„Langeoogs Stärken ausbauen“

Nils Jenssen ist seit Oktober neuer Tourismusmanager
Vor Jahren habe er, halb im Scherz, einmal gesagt: „Wenn ich groß bin, werde ich Kurdirektor auf Amrum.“ Dazu kam es zwar nie. Seit dem 1. Oktober 2021 ist er dafür Langeoogs neuer Tourismusmanager: Nils Jenssen. In einem Pressegespräch mit Bürgermeisterin Heike Horn am 11. November im Rathaus stellte sich der Leiter Tourismus-Service Langeoog, so sein korrekter Titel, den Medien vor. Aufgewachsen in Mülheim an der Ruhr, sei er „schon als Kind von den Eltern auf die Nordsee konditioniert worden“, verrät Nils Jenssen. Neben den Inseln Juist, Norderney und Spiekeroog habe er im Urlaub auch Langeoog kennengelernt.

Vielseitige touristische Erfahrung 
Vier Jahrzehnte beruflicher Erfahrung auf den touristischen Gebieten Luftverkehr, Reiseveranstaltung und Reisevermittlung kann der 61-Jährige insgesamt vorweisen. Dem Abitur folgten die Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann und das Studium zum Diplom-Betriebswirt (FH). Stationen seiner Laufbahn waren: Hapag-Lloyd-Reisebüro in Düsseldorf, Lufthansa, ADAC Reisen, TUI Deutschland und Express Travel International. Zuletzt war er seit Mai 2015 als Geschäftsführer der Alltours-Reisecenter tätig.
Beim Wechsel nach Langeoog half der Zufall nach: „Beruflich habe ich etwa einen Sieben-Jahre-Turnus, in dem ich mich nach neuen Herausforderungen umschaue“, berichtet Nils Jenssen. Bei Alltours hatte er schon gekündigt, ohne etwas Neues in der Hand: „Eigentlich wollte ich erst im Sommer auf die Suche gehen.“ Doch dann habe er im Februar die Annonce im Internet gesehen und einen Screenshot davon an seine Frau gemailt: „Sie hat sofort geantwortet: ‚Bewirb Dich‘ – mit drei Ausrufezeichen.“ Das habe er umgehend getan.

Erfolgreiche Bewerbung
Für die Neubesetzung der vakanten Stelle hatte die Inselgemeinde ein anspruchsvolles Auswahlverfahren in Gang gesetzt, wie Bürgermeisterin Heike Horn erläutert. Auf die Position des Tourismusmanagers beworben hatten sich zwölf Personen. Acht von ihnen nahmen an Online-Vorgesprächen teil, die durch die Deutsche Gesellschaft für Personalwesen e.V. geführt wurden.
Weiter ging es mit persönlichen Gesprächen auf Langeoog. Zu den Eignungstests gehörte etwa ein fingiertes Kundengespräch in einem von Psychologen begleiteten Rollenspiel. Die Teilnehmer wurden von acht Personen bepunktet, die insgesamt 320 Bewertungen pro Bewerber abgaben. – „Das Verfahren ist ziemlich hart gewesen“, bestätigt Nils Jenssen. Er sei aber gut durch den Bewerbungsprozess gekommen, habe viel gelernt und tue dies immer noch.

„Dinge in einem tollen Zielgebiet bewegen“
Seit Oktober lebt Nils Jenssen mit Ehefrau Bärbel und Hündin „Lilly“, einem Mix aus Australian Shepherd und Border Collie, auf Langeoog (die beiden erwachsenen Töchter gehen eigene Wege). Schnell hat er sich eingelebt: „Die Insel bietet ein attraktives Ambiente: gute Luft, Ruhe, Autofreiheit – ich finde das extrem angenehm. Es ist das, was Urlaubsgäste suchen.“ Er habe viele sympathische Menschen kennengelernt, fühle sich sehr wohl und freue sich auf das, was komme. Früher habe er unterschiedlichste Zielgebiete beworben. „Jetzt bin ich in einem tollen Zielgebiet, aus dem heraus ich Dinge direkt bewegen kann.“ Das sei vorher, etwa als Reisevermittler, nicht gegangen.
Die ersten Wochen nutzte der Tourismusmanager, um „Mitarbeiter und Mitstreiter, die Aufgabenbereiche und auch die Baustellen kennenzulernen“, ehe er nach außen in Erscheinung treten wolle. Sein Selbstverständnis? „Ruhig und sachlich, dabei humorvoll, mit einem gewissen Maß an Diplomatie“, sieht er sich als ein guter Zuhörer, der eher über Verbindlichkeiten als über Konfrontation an Probleme herangeht.

„Ein bunter Strauß an Angeboten“
Vorgefertigte große Konzepte habe er, so Jenssen, nicht mitgebracht. Zunächst geht es darum auszuloten, was im Rahmen des Gegebenen möglich sei. Dieser Rahmen werde zum Beispiel durch den Entschuldungsvertrag zwischen der Inselgemeinde und dem Land Niedersachsen abgesteckt: „Wir können nur das Vorhandene ausgeben und das Bestmögliche unter den gegebenen Rahmenbedingungen leisten.“ Die Planung für 2022 laufe, man werde mit den vorhandenen Mitteln haushalten.
Das betrifft auch Veranstaltungen: „Wir arbeiten an einem stabilen Programm, um die erwartet hohe Zahl an Urlaubsgästen zufriedenzustellen. Es wird auf jeden Fall ein bunter Strauß an Angeboten. Wie groß dieser Strauß ausfällt, werden wir dann sehen.“ Und mit Blick auf das Kurviertel konstatiert er: „Da müssen wir prüfen, was wir solide, wirtschaftlich, verantwortungsvoll und nachhaltig betreiben können.“ Für ein zukunftsträchtiges Konzept sei es wichtig, Tourismusträger und Bevölkerung mit ins Boot zu holen.
Nils Jenssens mittelfristige Ziele lauten: „Langeoogs Stärken ausbauen, das Profil der Urlaubsdestination schärfen und seine Leistungspalette erweitern.“ Nachhaltigkeit sei, aufgrund der Lage als Ostfriesische Insel, ein eminent wichtiges Thema. „Unsere Mission: Wir müssen dafür sorgen, dass sich unsere Urlaubsgäste bei uns so wohlfühlen, dass sie wiederkommen und es vor allem ihren Freunden und Bekannten erzählen. Das sind wir Langeoog und den Insulanern schuldig.“ Dazu gehöre es, (potenzielle) Gäste auch außerhalb des Urlaubs zu begleiten und ihnen Informationen zukommen zu lassen. Eine „spannende und gute Idee“ sei hier die Installation eines Gästebeirats, durch den man „neuen Input erhält von denjenigen, die die Leistung in Anspruch nehmen.“
Im Hinblick auf die Vermietungsbetriebe sieht Nils Jenssen den Langeoog- vorrangig als Individualtourismus: „Das Gros der Gäs­te organisiert seine Reise privat“, und auch die touristischen Vermieter vermarkteten sich überwiegend selbst. Da aber nicht jeder die optimalen Möglichkeiten habe, könne der Tourismus-Service Langeoog helfen, vor allem im Bereich der noch ausbaufähigen Online-Buchbarkeit. Es sei wünschenswert, wenn möglichst viele den TSL hierfür als Plattform nutzten – mit dem gemeinsamen Ziel aller Leistungsträger, „Langeoog als Urlaubsziel positiv und umfassend darzustellen.“ -köp-