Eine vielfältige Pflanze

Erika und Lutz Lange interessieren sich für Sanddorn

Wer Sanddorn kennt, schätzt ihn zumeist wegen seines hohen Vitamin-C-Gehaltes. Daher werden die Früchte des sommergrünen Strauches gerne in Nahrungsmitteln und Getränken verarbeitet. 715-1Die Erntezeit der bis zu acht Millimeter großen, leuchtend orangenen Früchte reicht von Anfang September bis Mitte November. „Eigentlich sollte Sanddorn vor der Ernte den ersten Frost erlebt haben, damit er seinen vollen Geschmack entfalten kann“, weiß Lutz Lange. Würde man jedoch so lange warten, hätten Vögel bereits den Großteil der Beeren verzehrt. Die auch unter dem Namen Weidendorn, Dünendorn, Fasanenbeere und anderen Bezeichnungen bekannte Pflanze gehört zur Familie der Ölweidengewächse und ist weltweit vertreten. „Mir war Sanddorn immer als Pflanze bekannt, die aufgrund ihrer Wurzelstruktur zur Böschungsbefestigung beim Braunkohlebergbau oder entlang von Autobahnen eingesetzt wurde“, erläutert Lutz Lange. Der Garten- und Landschaftsarchitekt war zunächst als hauptamtlicher Naturschützer bei der Bezirksregierung Düsseldorf tätig, bevor er sich in Moers am Niederrhein selbstständig machte. Schließlich lernte er zusammen mit seiner Frau Erika die Insel Langeoog kennen. Beide verliebten sich ein zweites Mal – diesmal in das wunderschöne Eiland – und haben mittlerweile ihren Lebensmittelpunkt hier gefunden.
715-2Auf Langeoog brachte Jonny Vestering den Rheinländer quasi auf den Geschmack. Und das im Sinne des Wortes. „Erst hier lernte ich die Pflanze als Frucht kennen und setzte mich intensiver mit ihr auseinander“. Kurze Zeit darauf wurden die Langes als erste und bislang einzige Bewohner der Insel Langeoog Mitglieder bei „Sanddorn e.V.“, der Gesellschaft zur Förderung von Sanddorn und Wildobst. Der Berliner Verein mit seinen 53 Mitgliedern setzt sich mit der Vielfalt der Pflanze und Frucht auseinander. Dazu gehören auch gesundheitliche und medizinische Aspekte. Die rotgoldenen Beeren besitzen außerdem zahlreiche Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente wie Kalzium, Kalium, Magnesium, Eisen oder Zink, das Provitamin A (Beta-Carotin) und die Vitamine B1, B2, E und K. Der natürliche Gehalt an ungesättigten Fettsäuren sorgt dafür, dass die fettlöslichen Vitamine optimal vom Körper aufgenommen werden können.
715-3Vor zwölf Jahren waren Erika und Lutz Lange beim Sanddornkongress dabei, der in Berlin mit rund 30 teilnehmenden Nationen stattfand. „Die Kongresse finden einmal jährlich in einem anderen Land statt. In diesem Jahr war Neu Delhi in Indien Gastgeber, 2016 soll er voraussichtlich die Mongolei sein“, so Lutz Lange. Etwas beschaulicher ging es im Rahmen der jährlichen Exkursion zu, die vom 3. bis 6. September erstmals auf Langeoog stattfand. 24 Mitglieder unter der Leitung des Vereinspräsidenten Priv.-Doz. Dr. Jörg-Thomas Mörsel sowie dessen stellvertreter Dipl.-Ing. Axel Wähling waren der Einladung von Erika und Lutz Lange gefolgt, die ein kurzweiliges Programm auf die Beine gestellt hatten. Die Begrüßung auf der Insel übernahm Bürgermeister Uwe Garrels. In den folgenden Tagen standen Ortsführung, Wattwanderung, Kutschfahrt zur Meierei und natürlich ein ausführlicher Besuch des an vielen Stellen auf der Insel wachsenden Sanddorns auf dem Programm.
Im September standen Lutz Lange und Jonny Vestering im Rampenlicht. Für eine Fernsehdokumentation von Sat1 wurden die beiden bei der Sanddorn-Ernte und dem anschließenden Pressen der Früchte aufgenommen. Für die zwei Freunde war die mediale Berichterstattung fast Routine. Schon im November 2010 berichtete der NDR über die „Sanddornbarone“ in seinen dritten Programmen. Den geernteten Sanddorn presst Lutz Lange übrigens ausschließlich für den Eigenbedarf zu Saft, während ihn Erika Lange zu köstlichem Gelee verarbeitet.