Ahoi und gute Fahrt!

21 Mitarbeiter sorgen im Fährhaus in Bensersiel dafür,
dass Gäste und Einheimische eine entspannte Reise haben

Mit Reisefieber ist das so eine Sache. Auch bei einer autofreien Insel wie Langeoog. Aufregung und Vorfreude wechseln sich ab. Fragen und Verwunderungen ploppen auf: Wo kann geparkt werden? Wo wird das Gepäck aufgegeben? Und wo geht es überhaupt zum Schiff? Für das Team im Fährhaus der Schiffahrt Langeoog nicht ungewohnt, helfen sie doch an 365 Tagen im Jahr rund 900.000 Fahrgästen weiter.

Logistische Herausforderung
„Wir möchten alle Kunden zufriedenstellen“, sagt Jendrik Opphard. Seit 2012 arbeitet der gebürtige Oldenburger bei der Schiffahrt Langeoog, dem kommunalen Eigenbetrieb der Inselgemeinde Langeoog. 2018 hat der Touristiker die Dienststellenleitung am Anleger in Bensersiel gemeinsam mit seinem Stellvertreter Friedhelm Baumfalk-Egberts übernommen. Er und seine 20 Kollegen organisieren den Fahrkartenverkauf, die Gepäckaufgabe und sind für die Frachtabwicklung zuständig. „Wir sind der prägende erste und letzte Eindruck für Urlaubsgäste“, betont Jendrik Opphard. Da sei es wichtig, dass alle Fahrgäste, zu denen Insulaner, Berufstätige und Urlaubsgäste gehören, eine entspannte Atmosphäre vorfinden – gerade dann, wenn es hinter den Kulissen zuweilen hoch hergeht. Keiner der Reisenden soll zu lange an den insgesamt drei Fahrkartenschaltern, an denen seit diesem Jahr auch der Gästebeitrag für die Insel bezahlt werden kann, anstehen. Oder an den zwei Gepäckschaltern. Dort wird das Gepäck in die bereitstehenden Koffercontainer eingeladen, um es sicher mit dem Schiff nach Langeoog und anschließend mit der Inselbahn bis zum Bahnhof zu transportieren – auf Wunsch sogar bis in die Ferienunterkunft. Bollerwagen, Kinderfahrradanhänger, Fahrräder und Pedelecs bis 25km/h müssen ebenfalls aufgegeben werden. Kostenfrei mit auf die Fähre können Kinderwagen und Buggys. Bei all den Vorgängen muss immer gleichzeitig die Abfahrtszeit im Auge behalten und eingehalten werden. Und dann ist da noch die Sache mit der Grundversorgung für die Insel: „Alles wird von uns befördert und wir sind zeitweise ganz schön gefordert, alles realisiert zu bekommen“, bringt es der 34-Jährige auf den Punkt. Lebensmittel, Baumaterialien, Abfall von der Insel zurück aufs Festland – bei einer autofreien Insel eine logistische Herausforderung, die im Vorfeld gut geplant werden muss. So wurden beispielsweise 2019 insgesamt 38.000 Tonnen Fracht zur Insel befördert. Und 2020 wurden neben dem Transport von leeren Müllcontainern über 6.000 Tonnen Stückgut und circa 4.000 beladene Anhänger nach Langeoog gebracht.

Frühzeitige Planung wichtig
Bis zu 900.000 Passagiere werden jährlich zur Insel und zurückgebracht. „Wichtig ist es, frühzeitig in der Planung zu erkennen, was es braucht – zusätzliche Schiffe, Abfahrten. Da greifen wir auf Referenzdaten zurück, die uns anzeigen, was zu erwarten ist“, erklärt Jendrik Opphard. Für die Hauptreisezeit im Sommer werde einen Monat, teils auch mehrere im Vorfeld geplant. Spitzentag des Jahres 2020 war in den Herbstferien der 16. Oktober mit 3.100 Fahrgästen, die nach Langeoog reisten. Im Laufe der Jahre habe sich eine deutliche Verbreitung in den September, Oktober gezeigt. Die Sommerferien seien nicht mehr die alleinige Hauptreisezeit. „Die Saison geht inzwischen von Ende März bis Ende Oktober“, stellt Jendrik Opphard fest. Vier Fahrgastschiffe stehen zur Verfügung. Das Jahr wird aufgeteilt in einen Saisonfahrplan, der durch die zwei großen Schiffe Langeoog III und Langeoog IV gefahren und bei Bedarf durch die Langeoog I und II ergänzt wird. Der Nebensaisonfahrplan sei mit einer Fähre zu realisieren, erklärt Jendrik Opphard.

Eingespieltes Team

Wenn in der kalten Jahreszeit weniger Gäste auf die Insel fahren, kommen die Frachtschiffe „Onkel Otto“ und „Pionier“: „Von Anfang November bis Ostern sind auf der Insel Bauarbeiten erlaubt“, sagt Jendrik Opphard, für ihn und seine Kollegen sei dies eine „sehr sportliche“ Zeit. Denn damit beim Bau auf der autofreien Insel keine Verzögerungen entstehen, muss alles sehr gut koordiniert werden. Sondergenehmigungen müssen beantragt werden, wenn Bagger oder Kran auf Langeoog zum Einsatz kommen. „Unheimlich viele Interessen“ gebe es da auszugleichen, schließlich wolle man mit der Lieferung allen gerecht werden, erklärt er. Das eingespielte Team sorgt dafür, dass all die verschiedenen Aufgaben reibungslos umgesetzt werden. „Bei uns im Team ist eine geringe Fluktuation. Wir haben viele gute Mitarbeiter mit jahrzehntelanger Berufserfahrung“, erklärt Jendrik Opphard. So ist etwa sein Stellvertreter, Friedhelm Baumfalk-Egberts, seit 21 Jahren bei der Schiffahrt Langeoog. Karl-Heinz Teschner, Vorarbeiter in der Abteilung Güter- und Gepäckumschlag, sogar seit mehr als 30 Jahren. In bleibender Erinnerung ist ihnen allen die ungewöhnlichste Fracht: ein Pool für das Dach eines Hotels. „Er nahm das ganze Deck ein und der Tieflader musste auch noch mit drauf“, erinnert sich Karl-Heinz Teschner. Liegend wurde der 18 Meter lange Pool transportiert, ergänzt Jendrik Opphard. Es sei sehr herausfordernd gewesen, aber als Team hätten sie die gesamte Abwicklung gut geschafft.