Von Bits und Bytes und virtuellen Realitäten

Beim Frühstück der Handwerkskammer drehte sich alles um die Digitalisierung „Das Handwerk unterliegt einem großen Wandel. Die Digitalisierung bringt Veränderungen mit sich, die wir nicht ignorieren dürfen“, sagte Albert Lienemann, Präsident der Handwerkskammer für Ostfriesland, bei seiner Eröffnungsrede am Tag des Handwerks. Rund 100 Gäste waren zum Frühstück in der hauseigenen Mensa erschienen. Der Präsident appellierte an die Gäste, mit der Zeit zu gehen: „Es muss nicht immer große Veränderungen in Betrieben geben. Manchmal genügen schon kleine Anpassungen.“ Mit zwei Impulsvorträgen und einer Interviewrunde gab die Handwerkskammer den Gästen Strategien für den Umbruch an die Hand. Digitalisierungsexperte Torsten Fell aus Esens referierte zum Thema „Momente für heute, morgen und übermorgen? – Wie kann Digitalisierung helfen, Momente intensiver zu erleben? Er verdeutlichte, dass Digitalisierung auch einen stärkeren Fokus auf Kundenbedürfnisse bedeute. Beispielsweise führten schnellere Arbeitsabläufe dazu, dass der Kunde seine Dienstleistung oder sein Produkt früher erhalte. Ein Zukunftsfeld sah Fell im Bereich der VR-Brillen. Diese ermöglichen es, in virtuelle Welten abzutauchen oder 360-Grad-Videos anzusehen. Damit könnten Bauherren beispielsweise durch ihr zukünftiges Eigenheim wandern oder ihr Badezimmer vorab bewundern. Es gäbe viele Möglichkeiten, den Arbeitsalltag digital zu gestalten. „Es ist aber nicht immer alles sinnvoll, was technisch möglich ist. Jeder Betrieb muss individuell entscheiden, wie er die Digitalisierung am besten umsetzt“, sagte Fell. Wie eine gelungene Umstellung aussehen kann, darüber informierte Benjamin Elsen, Geschäftsführer von Elsco Haustechnik aus Moormerland. Der Betrieb setzt verschiedene Programme ein, die durch Schnittstellen miteinander verbunden sind. Durch die Verknüpfung der Daten ergibt sich eine große Zeitersparnis. So können beispielsweise Rechnungen und Angebote schneller erstellt werden. In der anschließenden Interviewrunde gingen neben Torsten Fell und Benjamin Elsen auch Angela Mandel, Geschäftsführerin des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer, kurz BBZ, und Helge Valentien, Leiter der Betriebsberatung der Handwerkskammer, auf den technischen Wandel ein. Im ersten Schritt wolle die Handwerkskammer mit ihrer Beratungsleistung die Betriebe für das Thema sensibilisieren, so Valentien. Unternehmer könnten sich bei Fragen jederzeit an die Betriebsberatung wenden. Angela Mandel erklärte, dass die Handwerkskammer auch ihr Bildungsangebot einem Wandel unterziehe. So gibt es mittlerweile Kurse mit Online-Klassenräumen. Zudem wird ein virtueller Schweißtrainer im BBZ eingesetzt, an dem Kursteilnehmer ohne Materialverschwendung erste Handgriffe erlernen können.