„Die Weichen für die Zukunft stellen“

Neujahrsempfang am 6. Januar 2019 im „Haus der Insel“

151-2Rück- und Ausblick von Bürgermeister Garrels: „In positivem Sinne über den besten Weg Langeoogs streiten“ Das Wetter draußen war heiter bis regnerisch am 6. Januar zum Neujahrsempfang der Inselgemeinde. Ein wechselhaftes Bild der Inselgemeinde zeichnete auch die Neujahrsansprache von Bürgermeister Uwe Garrels, der an diesem Sonntagnachmittag rund 290 Teilnehmer zu der Veranstaltung im HDI begrüßte. Zu den Anwesenden zählten Ehrenbürger Frerich Göken, Altbürgermeister Ulf Lümkemann, Vertreter aus Rat und Verwaltung sowie die Repräsentanten der Langeooger Institutionen, Betriebe, Rettungsdienste und Vereine. In seiner gut einstündigen Rede warf Uwe Garrels einen faktenreichen Blick auf die Themen 2018 und Projekte 2019 der Inselgemeinde. Einen Themenschwerpunkt setzte er im Bereich politischen Engagements. Arbeit im Gemeinderat Gleich zu Beginn würdigte der Bürgermeister die Arbeit des ehrenamtlich tätigen Gemeinderats. Der habe 2018 insgesamt 260 Vorlagen bearbeitet. Davon wurden 98 ausschließlich im Verwaltungsausschuss entschieden, dessen Mitglieder damit das größte Ratspensum zu bewältigen haben. Es fanden insgesamt 49 Sitzungen, davon 15 Verwaltungsausschuss- und 14 Ratssitzungen, statt. Neben den grundsätzlich nichtöffentlichen 151-1Verwaltungsausschusssitzungen gab es acht weitere nichtöffentliche Zusammen-künfte. „Nichtöffentliche Sitzungen zur Vorbereitung von Entscheidungen sind in schwierigen Angelegenheiten sehr hilfreich, um einen Sachverhalt unbe-fangen erarbeiten zu können“, erklärte Garrels. Darauf folge in den Rats-angelegenheiten immer ein öffentlicher Beschluss. Nicht unerwähnt ließ Garrels bestehende Differenzen zwischen ihm und dem Gemeinderat, an den er einen Appell zur konstruktiven Zusammenarbeit richtete: „Bürgermeister und Gemeinderatsmitglieder sind gewählt, um den Menschen auf dieser Insel zu dienen. Tun wir genau das!“ In diesem Sinne ermunterte der Bürgermeister die Besucher des Neujahrsempfangs, sich für die Kommunalpolitik auf Langeoog zu engagieren. „Wir brauchen Menschen unterschiedlicher Berufs- und Lebenssituationen: Menschen, die hier aufgewachsen sind, und Zugezogene.“

151-3Denn auf Langeoog gebe es viel zu bedenken und viel zu entscheiden. „Damit die Handelnden die Weichen für die Zukunft richtig stellen können, müssen wir uns in positivem Sinne über den besten Weg Langeoogs streiten.“ Haushalts-ausgleich Thema der letzten Jahre, so Garrels, sei die Haushaltskonsolidierung gewesen. Von 2011 bis 2016 gelang es der Inselgemeinde, die Verschuldung von zehn Millionen auf fast null Euro zu senken. Seit 2017 verfüge Langeoog wieder über einen entschuldeten Haushalt. Dadurch könne man wieder über Investitionen selbst entscheiden. Anzupacken seien die Sanierung der alten Liegenschaften und Senkung der zu hohen Betriebskos-ten. Ziel sei es, den „Eigenbetrieb Tourismus-Service Langeoog (TSL) so aufzustellen, dass er über genügend Finanzmittel verfügt, um sich einige Jahre selbst zu finanzieren. Durch die Modernisierung sollen die Betriebskosten gesenkt werden.“ Dabei müsse man Schwerpunkte setzen. KWC und HDI Das Kur- und Wellness-Center ist nach dem Wegfall der klassischen Badekuren für seinen heutigen Zweck zu groß dimensioniert und fährt jährlich über 200
.000 Euro an Verlusten ein. Daher soll der Anwendungsbereich als Anbau in das Erlebnisbad umziehen. Allerdings konnte der ursprüngliche Kostenrahmen von zwei Millionen Euro aufgrund verschiedener Faktoren, die noch aufzuklären seien, nicht eingehalten werden. Die Entscheidung zum Umzug des KWC ins Bad hielt Garrels dennoch für grundsätzlich richtig: „Sie erspart dem Tourismus-Service langfristig Millionen an Euro.“ Im Gesamtumfang der Sanierung, die über mehrere Jahre verteilt etwa acht Millionen Euro kosten werde, sei der Kostenanteil eher gering, aber gleichwohl ärgerlich. Weiter in der Schwebe ist ein Kernprojekt der TSL-Sanierung, das Haus der Insel. Gebäude und Tagungskonzept seien, so der Bürgermeister, veraltet, eine Sanierung müsse mit einer Neukonzeptionierung verbunden werden. Der Rat sei grundsätzlich derselben Meinung gewesen, ein neues Veranstaltungshaus zu bauen. Er habe mit großer Mehrheit ein Interessenbekundungsverfahren (IBV) zur Neuentwicklung des HDI, zusätzlich mit der Liegenschaft des KWC, auf den Weg und in einer Reihe von Sitzungen fast zur Entscheidungsreife gebracht, dann aber die Entscheidung vertagt [Inzwischen wurde das IBV aufgehoben, siehe separaten Artikel; die Red.]. Ohne eine Entscheidung in dieser Angelegenheit, das stellte der Bürgermeister klar, klaffe 2019 im Wirtschaftsplanentwurf des TSL eine Lücke von sechs Millionen Euro, die im vom Gemeinderat beschlossenen Wirtschaftsplan 2018 als Mindesterlös eingestellt wurden. Damit würde jede Investition über den KWC-Umzug ins Bad hinaus gestoppt werden müssen. Letztlich könne der Haushaltsausgleich der Gemeinde insgesamt in große Gefahr geraten. „Ich bin aber überzeugt, dass wir eine gute Lösung finden werden, wenn Rat, Verwaltung und Öffentlichkeit in dieser Frage den Schulterschluss suchen … Wir lösen das nur gemeinsam. Ich bin dazu bereit.“ Mietwohnungsbau Wer auf Langeoog leben und arbeiten möchte, braucht eine angemessene und bezahlbare Unterkunft. „Dafür muss Langeoog endlich mehr Mietwohnungen bauen“, appellierte der Bürger­meister an den Gemeinderat, gemeinsam mit der Verwaltung entschlossen an den arbeitgeberunabhängigen Mietwohnungsbau auf dem Gelände des ehemaligen Internats zu gehen. Dort sei ein Gelände, das städtebaulich für insulares Wohnen bes­tens geeignet sei. Die Erschließung sei in Planung. „Die Wohngenossenschaft Uns Oog mit 31 Wohnungen in nachhaltiger Bauweise zu angemessenen Mieten bei höchster Wohnsicherheit startet dort als erster Schritt mit dem Baubeginn im Frühjahr 2019.“ Investitionen Seit der Entschuldung investiert die Gemeinde laut Garrels wieder. So wurde der letzte Abschnitt zum barrierefreien Ausbau der Hauptstraße zur Hauptsaison fertig. Die Kosten von 900.000 Euro wurden im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms mit 264.000 Euro gefördert. Anhängig sei hier noch die ebenfalls förderwürdige Neugestaltung des Rathausparks. Im November begann sie Sanierung von Vormann-Otten-Weg und Rosenweg (siehe separaten Bericht). Die Weiterführung der Schmutz- und Regenwasserkanalsanierung sowie die Erneuerung der Stra-ßendecke schlage mit 785.000 Euro zu Buche. Auffälligstes Projekt 2018 war der Bau der neuen Feuerwache am Süderdünenring. Vier Millionen Euro kostet die Errichtung, die von der Firma Johann Bohlen aus Moormerland als Generalunternehmer übernommen wurde: „Dieser Bau wird im
Sommer 2019 eine lange Zeit des gebäudetechnischen Mangels beenden“, ist sich Garrels sicher. Sechs Stellplätze für den kleinen Ort Langeoog seien der Insellage geschuldet: „Unsere Feuerwehrfrauen und -männer sind im Ernstfall auf sich allein angewiesen. Das rechtfertigt diese gute Ausstattung allemal.“ Direkt nebenan entsteht die neue Rettungswache, die der Rettungsdienst Mittelhessen im Auftrag des Landkreises baut. – Auf dem Klärwerksgelände wurde eine solare Klärschlammtrocknungsanlage errichtet (siehe separaten Bericht), die helfen soll, Entsorgungskosten zu senken. In die Schiffahrt der Inselgemeinde … wurde und wird ebenfalls investiert. Die Gleisbauarbeiten konnten im Frühjahr 2018 abgeschlossen werden, die Inselbahn fährt wieder ohne Schläge zwischen Bahnhof und Hafen. Der Frachter Pionier erhielt eine neue Steuerbord-Hauptmaschine für 50.000 Euro und einen Hilfsdieselgeneratorensatz für knapp 30.000 Euro, den auch die Langeoog II benötigte. Die Überlegungen für ein Nachfolgeschiff der 50 Jahre alten Langeoog I sind im Gang, ebenso für ein neues Frachtschiff, oder aber für ein Kombischiff für Fracht und Personen. Diese Optionen werden gerade intensiv durch die Schiffskonzeptplaner der Firma Technolog Services aus Hamburg geprüft und gerechnet. Die Neuplanung der bereits beauftragten Brückenanlagen soll im Herbst dieses Jahres mit den beiden Brücken in Bensersiel beginnen. Die Containerbrücken sind mit je 1.250.000 Euro und die Fußgängerbrücken mit je ca. 600.000 Euro geschätzt. Gemeinde in Zahlen und Fakten Per 31. Dezember 2018 lebten 1.825 Einwohner mit Hauptwohnsitz oder Arbeitsmittelpunkt auf Langeoog, 40 mehr als im Vorjahr. Dabei stehen 15 Geburten, davon eine auf Langeoog, 22 Sterbefällen gegenüber. Das Standesamt verzeichnete mit 230 Eheschließungen und Lebensprtnerschaften einen neuen Rekord. Die Schiffahrt Langeoog bewies 2018 erneut ihre Leis­tungsfähigkeit: Sie transportierte 937.120 Personen – ein Zuwachs von 5,1 Prozent. Auch bei den Tagesgästen gab es mit 182.157 Personen gegenüber dem Vorjahr ein Plus, und zwar von 19,7 Prozent. Rund 1,5 Millionen Gästeübernachtungen wurden registriert, was einem Mehr von 4.100 Dauereinwohnern 151-4entspricht. Beschäftigte mit Neben-wohnsitz hinzugerechnet, kommt Langeoog im Jahresschnitt auf rund 6.000, im Hochsommer auf über 11.000 Einwohner. Auftritte Wie erstmals im Vorjahr traten die Langeooger Sternsinger auf. Betreut wurden sie von Pastoralreferentin Susanne Wübker sowie Regina und Martin Willenberg. Mit dem Lied „Du schickst uns als Boten aus“ und dem traditionellen Segensspruch waren sie am Vortag von Haus zu Haus gezogen. Bei der Aktion kamen über 2.000,– Euro für Kinder mit Behinderungen in Peru zusammen. „Es ist gut, dass Langeooger
151-5Kinder sich dafür einsetzen, Kindern in der ganzen Welt ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen“, lobte Uwe Garrels die Aktion. „Der Blick über den Tellerrand unserer Inselwelt hinaus gehört zu unserem insularen Selbstverständnis.“ Den musikalischen Rahmen der Veranstaltung zimmerten beschwingt „de Flinthörners“. Der Langeooger Shantychor unter Leitung von Elisabeth „Puppa“ Peters intonierte vier seewassergetränkte Seasongs aus seinem Repertoire, darunter ein aktuelles Stück aus dem neuen Programm. Für die Bewirtung der Besucher mit Tee, Kaffee und Kuchen sorgte das Team um die Gastronomen Udo Streitbörger und Olaf Wegener. -köp/ut-