Im Notfall das Überleben sichern

„27. Woche der Notfallmedizin“ im September unter besonderen Bedingungen 
Vom 5. bis 12. September 2020 fand auf Langeoog die „27. Woche der Notfallmedizin“ statt. Veranstalter war die Ärztekammer Niedersachsen, Sachgebiet Ärztliche Fortbildung (SÄF). Die Seminare erfolgten in 13 Räumlichkeiten im und nahe dem „Haus der Insel“. Inhalt war die notfallmedizinische Erstversorgung von Patienten, um ihnen, etwa nach Unfällen, das Überleben zu sichern.
90 Teilnehmer aus ganz Deutschland besuchten die Fortbildung. Zehn Dozenten unterwiesen sie in Theorie und Praxis der Notfallmedizin. Die Organisation hatte SÄF-Leiter Barış Oral inne. Die wissenschaftliche Leitung trug Privatdozent Dr. med. Markus Roessler von der Universität Göttingen; als Autorität in der Notfallmedizin hielt er auch selber Seminare.
„Die Veranstaltungswoche ist eine zusätzliche Weiterbildung für Mediziner. Der Kurs umfasst 80 Stunden insgesamt“, erläutert Barış Oral. Das Besondere: Die 50 Theoriestunden werden durch 30 Praxisstunden ergänzt. „Dabei wird vor Ort auch der Umgang mit technischen Gerätschaften trainiert, wie sie in Notfällen zum Einsatz kommen.“
Ob die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte, war lange Zeit unklar. Zumal die Ärztekammer die für Mai geplanten Fortbildungen auf Langeoog hatte absagen müssen. „Ende Mai, Anfang Juni erst zeichnete sich eine positive Entwicklung ab, sodass wir uns entschlossen, die Fortbildung im September anzubieten“, berichtet Barış Oral. „Die Kurse waren dann frühzeitig ausgebucht. Leider konnten wir nicht alle Interessierten aufnehmen.“ Mit 90 Teilnehmern sei man an der Grenze des Machbaren gewesen: „Das war schon eine große organisatorische Herausforderung, bei der wir auch keine Kosten gescheut haben.“
Ausgetüfteltes Hygienekonzept
In diesem Jahr gab Corona die Bedingungen vor: „Wir haben zwar die Teilnehmerzahl, nicht aber die Qualität der Fortbildung heruntergeschraubt“, betont der SÄF-Leiter. „Um Hygiene- und Abstandsregeln in den Kursräumen wahren zu können, hatten wir uns im Vorfeld darauf verständigt, dass es maximal neun Personen pro Kurs geben sollte.“ So wurden letztlich zehn Gruppen mit je neun Personen gebildet.
„Für diese haben wir ein ausgetüfteltes Hygienekonzept aufgestellt, das unter anderem das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in jedem Raum, in jedem Seminar vorsah“, teilt Barış Oral mit. „Um die Emission von Aerosolen möglichst gering zu halten, stellten wir dafür eigens 2.000 hochwertige FFP-2-Masken bereit. Diese kurzfristig zusammenzubekommen, war allein schon ein logistischer Akt.“ Zudem wurden jeden Morgen der Gesundheitszustand der Teilnehmer per Meldebogen abgefragt und Temperaturmessungen vorgenommen, um „allen Eventualitäten vorzubeugen.“
Zur Auftaktveranstaltung am Samstagvormittag, 5. September begrüßten Barış Oral und Markus Roessler die Teilnehmer im großen Saal des HDI. Dabei übermittelten sie auch die Grüße von Kammerpräsidentin Dr. med. Martina Wenker und Bürgermeisterin Heike Horn, die der Tagung einen erfolgreichen Verlauf wünschten.
„Unser Dank gilt der Inselgemeinde, insbesondere Bürgermeis­terin Heike Horn, die uns die Räumlichkeiten im HDI zur Verfügung stellte, sowie den Hotels ‚Flörke‘ und ‚Bethanien‘ und dem Gemeindehaus ‚Beiboot‘“, freuen sich Barış Oral und Markus Roessler über die gewährte Unterstützung. Und die Stimmung unter den Teilnehmern? „Viele waren froh, dass endlich wieder eine Fortbildung stattfand, wenn auch unter solchen Umständen. ‚Wenn nicht jetzt, wann dann?‘, sagten sie. Insgesamt war die Resonanz sehr positiv.“
Im kommenden Jahr …
sollen nach Möglichkeit wieder alle Fortbildungen der Ärztekammer Niedersachsen stattfinden. Der Schwerpunkt liegt mit fünf Veranstaltungen im Mai, beginnend mit den Sonographiekursen vom 1. bis 9. Mai und endend mit der 68. Woche der Praktischen Medizin (17. bis 21. Mai). Dazwischen liegen die 18. Woche der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (10. bis 14. Mai) und die 49. Psychotherapiewoche (10. bis 15. Mai).
Die 28. Woche der Notfallmedizin ist für den 18. bis 25. September 2021 vorgesehen. Barış Oral: „Corona begleitet uns dann vermutlich immer noch, wird aber in den Fortbildungen nicht zum eigenständigen Thema erhoben.“ -köp/ut-