Das Ende einer Ära

Im Frühjahr 2021 feierte die Reithalle ihr 40-jähriges Bestehen.
Im Herbst 2021 wurde sie nun geschlossen. 
Gummistiefel liegen auf dem Boden, ein Stapel aus Matratzenauflagen an der Rückwand, davor ein Sattel; Pferdegeschirr hängt gegenüber. Alte Papiere, Prospekte, ein Buch über Pferdezucht, Fotografien liegen stapelweise auf dem Tisch, sogar ein Kalender von 1995 ist unter den Erinnerungsstücken. Die Schränke seien alle ausgeräumt, dies nun der Rest, den er noch sichten wolle, sagt Edzard Kuper. Behalten oder entsorgen – darum geht es gerade in dem kleinen Raum der Reithalle E. Kuper, die zwischen Wald und Bahnschienen gegenüber vom Flugplatz der Insel liegt. Im Frühjahr 2021 wurde erst das 40-jährige Bestehen der Reithalle E. Kuper und der 80. Geburtstag des Gründers Edzard Kuper gefeiert (siehe dazu de Utkieker 1/2021). Im Herbst 2021 fiel die Entscheidung, die Reithalle und das dazugehörige Areal zu verkaufen.
Edzard Kuper hat die Reithalle vor 15 Jahren seiner Tochter Joana übergeben. Sie sei im September beruflich bedingt nach Hamburg gezogen und könne sich nicht mehr um den Betrieb kümmern und er selbst würde ja auch nicht jünger werden, erzählt er.
Die Reithalle 
Von Ferdinand Vrbec übernahm Edzard Kuper vor 40 Jahren die 1969 erbaute Halle, baute Pferdeboxen und eine Remise an.
Reitunterricht findet in der Halle keiner mehr statt, dort stehen jetzt die Planwagen im Trocknen, bis sie verkauft werden. Denn auch das gehörte zum Angebot des Familienbetriebs: Planwagen- und Kutschfahrten. Früher brachte er mit seinem Pferdewagen den Strauchschnitt für die Lahnung zum Strand. Seine Kutschen wurden für Beerdigungen genutzt. 18 Jahre lang, 350 Beerdigungen, sagt Edzard Kuper – und zum Glück mehr Hochzeiten. „Über 500 waren es“, erinnert er sich.
Jetzt stehen die Hochzeitskutschen aus den 1920er-Jahren abgedeckt in der Remise und warten auf Interessenten. „Vielleicht sind sie sogar noch älter“, meint Edzard Kuper, aber so genau lässt sich das Alter der gepflegten Kutschen nicht sagen. Kürzlich habe ein Brautpaar bei ihm angefragt, ob er sie Ende Dezember fahren könne. „Da musste ich leider absagen.“
Leer sind die angebauten Ställe, die einst aus zwei Schiffscontainern gebaut wurden. Diesen ungewöhnlichen Stall bescherten Edzard Kuper alte Kontakte aus seiner Zeit als Seemann.
Seefahrer 
Er war gerade einmal 14 Jahre alt, als er das erste Mal zur See fuhr. Er habe keine Lust mehr gehabt in die Schule zu gehen, sagt Edzard Kuper; daher wurde er Seemann. Die erste Reise dauerte sogleich ganze 18 Monate. Er erinnert sich aber auch an eine Fahrt, da war er 36 Monate und 29 Tage von der Insel weg. Bis auf Australien habe er die ganze Welt gesehen, sagt der Insulaner. Als Schiffsjunge fing er an, als Kapitän hörte er nach 25 Jahren auf. Zu viel hatte sich geändert, was ihm nicht mehr gefallen hat: „Früher waren fünf Schiffe im Einsatz; jetzt wird nur noch ein großes gebraucht und weniger Besatzung.“ Lange Liegezeiten durfte er noch erleben und dadurch Länder entdecken. „Besser trennen, als da rummachen“, sagt Edzard Kuper über seine Entscheidung, die Seefahrt aufzugeben.
Pferde hatte er schon damals. Mit den sieben Tieren baute er dann auch den Familienbetrieb auf: Kutschfahrten, Hochzeitsfahrten, Reitunterricht, Strandausritte und Ponyführen für die Kleinen – so steht das noch auf der Website. Und er hatte viele Jahre ein sehr „zeit- und geldaufwendiges“ Hobby.
Pferdezucht als Hobby 
Edzard Kuper züchtete auf Langeoog Pferde. 72 Fohlen kamen bei ihm auf die Welt. Hannoveraner, die „Mercedes unter den Pferden“, sagt der Züchter. Die Namen, die sie bekamen, richteten sich, wie es in der Pferdezucht üblich ist, nach dem ersten Buchstaben des Vaters – manchmal bekamen die Fohlen dann auch Namen, die ihren Besitzer an seine Reisen erinnerten, wie etwa Curaçao oder Belize.
Eigene Pferde hat er jetzt keine mehr. Noch fünf Gastpferde sind bei ihm. Morgens lässt er sie raus auf die Weide, am Abend kümmern sich die Besitzer um sie. Bis die Tiere einen neuen Stall haben, die Reithalle und das gesamte dazugehörige Areal um sie herum verkauft sein wird, sorgt er sich weiterhin um die Tiere. Und dann? Es sei eher die Frage, was die Coronasituation erlaube, sagt Edzard Kuper. Reisen mag er noch immer. Die Westküste der USA würde ihn reizen, die sei schöner als die Ostküste. -jeg-