Strandaufspülung: NLWKN sichert Schutzdüne

Küstenschutzmaßnahme zur Sicherung des Pirolatals
700.000 Kubikmeter – so viel Sand fehlt derzeit vor dem Langeooger Pirolatal, um die Insel auch weiterhin zuverlässig vor den Kräften des Meeres zu schützen. Nach einer Kette von Sturm­tiden im Februar 2020, mit sichtbaren Folgen für den Strand und die vorhandenen Sanddepots, sah der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) noch für diesen Sommer konkreten Handlungsbedarf.
Ab Anfang Juni wurde die Baustelle für die erforderliche Strand­aufspülung eingerichtet. Dazu wurde vom West- zum Oststrand eine Spülleitung verlegt. Das Areal am Hauptbad ist unterdükert, sprich: untertunnelt, um den sommerlichen Betrieb am Bade- und Burgenstrand nicht zu stören. Die Küstenschützer werben für Verständnis bei Insulanern und Gästen. Ein Abschluss der Arbeiten ist bis September 2020 vorgesehen.
„Die erheblichen Sandverluste vom letzten Winter erfordern ein Handeln noch bis zum nächsten Winterhalbjahr. Wir können das gute Schutzniveau für Langeoog nur gewährleisten, wenn wir mit entsprechenden Maßnahmen in der sturmflutfreien Zeit des Sommers gezielt aktiv werden“, betont Professor Frank Thorenz, Leiter der für die Ostfriesischen Inseln zuständigen NLWKN-­Betriebsstelle Norden-Norderney. „Eine Überschneidung mit der Tourismussaison ist deshalb leider nicht zu vermeiden.“
Für Bauaktivitäten und Aufspülungsmaßnahmen steht den Küs­tenschützern nur ein schmales Zeitfenster von Mai bis September zur Verfügung. Dieses nutzt man jetzt beim NLWKN: Simulationen des Landesbetriebs haben ergeben, dass im Fall schwerer Sturmfluten angesichts der im letzten Winterhalbjahr eingetretenen Sanddefizite andernfalls erhebliche Dünenabbrüche am Pirolatal wahrscheinlich sind. Strand und Sanddepot vor der Schutzdüne waren zuletzt in den Jahren 2017 und 2018 aufgespült worden.
Mit der Strandaufspülung …
betraute der NLWKN die niederländischen Spezialunternehmen Baggerbedrijf De Boer / Dutch Dredging B.V. und Delta Coastal Services B.V. Anfang Juni wurde das Material für die Landleitung über den Strand im Westen der Insel eingeschifft. Im Anschluss begann die Montage und Verlegung der Rohre. ­Wegen eines Bruchs der Rohrleitung kam es zu Verzögerungen, die Pipeline wurde aber Ende Juni repariert.
„Spülbeginn ist voraussichtlich im Juli, wenn alle Leitungen verlegt sind“, erklärt NLWKN-Projektleiter Theo van Hoorn. Dann kreuzt der 72 Meter lange und 14 Meter breite Laderaumsaugbagger „Amazone“ von Baggerbedrijf De Boer B.V. vor der Insel. Der Sand für die Langeooger Strandaufspülung wird an der Ostseite des Seegatts „Accumer Ee“ entnommen. Hier stehen ausreichende Sandmengen zur Verfügung. „Die Entnahmestelle kann sich auf natürliche Weise schnell wieder regenerieren“, so van Hoorn.
Die „Amazone“ befüllt im Entnahmebereich den Laderaum mit Sand und fährt dann zur Koppelstation in der Accumer Ee. Dort wird das Sand-Wasser-Gemisch über eine gut zwei Kilometer lange Rohrleitung zum Strand gepumpt.  Mittels einer weiteren, etwa drei Kilometer langen Leitung gelangt das Material hier zur Einbaustelle vor dem Pirolatal, wo sich der Sand nach Austritt aus der Spülleitung ablagert. Am Strand wird er dann mit Planierraupen weiter verteilt und profiliert. „Vor dem Hauptbadestrand ist die Spülleitung mit Sand überdeckt, um den Badebetrieb nicht zu behindern“, schildert van Hoorn die Bemühungen des Landesbetriebs um eine Durchführung im Bewusstsein der touristischen Bedeutung der Sommersaison. Der Aufspülbereich selbst muss aufgrund möglicher Gefahren während des Spülbetriebs teilweise gesperrt werden.
Langeoog ist …
die einzige Ostfriesische Insel, auf der bisher keine massiven Küstenschutzanlagen erforderlich waren, um die Strände und Dünen gegen andauernde Erosionen zu sichern. „Unser Ziel ist es, Schutzmaßnahmen für Schutzdünen soweit wie möglich an den natürlich ablaufenden Prozessen zu orientieren. Mithilfe von Strand­aufspülungen kann eine nicht ausreichende natürliche Sandversorgung ausgeglichen werden“, erklärt Prof. Thorenz die Hintergründe der Maßnahme. – In ihrer Rolle als natürliche Wellenbrecher spielen die Inseln auch für das ostfriesische Festland eine wichtige Rolle. Inselschutzmaßnahmen kämen damit indirekt auch dem Schutz der Festlandsküste zugute, heißt es beim ­NLWKN. Die Finanzierung des knapp 5,4 Millionen Euro teuren Vorhabens auf Langeoog erfolgt aus Mitteln der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes. -nlwkn/köp-