Katholische Gemeindearbeit mit frischen Ideen

Pastoralreferentin Susanne Wübker greift gerne zu ungewöhnlichen Mitteln

Seit Dezember 2015 weht in der katholischen Gemeinde Langeoogs ein frischer Wind: Susanne Wübker trat seinerzeit das Amt der Pastoralreferentin an und brachte neues Leben in die bis dahin seelsorgerisch verwaiste Inselgemeinde. „Die Gemeindemitglieder haben sich in der pfarrerlosen Zeit sehr in der Gemeindearbeit engagiert“, weiß die Theologin, „aber es fehlten verläss­liche Gottesdienste.“ Dank weitgestreuter Kontakte zu Priestern und Ordensmännern, die sie während ihres Studiums und ihrer Favela-Arbeit in Brasilien, in der Missionstätigkeit am Amazonas und der Hochschul-Pastoral in Schweden sowie in der Frankfurter Jesuitenschule kennenlernte, konnte Susanne Wübker katholische Kurpastoren nach Langeoog einladen, die für tägliche Gottesdienste garantierten. Wortgottesdienste und Vespern hält die Pastoralreferentin zudem selbst. „Es ist schön, der Gemeinde Verlässlichkeit bieten zu können“, freut sich die Theologin. Ihre Initiative hat sich bereits in Kirchenkreisen herumgesprochen: „Mittlerweile bekomme ich viele Anfragen, wann eine Kurpastorenstelle frei ist. Tägliche Gottesdienste wird es also auch im kommenden Jahr wieder geben.“
801Zudem führte die 48-Jährige hochkarätige Vorträge und Konzerte ein, die regelmäßig im katholischen Gemeindehaus stattfinden, lädt zu Andachten und meditativen Strandspaziergängen ein. „Ich versuche, das Kirchenjahr mit seinen Besonderheiten aufzugreifen und Akzente zu setzen“, verrät sie. So war der Namenspatron der Kirche, St. Nikolaus, nicht nur in der Vorweihnachtszeit sondern auch im Sommer „zu Gast“ auf Langeoog. „Ich mag schräge Aktionen. Die Resonanz war noch verhalten. Aber Ungewöhnliches regt zum Nachdenken an“, hat Susanne Wübker erfahren.
Gemeinsam mit dem evangelischen Inselpastor Christian Neumann ließ die Theologin den Langeooger Pilgerweg wieder aufleben. Dieser erinnert unter anderem an einen evangelischen Pastor und drei katholische Kapläne, die im Nationalsozialismus als Märtyrer in Lübeck ihr Leben lassen mussten. „Die gut funktionierende Zusammenarbeit der Kirchengemeinden und ihrer Amtsträger ist ein besonderes Kennzeichen Langeoogs“, sagt die Pastoralreferentin.
Mit ihrem Amtsantritt hatte sie auf Langeoog seinerzeit gleich zweifach Neuland betreten: „Ich bin zuvor niemals auf Langeoog gewesen. Hier lernte ich zum ersten Mal normales Gemeinde­leben kennen. Auf der Nordseeinsel fand sie nicht nur eine aufgeschlossene und wohlmeinende Gemeinde vor, sondern auch einen unvergleichlichen Arbeitsplatz: „Die Kirche ist wunderschön und jederzeit offen zugänglich. Hier findet man nicht nur bei Orkanböen Schutz und Zuflucht“, so Susanne Wübker.
In ihrer Langeooger Gemeinde fühlt sich die Pastoralreferentin rundum wohl und angekommen. Im vergangenen Sommer machte die aus der Nähe von Osnabrück stammende Theologin ihren Bootsführerschein. Ein Boot fehlt allerdings noch. Doch Susanne Wübker hat bereits eine Idee: „Auf dem Festland gibt es Boni-Busse des Bonifatius-Werks, die in Diaspora-Gemeinden eingesetzt werden. Vielleicht bekommt Langeoog ja ein   Boni-Boot.“