Hoch-Zeit für Hochzeiten

„Insel fürs Leben“ attraktiv für Brautpaare 
aus nah und fern – Langeooger Standesamt: neuer Trau-Rekord in Sicht?

„Traufrisch“ zum Standesamt ziehen immer mehr Paare – auch auf Langeoog. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Eheschließungen auf der „Insel fürs Leben“ kontinuierlich an: „2017 wurde erstmals die 200er-Marke eingestellt, und 2018 ­haben wir mit 230 Eheschließungen die bislang höchste Zahl ­erreicht“, berichtet Standesamtsleiter Holger Schön, der mit ­seinem Kollegen Peter Wettstein die Trauungen vollzieht.
Mit in die Rekordzahl hinein spielt die seit Oktober 2017 mögliche „Ehe für alle“ anstelle der eingetragenen Lebenspartnerschaften. „Viele Paare wandeln ihre Partnerschaft in eine Ehe um.“ Der Langeooger Boom liegt übrigens im Bundestrend: 2018 ließen sich in Deutschland 449.466 Paare trauen – die höchste Zahl seit 1999. Das letzte Jahr im alten Jahrtausend hatte auch Langeoog einen Rekord beschert: Vor 20 Jahren schaffte es das Standesamt mit 107 Trauungen erstmals den Sprung in die Dreistelligkeit.

Langeoog internationales Heiratsziel

Ob auch 2019 rekordverdächtig wird? Die Chancen stehen nicht schlecht: „Inklusive Voranmeldungen haben wir“, so die Standesbeamten, „bislang schon über 200 Trauungen im Kalender.“ Die Nachfrage ist ungebremst: „Bis Ende Oktober sind wir ausgebucht.“ Freie Termine gibt es ab November, der allerdings der neue Mai geworden ist: „Es bestehen bereits etliche Anfragen.“ Wer weiter plant: Seit Mitte September ist es möglich, Termine für 2020 zu vereinbaren. Paare, die ein markantes Datum bevorzugen, sollten den 20. oder 22. Februar frühzeitig ins Visier nehmen. Aber Obacht: Da ist auch Karnevalswochenende. Geheiratet wird in fast allen Altersklassen: Das Gros ist zwischen 30 und 50 Jahre alt, Paare unter 25 Jahren sind eher    selten. Eine leichte Zunahme erleben internationale Ehen: Die Heiratswilligen stammten jüngst nicht nur aus Österreich, Frankreich, Belgien, der Schweiz und dem weiteren Europa, sondern auch aus Russland – und sogar Australien: „Das junge Pärchen aus ‚Down Under‘ war zuvor noch nie auf Langeoog, es hatte sich seine Hochzeitsinsel im Internet ausgeguckt“, berichtet Holger Schön. „Auch die Online-Generation heiratet noch ­live.“ Und gern auf Langeoog.
Mit jährlich um die zehn bleibt die Zahl der Insulaner-Ehen nahezu unverändert. Auch hier steigt – von Polen bis Spanien – die internationale Beteiligung. „Die sogenannte Prüfung der Ehefähigkeit nimmt bei internationalen Ehen mehr Zeit in Anspruch, da auch ausländisches Recht zu berücksichtigen ist“, erklären die Standesbeamten, die sich durch Fortbildungen auf dem Laufenden halten – und gelegentlich schon Übersetzer eingeschaltet haben.

Alles Wichtige vor Ort

Variabel ist die Größe der Hochzeitsgesellschaften: Sie reicht von trauter Zweisamkeit bis zu 100 Gästen und mehr. Im Durchschnitt nimmt ein gutes Dutzend Gäste an einer Trauung teil. „Das macht rund 3.000 Gäste pro Jahr, die Langeoog für sich neu oder wieder entdecken und dabei auch spendabel sind“, sagt Peter Wettstein. Und rund um die Feier zum schönsten Tag des Lebens werde auch ein erheblicher touristischer Begleitumsatz erzeugt. So sehen die Standesbeamten eine Heirat auf Langeoog durchaus als Wirtschaftsfaktor: Neben Vermietern und Gastronomen sind etwa die Dienste von Friseuren, Kutschbetrieben, Floristen, Fotografen, Goldschmieden und weiteren Branchen gefragt.
Was angenehm und praktisch ist: Man hat alles Wichtige vor Ort und dabei kurze Wege. Ob Hotel oder Restaurant, Hochzeitskutsche oder Brautstrauß, Trauringe, die man sogar selber schmieden kann (macht die Ehe besonders haltbar), oder versierte ­Fotografen, die den schönsten Tag des Lebens in makellosen Motiven festhalten. Über Telefon und Internet lässt sich das Meis­te vorab von zu Hause aus arrangieren.

Seemannshus und Hochzeitsstein

Außer im Trauzimmer des Rathauses wird vor allem im beliebten „Seemannshus“ geheiratet: Über 90 Prozent der Trauungen finden in den gemütlichen Räumen des Heimatmuseums statt. Hier gilt es, Hochzeitstermine und Öffnungszeiten zu koordinieren. „Die Zusammenarbeit mit dem Museumsverein funktioniert gut“, betonen die Standesbeamten. Wer das romantische Haus über die Trauung hinaus eingehend besichtigen möchte, nutzt dazu die offiziellen Öffnungszeiten des von Rosemarie Tilmann betreuten Museums.
Unvergänglich wird der Ehebund durch den „Hochzeitsstein“: Mit eingravierten Initialen und Datum wird der Klinker in den „Hochzeitspfad“ des Seemannshus-Gartens eingelassen. „Manche heiraten wegen des Steins auf Langeoog“, erklären die Standesbeamten. Da der Pfad pro Jahr um etwa vier Quadratmeter wächst, wurden 2017/18 weitere Wege angelegt. Doch: „Auf lange Sicht müssen wir uns etwas Neues einfallen lassen, sonst ist der Garten zugepflastert.“
Ein Muss für Brautpaare sind die Familienstammbücher, in ­denen sie ihre Dokumente daheim aufbewahren. In Samt oder Leder gebunden, etwa mit (teils handkoloriertem) Seemannshus- oder Wasserturm-Motiv sowie Gold- oder Silberprägung, sind die Langeooger Exemplare ein dekorativer Schutz für die wichtigen Dokumente – und eine lebenslange Erinnerung an den „schönsten Tag im Leben“ auf der „Insel fürs Leben“.

Alles möglich – bis auf eines

Doch die Langeooger Standesbeamten erfüllen noch mehr Aufgaben. Die Eheschließung ist für sie nur der Auftakt: „Durch die Hochzeit wird Langeoog das registerführende Standesamt. Hier werden die Familiendaten fortgeschrieben.“ Das betrifft Bereiche wie Geburten, Kirchenaustritte, Scheidungen oder Sterbefälle. Im Lauf der Jahre kommt einiges zusammen: „Wir verwalten rund 4.000 Eheeinträge in unserem Eheregister. Das ist vergleichbar mit dem einer Mittelstadt von 50.000 Einwohnern, wie etwa Emden, Ravensburg oder Gummersbach.“ Für die 1.800-Seelen-Gemeinde Langeoog durchaus eine Herausforderung. Auch wenn Holger Schön und Peter Wettstein alles Mögliche gern möglich machen, eines geht nicht: die schnelle Urlaubshochzeit aus dem Überschwang heraus. Denn, so Holger Schön: „Die Anmeldung der Trauung, früher Aufgebot genannt, ist immer am Standesamt des Hauptwohnsitzes durchzuführen.“ Eine Spontanheirat im Las-Vegas-Stil sei daher nicht machbar: „Wir benötigen die kompletten Unterlagen vom Heimat-Standesamt.“ Dann aber steht dem trauten Glück zu zweit nichts im Weg. Kontakt für Anfragen: telefonisch unter 04972/693-123 oder per E-Mail an standesamt@ langeoog.de. -köp-