Der „frische Atem“ Gottes

Kath. St.-Nikolaus-Kirche weihte neue Hauser-Orgel ein
„Eine Kirche ohne Orgel ist wie ein Körper ohne Seele.“ Mit dem Satz von Albert Schweitzer hat Generalvikar Theo Paul vom Bistum Osnabrück das Klangerlebnis während der Orgelweihe in der katholischen Kirche St. Nikolaus am 15. März auf den Punkt gebracht. Der Deutschlandfunk (DLF) übertrug den Gottesdienst live auf seinen Frequenzen und ermöglichte somit Millionen Menschen, auch am Radio dem zauberhaften Klang der neuen Orgel zu lauschen.
Positive Reaktionen aus aller Welt
Reaktionen auf den Gottesdienst erhielt die Gemeinde aus aller Welt. Die Resonanz war erstaunlich. Pfarrbeauftragte Susanne Wübker zählte mehr als 100 Anrufe am Hörertelefon im Anschluss an die Messe. Teils wurde auch auf Anrufbeantworter gesprochen. „Sie alle brachten ihre Dankbarkeit, Freude und Begeisterung zum Ausdruck“, freute sich die Gemeindeleiterin über so viel positiven Zuspruch. Zudem seien E-mails unter anderem aus Mexiko-City, Göteborg, der Schweiz und aus ganz Deutschland eingegangen.
In Zeiten des Corona-Virus kam diese schon von langer Hand geplante Gottesdienst-Übertragung wie gerufen, wurde zur Vorbeugung gegen die Weiterverbreitung des Virus doch ein Maßnahmenkatalog mit strengen Auflagen für die Messe erlassen. Denn zu diesem Zeitpunkt fanden sämtliche Gottesdienste schon nicht mehr statt. So war unter anderem die Teilnehmerzahl stark begrenzt. Doch gerade bei Verunsicherung gebe Musik großen Halt. „Der Klang der Orgel kann uns aufrichten und zusammenführen“, sagte Susanne Wübker eingangs voller Zuversicht. Gemeinsam mit Zelebrant Theo Paul gestaltete sie den Gottesdienst.
Von einem „überschaubaren Kreis“ in der katholischen Kirche  sprach zu Beginn auch Ruth Beerbom. Die Rundfunkbeauftragte im Bistum Osnabrück begrüßte Gottesdienstbesucher und Hörer am Radio mit einem vertrauten „Moin“.
Auch die Glocken läuteten. Und das, obwohl die katholische Kirche gar keine Glocken besitzt. Hier half die ev.-luth. Inselkirche unter Leitung von Pastor Christian Neumann gerne aus. Doch statt des klassischen Orgelspiels zum Einzug in die Kirche kamen im Anschluss an das Glockengeläut vertraute Akkordeonklänge zu Gehör, die von der bekannten Langeooger Musikerin Eva Funke gespielt wurden. Diözesankirchenmusikdirektor Martin Tigges aus Osnabrück ließ die „Königin der Instrumente“ erst erklingen, nachdem Theo Paul die neue Hauser-Orgel mit Weihwasser gesegnet hatte. Für den Radiohörer war dieser Moment ein kurzes, stilles Innehalten. Als schließlich die Orgel mit ihren sieben Registern, 354 Pfeifen, zwei Manualen und Pedal ertönte, öffnete sich „ein Stück Himmel“.
„Kein anderes Instrument verfügt wie die Orgel über so viel Klangfarben, Klanghöhen und Klangtiefen. Sie kann brausen, säuseln, klagen, jauchzen und in Extase versetzen“, schwärmte kurz darauf der Generalvikar. Es sei der „frische Atem“ Gottes, den die Orgel den Menschen auch auf Langeoog zuwehe.
Susanne Wübker erinnerte an die Anfangsfreude, als bei der „Erst-Ton-Feier“ der frisch aufgestellten Orgel am 12. November vergangenen Jahres erstmals der Kammerton A erklang. Inselflair vermittelte die Pfarrbeauftragte allen Zuhörern am Radio, als sie den Blick aus dem großen Kirchenfenster beschrieb: „Wir sehen eine Dünenlandschaft mit Inselrosen, Sanddornpflanzen und ganz viel Himmel.“
Beispielhafte Spendenaktion
Wie der Utkieker mehrfach berichtete, stammt die im Jahr 1987 von der Firma Hauser erbaute Orgel aus dem ehemaligen Missionskloster Höchweid/Werthenstein in der Schweiz. Der internationale Fachhändler für gebrauchte Pfeifenorgeln, Andreas Ladach aus Wuppertal, hatte das Instrument für die Langeooger Kirchengemeinde entdeckt und vermittelt. Das 33.800 Euro teure Orgelprojekt konnte durch eine beispielhafte Spendenaktion in nicht einmal sechs Monaten verwirklicht werden. Eingeplant dafür waren drei Jahre. Das Bistum trägt 20 Prozent der Kosten. Das vorherige Instrument, eine Orgel aus der Orgelbauwerkstatt Alfred Führer, ging in private Hände. -reh-