Ein erfülltes Leben auf Langeoog

Heinz Schwede kam vor 60 Jahren als junger Schreinergeselle auf die Insel –
Ein Rückblick

227-1Als Heinz Schwede als achtjähriger Junge im Februar 1945 zusammen mit seiner Mutter aus Oberschlesien nach Tschechien geflüchtet war, um von dort aus ins bayerische Kulmbach zu gelangen, wusste er noch nicht, dass Langeoog einmal seine neue Heimat sein würde. Mit Blick auf viele Fotos aus dem Familienalbum und damit auf über 60 Jahre Inselleben spricht er heute von einer glücklichen Fügung. Fremd war Schwede das ostfriesische Eiland nicht. Schließlich wohnte längst seine Schwester auf der Insel, die er dort 1951 zum ersten Mal besuchte. Langeoog muss damals schon einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen haben. Doch zurück in Kulmbach absolvierte Heinz Schwede zunächst eine Lehre zum Schreiner, arbeitete dort ein paar Jahre als Geselle, bis es ihn Ende 1958 wieder zurück 227-2nach Langeoog zog. „Eigentlich wollte ich hier nur für ein Jahr in der Tischlerei Bäckmann arbeiten“, erinnert sich der heute 82-Jährige. Doch aus einem Jahr sollte ein ganzes Leben werden. In den Anfangsjahren auf der Insel lernte Heinz Schwede auch seine Ehefrau Hanne kennen und lieben, die gebürtig aus Westermarsch kam und zu der Zeit im Inselcenter Voss beschäftigt war. „Meine Frau hat mich in all den Jahren tatkräftig unterstützt und bestärkt. Sie verstarb 2005.“ Das erste eigene Grundstück am Süderdünenring bezahlte Schwede aus dem Verkauf seines Motorrades. „Das brauchte ich ja nicht mehr“, schmunzelt er. Ab 1962 besuchte er die Meis­terschule in Aurich, die er erfolgreich absolvierte. „Irgendwann nahm mich der damalige Kurdirektor Dr. Alt beiseite und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, mich auf Langeoog selbstständig zu machen, da hier in Zukunft einiges zu tun sein werde“, erzählt Schwede weiter. Gesagt, getan. Doch schnell war die erste, 1964 gebaute 227-4Niederlassung mit Wohnhaus und Werkstatt am Polderweg zu klein. Der zielstrebige Unternehmer bemüthe sich um ein entsprechendes Grundstück am Schniederdamm, um sich neu zu orientieren. Hier entstand auf 1500 Quadratmetern der heutige Firmensitz mit moderner Werkstatt, Lagerhalle, Bürogebäude und Einliegerwohnung. 1967 wurde das erste Elektrofahrzeug angeschafft. Auch das Mitarbeiter-Team wuchs stetig. Längst war das Unternehmen auch Ausbildungsbetrieb. Unzählige Tischlerarbeiten wurden in Hotels, öffentlichen Gebäuden und Privat-häusern ausgeführt. In besonders schöner Erinnerung bleiben dem Wahlostfriesen jedoch die Aufträge von Sängerin und Schauspielerin Lale Andersen, die ihren letzten öffentlichen Auftritt auf Langeoog 1971 hatte. „In ihrem Haus haben wir sämtliche Tischlerarbeiten verrichtet und dadurch auch Kontakt zu anderen Künstlern bekommen“, berichtet Schwede. Schon ab 1970 wurden Kunststofffenster bis hin zu Wintergärten gefertigt. 1984 kam am Schniederdamm eine weitere Halle mit Umkleideraum hinzu. 1998 wandelte der Firmenchef und dreifache Vater sein 227-5Unternehmen in eine GmbH um, deren Geschäftsführung Sohn Holger übernahm, der als Tischlermeister längst in die Fußstapfen seines Vaters getreten war, jedoch einige Jahre mit seiner Familie in Berlin gelebt und gearbeitet hatte. Ende 2002 übergab der Seniorchef den Familienbetrieb schließlich komplett an seinen Sohn. Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagierte sich Heinz Schwede stets ehrenamtlich. So manche Auszeichnung und Urkunde erinnert daran. Lange Jahre war er stellvertretender Ortshandwerksmeister. Heute ist er Ehrenmitglied der Ortshandwerkerschaft. Seit nunmehr 25 Jahren prüft der Langeooger im Rechnungsprüfungsausschuss der Kreishandwerkerschaft Wittmund jährlich die Kasse für die Tischlerinnung. Den TSV Langeoog begleitete Schwede 28 Jahre lang als zweiter Vorsitzender. 60 Jahre ist er bereits Mitglied. Seine Leidenschaft gilt dem Fußball. Zu Firmenjubiläen oder besonderen Geburtstagen verzichtete Schwede stets auf Geschenke und sammelte stattdessen Spenden, mit denen er gesellschaftliches und soziales Engagement unterstützte. -reh-