„Große Herausforderungen zu bewältigen“

Rückblick auf die Amtszeit des hauptamtlichen Bürgermeisters Uwe Garrels

Am 31. Oktober 2019 endete um Mitternacht sein Amt: Vom 1. November 2011 bis zu diesem Zeitpunkt war Uwe Garrels der hauptamtliche Bürgermeister von Langeoog. Acht Jahre, geprägt von großen Herausforderungen: Die Entschuldung der Insel­gemeinde zählte ebenso dazu wie ein Strukturwandel im Tourismus, dem Haupterwerbszweig Langeoogs. Im Gespräch mit dem „Utkieker“ blickte Uwe Garrels zurück.

Welches Gefühl herrschte am letzten Arbeitstag vor?

„Nachdenkliches Durch- und Aufatmen. Es war richtig, nicht wieder anzutreten. Verantwortliche Politiker sollen im Leben stehen. Dies ist eine Aufgabe für Leute, die inmitten der Zeit sind, etwa beim Thema Digitalisierung. Es ist gut, wenn jetzt ein Generationswechsel stattfindet“, meint der bald 65-Jährige. „Ich möchte jetzt auch wieder andere Dinge im Leben machen, die für mein persönliches Verständnis wichtig sind. Da freue ich mich auf neue Aufgaben.“

Was hat er in seiner Amtszeit bewirkt – was lief gut?

„Das Leitthema meiner Amtszeit war der Schuldenabbau. 2016 haben wir ihn geschafft, wenn auch mit einem schwierigen Ende, was das neue KWC-Gebäude und das abgebrochene Interessenbekundungsverfahren zum alten KWC und dem HDI betrifft. Aber wir standen auch vor großen Herausforderungen.“ In diesem Zuge habe es „gute Projekte wie 2014 das ‚Friesengut‘ auf der Fläche des ehemaligen Tagungszentrums“ gegeben: „Mit dem Lebensmittelmarkt sind hier Gewerbe und Wohnungen integriert – und nicht nur Ferienwohnungen. Neben der neuen optischen Gestaltung war dies auch eine echte städtebauliche Verbesserung.“ Aufgegangen sei zudem das Konzept am Hauptbad: „An den ‚bunten Buden‘ ist richtig was los.“ Mit der Entschuldung einher ging ein Strukturwandel im Tourismus-Service: „Weniger Liegenschaften halten, mit den Erlösen die vorhandenen optimieren – nach diesem Leitsatz sollte auch die Liegenschaft altes KWC und HDI veräußert werden, um ein städtebaulich ansprechendes Hotel mit neuem, öffentlich zugänglichem Veranstaltungszentrum zu schaffen und mit 7 Millionen Euro einen erheblichen Erlös für die Erneuerung von KWC, Bad und Sportzentrum zu generieren. Das ist leider auch im dritten Anlauf nicht gelungen. Entschuldung und touristischer Strukturwandel waren aber notwendig und sollten fortgesetzt werden, sonst droht erneut die Schuldenfalle.“

Weitere markante Ereignisse?

„Die dörfliche Entwicklung, etwa die tolle neue Hauptstraße von Bahnhof bis Wasserturm, gefördert durch das Dorferneuerungsprogramm. Damit verbunden die Erneuerung der Kanalisation. Hervorragend entwickelt hat sich auch die Kläranlage mit der Solaranlage und der neuen Klärschlamm-Trocknungsanlage.“ Wichtig sei auch das Thema Dauerwohnen: „Auf Langeoog ist das ein Überlebensthema. Mit dem Wandel vom Saison- zum Ganzjahresgeschäft in Zeiten des Fachkräftemangels kommen mehr Menschen, die wir gut unterbringen müssen. In diesem Sinne ist als Auftakt das Wohn-genossenschaftsprojekt ‚Uns Oog‘ zu verwirklichen, doch muss auf dem Gelände weiterer Wohnungsbau erfolgen.“

Langeoogs Bild nach außen?

„Die Außenwirkung von Langeoog ist besser, als es auf der Insel erscheint. Wichtig: Die Gemeinde muss sich nach außen hin gut präsentieren. Dazu gehört eine positive Begleitung des Nationalparks und die aktive Integration des Themas Weltnaturerbe in die Tourismuswirtschaft. ‚Außenpolitisch‘ haben wir Inseln mit der Neuaufstellung der OFI (Ostfriesische Inseln GmbH) ein starkes gemeinsames Marketing-Sprachrohr auf den Weg gebracht.“

Was wäre verbesserungswürdig gewesen?

„Mein Amt als Bürgermeister habe ich nach besten Kräften wahrgenommen. Doch es ist immer eine schwierige Kombination aus Verwaltungschef und Bürgernähe – vor allem, wenn man schwierige Wahrheiten aussprechen muss und nicht jedem nach dem Mund redet. Da hätte die Kommunikation mit den Bürgern besser sein können, das habe ich unterschätzt.“

Ein Wunsch für die Nachfolgerin?
„Ich wünsche Heike Horn eine glückliche Hand, dass es gute sieben Jahre für Langeoog werden. Und eine gute Kommunikation mit dem Gemeinderat. Denn Rat und Verwaltung müssen für eine fruchtbare Entwicklung zusammenarbeiten.“

Wie geht es jetzt persönlich weiter?

„Zunächst mal ‚runterfahren‘, um Haus und Hof kümmern und mehr Zeit für die Familie haben. Weiterhin möchte ich das ‚bliev hier‘ und die Wohngenossenschaft ‚Uns Oog‘ ehrenamtlich begleiten. Ich möchte auch wieder Watt-Führungen und Vorträge machen. Auf jeden Fall möchte ich das jetzt Gelernte mit meiner früheren Erfahrung zu etwas Neuem verbinden.“

Ein Schlusswort?

„Ich danke allen Langeoogerinnen und Langeoogern für ihr mir entgegengebrachtes Vertrauen und bitte diejenigen um Entschuldigung, deren Erwartungen ich nicht erfüllt habe. Besonders stolz bin ich auf meine – jetzt ehemaligen – Mitarbeiter: Es war eine tolle Erfahrung, mit ihnen und für sie arbeiten zu dürfen.“