Archiv der Kategorie: Informationen aus den Kirchengemeinden

Bewegend Gutes tun

„Musik bewegt“ vom 1. bis 31. Mai: Anmeldung ab sofort im Internet
„Raus in den Frühling“ – damit kann man in diesem Jahr gleich doppelt Gutes tun: für die eigene Gesundheit und für die Musik und damit die Kultur im Harlingerland. Der ev.-luth. Kirchenkreis Harlingerland ruft mit der Aktion „Musik bewegt“ dazu auf, aktiv den Frühling zu erleben und gemeinsam etwas für die von der Corona-Krise schwer getroffene Musik der eigenen Kirchen­gemeinde zu tun. Von Asel über Esens und Ochtersum bis Wittmund nehmen gut 20 Kirchengemeinden teil. Darunter auch Langeoog, wo der Aktionserlös der Stiftung „Musik auf Langeoog“ zufließen soll.
Verbunden ist das Projekt mit einem kleinen Wettbewerb: Welche Kirchengemeinde kann wie viele Aktive mobilisieren? Gemeinsam gibt es zudem das Ziel, möglichst viele Kilometer zu sammeln. Superintendentin Eva Hadem ermuntert: „Melden Sie sich einfach unter nachfolgendem Link an; wählen Sie die Kirchengemeinde aus, die Sie unterstützen wollen; drucken Sie, wenn gewünscht, Ihre Startnummer aus und radeln, laufen, walken oder gehen Sie los. Anschließend tragen Sie die Distanz und die Zeit der Aktivität ein und laden gerne auch ein Selfie für die ‚Wall of Fame‘ hoch. Hier kommen alle, die die Musik unterstützen, digital zusammen.“ Darüber hinaus besteht Gelegenheit, sich nach Wunsch eine Urkunde auszudrucken.
Die zurückgelegte Distanz kann von fünf Metern bis zu vielen ­Kilometern reichen. Gerne kann man sich auch mehrfach zu ­Aktivitäten anmelden. Die Teilnahme kostet 8,– Euro pro Person, gerne kann jede*r aber auch mehrfach im Mai für die Musik aktiv sein.
Eingeladen sind selbstverständlich auch Menschen weit über das Harlingerland hinaus: „Alle können die Kirchengemeinde auswählen, die sie unterstützen wollen.“ Somit sind sämtliche Langeoog-Fans aus nah und fern gefordert, „ihrer“ Insel laufend oder radelnd den Rücken zu stärken. Zu Monatsbeginn (Stand: 3. Mai) hatten sich insgesamt rund 60 Teilnehmer*innen angemeldet. Was noch viel Luft nach oben bedeutet. Also: Laufschuhe schnüren (oder Fahrrad satteln) und ab die Post. Moment, erst Infos checken und anmelden – hier sind die Links: -ut-

Vorfreude auf Fisch und Krabbenbrötchen

Kurpastor Wolfgang Riedl ist erstmals im Norden
Für Wolfgang Riedl war Langeoog bislang nur ein weißer Fleck auf der Landkarte. Das soll sich nun ändern: Vom 10. bis 23. Mai ist der katholische Geistliche aus Deggendorf als Kurpastor auf der Insel. Auf die Idee brachte ihn ein befreundeter evangelischer Dekan aus Neu-Ulm, der im Juli in der Inselkirche seinen Dienst tun wird. „Er meinte, es wäre doch schön, wenn wir gleichzeitig nach Langeoog kämen. Das hat leider nicht geklappt, aber ich freue mich dennoch sehr auf meinen Inselaufenthalt“, so der 73-Jährige. „Ich war noch nie im Norden.“
Ein wenig hat sich Wolfgang Riedl schon auf seinen Einsatzort vorbereitet: „Ich habe mir Filme in der Mediathek angesehen“, verrät er. In seiner Freizeit will er Langeoog buchstäblich „erfahren“, denn „Radfahren ist mein Hobby“. Auch eine Wattwanderung steht auf dem Programm.
Als Kurpastor wird er durch die täglichen Gottesdienste führen. Besonders freut sich Wolfgang Riedl auf die Feiern an Christi Himmelfahrt und Pfingstsonntag. Gern steht er auch für seelsorgerische Gespräche zur Verfügung.
Bevor er sich vor drei Jahren in den Ruhestand verabschiedete, war Wolfgang Riedl 24 Jahre lang Gemeindepfarrer in der größten Pfarrei der Diözese Regensburg, in St. Martin in Deggendorf. „Mit dreißig Angestellten und zwei Kindergärten war das schon ein umfangreiches Aufgabengebiet. Beim Eintritt in den Ruhestand konnte ich dann erstmals selbst entscheiden, was ich tue. Und so habe ich meine beiden Leidenschaften – den Glauben und das Reisen – miteinander verbunden.“ So leitet Riedl Pilgerfahrten und Einkehrtage. „Und ich bin eingesprungen, wo ich gebraucht wurde – wie jetzt auf Langeoog.“
Dass Wolfgang Riedl einmal Pfarrer werden würde, war seiner Auskunft nach bereits vorgezeichnet. „In meiner Familie hatten Viele geistliche Berufe. Einige Onkel waren Pfarrer und einige Tanten lebten im Kloster. Ich habe auch einmal gezweifelt, ob das der richtige Beruf für mich ist, aber nie so sehr, als dass ich vom Weg abgewichen wäre“, erinnert sich der katholische Geistliche. „Und außerdem wollte ich raus aus unserem Dorf“, fügt er schmunzelnd hinzu.
1977 wurde er zum Priester geweiht und durchlief in den ersten neun Jahren drei Kaplanstellen für die Diözese Regensburg, bevor er dann zehn Jahre lang als Domvikar tätig war. „Ich war im Landesbeirat in Bayern zuständig für den katholischen Frauenbund, habe in dieser Funktion viele Reisen unternommen, Vorträge gehalten und versucht, Probleme zu lösen“, so Riedl.
Heute lebt Wolfgang Riedl in einem Benediktinerkloster in Metten. Die geplanten Pilgerreisen mussten wegen der Pandemie abgesagt werden. „Ich habe aus Verzweiflung angefangen zu kochen“, lacht er, „und ich musste feststellen, dass das viel Arbeit ist.“ Deshalb gönnt er seiner Haushälterin Cäcilia Eßberger freie Tage auf Langeoog. „Sie wird mich begleiten. Und dann gibt’s Fisch und Krabbenbrötchen.“    -sbo-

Innere Balance in Zeiten der Ungewissheit

Kurseelsorgerin Heidemarie Langer will Impulse geben
Als evangelische Kurseelsorgerin gehört Heidemarie Langer seit vielen Jahren zum festen Unterstützer-Team von Christian Neumann. Wie in den Vorjahren will sie dem Inselpastor auch diesmal über die Pfingsttage zur Seite stehen. Vom 18. Mai bis 1. Juni ist ihr Aufenthalt auf Langeoog geplant. „Wie alles in dem vergangenen Jahr unter Vorbehalt“, weist Christian Neumann auf die sich immer wieder ändernden Pandemie-Bestimmungen hin. Heidemarie Langer ist verhalten optimistisch: „Ich hoffe sehr, dass ich mein Amt auf Langeoog antreten kann. Denn schließlich steht neben dem Pfingstgottesdienst diesmal auch eine Taufe auf meinem umfangreichen Einsatzplan.“
Der ständige Wechsel zwischen den Corona-bedingten Öffnungen und Schließungen hat die freiberufliche Theologin und Kommunikationsberaterin zu einem Vortragsthema inspiriert, das sie im Rahmen der ökumenischen Vortragsreihe im „Beiboot“ vorstellen will: „Ich will Impulse geben, wie wir als Sicherheit Suchende mit dem Ungewissen umgehen und wie wir unsere innere Balance halten können“, verrät die Autorin und Therapeutin aus Hamburg. „Worauf können wir vertrauen, worauf können wir uns verlassen, was trägt uns?“, stellt Heidemarie Langer die Fragen an sich und ihre Zuhörer, denen sie auch für seelsorgerische Einzelgespräche zur Verfügung steht.
Das Thema sei gerade zu Pfingsten aktuell: „Pfingsten ist ein Gemeinschaftsfest. Wir Menschen als soziale Wesen erleben darin Segen und Freiheit in Gemeinschaft und finden unser Vertrauen“, erklärt sie.
Wer sich bereits vorab mit der Fragestellung vertraut machen will, kann sich den jüngsten Beitrag von Heidemarie Langer vom 11. April in der Radiosendung „Glaubenssachen“ anhören. Er steht unter dem Titel „Chaos: Erfahrung und Entwicklung – Wege durch die Krise“ und ist in der NDR Kultur-Mediathek abrufbar.    -sbo-

Die Orgel auf der Arche Noah

Kantorin Noémi Rohloff und Kurpastor Matthias Weiß gestalten musikalische Erzählung für Jung & Alt am 21. Oktober in der Inselkirche
Die Geschichte von der „Arche Noah“ (Genesis 6 – 8) ist für viele Kinder wahrscheinlich eine der bekanntesten alttestamentlichen Erzählungen. In „Die Orgel auf der Arche Noah“ wird die Geschichte frei erzählt und unterstützt durch musikalische Untermalungen von den bekanntesten Werken des größten barocken Meisters, Johann Sebastian Bach. Die Kinder werden die Erzählung durch passende musikalische Elemente neu erleben. Ihre Eltern können dabei schmunzelnd entdecken, wie seriöse Musik auch für Kindererzählungen geeignet sein kann. Es werden kleine, paartaktige Ausschnitte aus 24 verschiedenen Bachschen Werken erklingen, wie zum Beispiel das Brandenburgische Konzert, Kantaten- und Oratoriumfragmente sowie bekannte Klavier- und Orgelwerke. Inselkantorin Noémi Rohloff präsentiert diese auf der Orgel, während Kurpastor Matthias Weiß erzählerisch durch die Geschichte führt.
Diese Stunde in der Inselkirche wird für die ganze Familie ein Hörerlebnis und gleichzeitig eine gute Chance für die klassisch-musikalische Erziehung sein.
Das Konzert am Mittwoch, 21. Oktober beginnt um 16 Uhr. Der Eintritt ist frei, um eine Spende für die Stiftung „Musik auf Langeoog“ wird gebeten. Ab Montag, dem 19. Oktober werden die Konzert-Karten in der Kirche zum Abholen bereitliegen. Es wird empfohlen, sich möglichst rechtzeitig Karten zu sichern, denn die Besucherzahl ist auf 50 ZuhörerInnen begrenzt. Beachten Sie bitte außerdem die Zugangsregelungen.      -ut-

„Was macht man denn da?“

Gisela und Helmut Voskamp sind seit 2009 Freizeithelfer
Gisela Voskamp fühlte sich ein wenig überrumpelt, als die damalige Superintendentin für das Harlingerland Angela Grimm ihr vor zwölf Jahren vorschlug, als Freizeithelfer nach Langeoog zu kommen. „Was macht man denn da?“ haben mein Mann und ich uns gefragt. Doch als sie über die Tätigkeiten aufgeklärt wurden und auch noch die Aussicht auf viel Freizeit auf der Insel lockte, sagten die beiden Rentner aus Moormerland gerne zu. Seit 2009 unterstützen Gisela und Helmut Voskamp den Küster der evangelischen Inselgemeinde alljährlich. Im vorigen Jahr waren die beiden als Küstervertretung für Dominique Seifert auf Langeoog. Bislang haben die Voskamps Langeoog stets im Frühjahr besucht, „aber durch den Corona-Virus kommen wir diesmal erst im Herbst her“, so die Freizeithelferin.
„Es gibt immer etwas zu tun“, weiß Gisela Voskamp. „Morgens um 9 Uhr treffen wir uns mit dem Küster und sprechen die anliegenden Aufgaben durch. Wir sorgen dafür, dass es in und um die Kirche herum sauber ist, verteilen vor den Gottesdiensten die Gesangbücher oder Flyer bei Konzerten und wir sammeln die freiwilligen Spenden ein. Dann gilt es auch, die Gästezimmer für die Musiker herzurichten, die zu Konzerten auf der Insel sind. Und wir sind auf dem Kirchengelände präsent, um Fragen von Urlaubern zu beantworten.“ Dabei arbeiten die 72-Jährige und ihr 79-jähriger Ehemann Hand in Hand. „Wir sind ein gutes Team“, so Gisela Voskamp.
Ab Mittag können die Beiden dann ihre Freizeit genießen. „Wir besuchen die Teestube, gehen ins Café oder in die Eisdiele, machen Radtouren oder Spaziergänge. Die Luft hier tut uns sehr gut und es gibt immer etwas Neues zu entdecken“, hat die Freizeithelferin festgestellt. Nur beim Dünensingen waren die Voskamps noch nie dabei: „Das fand genau dann statt, wenn die Kurpastoren ihre Vorträge im ‚Beiboot‘ hielten, und dann sind wir ja im Gemeindezentrum gefragt.“
Gisela und Helmut Voskamp genießen ihre Zeit auf Langeoog: „Wir fühlen uns hier auf dem Kirchengelände mit dem Küster, mit Kantorin Noémi Rohloff und ihren Kindern und mit den Kurpastoren wie in einer großen Familie.“   -sbo-

Bei Sturm an den Strand

Dr. Siegfried Kleymann liebt die raue See
„Ich mag das Raue der Nordsee und liebe es, im Sturm am Strand zu laufen“, verrät Dr. Siegfried Kleymann. Deshalb muss-te er nicht lange überlegen, als Pastoralreferentin Susanne Wübker ihn einlud, im Spät-herbst als Kurpastor nach Langeoog zu kommen. Vom 3. bis 15. November wird er sie erneut im liturgischen Dienst unterstützen. „Neben den täglichen Gottesdiensten steht auch eine Taufe an“, weiß der gebürtige Westfale bereits. „Ich stehe auch gerne für Gespräche zur Verfügung“, so der katholische Priester.
Münster ist zu seinem Lebensmittelpunkt geworden: Dort war er als Kaplan, Pfarrer und Jugendseelsorger tätig. Seit dem Sommer ist Dr. Siegfried Kleymann Gemeindepfarrer der Heilig-Kreuz-Kirche in Münster. Zuvor war er zehn Jahre lang mit der Hochschulseelsorge betraut. „Als ich mit Studentengruppen auf Langeoog war, habe ich die Insel und die Weite der Nordsee schätzen gelernt. Ich freue mich, dass mich nun in der zweiten Woche meiner Kurpastor-Tätigkeit eine Gruppe Ehemaliger besuchen wird, um Besinnungstage zu erleben.“ -sbo-

Stiftung fehlt Geld

Kantorin Noémi Rohloff ist verzweifelt: „Der Stiftung ‚Musik auf Langeoog‘ fehlen Einnahmen in Höhe von 30.000 Euro.“ Diese sollten eigentlich dazu dienen, die Kantorinnenstelle langfristig zu finanzieren. Schuld an der Misere sind die Veranstaltungsausfälle aufgrund der Corona-Krise.
„Sieben Konzerte des Gospelchores konnten nicht stattfinden. In den Vorjahren wurden allein dabei immer weit mehr als 20.000 Euro an freiwilligen Spenden eingenommen“, so die Kantorin. Auch die Orgelkonzerte, bei denen wöchentlich zwischen 200 und 300 Euro von bis zu 50 Zuhörern gespendet wurden, gab es in dieser Form nicht.
„Und ein Neujahrskonzert, wie in den Vorjahren, wird es 2021 auch nicht geben. Der Chor konnte in diesem Jahr nur eingeschränkt in der katholischen Kirche proben und wenn wir dort die Sicherheitsabstände einhalten wollen, ist kein Platz mehr für das Publikum.“
Noémi Rohloff will aber probieren, dass zumindest ein Konzert in „abgespeckter“ Form durchgeführt werden kann. „Ich versuche, einen Saxophonisten vom Festland dafür zu gewinnen, mit mir ein paar Stücke vor Publikum zu spielen“, hofft die Kantorin, „und vielleicht helfen ja auch ein paar freiwillige Spender aus dem finanziellen Tief – wie zuletzt Urlauberin Christine Lohrscheid, die anlässlich ihres 70. Geburtstags 800 Euro für die Stiftung zusammentrug.“                                  -sbo-

„So sorry, I have stolen“

Crossover-Organist Joachim Thoms ist am 18. Oktober mit zwei Konzerten zu Gast in der Inselkirche 
Freunde der Orgelmusik können sich am Sonntag, 18. Oktober, in der Inselkirche wieder auf ein ebenso ausgefallenes wie abwechslungsreiches Konzert mit Crossover-Organist Joachim Thoms aus Berlin freuen. Schon der spannende Titel „So sorry,  I have stolen“ („Tut mir so leid, ich hab gestohlen“) macht dabei neugierig.
„Mein stilistisches musikalisches Spektrum reicht von improvisierter barocker und klassischer Orgelmusik über sinfonische Filmmusik, Jazz, Impressionismus bis hin zum Rock-Klassiker“, verrät Thoms vorab. Doch „gestohlen“ sind die Themen anderer Komponisten und Musiker, die der Organist, Sänger und Entertainer improvisiert, weniger. Eher sind sie geliehen. Zu Gehör kommen unter anderem Vivaldis berühmter „Frühling“, Bachs „Ich hatte viel Bekümmernis“ bis hin zu Adaptionen über Jazzstandards oder den Tango „La cum Parsita“. Seine geistvollen Klangwelten können die Zuhörer nicht nur hören, sondern mittels Direktübertragung auf eine Leinwand tatsächlich auch sehen. Alle Stücke werden von Thoms ohne Notenvorlage gesungen, gespielt und mit kleinen musikalischen Geschichten   anmoderiert.
Joachim Thoms ist in Premnitz im Havelland aufgewachsen.Von 1982 bis 1987 studierte er Kirchenmusik in Görlitz. Seine Improvisationstechnik perfektionierte er am Kirchenmusikalischen Ins-titut der Universität Greifswald. Er war Privatschüler des Kon-zertorganisten Erich Piasetzki und des Komponisten Hans Peter Jannoch. Nach einer Phase als Konzertorganist und Cembalist ist er nun neben seiner halben Kirchenmusikerstelle hauptsächlich als Orgelimprovisationskünstler zu hören.
Das Konzert „So sorry, I have stolen“ findet jeweils um 19 Uhr und um 20.30 Uhr in der Inselkirche statt. Der Eintritt ist frei. Am Ausgang wird eine Spende für die Stiftung „Musik auf Langeoog“ erbeten.   -ut/reh-

Vom Urlauber zum Kurpastor

Matthias Weiß ist im Oktober als Seelsorger tätig
Wenn man jahrelang stets an denselben Urlaubsort fährt und dann auch noch im Ruhestand zum Arbeiten dorthin zurückkehrt, dann muss das „Liebe“ sein. Im Fall von Matthias Weiß ist Langeoog dieser Sehnsuchtsort, von dem seine Frau während einer Mutter-Kind-Kur vor zehn Jahren so begeistert war, dass die Familie seither ihre Urlaube hier verbringt. „Die Landschaft, die kühle Meeresluft und die Ruhe auf der autofreien Insel genieße ich ebenso wie die freundlichen Menschen und die musikalischen Angebote – wie etwa die Auftritte des großartigen Gospelchores, verrät der evangelische Theologe. Mit viel Freude nahm der pensionierte Gemeindepastor aus dem fränkischen Neuendettelsau dann unter anderem an den Proben des Spontanchores von Kantorin Noémi Rohloff teil.
Sie war es, die ihn darauf aufmerksam machte, dass immer wieder Kurpastoren auf der Insel gesucht werden. „Ich hatte nach meiner Pensionierung vor sechs Jahren bereits im bayerischen Bad Wörishofen Erfahrungen als Kurseelsorger gesammelt“, so Weiß. Und so nahm er Kontakt zu Inselpastor Christian Neumann auf, um auf seiner Lieblingsinsel das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden zu können. Im vergangenen Herbst übernahm er dann erstmals das Amt des Kurpastors auf Langeoog.
Nach seinem diesjährigen obligatorischen Insel-Urlaub im August kehrt der evangelische Theologe am 19. Oktober für drei Wochen in dieses Amt zurück. „Ich predige gern und Seelsorge ist mir sehr wichtig“, erklärt Matthias Weiß. 18 Jahre lang war er Pastor in zwei Nürnberger Gemeinden, wurde dann Studentenseelsorger und war schließlich zwölf Jahre lang als Seelsorger für Menschen mit geistigen Behinderungen im Diakoniewerk in Neuendettelsau tätig.
Auch auf Langeoog will er mit den Menschen ins Gespräch kommen: „Es besteht ein hoher Gesprächsbedarf. Ich möchte gemeinsam mit Christian Neumann niederschwellige Angebote unterbreiten“, plant Weiß. Natürlich gehören auch Gottesdienste zu seinem Aufgabenbereich. „Die sind auf Langeoog immer irgendwie besonders und ein Höhepunkt für mich. Der Kirchenraum hat eine ganz spezielle Ausstrahlung“, schwärmt der Kurpastor.
An der ökumenischen Vortragsreihe wird sich Matthias Weiß zweimal beteiligen: Unter dem Titel „Die Kirche hat geschwiegen, wo sie hätte schreien müssen“ informiert er über das Leben und Wirken von Dietrich Bonhoeffer, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 75. Mal jährte. Der zweite Vortrag beschäftigt sich mit dem Schicksal von Komiker Karl Valentin im Dritten Reich und trägt den Titel „Wenn ich einmal der Herrgott wär‘ – Das Leiden des Karl Valentin. „Darin kommen die vielen Facetten des Künstlers zum Tragen. Und natürlich werde ich einige Hörstücke vorführen.“    -sbo-

Lebt aufwärts!

Sechs Jugendliche in der Inselkirche konfirmiert –
Segen und Urkunde für Engelkonfirmandin Alice Happek
In der Inselkirche Langeoog haben sechs junge Menschen am Sonntag, 27. September im Rahmen ihrer Konfirmation „Ja“ zum christlichen Glauben gesagt. Pastor Christian Neumann sprach ihnen Gottes Segen zu und freute sich, dass die selbst ausgewählten Konfirmationssprüche wahre Mutmacher fürs Leben seien.
Als Folge der Corona-Pandemie musste das ursprünglich für April geplante „Fest des Glaubens“ in den frühen Herbst verschoben werden. Statt mitgesungen wurde mitgesummt. Ebenso musste auf das Abendmahl verzichtet werden. Die feierliche Stimmung konnte dennoch durch nichts getrübt werden. Damit ging für Imke Beitelmann, Finja Bents, Geske Bents, Kai Wettstein, Joost Koschewa und Colin Wegener ein ungewöhnliches Konfirmandenjahr zu Ende, das damit sogar fünf Monate länger dauerte, als ursprünglich geplant. Christian Neumann zog ein durchweg positives Fazit dieser besonderen Konfirmandenzeit.
Engelkonfirmation
Bevor sich der Inselpastor jedoch den KonfirmandInnen voll und ganz zuwandte, stand mit Alice Happek, geborene Stolle, zunächst eine Engelkonfirmandin im Mittelpunkt des Gottes-dienstes. Die Insulanerin wurde vor 85 Jahren, am 14. April 1935, in der Inselkirche vom damaligen Inselpastor Otto Harms konfirmiert. Im August feierte sie zudem ihren 100. Geburtstag (der Utkieker berichtete). „Zu zweit haben wir den 14. April in der eigentlich geschlossenen Kirche begangen. Das war ihr wichtig: Die Bibel in der Hand, die sie zur Konfirmation bekommen hat, mit der Widmung von ,Deiner Dich innigst liebenden Groß-mutter’, erzählte Pastor Neumann. Segen und Urkunde wurden Allce Happek nun    im feierlichen Rahmen der Konfirmation zuteil. Mit den Worten: „Eine solche Urkunde habe ich noch nie ausgestellt“, unterstrich der Geistliche noch einmal die Einzigartigkeit dieses Festes. Und an die jungen Konfirmanden gerichtet, rechnete er: „Dieses Fest würdet ihr im Jahr 2105 feiern.“
Ein jegliches hat seine Zeit
In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte Pastor Neumann diesmal die Zeit, die doch viel zu schnell zu vergehen scheint. Und dennoch habe „ein jegliches seine Zeit“. So heißt es schon in der Bibel bei Prediger Salomo 3,1 – 11. Als das Symbol für Leben und Lebenszeit stehe die Sanduhr, in der die Zeit sprichwörtlich nur so durchriesele. „Gegenwartsschrumpfung nennt es der Philosoph Hermann Lübbe“, führte Christian Neumann weiter aus. Doch den jungen Konfirmanden rief er aufmunternd zu: „Lebt aufwärts! Denn Christen leben mit Blick auf die Ewigkeit aufwärts.“ Als Geschenk der Gemeinde erhielten die Konfirmanden jeweils eine Sanduhr, in welcher der Sand sinnbildlich aufwärts rinnt.
Hatten die Konfirmanden eine Woche zuvor als Thema für ihren Vorstellungsgottesdienst „Extremismus und Rassismus“ gewählt, war dementsprechend die Kollekte für die Flüchtlingsarbeit von „Ärzte ohne Grenzen“ bestimmt.
Musikalisch begleitet wurde der Festgottesdienst von Inselkantorin Noémi Rohloff, Sängerin Katja Agena und dem Kirchenvorstand. Passend zum Gottesdienstthema kamen Lieder wie „Schenk uns Zeit“, „Anker in der Zeit“ oder das Orgelnachspiel „Happy Hour“ zu Gehör. -reh-