Gemeinde-Rat und Tat

Neues von der Inselgemeinde Langeoog
Langeoog in Zeiten des Corona-Virus
Das hatte bis vor Kurzem niemand auf dem Zettel: dass eine neuartige Viruskrankheit das Leben und seine Qualität weltweit erschweren und lähmen würde. Behörden von Bund über Land und Kreis bis zur Kommune mussten strikte Verfügungen erlassen. Empfindlich treffen diese auch Langeoog, das – zunächst einmal – bis zum 18. April vor allem eines ist: eine Urlaubsinsel ohne Urlauber.
Vorübergehend für Publikumsverkehr geschlossen, ist im Rathaus dennoch viel zu tun. Krisensitzungen, Telefonkonferenzen mit dem Landkreis, die Umsetzung aktueller Verfügungen: Bürgermeisterin Heike Horn und Team sind täglich neu gefordert, oft bis spät in die Nacht. Denn täglich werden Erlasse geändert, kommen neue hinzu. Langeoog hatte im Landkreis Wittmund den ersten Corona-Fall, der inzwischen zum Glück wieder auskuriert ist. Zu den derzeitigen Beschränkungen zählen Versammlungsverbote und Betriebsschließungen sowie Einschnitte im Fährverkehr. So werden seit dem 24. März – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nur noch Personen nach Langeoog befördert, die ihren ersten Wohnsitz auf der Insel haben. „Diese und weitere Maßnahmen dienen einzig der Verzögerung der Ausbreitung des Coronavirus und dem Schutz der Gesundheit aller“, appelliert Heike Horn an die Einsicht der Betroffenen. „Die Regelungen für das Leben auf der Insel haben natürlich gravierende Folgen. Wir, die wir alle vom Tourismus leben, sind hier zu besonderer Solidarität aufgerufen und ich hoffe hier auf viel Kreativität und ein starkes Gemeinschaftsgefühl.“
Ratssitzungen im HDI
Das politische Leben indes geht weiter: Wichtige Sitzungen des Gemeinderats, die der Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit dienen, finden im „Haus der Insel“ statt. Dazu gehört etwa die Verabschiedung von Satzungen ebenso wie die Entscheidung über die Zukunft von KWC und HDI. Sitzungsort ist der große Saal, sodass der Mindestabstand von zwei Metern eingehalten werden kann. Eingeschränkt wird die Personenanzahl, denn ­„Sicherheit hat Vorrang!“, so Bürgermeisterin Heike Horn. „Dafür bitten wir schon an dieser Stelle um Verständnis!“ Das grundsätzliche Versammlungsverbot wird nur aufgehoben, wenn es sich um Sitzungen handelt, wo gemäß gesetzlicher Vorgabe die Bürger dabei sein dürfen und sollten. – Aktuelle Nachrichten und Termine verbreitet die Inselgemeinde auch über die LangeoogApp (nähere Infos sowie Download per QR-Code im „Kurz und bündig“ dieser Ausgabe).
Erste Bürgerversammlung im Februar
Am Mittwoch, 5. Februar 2020 fand um 19.30 Uhr im großen Saal des HDI die erste Bürgerversammlung statt, zu der die neue Bürgermeisterin namens der Inselgemeinde eingeladen hatte. Rund 280 Langeooger/innen, darunter den Gemeinderat,  begrüßte Bürgermeisterin Horn, die zunächst auf ihre ersten 100 Tage im Amt blickte.
Mit denen sei sie „absolut zufrieden“, so Heike Horn, auch wenn einiges zu verbessern sei, wie Amtsstruktur, Kommunikation und Kunden­orientierung. Personell sei Langeoog gut aufgestellt: „Ich erlebe viele engagierte Mitarbeiter mit guten Ideen.“ Ein „dicker Brocken“ seien die ­Finanzen: Durch den Nichtverkauf von HDI und KWC fehlten sieben Millionen Euro, die bereits im Haushalt eingeplant waren. Eine Zwangsverwaltung durch den Landkreis, mit dem man ­Gespräche führe, sei die schlechteste Option. Zu den Zielen von 2020/21 nannte Horn eine Paketlösung für KWC und HDI, die Steigerung der positiven Außen- und Innendarstellung, forcierten Mietwohnungsbau, ein restriktives Finanzmanagement („Alles kann auf den Prüfstand kommen“) und eine Antikorruptionsrichtlinie mit einem neutralen Ombudsmann.
Im zweiten Teil des Abends konnten die Anwesenden – auch anonym – schriftlich eingereichte Fragen an Heike Horn, Kämmerin Cornelia Baller, den Allgemeinen Vertreter Ralf Heimes und den neuen Tourismusmanager Axel Schlemann richten. Unternehmensberaterin Dr. Daniela Bravin moderierte die Runde, unterstützt wurde sie von den Rathausmitarbeitern Katja Heimes und Wilko Hinrichs. Aus dem breiten Fragenspektrum von Erlebnisbad bis Straßenbau brannten den Anwesenden folgende Themenfelder besonders auf den Nägeln. Der Tourismus, speziell die Zahl der Tagesgäste, die oft als sehr hoch empfunden wird / die unklare Lage von KWC und HDI / der angespannte Wohnungsmarkt, den die Gemeinde durch Mietwohnungsbau auf dem früheren Internatsgelände entlasten will / die dort schon Wohngenossenschaft „Uns Oog“, die 31 Wohnungen schafft / die Vergrößerung der Kita und der Fortbestand der Inselschule / die finanzielle Situation der Inselgemeinde, die ohne einen Sparkurs, verbunden mit Gebühren- und Beitragserhöhungen nicht in den Griff zu bekommen sei. Keine Frage fiel unter den Tisch, ­sodass die Versammlung bis 22.30 Uhr dauerte.
Abschließend wurden drei Kompetenzteams gebildet, in denen die Bürger ihre Ideen zu folgenden Themen einbringen können: 1. Zukunft HDI KWC, 2. Wieviel und welchen Tourismus verträgt Langeoog? und 3. Wohnraum – alternative Lösungen. Jedes Team trifft sich drei Mal, die Ergebnisse werden in einer weiteren Bürgerversammlung präsentiert. Termine für die Kompetenzteams und den zweiten Bürgerabend waren bereits anberaumt, konnten aber im Zug der Corona-Krise nicht mehr stattfinden. „Sobald wir absehen können, dass Versammlungen wieder möglich sind, werden wir neue Termine finden, um die wichtigen Fragen der Zukunftsgestaltung zu behandeln“, erklärt Heike Horn. „Welche Entscheidungsspielräume für die Gestaltung noch möglich sind, ist jetzt noch nicht beurteilbar.“
Neue Leitung im Tourismusmanagement
Ende einer fast 16-monatigen Vakanz: Seit diesem Jahr hat der Tourismus-Service Langeoog einen neuen Leiter. Am 13. Januar 2020 trat Axel Schlemann seinen Dienst an. Für die vielfältige Aufgabe bringt der 52-jährige Lüneburger ebenso vielseitige Voraussetzungen mit: Der Kulturwissenschaftler M.A. war als Museumsmanager in Lüneburg ebenso aktiv wie als Marketingchef der Bio-sphaerium Elbtalaue GmbH oder als Touristik-Leiter beim ADAC Hansa. Auf der Bürgerversammlung am 5. Februar stellte sich Axel Schlemann der Langeooger Öffentlichkeit vor und stand den Publikumsfragen Rede und Antwort.
„Es war ein Sprung ins kalte Wasser“, umreißt der neue Tourismus-Chef seinen Einstand, der in stürmischen Zeiten erfolgte: Winterorkane verursachten Fährausfälle und Strandverluste, dann griff die Corona-Krise in die touristische Struktur ein. Aber: „In allen Bereichen habe ich Kollegen und Mitarbeiter vorgefunden, die sich mit ihrer Tätigkeit sehr identifizieren.“ Gemeinsam gelte es, Perspektiven im Tourismus langfristig zu entwickeln und dabei sowohl die Einzigartigkeit der Insel als auch den Blickwinkel der Gäste im Auge zu behalten. – Ein ausführliches Portrait von Axel Schlemann folgt im nächsten „Utkieker“.
Sturmschäden am Strand
Orkantief „Sabine“, das am zweiten Februarwochenende weite Teile des öffentlichen Lebens in Deutschland lahmlegte, verursachte auch auf den Ostfriesischen Inseln zahlreiche Schäden. Auf Langeoog besonders betroffen war der Strandbereich vor dem Pirolatal, das für die Trinkwasserversorgung der Insel essenziell ist. Zudem wurden dort Relikte einer Flakstellung aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt. Im Strandabschnitt finden sich zahlreiche Beton- und Mauerreste. Mitte Februar gab der ­NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasser-, Küsten- und Naturschutz) als zuständige Behörde eine erste Bestandsaufnahme heraus.
Danach verzeichnete die NLWKN-Betriebsstelle Norden-Norderney infolge fünf aufeinanderfolgender Sturmfluten auf allen ­Inseln Strandverluste und streckenweise Dünenabbrüche. Schäden an den Dünen entstanden dabei unter anderem auf den ­Inseln Norderney (Bereich Kugelbake östlich des Buhnensys­tems) und Langeoog (Pirolatal). Sie traten damit in Bereichen auf, in denen die Experten sie angesichts des Verlaufs der Sturmfluten auch erwartet hatten. Zunächst für diese Abschnitte wurde aktuell eine hochgenaue Vermessung veranlasst. Auf ­deren Basis erfolgt eine dezidiertere Lageeinschätzung und Bewertung der Dünensituation sowie eine Abschätzung eventuell erforderlicher Küstenschutzmaßnahmen, etwa einer Strand­aufspülung. Dabei sollen auch die Überreste der Flakstellung wieder mit Sand bedeckt werden.
In einem Treffen mit den sieben Inselbürgermeistern am 26. Februar betonte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies die Wichtigkeit, die Inseln vor dem Winter mittels Küstenschutz zu sichern. „Solche präventiven Maßnahmen sorgen dafür, dass selbst schwerste Sturmfluten keine Gefahr für die Inseln selbst bedeuten.“ Mit den Bürgermeistern verständigte sich der Umweltminister auf ein Bündel von Maßnahmen – „nicht nur für heute, sondern für die nächsten Jahrzehnte“, so Lies: „Denn der Schutz unserer Küste und die Abwehr von Gefahrenlagen für unsere Ostfriesischen Inseln dürfen keine Frage des Geldes sein.“
Derzeit arbeitet der NLWKN an der Prioritätensetzung für mögliche Einzelmaßnahmen. Schwerpunkt weiterer Untersuchungen sind Langeoog, Wangerooge und Juist. Eine abschließende ­Bewertung der Situation erfolgt nach Ende der sturmflutgefährdeten Zeit im April. -köp/ut-