Namen des Vereins der Schule ein neues Hochbeet mit Frühbeetaufsatz.

Mit Volldampf in die Katastrophe?

Karikaturen-Ausstellung aus Ost- und Westeuropa zu Umweltkrise und Klimawandel vom 5. bis 18. Mai

Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind wesentliche Bereiche ökumenischen Handelns. Mit spitzer Feder haben Künstlerinnen und Künstler aus Osteuropa und aus Westeuropa anschaulich zu Papier gebracht, wo Gottes guter Erde durch Menschen Gewalt angetan wird. In der Ausstellung „Mit Volldampf in die Katastrophe?“ zeigt beispielhaft der Blick auf hohen Schadstoffausstoß der Kohlekraftwerke im bulgarischen Ostmariza, auf illegale Abholzung in der Ukraine oder Rumänien und auf wilde Müllkippen in Albanien, welcher gravierenden Schädigung die Umwelt allenthalben ausgesetzt ist. Die Bilder der ost- und westeuropäischen Karikaturisten belegen, wie unterschiedlich die wirtschaftlichen Realitäten und gesellschaftlichen Prägungen sind und wie verschieden ihre Wahrnehmungen und Ausdrucksformen. Dennoch eint alle die Sorge um das „gemeinsame Haus“, wie Papst Franziskus unsere Erde in seiner Enzyklika „Laudato sí“ nennt. So trägt diese Ausstellung dazu bei, das Thema aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. Aufgrund der großen Anzahl der Bilder wird die Ausstellung je zur Hälfte in der evangelischen Inselkirche und in der katholischen Kirche St. Nikolaus zu den täglichen Öffnungszeiten gezeigt. Die Karikaturen-Ausstellung ist vom 5. zum 18. Mai in St. Nikolaus und in der Inselkirche zu sehen. Die Vernissage findet am Donnerstag, 5. Mai um 16 Uhr in St. Nikolaus und anschließend in der Inselkirche statt. Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten beider Kirchen zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos.

Ausstellungskatalog
Zur Ausstellung gibt es auch einen Katalog, der alle Zeichnungen enthält sowie kurze Beschreibungen der beteiligten Künstlerinnen und Künstler. Einige, Thomas Plaßmann etwa oder Vladimir Kazanevsky aus der Ukraine, stellen sich jeweils 7 Fragen zu ihrem Engagement für die Ausstellung, ihrem persönlichen Umweltverhalten oder ihren Zukunftsgedanken. Der Katalog ist in der Ausstellung zu erhalten.

Golfen An’t Diek: Top-Start in die Saison 2022

Jahresversammlung: Golfclub Insel Langeoog e.V. 
gut aufgestellt – Gelungene Turniere zur Osterzeit
Mitgliederversammlung
Zwei Jahre lang konnte keine Präsenz-Versammlung stattfinden. Umso mehr freuten sich daher die Mitglieder des Golfclub Insel Langeoog e.V. auf ihre Jahresversammlung am Karfreitag, 15. April 2022. Bot sie doch nach langer Einschränkung endlich Gelegenheit, alle Golffreunde einmal wiederzusehen.
Bürgermeisterin Heike Horn entrichtete in ihrem Grußwort die besten Wünsche an alle Ehrenamtlichen und unterstrich, dass der Golfplatz ein „sehr wichtiger touristischer Baustein“ für die Insel sei. Präsident Bernhard Sieger berichtete über die vergangenen Jahre, die Aktivitäten und Veränderungen im Club. „Die finanzielle Situation war in den Jahren 2021 und 2022 gut“, ­bilanzierte der Clubpräsident erfreut. „Umsatzeinbußen, die in den pandemiebedingten Schließungszeiten gemacht wurden, konnten in der übrigen Zeit ausgeglichen werden“, so Bernhard Sieger. Daher könnten sich nun alle auf die bevorstehenden Turniere freuen. – Seine aktuellen Termine und Infos stellt der Club auf www.inselgolfen.de ins Internet.
Osterturnier
Mit dem Osterturnier am Ostersamstag, 16. April wurde nach sechsmonatiger Abstinenz endlich die heiß ersehnte Turniersaison eröffnet. Bei tollem Sonnenschein starteten ab 14 Uhr sieben Spielgruppen. Der Platz war in einem hervorragenden Zustand. Nach neun gespielten Löchern fand bei Kaffee und Kuchen an Tee 1 die Siegerehrung statt. Die Ergebnisse im Einzelnen: Brutto: Arnd Stötzel (10 P). Netto: 1. Simon Mohr (21 P), 2. Tamme Donner (19 P), 3. Dr. Walter Meeßen (17 P).
„An dieser Stelle ist unseren beiden Greenkeepern ein großes Lob auszusprechen“, erklärt Michael Wrana, Geschäftsführer des Clubs, im Namen aller Golffreunde. Denn derzeit stünden die zwei einer großen Herausforderung gegenüber: „Auch wenn es seit Wochen optisch nach Sommer aussieht, ist es meistens recht windig. Und die Temperaturen bewegen sich unterhalb des Wohlfühlbereiches. Das ist dem Wachstum und der Entwicklung des Platzes überhaupt nicht zuträglich.“ Trotzdem sehe das Gelände „schon sensationell“ aus, so Michael Wrana. „Ein ganz dickes Lob an Andreas und Sepp, die wirklich alles geben!“
Greenkeepers Rache
Das dicke Lob kam zu Recht, aber zu spät: Mit einem besonderen Turnier am 24. April „bedankten“ sich die Greenkeeper Sepp und Andreas bei allen Spielern für nicht zurückgelegte Divots (=beschädigte Rasenstücke) und nicht entfernte Pitchmarken (=Einschlagstellen von Golfbällen im Grün) im vergangenen Jahr.
Der Revanche-Parcours namens „Greenkeepers Rache“ hatte es in sich: Bereits an den Abschlägen musste von schrägen Rampen, aus Senken oder aus dem Rough gespielt werden. „Auf den Grüns sorgten allerlei Hindernisse, die morgens genussvoll aufgebaut worden waren, für den ein oder anderen verzweifelten Gesichtsausdruck“, berichtet Michael Wrana. Dazu kam ein recht frischer Wind, der allein schon die langen Schläge beeinträchtigte. Gespielt wurde in diesem Spaßturnier im Zählspielformat, mit einer Maximalbeschränkung auf zehn Schläge pro Loch. Dieses Limit rettete so manchem Spieler hier und da noch halbwegs den Gesamtscore.
Die Greenkeeper freuten sich über die starke Beteiligung – und dass sich so viele Teilnehmer „zurückärgern“ ließen. Natürlich war die Stimmung in diesem Format sehr ausgelassen. Viele Lacher schallten über den Platz, als die Hindernisse erkannt wurden.
Im Anschluss umstanden alle gemeinsam – und versöhnt – den gut belegten Grill. Für die Siegerehrung sponserte Michael Thannberger noch zwei Wanderpokale. Überreicht wurden sie an Goran Petrovic, der mit 43 Schlägen am besten mit den Platzbedingungen zurechtkam, sowie an Jens Mikosch mit 32 Nettoschlägen (49 Brutto).
Allen Beteiligten war klar: Damit es nächstes Jahr wieder so ein lustiges Turnier gibt, darf es in dieser Saison keinesfalls an ­„vergessenen“ Pivots und Pitchmarken mangeln. Also: Daumen hoch fürs Greenkeeping! -mw/ut-

Treffsicher zum 51. Mal

Der Schießverein Langeoog e.V. von 1971 blickt bei seiner Jahreshauptversammlung 
auf ein aktives Jahr zurück
50 Jahre wurde der Schießverein Langeoog e. V. von 1971 im vergangenen Jahr.  Dieses wurde mit einem Schießen auf die „50-Jahre-Ehrenscheibe“ während eines gemütlichen Grillabends gefeiert. Die Feier war ein Thema der 51. Jahreshauptversammlung des Vereins Ende März dieses Jahres. Vor den zahlreich erschienenen Mitgliedern blickte der erste Vorsitzende Matthias Richter auf ein aktives Jahr mit einem abwechslungsreichen Programm zurück.
Im Juli 2021 hatte der Schießverein neue Schießblenden bekommen. „In nur neun Stunden wurden diese durch einige Vereinsmitglieder fertiggestellt. Eine Wahnsinnsleistung!“, zeigt sich Matthias Richter begeistert.
Abwechslungsreiches Vereinsjahr
Trotz großer Einschränkungen konnten in den Sommermonaten des letzten Jahres die Vereinsmeisterschaft, die Ferienpassaktion für die Inselkinder und das beliebte Pokalschießen stattfinden. Sehr gut sei auch der Wanderpokal für Langeooger Gruppen und Vereine wieder angenommen worden. „Mit 18 Gruppen war es eine Rekordbeteiligung!“, so der Vorstand.
Die Proklamation wurde bei schönem Wetter Mitte September draußen abgehalten. Und auch ein spontanes Martinischießen mit „klasse Gesangseinlagen“ habe stattgefunden. „Nur leider keine Weihnachtsfeier“, bedauert Matthias Richter.
Der Kassenbericht mit allen Einnahmen und Ausgaben ergab, dass der Verein finanziell auf soliden Füßen steht. Eine „einwandfreie Führung der Kasse“ wurde durch die Kassenprüfer, vertreten durch Silke Hanken, bescheinigt.
Alter Vorstand ist neuer Vorstand 
Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die Neuwahl des Vorstandes. Als 1. Vorsitzender wurde Matthias Richter, als 2. Vorsitzender Stephan Volkmann und als Kassenwartin Doreen Richter jeweils einstimmig wiedergewählt. Sie bedankten sich für das entgegengebrachte Vertrauen.
Auf der Jahreshauptversammlung bedankte sich Matthias Richter „bei allen helfenden Mitgliedern sowie bei allen Gruppen und Vereinen, die den Schießverein unterstützen, mit Leben erfüllen und für viele schöne gemeinsame Stunden sorgen.“
Termine für 2022 
Auf der Jahreshauptversammlung wurden auch einige Termine für dieses Jahr festgelegt. Dies sind die Ferienpassaktion für die Kinder der Inselschule am 28. Juli 2022 und das Pokalschießen für Gäste und Insulaner 31. Juli 2022. Die Vereinsmeisterschaft ist für den 20. August 2022 geplant. Am 17. September 2022 soll der Proklamationsabend des Wanderpokals der Gruppen und Vereine stattfinden und am 3. Adventssonntag 2022 die Weihnachtsfeier des Vereins.
Einladung: Wanderpokal- und Königsschießen 
Ab sofort sind wieder alle Langeooger Gruppen und Vereine zum Wanderpokal- und Königsschießen eingeladen. „Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme und viele schöne gemeinsame Stunden beim Schießverein. Ende April konnten wir unsere erste Gruppe begrüßen“, so Matthias Richter. Das Zeltlager Langeoog „Aufbauteam“ habe seine „Aufbauwoche“ beim Zeltlager mit einem gemeinsamen Abend beim Schießverein beendet. Das Team um Zeltlagerleiter Karsten Pümpel habe einen eigenen König ausgeschossen. Den 1. Platz mit hervorragenden 28 Ringen (10,10,8) belegte Martina Kreimeier. Andreas Grotepaust mit 22 Ringen (10,6,6) den 2. Platz. Und Dagmar Falke den 3. Platz mit 21 Ringen (9,7,5).
Geheim bleibe das Ergebnis der zweiten geschossenen Karte für den Wanderpokal der Langeooger Gruppen und Vereine. Die Ergebnisse werden erst bei der Proklamation mitgeteilt, so die Kassenwartin.
Die Proklamation findet am Samstag, 17. September statt. Des Weiteren können alle interessierten Insulaner und Gäste den Schießverein zu folgenden Öffnungszeiten besuchen: Mittwochs von 18 bis 21 Uhr und sonntags auf Anfrage von 15 bis 18 Uhr. -ut-

Sport-Notizen aus den verschiedenen Sparten des TSV Langeoog

TSV-Pfingstfest
Mit einer erfreulichen Botschaft kam der TSV Langeoog heraus: Nach zwei Jahren coronabedingter Zwangspause soll das TSV-Pfingstfest wieder steigen. Wenn alles klappt, wird der Sportplatz am Pfingstsonntag, 5. Juni zur fröhlichen Spielwiese für Jung und Alt.
Hierzu organisiert der Festausschuss um Antje Julius und Marleen Heine ein buntes Programm von 15 bis 18 Uhr. Ob Spieleparcours oder Ponyreiten: Hier kommen Familien mit jungem Nachwuchs auf ihre Kosten. Fürs leibliche Wohl werden draußen unter anderem Pommes, Bratwurst und Erfrischungsgetränke kredenzt. Kaffee und hausgemachter Kuchen sind ebenfalls erhältlich. Weitere Einzelheiten gibt der TSV beizeiten per Aushang bekannt.
Gesucht werden noch freiwillige Helfer, die etwa die Stationen des Spieleparcours betreuen. Interessierte wenden sich an den Festausschuss
Dünen-Cup im Juni
Der vom Turnbezirk Weser-Ems ausgerichtete „Langeooger Dünen-Cup“ soll nach zweijähriger Unterbrechung gleichfalls ­wieder stattfinden, wenn auch in kleiner Besetzung. Der Gerätturn-Wettkampf für Frauen und Mädchen wird – direkt zu Pfingsten – vom 3. bis 5. Juni in der Turnhalle an der Friesenstraße laufen. Angedacht ist nach ­Möglichkeit dann auch ein Auftritt der Turnerinnen auf dem TSV-Pfingstfest.
Mitgliederversammlung verschoben
Vom Januar 2021 war sie auf den Januar 2022 verlegt worden. Doch auch diesen Termin für die Jahreshauptversammlung musste der Vorstand absagen. Auf der Vereinswebsite kündigte er einen neuen Termin „möglichst noch im Frühjahr“ mit fristgerechter Einladung an. Bis Redaktionsschluss stand ein neues Datum noch nicht fest. -ut/köp-

„Sonny’s Dream“ von „Rosabella“

Lang erwartet und grandios:
„de Flinthörners“-Premiere am 4. April 2022 im „Haus der Insel“
Die erste Premiere im neuen Jahrzehnt! Nach zwei premierenlosen Jahren (Corona geschuldet) waren sie am Montagabend, 4. April richtig neugierig, wenn nicht gar wild aufeinander: „de Flinthörners“ und ihr Publikum. Aus aktuellem Anlass hatte sich der Langeooger Shantychor entschieden, seine Premiere im „Haus der Insel“ zum Benefizkonzert zu machen, für die Menschen in der Ukraine und die vor dem Krieg Fliehenden. Auf die gegenwärtige Situation wiesen „Flinthörners“-Chef Raimund Buss in seiner Begrüßung und Bürgermeisterin Heike Horn in ihrem Grußwort eingangs hin. Dennoch solle es, so ihr Wunsch, „ein unvergleichlicher Abend“ werden.
Erwartungsfrohe Spannung war im gut besuchten Saal zu ­spüren, auch wenn es für den Chor die 35. Premiere im 37. Jahr seines Bestehens war. Dank vier Neuzugängen (trotz Corona!) stehen bis zu 23 Sänger, darunter sieben Solisten, auf der Bühne. Chorleiterin Elisabeth „Puppa“ Peters, neben Tenor ­Dieter Kapfermann eines der letzten Gründungsmitglieder an Deck, hat alle(s) fest im Griff. Dabei sucht „Puppa“ (in Abstimmung mit dem Chor) nicht nur die Lieder aus, sondern arrangiert sie auch zum Teil neu. Gesungen wird diese Saison in fünf Sprachen: deutsch, englisch, französisch, spanisch, plattdeutsch. Und ein bisschen hawaiianisch soll auch dabei sein. Nun aber genug der Statistik – Vorhang auf!
Mit der „Hoffnung“ um die Welt
Das Bühnenbild zeigt den Langeooger Hafen. Es ist eines der ersten, die Inselmaler Anselm für den Chor gefertigt hat. Am Kai vertäut darf man sich die Bark „Hoffnung“ der Flinthörners vorstellen, die nun zu ihrer musikalischen Weltreise ablegt. Den starken Auftakt macht das neuseeländische Walfängerlied „Soon may the Wellerman come“ mit Shantyman Ralf Preuß. Eine britische Popvariante des Shantys war mal Nummer-eins-Hit in Deutschland; doch die kernige Version der „Flinthörners“ ist unschlagbar.
Weiter geht’s nach Brasilien zum „Rio Grande“: Gerrit Agena trägt den Klassiker des früheren „Flinthörners“-Shantymans Siggi Maurischat erstmals in englischer Fassung vor. Anschließend freut sich Klaus Kremer auf seine Heimat „South Australia“, einem von den „Dubliners“ bekannt gemachten Haul-away-Shanty.
Längst ist der berühmte Funke aufs Publikum übergesprungen, als Solist und Moderator Torsten Meyer mit „Being a Pirate“ amüsant über die Seeräuberei referiert, deren größter Nachteil im Verlust wichtiger Körperteile besteht. Demonstriert wird dies am Beispiel von Ex-„Flinti“ Siggi, der als Projektion auf einer Leinwand quasi Modell steht. Zum Mitklatschen lädt „The Mermaid“ ein: Der Shanty, den Chor-Mitgründer Els Sanders einst zum Schmugglerlied umgedichtet und selbst vorgetragen hatte, beschreibt auf Plattdütsch eine Reise zum „Fusel­felsen“ Helgoland. Shantyman Peer Agena erweist sich hier als überaus würdiger Nachfolger.
Eine Zeitreise unternimmt Gerrit Agena mit „Here’s a Health“: In nur einem Song wird die ganze Geschichte der Seefahrt von der römischen Galeere über Kolumbus bis zum Hightech-Schiff lebendig. Was die Bewohner vom amerikanischen Kap Kabeljau mit besagtem Fisch alles anfangen (oder auch nicht), verrät Ralf Preuß im Capstan-Shanty „Cape Cod Girls“. Gänsehaut-­Potenzial besitzt das von Torsten Meyer konzentriert vorgetragene „Sailing Home“: Was nach uraltem Shanty klingt, ist tatsächlich ein holländischer Song von 1987. Und wenn Sepp Enenkel sein Lieblingsschiff „The Rosabella“ besingt, kann er neben seinem stimmlichen auch sein mimisches Talent (früher: Inselbühne Langeoog) entfalten.
Großes Kino vor der Pause …
bietet ein Lale-Andersen-Potpourri: Anlass ist der Ende August nahende 50. Todestag der berühmten Sängerin, die auf Langeoog ihre letzte Ruhe fand.    Höhepunkt ist das in drei Sprachen dargebotene „Lili Marleen“, wobei Katja Agena die französische Strophe singt. Die bezaubernde Langeooger Sängerin überbrückt auch die Pausenzeit und unterhält das Publikum, derweil die Seewasserbarden sich kurz erfrischen.
Eine Entdeckung wert ist die weitgehend unbekannte „Lili Marleen“-Version des Komponisten Rudolf Zink, die Katja Agena mit ausdrucksstarker Stimme vorträgt. Ebenso hörenswert sind ihre Interpretationen von „Mein Herr“ aus dem Musical „Cabaret“ und Maite Kellys „Ich bin die Frau meines Lebens“. Zudem rezitiert sie noch das Inselgedicht eines Langeoog-Fans und das „Liebesgedicht an den Norden“ der Slam-Poetin Mona Harry. Da müssen sich „de Flinthörners“ nach der Pause aber anstrengen.
Von „fünf Uhr früh“ bis „nachts um halb eins“
Und das tun sie auch. Mit einem maritimen Medley von den „Blauen Jungs“ bis zum „Hamburger Veermaster“ melden sie sich auf der Bühne zurück. Nachdenklich stimmt Gerrit Agenas „Hard Times“: In dem 1854 geschriebenen Lied des Songwriters Stephen Foster geht es um schwere Zeiten, die nie mehr ­wiederkehren sollen. Als erfolgreich bekehrter Spitzbube aus Irland stellt sich anschließend Klaus Kremer in „The Wild Rover“ vor. Viele kennen die deutsche Version „An der Nordseeküste“ – ein Stimmungsgarant …
In seinem einfühlsamen „Five o’clock in the morning“ besingt Ralf Preuß das früh        beginnende Tagewerk der schottischen ­Hebridenfischer. Aus Kanada stammt Peer Agenas Volkslied „Sonny’s Dream“, das die (vergebliche) Sehnsucht eines Bauernjungen nach der See ausdrückt. Auf spanisch – und unter Riesen-Sombreros – präsentieren Torsten Meyer (lyrischer Tenor) und Ralf Preuß (Gitarre) ihre angebetete „La Bella Lola“ dem Publikum, dem sich die Frage stellt: Wo bitte kriegt man solche Wagenräder her? Stimmung bringt auch Klaus Kremers „John Kanaka“: Der Long-Haul-Shanty mit hawaiianischen ­Vokabeln ist ein Klassiker der „Flinthörners“.
Dann gibt Neuzugang Dirk Heutelbeck sein gelungenes Debüt als Solist: Mit cooler Rock’n’Roll-Note schildert er im Forebitter „Unmooring“ (Leinen losmachen) ein komplettes Ablege­manöver – den obligaten Abschiedsschmerz inklusive.
Zum guten Schluss entführt Sepp Enenkel das Publikum auf die „Reeperbahn nachts um halb eins“ – Hans Albers hätte seine helle Freude gehabt. „Bis zum nächsten Mal, auf Wiedersehen“ verabschieden sich „de Flinthörners“. Als Zugabe erklingt (wer sonst?) „The Last Shanty“.
Und während sich der Vorhang nach einem grandiosen Konzert unerbittlich schließt, dankt ein restlos begeistertes Publikum mit nicht enden wollendem Applaus.
Und das Fazit? 
Das hatte Heike Horn bereits in ihrem Grußwort vorweggenommen. „De Flinthörners“ seien „der beste Shantychor der sieben Ostfriesischen Inseln – nicht zuletzt wegen der begnadeten Chorleiterin ‚Puppa‘“, urteilte unparteiisch die Bürgermeisterin, die ja von Amts wegen „nicht lügen darf“. Doch es gab auch ernste Töne: Das Kriegsgeschehen in der Ukraine mache einen fassungslos, erklärten sowohl Heike Horn als auch Raimund Buss. Vereintes Handeln sei das Gebot der Stunde. Und so wurde zum Lale-Potpourri als Solidaritätsbekundung die Flagge der Ukraine erhoben. Während des Konzerts ging ein Spendenkorb im Saal herum, auch am Ausgang wurde noch gesammelt. Mit Erfolg: Insgesamt kamen durch Eintritte und dank zahlreicher Spenden des Publikums sowie einer Aufrundung durch den Chor 3.000 Euro zusammen.
Bis zum Saisonende gibt es alle zwei Wochen montags um 20.15 Uhr ein Wiedersehen und -hören mit „de Flinthörners“. Die nächsten Termine: am 9. Mai im „Haus der Insel“ und am 23. Mai, als Benefizkonzert, in der Inselkirche. Weiter geht es dann ab Montag, 13. Juni im 14-Tage-Rhythmus im HDI. Bis dahin: Shanty ahoi! -köp-

Als Azubi die Welt entdecken

Praktikum im Ausland 
Während oder nach der Ausbildung eine Weile ins Ausland gehen? Dies ist bis zu einem Viertel der Ausbildungszeit möglich, wenn es dem Ausbildungsziel dient. Gleichzeitig muss der Ausbildungsbetrieb zustimmen, da das Praktikum ein im Ausland absolvierter Ausbildungsabschnitt ist und das Gehalt weiterhin vom heimischen Betrieb gezahlt wird.
Die Handwerkskammer Oldenburg berät zu den Möglichkeiten eines Auslandsaufenthaltes während und nach der Ausbildung und hilft bei der Organisation, Durchführung und bei der Suche nach passenden Fördermitteln zur finanziellen Unterstützung.
Der Auslandsaufenthalt kann individuell gestaltet werden. Weitere Möglichkeiten bieten das Programm „Sindbad“, mit Aufenthalten in Italien, Schweden, Spanien, Irland, UK oder Malta; das Austauschprojekt Feldkirch/Österreich für Azubis aus dem Lebensmittelhandwerk und der deutsch-französische Lehrlingsaustausch La Rochelle. Näheres unter: https://www. hwk-oldenburg.de/ausbildung/infos-fuer-auszubildende.
Handwerks-Urgestein nahm den Hut
Reinhold Daniels ging nach fast 40-jähriger Dienstzeit in der Handwerkskammer in den Ruhestand
Reinhold Daniels ist die Ruhe in Person – eine Eigenschaft, die ihm bei seiner täglichen Arbeit zugutekam. Fast 40 Jahre war er für die Eintragungen der Betriebe in der Handwerksrolle der Handwerkskammer für Ostfriesland und die Beitragsveranlagung verantwortlich. Seine Abteilung bestimmt, wer sich im ostfriesischen Raum mit einem Handwerksunternehmen selbstständig machen darf und wer nicht.
Ende März verabschiedete sich der 65-Jährige in den verdienten Ruhestand. Der ausgebildete Verwaltungsfachangestellte aus Aurich trat am 1. September 1982 in den Dienst des Handwerks. Nach neunmonatiger Einarbeitungszeit übernahm er im Mai 1983 von seinem Vorgänger Alfred Pflug die Leitung der Abteilung Handwerksrolle.
Seitdem hat sich einiges im ostfriesischen Handwerk getan. Angefangen bei der Zahl der Mitgliedsbetriebe, die von 3.000 auf inzwischen 5.600 gestiegen ist, über die rasante Umstellung der manuellen Registerführung und Beitragsveranlagung auf eine elektronische Datenverarbeitung bis hin zu einer zunehmenden Gesetzesflut und einer immer größer werdenden Bürokratisierung. „Das stellt nicht nur unsere Mitgliedsbetriebe, sondern auch uns vor Herausforderungen“, sagt Daniels.
Auch wenn die zahlreichen Neuregelungen und Gesetzesänderungen gelegentlich Fragen aufwarfen, so konnte Reinhold Daniels bei der Umsetzung stets auf die Hilfe seiner Kolleginnen und Kollegen der 53 anderen Handwerkskammern in Deutschland zählen. Neben einem regelmäßigen        Erfahrungsaustausch wurden in Arbeitskreisen gemeinsam neue Regelungen für das Handwerk erarbeitet. Doch ohne     die ­Unterstützung seines Teams, so Daniels, wäre es ihm      nicht möglich gewesen, sich mit vollem Engagement in die verschiedenen Arbeitskreise einzubringen. Dafür wolle er ausdrücklich Dank sagen.
Am 1. April 2022 übernahm sein Nachfolger Simon Alex offiziell die Leitung der Handwerksrolle. Der 41-jährige Auricher ist in den vergangenen Monaten von Reinhold Daniels bereits in seine anstehenden Aufgaben eingearbeitet worden. Ihm rät er zum Abschied mit einem Augenzwinkern: „Immer schön sachlich bleiben – und nie aus der Ruhe bringen lassen.“ -ut-

Willrath Dreesen – der Literat unter den Bürgermeistern Langeoogs

Ein facettenreiches Leben: Schriftsteller, Verlagsleiter, Organisator der ersten ostfriesischen Dichtertagung
Nicht nur Langeoog hat Willrath Dreesen viel zu verdanken, sondern auch die Literatur. Denn der Mann, der von 1924 bis 1928 als Bürgermeister und später als Kurdirektor erfolgreich die Geschicke der Insel lenkte, war im Grunde seines Herzens ein Schriftsteller. Lyrik, Prosa und Dramen prägten sein Leben in jungen Jahren. Und dann wieder ganz spät im Alter, als er nach einem bewegten Leben, das von zwei Weltkriegen geprägt war, mit 70 Jahren als Pensionär nach Langeoog zurückkehrte und für kurze Zeit nochmals Kurdirektor der Insel wurde.
Wegweisende Entscheidungen
Man könnte viel über den Politiker Dreesen schreiben, der in den 1920er-Jahren an der Spitze der Verwaltung wegweisende Entscheidungen für die Insel traf: Die Gemeinde übernahm damals selbst das Tourismusgeschäft und wurde ebenfalls zum Betreiber der Schifffahrt. Zwei Dinge, die bis heute noch Bestand haben in den zwei Eigenbetrieben der Insel – und einen Bürgermeister auf Langeoog immer auch zum Betriebsleiter zweier Unternehmen machen.
„Für mich ist der politische Willrath Dreesen bis heute eine Ikone, weil er Meilensteine der Inselgeschichte geschrieben hat“, so Hendrik Tongers von der Historikerfamilie der Insel, der sich ausführlich mit dessen Wirken beschäftigt hat und, selbst langjähriges Ratsmitglied, viel über die Auseinandersetzungen Dreesens mit diesem Gremium weiß. Diese führten 1928 zur Amtsniederlegung von Dreesen und nachfolgend zu einem öffentlichen Schlagabtausch der politischen Gegner.
Studien- und Wanderjahre
Im Mittelpunkt dieses Beitrags soll jedoch der die Literatur ­liebende und schreibende Willrath Dreesen stehen. Er war Ostfriese, am 14. Mai 1878 als Sohn eines Kolonialwarenhändlers in Norden geboren. Nach dem Abitur zog es ihn 1898 zum Theologiestudium nach Göttingen, dann nach Marburg, Basel und schließlich Bonn. Dort beschloss er 1902 Germanistik, ­Philosophie und Literaturgeschichte zu studieren. 1905 promovierte er mit einer Arbeit über Theodor Storm. Um den ­Lebensunterhalt für sich und seine kleine Familie zu bestreiten (er hatte 1907 geheiratet und einen kleinen Sohn bekommen), unterrichtete er als Lehrer am Pädagogicum in Godesberg und machte Vortragsreisen. 1913 wurde er Lektor für Sprechkunst und Ästhetik an der Universität Frankfurt/Main.
In diesen Jahren des frühen 20. Jahrhunderts entstanden seine wichtigsten literarischen Werke: „Meer, Marsch und Leben“ (1904), ein von Storm inspirierter Gedichtband; „Eala freya ­fresena“ (1906), ein Buch mit Balladen über die Zeit der ost­friesischen Häuptlinge, das ihn bekannt macht. 1910 kommen gleichzeitig ein Drama, „Sturmflut“, der erfolgreiche Roman „Ebba Hüsing“ und ein Band „Gedichte“ von ihm heraus. Mehr als vierzig Jahre sollte es dann dauern, bis seine Witwe 1953 posthum unter dem Titel „Eisvogel“ sein Spätwerk veröffentlicht, einen Band mit 47 Gedichten.
1914 ist ein entscheidendes Jahr für den 36-jährigen Dreesen. Er verbringt den Inselfrühling auf Langeoog im „Haus Pogg­fred“, dem Haus der Familie seiner späteren, zweiten Ehefrau Maria Kugel. Mit der Fabrikantentochter, die er nach seiner Scheidung 1919 heiratet, wird er einen weiteren Sohn und eine Tochter haben.
Über diese Monate im April und Mai 1914 schreibt er ganz ­bezaubernd in einem Sonderabdruck. Der Beitrag mit dem Titel „Inselfrühling“ erscheint in der Pfingstnummer des Literatur- und Unterhaltungsblatts der „Kölnischen Zeitung“ vom 31. Mai. Noch ist Frieden, und sein Text quillt über vor Glück und dem paradiesischen Zustand, den ihm das Erwachen der Natur vermittelt. Nur wenige Monate später geht es für ihn in den Ersten Weltkrieg.
Zwischen Langeoog und Leipzig
Danach wird alles anders sein. Neben den privaten Änderungen im Leben zieht es ihn 1919 nach Leipzig zum bekannten Reclam Verlag. Über seine Funktion dort gibt es unterschiedliche Angaben: Redakteur, Lektor, Verlagsdirektor. In dieser leitenden Rolle mag er wohl ausgeschieden sein.
Denn 1924 zieht es ihn als neuen Gemeindevorsteher nach Langeoog. 1926 errichtet er sich sein kleines Refugium in den Dünen oberhalb der heutigen, nach ihm benannten „Willrath-Dreesen-Straße“ – der Verlängerung der Barkhausenstraße, die bis hinaus zum Deichschart läuft. Es diente ihm in seinen Langeooger Jahren als „Schreibklause“, als stiller Ort des Rückzugs. Auch wenn die Zeit als führender Kopf der Gemeinde es nur noch selten zuließ: So ganz hat er der      Literatur und Dichtung dann doch nie den Rücken gekehrt.
Auch an der Insel Langeoog hing weiter sein Herz, die er nach politischen Querelen verließ, um 1930 als Kurdirektor nach Bad Lausick bei Leipzig zu gehen. Fast zwanzig Jahre später, nach seiner Pensionierung 1948, kehrte er im März 1949 wieder zu ihr zurück.
Ostfriesische Landschaft und Literatur
Und setzte sich sofort wieder für die Literatur ein: 1949 wählte man Dreesen zum Leiter der Gruppe Schrifttum bei der Ostfriesischen Landschaft (OL = eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die kulturelle Aufgaben in Ost- friesland wahrnimmt). 1950 wurde Langeoog dann zum Austragungsort der ersten ostfriesischen Dichtertagung, die Dreesen leitend organisierte. In einem Grundsatzreferat sprach er sich für eine moderne ­Heimatdichtung aus, die sich nicht nur der Vergangenheit ­zuwenden solle und sich auch nicht auf die regionalen Grenzen beschränken müsse. Auch sei das Schreiben im Dialekt für ­gelungene Heimatliteratur eine Möglichkeit neben dem Hochdeutschen, aber nicht zwingend. Heimattümelei war nicht sein Ding – und damit hat Dreesen seine Heimat Ostfriesland auch einem überregionalen Lesepublikum nahegebracht.
Willrath Dreesen, der kurz nach der Dichtertagung auf Langeoog am 14. August 1950 im Alter von 72 Jahren an einem Herzschlag plötzlich verstarb, lohnt eine Wiederentdeckung. Insbesondere auf Langeoog, die wie kaum eine andere der Ostfriesischen Inseln eine Insel der Literaten und Literatur ist: Vom aktuellen Krimibestsellerautor Klaus-Peter Wolf über die Königin der Kurzgeschichte, Gabriele Wohmann, bis zum Literaturnobelpreisträger Rudolf Eucken – sie alle haben ihre Kreativität auch von dieser Insel bezogen, zu der sie sich immer besonders verbunden fühlen und fühlten.
Übrigens: Das Haus mit dem auffälligen halbrunden Tonnendach, die Schreibklause Willrath Dreesens, blitzt noch heute auf der Düne zwischen den Kiefern hervor. Heute sind es seine Enkelinnen aus Hannover mit ihren Familien, die den Fernblick im Familiennest genießen. Sie haben für diesen Artikel einige Bilder mit historischem Seltenheitswert aus ihrem privaten ­Archiv zur Verfügung gestellt. Der Utkieker sagt dafür nochmals „Herzlichen Dank“! -Petra Wochnik-

Ein schwieriges Kapitel: Die Praxis der Kinderkur- Verschickung

Langeoog half Betroffenen-Initiative bei persönlicher Aufarbeitung und Spurensuche
Auf Langeoog wurden bereits sehr früh, 1946, vom Hilfswerk der freien Wohlfahrtsverbände Hannover e. V. Heime für Kinderkuren betrieben. Anfangs, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ging es darum, Kinder aus ausgebombten Städten an der gesunden Nordseeluft wieder aufzupäppeln.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich daraus, und nicht nur auf Langeoog, eine überaus gängige Praxis staatlicher Gesundheitsfürsorge für Kinder – die sogenannte „Kinderkur-Verschickung“. Bis in die 1980er-Jahre wurden bundesweit, von der See bis in die Alpen, mehr als acht Millionen Kinder im Alter zwischen zwei und vierzehn Jahren ohne Eltern auf eine nicht selten sehr weite Reise geschickt. Die Kuren waren öffentlich bezuschusst und wurden von den Kinderärzten in Deutschland wegen Untergewicht, Atemwegsproblemen oder auch bei schlechten sozialen Verhältnissen verordnet.
Doch statt Fürsorge zu erhalten, litten viele Kinder in den meist sechswöchigen Kuren unter militärischer Disziplin, Essenszwang oder öffentlicher Bloßstellung, wenn sie etwa vor lauter Heimweh ins Bett machten oder nicht schlafen konnten. Längst nicht jedes der Millionen Verschickungskinder musste das erfahren. Doch es sind beileibe auch nicht nur Einzelfälle, die Traumatisches in dieser Zeit erlebt haben. Seit etwa drei Jahren gibt es in Deutschland die „Verschickungskinder-Initiative“, in der sich immer mehr Betroffene austauschen (mehr dazu auf www.verschickungsheime.de).
„Licht ins Dunkel der Erinnerung“ zu bringen, darum geht es auch einigen Betroffenen der für Langeoog insgesamt 40 Köpfe zählenden Initiative. 13 von ihnen kehrten Mitte Februar, in Begleitung und am stürmischsten Wochenende des Winters, wieder zurück auf eine Insel, an die sie keine guten Kindheitserinnerungen haben. Es war für jeden und jede Einzelne eine ganz persönliche Zeitreise, wie auch ihre dazu verfasste „Erklärung der Langeooger Verschickungskinder“ zeigte:
„Wir wollen Aufklärung, vornehmlich für uns selbst, aber wir wollen auch der Öffentlichkeit deutlich machen, was im Namen der Gesundheitsförderung für Kinder passieren konnte. Wir wissen, dass ,Fürsorge für Kinder’ in Deutschland, auch nach 1945, oft lange weiter in einer unseligen Tradition praktiziert worden ist. Wir Verschickungskinder haben das, was uns jeweils widerfahren ist, lange für ein zufälliges Einzelschicksal gehalten. Durch die Initiative ist mittlerweile deutlich geworden, dass es weit verbreitete Strukturen waren und Millionen von Kindern verschickt wurden. Sicher ist einiges im Umgang mit Kindern der damaligen Zeit geschuldet, doch der Blick auf die Bedürfnisse und Nöte von Kindern ist in Deutschland mittlerweile ein anderer geworden.“
Organisiert hatte den mehrtägigen Trip die Hamburger Journalistin Marina Friedt, die als ehemaliges Langeooger Verschickungskind auch persönlich betroffen ist. Zusammen mit Manfred Gräber, dem Langeoog-Koordinator der bundesweiten Initiative, hatte sie bereits vorab viele Fakten zu den Kinderkuren auf Langeoog gesammelt. Mit einem Transport von 971 Kindern fing es im Mai 1946 an, in der Hochzeit trafen alle vier bis fünf Wochen etwa 1.200 Kinder auf Langeoog ein. Langeoog war damals wahrlich eine „Kinder-Insel“. Von der AWO, dem Roten Kreuz, der Diakonie und der Caritas wurden von 1946 bis 1975 vier Kinderheime betrieben. Hinzu kamen noch eine Reihe privater Häuser und Hotels, die Kurkinder aufnahmen.
Insbesondere die Caritas engagiert sich heute sehr in der Aufarbeitung dieser Zeit. Anlässlich des Besuches der Initiative auf Langeoog, bat Achim Eng, Caritas-Direktor der zuständigen    Diözese Hildesheim, am 19. Februar in einer Presseerklärung die ehemaligen Verschickungskinder um Verzeihung:
„Ich möchte mich im Namen der Caritas für das entschuldigen, was Ihnen in solchen Kuren als Kinder widerfahren ist. Statt Fürsorge und Verständnis, rüde Behandlung und Herzlosigkeit bis hin zu schwarzer Pädagogik. Sie gehören zu denjenigen, die die traumatischen Erlebnisse aus ihrem Leben nicht auslöschen können. Ich kann Ihnen die Last der Erinnerung leider nicht abnehmen, sondern kann nur mein Bedauern zum Ausdruck bringen und um Verzeihung für das Geschehene bitten.“
Vor Ort kümmerte sich die Leiterin der Langeooger Caritas-Einrichtung, Andrea Eberhardt-Soumagne, mit großer Hilfsbereitschaft und Einfühlungsvermögen um die Gruppe. Es war ein spezieller Rundgang ausgearbeitet, der zusätzlich mit der Psychologin Yvonne Pingel begleitet wurde. Zur Caritas-Klinik gehören heute das Haus Sonnenschein, das Dünenheim (von der DRK übernommen), das Flinthörnhaus (von der Diakonie übernommen) und bis 1999 das Haus Möwennest.
Auch das heutige „Haus Kloster Loccum“ gehörte zu den Orten, denen man gemeinsam einen Besuch abstattete. Hier führte der Leiter Thomas Behncke durch das gewaltige Gebäude, das heute von der „Inneren Mission“ als gemeinnütziges Hotel für den erschwinglichen Urlaub mit Kindern geführt wird. Die  Spurensuche führte auch zum ehemaligen Haus Bodelschwingh in der Mittelstraße oder dem Haus Friesenheim, dem heutigen Haus Ostwind der AWO.
Insgesamt gestaltete sich das Entdecken und Zuordnen der ehemaligen Kinderkurhäuser und -heime auf Langeoog im Einzelfall schwierig. Dazu gab es über die Jahre zu viele Wechsel von Trägern und Betreibern, wurde hier abgerissen, dort neu gebaut. Umso wichtiger war der Gruppe der Besuch des Langeooger Heimatmuseums, dem „Seemanshus“. Und tatsächlich: Erhard Nötzel, Vorsitzender des Heimatvereins, konnte helfen. Dank historischer Bilder, die auf der neuen digitalen ­Medienstation im Museum direkt zugreifbar waren, fanden zwei Verschickungskinder das Kinderheim ihrer leidvollen ­Erinnerung auf alten Plänen wieder.
Der Heimatverein sagte weitere Hilfe zu und steht im Kontakt mit der Verschickungskinder-Initiative. Er hat dabei auch die deutliche Unterstützung von Heike Horn, die die Betroffenen Langeoogs zu einem ausführlichen Gespräch im Rathaus begrüßte. Ein seltenes schriftliches Dokument aus jener Zeit, der Beschwerdebrief eines besorgten Vaters und die heute fassungslos machende Antwort aus dem Haus Bodelschwingh, erschütterte nicht nur die vorlesende, damals fünf Jahre alte Tochter aufs Neue, sondern auch die Bürgermeisterin: „Es ist gut und richtig, zur Sprache zu bringen und sichtbar zu machen, welches Leid Kinderseelen zugefügt wurde, welcher Machtmissbrauch teilweise über viele Jahre auch auf unserer Insel stattgefunden hat. Davor kann man die Augen nicht verschließen.“
Ins öffentliche Bewusstsein wird das Thema Kinderverschickung in Zukunft wohl vermehrt dringen: Neben den Betroffenen-Initiativen, die seit 2019 öffentlichkeitswirksam die Stimme erheben, hat sich ein Themennetzwerk Kinderverschickung der freien Wohlfahrtsverbände gebildet – in dem sich auch die Caritas engagiert. Es unterstützt ein Forschungsprojekt der Deutschen Rentenversicherung zur Geschichte der „Kindererholungskuren“ von 1945 bis 1989. Dessen Ergebnisse geben dem Thema wahrscheinlich bald erneute bundesweite Aufmerksamkeit.
Immer interessiert ist natürlich auch die Langeoog-Gruppe der Verschickungskinder-Initiative an Informationen aus der Zeit der Kinderkuren. Wer bei der Aufarbeitung mitmachen will und dabei vielleicht hilft, so manche gequälte Seele zu erleichtern, der kann sich gerne an die Langeooger Heimortgruppe der­ Initiative, langeoog@verschickungsheime.de, oder direkt an ­Marina Friedt wenden (Tel. 0170 / 9020 224). Kommunikation ist wichtig – und kann hier ungemein befreiend wirken. -pw-

Lässig und bequem soll es sein

Unitöne und Naturfarben setzen Trends der Frühjahrs- und Sommermode
Das eigene Wohlempfinden steht mehr denn je im Fokus der diesjährigen Freizeit- und Urlaubsmode. Das zeigen die großzügigen Schnitte von Sweatshirts, T-Shirts und Jacken, die in der „Buddelei“ ab sofort im Programm sind. Naturtöne, Pastellfarben und der Trend zu weniger Applikationen sind dabei wichtige Merkmale, die Frau von heute schätzt und sich damit gern auf der Straße oder am Strand zeigt.
Es ist eine insgesamt ruhiger wirkende Optik, die die neue Kollektion prägt. „Insgesamt ist das Angebot lässiger und entspannter geworden“, sagt der Inhaber des Familienbetriebs, Olaf Hube. Dabei sei dieser Trend durchaus auch der Pandemie geschuldet, da während der vergangenen zwei Jahre viele Menschen zu Hause gearbeitet haben und sich dort eher leger gekleidet haben. „Die Freizeitmode hat einen neuen Stellenwert bekommen“, so Olaf Hube. Entsprechend locker präsentiert sich der neue Look, den die Modespezialisten in der Barkhausenstraße 14 für Damen und Herren präsentieren.
Sweatshirts ein „must have“
Nicht mehr aus dem Kleiderschrank wegzudenken sind die Sweatshirts. Diese sind in allen Varianten deutlicher denn je gefragt. Dabei hat sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren der Trend hin zu lässigeren Schnitten fortgesetzt. Sweatshirts wirken heute frisch und modisch – man ist weg vom schmalen Schnitt, sodass für fast jede Figur das richtige Kleidungsstück zu finden ist. Außerdem verzichtet man – und Frau auch – auf überzählige Applikationen. Weniger ist mehr, so der Trend, und es wird viel mehr Wert auf Qualität und Material gelegt. Pastellige Farben, sichtbare Nähte und natürlich die Kapuze zeugen von Modebewusstsein.
Eine ähnlich lockere Form darf auch bei T-Shirts der diesjährigen Kollektion nicht fehlen. Neben schmalen und figurbetonten Schnitten wandelt sich auch hier der Trend zu Lässigkeit und Lockerheit. Unifarben können T-Shirts zu jedem Anlass getragen werden, ob untendrunter oder locker am Strand, das Shirt gehört zur guten Ausstattung eines jeden Kleiderschranks dazu.
Der Trend zu lässiger und entspannter Mode macht auch bei den Jacken nicht halt. Die Damen dürfen sich auf bequeme Oberbekleidung in Unifarben freuen, bei denen auch Naturtöne, beispielsweise Beige, nicht fehlen dürfen.
Maritim muss sein
Ein Urlaub auf Langeoog ohne maritime Kleidung ist kaum denkbar. Doch es sind nicht mehr die klassischen Streifenpullover oder Shirts, die gefragt sind. Auch hier hat sich der Geschmack verändert und so steht eine dezentere Optik im Vordergrund. Die Vielfarbigkeit hat sich verändert und es wird nicht mehr so plakativ aufgetragen. Moderne Prints mit außergewöhnlichen Motiven ergänzen das Angebot, sodass für jeden Geschmack das passende Teil zu finden ist.
Ob Maritimblau oder Dunkelblau – dieser Farbton dominiert wie eh und je die Männermode, wenn auch mit anderen Akzenten wie in den Vorjahren. Auch die Herren legen mehr Wert auf Lässigkeit und moderne Schnitte, achten bei der Wahl ihrer Kleidung auf nachhaltige Produktion und höchste Qualität. Gefragt sind dabei T-Shirts und Poloshirt, unifarben oder mit frechem Aufdruck. „Mann will ein Statement setzen“, sagt der Modeexperte Olaf Hube. Und auch hier setzt sich der „Pandemie-Trend“ weiter fort. Schlips und Kragen sind oft passé, man legt Wert auf locker sitzende Poloshirts und der Schnitt bei Hosen darf Regular oder Loose Fit sein.
Mehr Wert auf Nachhaltigkeit
Dabei setzen die Produzenten immer mehr Wert auf nachhaltige Produktion und Materialien. Nicht außer Acht gelassen wird dabei die Qualität, die sich stetig verbessert und zum Modebewusstsein der Menschen beiträgt. Kaum Einfluss haben die Hersteller jedoch auf die zurzeit weltweiten Probleme bei Herstellungs- und Lieferverzögerungen. Zwar sei die Frühjahrs- und Sommermode längst produziert und wird nun Stück für Stück ausgeliefert, es darf aber mit Verzögerungen im Herbst oder Winter gerechnet werden. Dagegen wird nicht mit Preissteigerungen im Textilbereich gerechnet, sagt Olaf Hube. Steigende Logistikkosten würden durch die Händler aufgefangen, sodass einem ungetrübten Einkaufserlebnis nichts im Wege steht.
Kunst im Kleinen
Direkt vor der Buddelei können drei Skulpturen bewundert werden. Ursprünglich hatte Olaf Hube geplant, bis zum diesjährigen Saisonbeginn die kleine Kunstausstellung in der Barkhausenstraße wieder zu ergänzen, doch die Pandemie machte ihm einen Strich durch die Rechnung – es wurde schlichtweg nichts Neues produziert. „Die Firma hat mir für kommendes Jahr neue Figuren versprochen“, erklärt Olaf Hube, der dann zum nächsten Frühjahr neue Exponate auf dem roten Holzzaun präsentieren möchte. -utk-