„Vorbild und Motor sein“

Heike Horn wird neue Bürgermeisterin von Langeoog

 

Wechsel an der Spitze: „Ich freue mich auf meine neuen Aufgaben“, erklärt Heike Horn zuversichtlich. Zum 1. November 2019 tritt sie auf Langeoog ihr Amt als hauptamtliche Bürgermeisterin an. Am Sonntag, 16. Juni wurde sie ins Rathaus gewählt (siehe separaten Bericht im „Utkieker“). Zur Person: Geboren 1965 in Ingelheim am Rhein, wuchs Heike Horn in Norddeutschland auf. Die gelernte Krankenschwester studierte Betriebswirtschaft in Hamburg und Organisationsentwicklung in Hildesheim. Beruflich versiert ist sie im Umgang mit Menschen und Zahlen (in der Reihenfolge). In führender Position arbeitete sie über 20 Jahre in den Bereichen Personalleitung und -entwicklung sowie Marketing-leitung und Controlling. Aktiv war sie zudem als selbstständige Unternehmensberaterin. Seit 2017 ist Heike Horn Geschäftsführerin der Volkshochschule und Musikschule Friesland-Wittmund gGmbH. Eine Tätigkeit, der sich die 54-Jährige bis Ende Oktober mit ganzer Kraft widmen wird – auch wenn demnächst der Umzug nach Langeoog ansteht. Unterstützung erfährt die parteilose „politische Newcomerin“ durch ihren Ehemann Volker Schulz sowie Maximilian A. und Tobias K., ihre Söhne. Ein Langeoog-Neuling ist sie indes nicht: Der Nordsee-Urlauberin ist die „Insel fürs Leben“ gut vertraut. – Kurz nach der Wahl sprach der „Utkieker“ mit Heike Horn.

Warum haben Sie – als (Noch)Nicht-Langeoogerin – kandidiert?
Das Thema beschäftigt mich schon länger. Ich gehöre keiner Partei an, habe aber, wie viele Menschen, selbst oft Politikverdrossenheit verspürt. Etwa, wenn Wahlversprechen gegeben und nicht erfüllt wurden. Da wollte ich ansetzen und etwas ändern. Seit Herbst 2018 habe ich die Situation auf Langeoog intensiv verfolgt, mich dann mit der Familie beraten und beschlossen, zu kandidieren. Außerdem ist es ein Lebenstraum von meinem Mann und mir, auf eine Nordsee-insel zu ziehen. Seit Kindheitstagen bin ich immer wieder – und gern – an der Küste gewesen.

Wie haben Sie vom Wahlergebnis erfahren?

Am Wahltag war ich auf Langeoog. Zusammen mit meinem privaten Unterstützerkreis habe ich das Ergebnis abgewartet und bin dann ins Rathaus. In dieser Eindeutigkeit hat mich das Wahlergebnis überrascht. Das war ein eindeutiges Votum – und für mich totale Freude, wunderbar.

Was ist Ihre Qualifikation für das Amt?

Ich bin jemand von außen, der auf der Insel keine Verflechtungen hat, und sich daher sachbezogen den Aufgaben widmen kann. Als Qualifikation sehe ich insbesondere, meinen beruflichen Werdegang einbringen zu können. Eine wichtige Eigenschaft dabei ist genaues Zuhören, ohne zu bewerten. Ich mache mir ein eigenes Bild: Unterschiedliche Wahrnehmungen fügen sich zu einem Mosaik zusammen.

Wie fühlen Sie sich vor dem verantwortungsvollen neuen Amt?

Meine Gefühle sind Demut – und Freude, die Herausforderungen gemeinsam mit Gemeinderat und Verwaltung, mit Bürgerinnen und Bürgern anzugehen. Dies ist für mich nicht ein Job, sondern eine Ehre. Viele Menschen schenken mir ihr Vertrauen, eine Veränderung im Interesse der Gemeinschaft herbeizuführen. Ich bin dankbar, das erfahren zu dürfen – und in diesem Sinne auch für eine transparente Arbeit und Verwaltung.

Wie bereiten Sie sich bis November aufs Rathaus vor?

Die Vorbereitung erfolgt in der Freizeit, da ich beruflich bis zum Schluss in der VHS eingespannt bin. Von Bürgermeister Uwe Garrels habe ich das Angebot, ins Rathaus zu kommen und eine Einarbeitung für die Übergabe zu machen. Dann werde ich in mehreren Terminen auch die Eigenbetriebe und Abteilungen kennenlernen. In Vorgesprächen habe ich schon gesehen: Auf der Insel sind Expertise und Kompetenz vorhanden, mit unendlich guten Ideen. Sie müssen nur umgesetzt werden. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ich freue mich wirklich auf die Zusammenarbeit mit Rat und Verwaltung, um gemeinsam zum Wohl der Insel zu handeln.

Für welche Ziele setzen Sie sich ein – vorrangig, langfristig?

Vorrangig sind der Mietwohnungsbau, außerdem die Vorgänge rund um Kur- und Wellness-Center und Haus der Insel. Denn die Insel lebt vom Tourismus und damit auch von Veranstaltungen. Das sind dicke Bretter, die gebohrt werden müssen.

Ihr Selbstverständnis als Bürgermeisterin?

Da habe ich den Anspruch, Vorbild und Motor zu sein: für Verwaltung und Gemeinde, für die Bewohner, aber auch für die Gäs­te. Als Bürgermeisterin bin ich außerdem Repräsentantin der Insel nach außen hin.

Wie wollen Sie Bürgernähe praktizieren?

Das formelle Einrichten einer Bürgersprechstunde wäre wichtig. Dafür möchte ich ein Kontingent reservieren, um Strukturen zu schaffen. Ich bin eine große Freundin von Strukturen. Schaffenswert wäre zudem – vielleicht auf ehrenamtlicher Basis – ein Forum für Neubürger, um ihnen den Anfang mit einem „Willkommen“ zu erleichtern. Und ein hehres Ziel wäre es, einmal im Monat eine Gästesprechstunde anzubieten. Nicht im Rathaus, sondern draußen, etwa in einem Strandkorb. Es ist überaus wichtig, auch in Kontakt mit unseren Urlaubern zu sein.

Stichwort Tourismus?
Nach der Wahl erhielt ich viele Glückwünsche von Gästen – aus Deutschland, aber auch Österreich und der Schweiz. Diese Verbundenheit und Anteilnahme hat mich gefreut. Sie zeigt aber auch: Wir werden weithin wahrgenommen. Auch da, wo wir es vielleicht nicht vermuten. Als touristische Destination muss sich Langeoog daher attraktiv halten, um weiterhin eine der beliebtesten Inseln zu bleiben. Die touristische Ausrichtung ist wichtig, also lautet die Frage: Wie binde ich Menschen für die nächsten 40 Jahre an Langeoog? Dies gemeinsam zu erreichen, ist unser kurz-, mittel- und langfristiges Ziel.

Etwas anderes: Am 18. Juni waren Sie auf dem „Land in Sicht“-Gartenfest des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue. Wie kam es zu der Einladung? Welche Eindrücke bringen Sie aus Berlin mit?

Der Bundespräsident hatte im Zuge seiner „Land in Sicht“-Reise am 8. April den Landkreis Wittmund besucht – und dabei auch die Volkshochschule. So kam es zu Einladungen an mehrere Vertreter aus unserem Landkreis. Die Atmosphäre auf dem Fest war sehr herzlich. Frank-Walter Steinmeier hat uns durchaus wiedererkannt und mir auch zur Bürgermeisterwahl gratuliert. Wir haben uns gut unterhalten. Beide, Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender, sind sehr empathisch und sehr interessiert. Sie sind Vorbilder für mich. Mehr noch: auch Vorbilder für Deutschland.

Vielen Dank für das Gespräch.