Neujahrsempfang am 8. Januar 2017 im „Haus der Insel“


„Objektiv gesehen erfolgreich“

Bürgermeister Uwe Garrels gibt Rück- und Ausblick zur Gemeindelage – Zahlreiche Projekte für 2018

104-1Sonnig-kalt mit klarem Himmel zeigte sich das Wetter am Sonntag, 7. Januar zum Neujahrsempfang der Inselgemeinde. Klare Ansagen brachte auch die Neujahrsansprache von Bürgermeis­ter Uwe Garrels, der rund 260 Teilnehmer zu der Veranstaltung im HDI begrüßte. Unter den Anwesenden waren Ehrenbürger Frerich Göken, Altbürgermeister Ulf Lümkemann, die Spitzen aus Rat und Verwaltung sowie Vertreter der Langeooger Institutionen, Betriebe, Rettungsdienste und Vereine. In seiner gut einstündigen Rede gab Uwe Garrels detaillierten Einblick in die bearbeiteten und anstehenden Themen und Projekte der Inselgemeinde. Anschließend ehrte er zwei verdiente Mitbürger (siehe separaten Artikel im „Utkieker“).

Engagement auf Langeoog
104-2„Ich begrüße heute als erstes die helfenden Hände dieser Insel“, ging Uwe Garrels zum Auftakt seiner Ansprache auf die Bedeutung ehrenamtlichen Wirkens auf Langeoog ein. Ob Service-Clubs oder Sportverein, Kirchen oder Kindergarten, ob Institution oder Privatperson: „Viele Langeooger helfen anderen und sich gegenseitig.“ Ohne persönliches Engagement der Bürger sei das Gemeinwesen nicht denkbar. Die Gemeinde schaffe den Ordnungsrahmen, der Bürger mache den Feinschliff der humanen Gesellschaft aus. „Es sollte selbstverständlich sein, der ­Gemeinschaft in irgendeiner Weise zu dienen“, warb der Bürgermeister dafür, sich aktiv einzubringen. Das gelte auch für politisches Engagement: „Meinungsbildung und Meinungsschärfung für die Gemeinschaft braucht viele Teilnehmer am Meinungsbildungsprozess.“
Im Gegenzug betonte Garrels, dass die Gemeindeverwaltung mit ihren Eigenbetrieben Schiffahrt und Tourismus-Service „keine Gegner der Politik und des Bürgers“ seien. Nur in der Kommune gebe es im Vergleich zu privaten Unternehmen öffentliche Transparenz. Die äußere sich darin, dass „die Entscheidungsfindung der Verwaltung jederzeit nachprüfbar und damit transparent ist.“ Jeder Bürger könne Beratungsgang und Beschlussfassung in den Ausschuss- und Ratssitzungen verfolgen. Alle Jahresabschlüsse der Kommune würden unabhängig geprüft und bewertet. „Die Kommune Langeoog, und da kann sich jeder Langeooger sicher sein, ist kein Geheimbund.“
Immerhin könnten Politik und Verwaltung auf eine Reihe an Erfolgen der letzten Jahre blicken: „Die erfolgreiche Entschuldung und der Weg zur Neuordnung und Konsolidierung unserer Infrastruktur, wir machen wieder Straßenbau und Kanalisation, die neue Feuerwache kommt, die Schwimmbadsanierung ist auf dem Weg, die touristische Infrastruktur wird angepackt, die Schiffahrt investiert weiter, der Aufschlag für Wohnungsbau ist gemacht.“ Es gehe voran: „Wir sind, objektiv gesehen, erfolgreich.“

Der Tourismus-Service Langeoog . . .
104-6war für 2017 laut Uwe Garrels durch einen hohen, weiterhin anhaltenden Investitionsbedarf geprägt. Auf Kurs liegt der im Vorjahr begonnene Umbau des Erlebnisbades. Dessen technische und energetische Sanierung wird vorangetrieben, zudem soll es künftig den Anwendungsbereich des Kur- und Wellness-Centers aufnehmen. Dafür werden Räume angebaut und der Eingang verlegt. Finanziert wird der Umbau aus dem Erlös (3,5 Millionen Euro) für den „Spöölhus“-Verkauf. „Der Kostenrahmen von 2 Millionen Euro für die Umbauten muss eingehalten werden.“ Am ­alten Spielhaus-Standort wird derzeit das Hotelprojekt eines Privatinvestors realisiert. Der Sand aus der Baugrube wurde im Winter zur Ertüchtigung der Höhenpromenade zwischen Seekrug und Gerk-sin-Spoor verwandt. Weitere Themen waren die 2017 gestartete neue Website des Tourismus-Service mit Möglichkeit zur Onlinebuchung, die geplante Vernetzung von Gebäuden zur optimalen Nutzung neuer Energietechnik wie Solarstrom oder Blockheizkraftwerk sowie das Interessenbekundungsverfahren für KWC und HDI.

Wirtschaftskraft Tourismus
104-7Treibende Wirtschaftskraft auf Langeoog ist der Tourismus, wie Uwe Garrels darlegte. Eine Untersuchung der dwif Consulting GmbH zur Wertschöpfung aus dem Tourismus habe ergeben, dass „die Ostfriesischen Inseln eine touristische Wertschöpfung von etwa 1 Milliarde Euro im Jahr erzeugen, allein auf Langeoog 142 Millionen Euro.“ Davon gingen 30,8 Millionen Euro in Form von Aufträgen in den Dienstleistungssektor. Dazu gehörten auch Handel und Handwerk: Die seien gut aufgestellt, doch mache sich bei ihnen ein Fachkräftemangel bemerkbar. Drängend sei daher die Wohnungsfrage: „Nur wenn die gelöst wird, kann der Fachkräftemarkt bedient werden.“ Wenn es um das Dauerwohnen für hier lebende und arbeitende Menschen gehe, müsse die Kommune mit den Unternehmen gemeinsame Lösungen finden. Bereits 2017 fertiggestellt wurde ein Personalwohnhaus der Schiffahrt.

Wohnungsbau
Als einen Weg nannte Uwe Garrels den arbeitgeberunabhängigen genossenschaftlichen Wohnbau. Mit dem Auftrag an das Unternehmen TING-Projekte aus Schleswig-Holstein habe der Gemeinderat einen wichtigen Schritt gemacht: „Derzeit finden Gespräche statt, wie genossenschaftliches Wohnen für Langeoog arbeitgeberunabhängig, wirtschaftlich und zu bezahlbaren Mieten realisiert werden kann.“ Demnächst soll der Schritt in die Öffentlichkeit getan und das Projekt gestartet werden. Angedacht sind rund 30 Wohnungen auf dem früheren Internatsgelände. Darüber hinaus bestehe allein für die Kommune weiterer Wohnraumbedarf, so­ dass parallele Planungen erfolgen müssten. Garrels: „Wenn wir es schaffen, unseren Langeoogern und das sind für mich alle, die hier leben und arbeiten wollen, egal woher sie kommen, eine bezahlbare und lebenswerte Perspektive zu bieten – dann sind wir nah am Paradies auf Erden.“

Rettungswesen
Lob zollte der Bürgermeister den Akteuren im Rettungswesen, zu denen DLRG, DGzRS, das Marburger Krankenpflegeteam (MKT) und die Freiwillige Feuerwehr Langeoog zählen. Es sind vielfach Freiwillige, die neben ihrer Arbeit den teils gefährlichen Ehrendienst versehen. Die DGzRS stationierte 2017 auf Langeoog mit der „Secretarius“ ein neues Seenotrettungsboot, das mit Sven Klette zugleich einen neuen Vormann erhielt. Ein Dank ging an Vorgänger Gerriet Leiß, der als Vormann gut 16 Jahre auf über 1.000 Einsatzfahrten aktiv war.
Auch an Land wird investiert: Am Süderdünenring erhält das MKT eine neue Rettungswache. Direkt daneben entsteht ein neues Gebäude für die Feuerwehr. Im Frühjahr 2018 beginnt der mit 4 Millionen Euro veranschlagte Bau, den der Verkauf der alten Immobilie (1,111 Millionen Euro) zum Teil gegenfinanziert. Zudem wurde für die Feuerwehr ein neuer Mannschaftstransportwagen (43.000,– Euro) angeschafft. Außerdem für Rettungseinsätze am Strand ein Luftkissenfahrzeug (57.000,– Euro), das großteils aus Spenden (46.000,– Euro) finanziert wurde. Uwe Garrels: „Dafür mein höchster Respekt an die Feuerwehrkameraden und an die fleißigen Spender.“

Medizin und mehr
Die ärztliche Begleitung des Rettungswesens sei durch die Allgemeinmediziner Dr. Koller und Dr. Raddatz (vertreten durch Dr. Reimann) sowie Zahnärztin Dr. Hübener gewährleistet. Für Dr. Raddatz sei es gelungen, einen Nachfolger zu finden, der voraussichtlich im Sommer antritt. „Die Nachfolgefrage ließ sich klären, nachdem der Gemeinderat die Rahmenbedingungen für praktizierende Allgemeinmediziner auf Langeoog deutlich verbessert hat“, so Garrels. Kommunale Unterstützung für die Ansiedlung von Ärzten sei üblich in Zeiten des Ärzteschwunds in ländlichen Regionen: „Langeoog ohne Badearzt und ohne praktische ärztliche Versorgung wäre für viele Menschen ein Grund, nicht zur Insel zu reisen, für andere wäre es ein Grund, die Insel zu verlassen.“ In diesem Zusammenhang wies Uwe Garrels auf das „bliev hier“: Ohne die praktizierenden Ärzte seien die Senioren wohl nicht mehr auf Langeoog, da ihre Versorgung nicht gesichert wäre. Aktuell habe sich die Personalsituation im Seniorenhus weiter stabilisiert, seit September gebe es als neues Angebot die Tagespflege. Der Gemeinderat habe die Einrichtung 2017 mit insgesamt 150.000,– Euro unterstützt: „Eine freiwillige Leis­tung, die unseren Senioren direkt hilft.“ Das „bliev hier“ sei genauso unverzichtbar wie Einrichtungen für die jüngs­ten Langeooger, denn „nur wenn wir ein Leben in allen Alters­phasen auf Langeoog anbieten können, hat die Kommune Langeoog auf Dauer eine Zukunft.“

Baumaßnahmen
104-5Des Weiteren erläuterte der Bürgermeister anstehende Projekte für 2018. So ist am Klärwerk eine Solartrocknungsanlage für den Klärschlamm geplant: Derzeit fallen jährlich 600 Tonnen an, deren Beseitigung rund 90.000,– Euro kostet. Die neue Anlage würde die Menge auf etwa 150 Tonnen reduzieren, was die Transportkosten um knapp 70.000,– Euro verringern könnte. Der Bau der Anlage wird mit 1,1 Millionen Euro veranschlagt.
Fortgesetzt wird der im Winter begonnene zweite Bauabschnitt zum Ausbau der Hauptstraße: Die aus Mitteln der Dorferneuerung geförderte Maßnahme soll bis Ende Mai abgeschlossen sein. Neben verbesserter Oberflächenentwässerung wird die Straße nach dem Ausbau ein homogenes Erscheinungsbild bieten, mit neu gesetzten Bäumen und barrierefreiem Zugang zu allen Hauseingängen. Anschließend wird der Park neben dem Rathaus neu konzipiert und in das Straßenbild integriert. Ab Herbst 2018 sollen Kanalisation und Straßendecke im Vormann-Otten-Weg erneuert werden.

Schiffahrt
„Die Schiffahrt Langeoog als Verkehrsbetrieb ist das wirtschaftliche Rückgrat der Inselgemeinde Langeoog“, stellte Bürgermeis­ter Garrels klar. In enger Verzahnung von Gemeinde, Tourismus-Service, Schiffahrt und insularen Unternehmern werde ein bestmöglicher Service geboten. „Unsere Reederei für Langeoog zu stärken und zu unterstützen, ist fast eine Bürgerpflicht.“ Rat und Verwaltung wendeten jedes Jahr erhebliche finanzielle Mittel auf, um Schiffe und Landanlagen auf einem hohen Standard zu halten. Bei den jährlichen Werftaufenthalten wurden 2017 die Mannschaftslogis von Langeoog III und IV überholt (insges. 380.000,– Euro), der Frachter „Pionier“ erhielt neue Motoren (80.000,– Euro). Nach Maschinenschaden wurde ein Motor der Langeoog III ersetzt (123.000,– Euro).
Nachgedacht werde 2018 darüber, ob das Gesamtkonzept der Schiffahrtslogistik zukunftsfähig ist. Rat und Verwaltung werden sich intensiv mit den Schiffskonzepten beschäftigen. Aspekte seien unter anderem die mögliche Anschaffung eines Kombischiffes für Personen- und Güterverkehr sowie die Verbesserung der Frachtlogistik in Bensersiel. Zudem beginnt 2018 voraussichtlich der Austausch der ersten beiden von insgesamt vier Brückenanlagen für die Fahrgastschiffe, beginnend in Bensersiel. Verteilt über fünf Jahre sind dafür insgesamt 5 Millionen Euro eingeplant.

Gemeinde in Zahlen und Fakten
Per 31. Dezember 2017 lebten 1.785 Menschen mit Hauptwohnsitz auf Langeoog, 57 weniger als im Vorjahr. Dabei stehen 8 Geburten 30 Sterbefällen gegenüber. Das Standesamt meldete mit 201 Eheschließungen und 7 Lebenspartnerschaften einen Rekord.
2017 transportierte die Schiffahrt Langeoog 889.992 Personen – ein Rückgang von 2,7 Prozent. Dagegen gab es bei den Tagesgästen mit 152.155 Personen gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von 5,4 Prozent. Bei den Ausflugsfahrten war 2017 mit 20.608 Personen gegenüber 2016 ein Rückgang von gut 25 Prozent zu verzeichnen – ein deutlicher Hinweis auf das feuchte und windige Wetter im zweiten Halbjahr. Das Jahresergebnis der Schiffahrt bewegt sich mit knapp 11 Millionen Euro (minus 400.000,– Euro) voll im Plan, wenn man den Aufwand für die außerplanmäßigen Reparaturen einbezieht. Der Tourismus-Service liegt mit knapp 5,9 Millionen Euro Umsatzerlös ebenfalls im Plan.

Strandungen
104-8Umrahmt wurde 2017 durch Strandungen zu Beginn und Ende des Jahres, die für mediale Aufmerksamkeit sorgten: Anfang Januar schwemmten zahllose Überraschungseier an den Strand. Allerdings auch anderes Strandgut, dessen Aufsammeln und Entsorgung große Probleme bereitete. Im Herbst kenterte vor Baltrum eine polnische Yacht, deren Wrackteile am Ostende strandeten. Das Land Niedersachsen, so Uwe Garrels, habe sich in beiden Fällen nicht in der Pflicht gesehen. Es sei „auch in gravierenden Fällen nicht bereit, für Schäden, deren Verursacher nicht bekannt ist, vor Ort die Beseitigung organisieren und finanzieren zu lassen, damit eine Schadensbegrenzung für Mensch und Umwelt des Weltnaturerbes Wattenmeer möglich ist.“ Das könne es nicht sein: „Hier muss das Land endlich finanzielle und organisatorische Verantwortung für seine Schutzgebiete übernehmen.“
Ende Oktober schließlich strandete der Massengutfrachter „Glory Amsterdam“ vor Langeoog. Man sei laut Uwe Garrels „einer Umweltkatastrophe und damit verbunden einer wirtschaftlichen Katastrophe vor der ostfriesischen Küste nur mit knappster Not entkommen.“ Das Sicherheitskonzept des deutschen Havariekommandos müsse daher dringend überprüft werden. Die Ostfriesischen Inseln hätten in dieser Hinsicht eine deutliche Resolution verfasst.

Auftritte
104-4Neu auf dem Neujahrsempfang war ein Auftritt der von Pastoralreferentin Susanne Wübker sowie Regina und Martin Willenberg betreuten Langeooger Sternsinger: „Gute Taten brauchen aktive Täter und aktive Spender und jeder kann sich auch unabhängig von den Spendenterminen einer guten Sache verschreiben oder sie unterstützen“, erklärte Uwe Garrels.
Den musikalischen Willkommensgruß zum Neujahrsempfang entboten traditionell „de Flinthörners“: Schwungvoll intonierte der Langeooger Shantychor unter Leitung von Elisabeth „Puppa“ Peters vier Lieder aus seinem Repertoire. Ein neues Stück war diesmal nicht dabei, hier musste man sich bis zur Premiere am 26. März gedulden. – Wie gewohnt bewirtete die „Steuerbord“-Crew um Udo Streitbörger und Olaf Wegener die Gäste mit Tee, Kaffee und Kuchen.