Gemeinde-Rat und Tat

Neues von der Inselgemeinde Langeoog

l7. Januar: Neujahrsempfang
Am Sonntag, 7. Januar 2018 findet im „Haus der Insel“ der Neujahrsempfang der Inselgemeinde Langeoog statt. Zu diesem Traditionsereignis lädt Bürgermeister Uwe Garrels alle Mitbürgerinnen und Mitbürger, Jung und Alt, herzlich in den Großen Saal ein. Beginn der Veranstaltung ist um 15 Uhr. Im Mittelpunkt des Empfangs steht die Neujahrsansprache des Bürgermeisters. Darin gibt er einen Rückblick auf das abgelaufene Jahr und hält Vorschau auf Projekte und Termine der kommenden Saison. Weitere Programmpunkte gibt die Inselgemeinde kurzfristig ­bekannt. Musikalisch umrahmt wird der Nachmittag durch den Langeooger Shantychor „de Flinthörners“.

Traurekord auf Langeoog
Bekannt ist Langeoog als „Insel fürs Leben“. Zunehmend wird sie auch die „Insel für den Bund fürs Leben“. 2017 erreichte das Standesamt eine Rekordzahl an Trauungen, erstmals gab es ­dabei ausgebuchte Termine im November und Dezember: „Bis zum Jahresende haben wir 201 Eheschließungen und sieben eingetragene Lebenspartnerschaften vollzogen, das ist eine Steigerung von knapp zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr“, berichten Standesamtsleiter Holger Schön und sein Kollege ­Peter Wettstein. „Immer beliebter wird das Seemannshus: Hier finden 90 Prozent der Eheschließungen statt.“ Als Symbol ewiger Verbundenheit gilt der schon zur Tradition gewordene „Hochzeitsstein“: Mit eingravierten Initialen und Datum wird der Klinker in den „Hochzeitspfad“ rund um das Seemannshus eingelassen.
853-1Zugenommen hat der Trend, auf Langeoog internationale Ehen zu schließen, bei denen mindestens ein Partner nicht aus Deutschland stammt. So ließen sich Heiratswillige aus Frankreich, Norwegen, Polen, Ungarn, der Schweiz und den USA auf der Insel trauen. Auch Promi-Hochzeiten gab es: Im August gab die Schauspielerin Angelika Mann, im November die Schriftstellerin Moa Graven ihrem Lebenspartner das Jawort. Eine tiefgreifende Neuerung ist die seit dem 1. Oktober mögliche Ehe für alle: „Bisherige Lebenspartnerschaften können in Ehen umgewandelt werden. Die erste Umwandlung fand schon am 5. Oktober statt.“ Viele Paare wünschen sich dabei eine zweite Zeremonie: „Das versuchen wir kurzfristig zu ermöglichen.“
Hauptsächlich geben sich Gästepaare das Jawort, im Durchschnitt zehn Trauungen pro Jahr entfallen auf Insulaner. So ­sehen die Standesbeamten eine Heirat auf Langeoog durchaus als Wirtschaftsfaktor: „Neben Vermietern und Gastronomen sind etwa die Dienste von Friseuren, Kutschbetrieben, Floristen, ­Fotografen, Goldschmieden und weiteren Branchen gefragt“, weiß Peter Wettstein.
Paare, die Langeoog als „Insel für ihren Bund fürs Leben“ wählen wollen, mögen sich schnell ein Herz fassen. Denn die Nachfrage für 2018 hat schon eingesetzt, sie reicht weit ins Jahr hinein. Und: „Sie ist größer als in den Vorjahren: Wir haben schon über 90 Termine eingetragen“, blickt Holger Schön in den Kalender. Begehrt ist der August: „Markante Daten wie der 8.8. und 18.8. sind nahezu belegt.“ Möglicher Grund: Legt man die 8 auf die Seite, erhält man das Symbol für Unendlichkeit – vielleicht ein Zeichen für eine besonders haltbare Ehe?

Havarie: „Glory Amsterdam“
853-3Für Aufregung sorgte im Herbst die Strandung der „Glory Ams­terdam“. Am 29. Oktober war der 225 Meter lange Schüttgutfrachter im schweren Sturm vor Langeoog auf eine Sandbank aufgelaufen. Betankt mit 1.800 Tonnen Schweröl, die bei einem Auseinanderbrechen des Schiffes das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer verseucht hätten. Medien berichteten bundesweit über die Havarie, die zum Glück glimpflich verlief: Nachdem über 16.000 Tonnen Ballastwasser abgepumpt waren, bekamen zwei Hochseeschlepper den Frachter am 2. November frei und brachten ihn nach Wilhelmshaven.
Der Vorfall war auch Thema bei einem Erfahrungsaustausch der sieben Ostfriesischen Inseln auf Borkum, wie Uwe Garrels ­berichtet: „Inseln und Nationalpark waren in höchster Gefahr. Wir fordern mit Nachdruck eine Aufklärung der Havarie und ­erwarten, dass der Bund und das Land Niedersachsen ihre ­Rettungsstrategien sehr kritisch überdenken. Denn bei einem funktionierenden Notfallkonzept des Havariekommandos hätte die Strandung nicht geschehen dürfen.“

Wrackteile und anderes Strandgut
853-5Dabei ist die Havarie der „Glory Amsterdam“ kein Einzelfall. Erst kurz zuvor, am Abend des 13. Oktober, geriet eine polnische ­Segelyacht mit drei Männern an Bord vor Baltrum in Seenot. Rettungseinheiten der DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger), darunter der auf Langeoog stationierte „Secretarius“, sowie Behördenschiffe waren gemeinsam im Einsatz. Ein Marinehubschrauber flog die glücklich Geretteten zum Festland. Und die Yacht? „Teile des Wracks wurden auf Langeoog angespült“, berichtet Uwe Garrels. Deckaufbauten und Kunststoffteile lagen am Strand, mussten entsorgt werden. Insgesamt werde im Nationalpark viel Plastikmüll angeschwemmt: „Für die Beseitigung ist jedoch nicht die Gemeinde zuständig.“ Auch hier bestehe Klärungsbedarf mit Bund und Land.

Interessenbekundungsverfahren angelaufen
Wie steht es um die Zukunft von „Haus der Insel“ (HDI) und Kur- und Wellness-Center (KWC)? Bei der Entscheidung helfen soll ein gemeinsames Interessenbekundungsverfahren (IBV) für beide Liegenschaften (der „Utkieker“ berichtete). Gemäß Ratsbeschluss startete unlängst das zweiphasige Verfahren in europaweiter Ausschreibung. Bis Anfang Februar 2018 können Anbieter ihre anhand eines Kriterienkatalogs ausgearbeiteten Unterlagen einreichen. „Das mit großem Interesse erwartete Gesamtkonzept der jeweiligen potenziellen Investoren muss zu Langeoog passen – es darf nicht austauschbar oder beliebig, sondern sollte maßgeschneidert und unverwechselbar sein. Die Insel­gemeinde Langeoog sieht daher im zukünftigen Investor einen gleichermaßen guten und sensiblen Entwicklungspartner wie ­einen soliden und seriösen Geldgeber“, heißt es im Ausschreibungstext auf der Website der Inselgemeinde.
„Die ersten Unterlagen sind bereits eingegangen“, teilt Bürgermeister Garrels mit. Nach Sichtung der Vorschläge beginnt die zweite Stufe des IBV: Bis Anfang Mai können die ausgewählten Bewerber signifikante Angebote abgeben, die der Entscheidungsgrundlage für Rat und Gemeinde dienen. Bei einem Interessenbekundungsverfahren geht es darum, ob eine Leistung der öffentlichen Hand auch durch einen privaten Anbieter erbracht werden kann. Es ist kein förmliches Vergabeverfahren, sondern ein Vorgang zur Marktanalyse. Zum IBV eingereichte Angebote sind daher für die Inselgemeinde nicht bindend; es besteht keine Verpflichtung, sie in Auftrag zu geben. Aus dem Vergleich resultiert vielmehr eine Empfehlung zur weiteren Vorgehensweise.

Klärschlammtrocknungsanlage
Eine Erneuerung steht bei der Entsorgung ins Haus: Nach Ratsbeschluss vom August wird die Inselgemeinde auf dem Areal des Klärwerks eine sogenannte Klärschlammtrocknungsanlage (KSTA) nach dem Prinzip der solaren Hallentrocknung errichten lassen. Bislang wird Klärschlamm vererdet und zur landwirtschaftlichen Verwertung ans Festland gebracht. Eine zunehmend unrentable Methode: „Wir fahren hauptsächlich Wasser, das ist teuer“, konstatiert Bürgermeister Uwe Garrels. Zudem hätten sich die Bedingungen für die Entsorgung verschärft.
853-6„Derzeit besteht der Klärschlamm zu 98 Prozent aus Wasser. In der KSTA wird das Verhältnis umgekehrt: Er besteht dann zu 80 Prozent aus Trockensubstanz, mit einer Konsistenz von Blumenerde“, berichtet Eilert Flessner‚ Abwassermeister des Klärwerks. „Die Reduktion spart nicht nur Transportkosten, sie verringert auch die CO2-Emission, da weniger Transporte anfallen.“
Klärschlammtrocknungsanlage mit solarer Hallentrocknung – das klingt hoch technisch, funktioniert aber nach einem einfachen Prinzip: „Die KSTA ähnelt einem großen Gewächshaus. Der Klärschlamm wird vorher mechanisch eingedickt, zum Beispiel durch eine Schneckenpresse, und dann in die etwa 1000 Quadratmeter große Halle gepumpt“, erklärt Eilert Flessner. Die Halle wird kontinuierlich befüllt. Solare Trocknung bedeutet, dass der Wasseranteil im Schlamm durch die Sonneneinstrahlung verdunstet. Sensoren und Lüfter regulieren die Luftfeuchtigkeit in der KSTA. Zur besseren Trocknung wird das Material stetig gewendet. Diese Aufgabe übernimmt das „Schwein“, ein selbsttätig arbeitender Roboter, der wie ein Seifenkistenauto aussieht.
Naturgemäß funktioniert das Solarprinzip besonders gut im Sommer. Was gut passt, denn dann fällt auch der meiste Klärschlamm an, bis zu 100 Kubikmeter pro Tag. Im Winter, wenn die Sonne kürzer und schwächer scheint, ist auch die Kläranlage weniger gefordert. Zurzeit läuft das Ausschreibungsverfahren für die KSTA, der Bau soll 2018 erfolgen.

Straßensanierung mit Weihnachtspause
Reger Baubetrieb zwischen Rathaus und Inselapotheke: Der obere Teil der Hauptstraße und der Straßenzug Am Wasserturm werden saniert. Zudem erneuern die Versorger Telekom, EWE (Strom und Gas) und OOWV (Wasser) in der Trasse zum Teil komplett ihr Netz. Nach Vorbereitungsarbeiten im Oktober ­begann Anfang November die eigentliche Maßnahme. Dabei ­arbeiten zwei Bautrupps von den Enden her aufeinander zu. Um Beeinträchtigungen für Anwohner und Passanten zu vermindern, gehen sie in mehreren Teilabschnitten von 50 bis 60 Metern Länge vor (der „Utkieker“ berichtete).
Seit Mitte November wird am Wasserturm in Höhe „Dwarslooper“ der Kanal gelegt. „Anders als ursprünglich gedacht, muss die Kanalisation doch in Teilen erneuert werden, das hatten ­aktuelle Untersuchungen ergeben“, berichtet Marc Sjuts; als ­Abteilungsleiter der Inselgemeinde für den Technikbereich ist er unter anderem für die Straßenbaumaßnahme zuständig. „Der ­erste Teil des Schmutzwasserkanals ist verlegt, die Pflaster­arbeiten sind ebenfalls angelaufen.“ Die G. Herfeld GmbH aus Rechtsupweg führt die Arbeiten aus. Bauherrin ist die Insel­gemeinde, die Projektplanung übernahm die HI Nord Planungsgesellschaft mbH Osnabrück. Da die Sanierung durch das Herz des Ortes verläuft, wird besondere Rücksicht auf die Bedürfnisse der Passanten und ansässigen Betriebe genommen. So ­wurden die Bauabschnitte so eingerichtet, dass die Anlieferung für den Supermarkt Kramp gewährleistet bleibt.
Beginnend am 23. Dezember, wird in den Weihnachtsferien eine Betriebspause eingelegt. „Die Straße soll dann einigermaßen begeh- und befahrbar sein“, sagt Marc Sjuts. Anfang Januar werden die Arbeiten wieder aufgenommen. Bis Ende Mai, inklusive einer weiteren Betriebspause über Ostern, soll die Maßnahme abgeschlossen sein – Wind und Wetter vorbehalten. Die Investition beläuft sich auf gut eine Million Euro brutto, sie wird im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms aus EU-Mitteln vom Amt für Regionale Landesentwicklung Weser-Ems gefördert.
Für die Bauarbeiten wurde der kleine Rathauspark gegenüber dem Supermarkt zur Lagerfläche umfunktioniert. Im Zuge der Maßnahme wird das tiefer liegende Areal anschließend aufgefüllt und neu gestaltet. „Das genaue Nutzungskonzept wird mit dem Rat gemeinsam erarbeitet“, erklärt Bürgermeister Uwe Garrels. Die zuvor im Park gefällten Bäume hätten aus Sicherheitsgründen weichen müssen, weil sie krank gewesen seien. Die Neugestaltung des Parks soll im Winter 2018/19 erfolgen.
Dann soll auch der Vormann-Otten-Weg neu gemacht werden, und zwar vom Rathaus bis zum Anschluss Am Wall, einschließlich der Stichstraßen. Auch hier werden Kanalisation und Straßendecke erneuert. Die Inselgemeinde bittet für die derzeitigen und künftigen Beeinträchtigungen um Verständnis: „Dat geiht nich anners – wat mutt, dat mutt.“