„Nordsee geht bei jedem Wetter“

Kurpastorin Luitgardis Parasie ist in jeder Hinsicht „sturmerprobt“
Für Luitgardis Parasie gibt es nichts, was es nicht gibt: Sowohl als Pastorin, als auch als systemische Familientherapeutin und ebenso im eigenen Leben hat die 65-Jährige reiche Erfahrungen sammeln können, deren Essenzen sie als Autorin, Radiojournalistin und Referentin an Wissbegierige weitergibt. Auch während ihrer Zeit als Kurpastorin vom 29. September bis 8. Oktober will sie Urlauber und Insulaner ermutigen und ihnen klärende Gespräche anbieten.
„Während der Gottesdienste lade ich die Anwesenden ein, Gesprächsmöglichkeiten zu nutzen, zu denen ich zweimal wöchentlich abends im geschützten Raum der Kirche zur Verfügung stehen möchte“, so die evangelische Theologin.
Nachdem sie sich nach zwanzigjähriger Tätigkeit als Gemeindepastorin in Northeim-Langenholtsen im April 2020 in den Ruhestand verabschiedet hat, war Luitgardis Parasie im Juni als Kurpastorin auf Juist – wegen der Pandemie aber nur mit „angezogener Handbremse“: „Es fällt mir schwer, nicht auf Menschen zuzugehen“, gesteht sie und hofft, dass ihr dies während ihrer Amtszeit auf Langeoog wieder möglich sein wird. „Ich möchte für die Menschen auch außerhalb der Gottesdienste da sein, um mit ihnen zu sprechen, sie zu segnen oder mit ihnen zu beten.“
Zudem plant sie zwei Beiträge im Rahmen der ökumenischen Vortragsreihe. Im einen – betitelt wie ihr gleichnamiges Buch „Starke Mütter – starke Töchter“ – will sie darauf eingehen, wie diese lebenslange Beziehung konstruktiv gestaltet werden kann. „Themen wie Nähe und Distanz sowie Grenzen ziehen spielen dabei ebenso eine Rolle, wie die Frage, was Frauen stark macht“, erklärt die dreifache Mutter und hat erfahren, dass dieses Thema auch Männer anspricht: „Mancher Zuhörer hat mir im Anschluss an meine Vorträge gesagt, dass er nun endlich weiß, wie seine Frau ‚tickt‘,“ verrät die Autorin schmunzelnd. Am zweiten Themenabend möchte sie ihre Zuhörer mit auf eine virtuelle Radtour von Zittau nach Usedom nehmen und ihnen „Appetit“ auf Reisen innerhalb Deutschlands machen. „Das wird durch ‚Corona‘ aktuell bleiben“, ist sie überzeugt.
Für ihre Freizeit hat sie sich vorgenommen, jeden Morgen vor dem Frühstück zu joggen, Radtouren und Spaziergänge zu unternehmen und die Natur zu genießen. „Dabei schaltet man ab und kommt auf andere Gedanken“, weiß die Kurpastorin.
Langeoog hat sie zuletzt in den 90er-Jahren bei Psychotherapietagungen gemeinsam mit ihrem Mann besucht. Dabei hat sie die Insel stets bei Sturm und Regen erlebt. Solche Naturschauspiele schrecken Luitgardis Parasie jedoch nicht: „Nordsee geht bei jedem Wetter“, ist sie überzeugt und verrät: „Ich bin gespannt, wie sich die Insel in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.“    -sbo-