Gibt es Diamant-Meister

Els Sanders: 60 Jahre Kürschnermeister im Januar 2018

Wenn ein Ehepaar 60 Jahre zusammen ist, feiert es diamantene Hochzeit. Doch was ist mit einem Kürschner, der vor 60 Jahren seinen Meister machte – nennt er sich jetzt Diamant-Meister?
106-1Eine Frage, die sich Els Sanders stellen kann. Am 22. Januar 1958 legte der gewitzte Langeooger vor der Handwerkskammer Lüneburg-Stade die Meisterprüfung ab. Waschbärmantel und Nerzstola fertigte der damals 27-Jährige als Meisterstücke. ­Anders als heute waren Pelze damals absolut „en vogue“. ­Ursprünglich hatte Els Sanders in Aurich Putzmacher gelernt – eine Notlösung: „Lieber wäre ich ja zur See gefahren, aber das klappte damals nicht“, erinnert sich der gebürtige Esenser, der in Norden sogleich die Ausbildung zum Kürschner anschloss. Vor seiner Meisterprüfung arbeitete er einige Jahre als Geselle in Luxemburg.
Der frischgebackene Kürschnermeister leitete zunächst ein Pelzgeschäft in Leer, dann bereiste er acht Jahre lang als Einkäufer einer Amsterdamer Firma die Auktionen der Pelzbörsen von Frankfurt und London über Kopenhagen und Helsinki bis Leningrad (heute St. Petersburg). Die Zeit des Handels war der Winter. Im Sommer blieb Zeit zum Segeln. So machte Els die Seefahrt immerhin zum intensiven Hobby. 106-2Beim Segeln lernte er seine Frau Hilke kennen, eine Insulanerin. 1969 machte man sich auf Langeoog selbstständig. In seiner „Pelzboutique“, wie sie ursprünglich hieß, bot Sanders vorwiegend Lederwaren, Pelze und Damenkonfektion an. Mit dem Umbau des Hauses in den 70er-Jahren änderte sich das Sortiment: Die Pelze verschwanden, Hosen und maritime Kleidung von Elbsegler bis Fischerhemd bildeten einen neuen Schwerpunkt.
Nebenher gehörte Els Sanders dem Ensemble der Langeooger Inselbühne an. Aktiv war er auch im Shantychor, dem er zudem fünf Jahre im Vorstand vorstand; bis heute unterstützt er die – „reifen Sängerknaben“ als passives Mitglied. Fernsehruhm als Humorist erwarb das 106-3Insel-Original in der Sendung „Gaudimax“ mit seinen „wahren Geschichten von Willm Willms ut Willmsfeld“. Anschließend entflossen seiner Feder sieben Büchlein mit ulkigen Döntjes um seinen Helden Willm Willms.
2003 schloss Els mit 72 Jahren sein Geschäft und widmete sich dem Unruhestand. Gelegentlich führte er noch kleine Flickarbeiten an Segeln und Textilien aus. Seine Aufmerksamkeit aber galt und gilt, neben der Familie, weiterhin dem Shantychor und dem Segeln. Noch immer fährt er mit seiner Zeeschouw „Mien Problem“ aus, einem alten niederländischen Plattbodenschiff aus den 30er-Jahren. Geplant hat Els Sanders auch für 2018 einen Törn; voraussichtlich im Mai, nach seinem 87. Geburtstag. Fährt er allein? „Büst du mall?“, entgegnet er. Crew muss sein. Sie ist vom Feinsten – und von der Familie: An Bord dabei sind Sohn Hajo und Enkel Jelle. Gute Fahrt!