Archiv der Kategorie: Ortshandwerk

Ein Tischler mit Leib und Seele

Johannes Westerkamp beging seinen 80. Geburtstag – Am 7. Juni 50-jähriges Meisterjubiläum

Gleich zwei runde Ereignisse hält dieses Jahr für Johannes Wes­terkamp bereit. Am 30. April beging der Langeooger in der „Kajüte am Hafen“ seinen 80. Geburtstag. Nur wenige Wochen darauf, am 7. Juni, kann der Tischler auf 50 Jahre Meisterehren zurückblicken.
„Von 1953 bis ´56 ging ich zu Tischlermeister Christoph Bäckmann in die Lehre“, erinnert sich Johannes Westerkamp an seine Anfänge. 323-1Nach der Ausbildung verließ der frischgebackene Geselle zunächst für ein dreiviertel Jahr die Insel gen Bielefeld, kam für kurze Zeit in seinen Ausbildungsbetrieb zurück und kehrte schließlich Langeoog für drei Jahre den Rücken. „Während dieser Zeit arbeitete ich in Bremen und eignete mir dort weiteres Wissen an“, blickt Johannes Westerkamp zurück. Lange hielt es der junge Mann aber nicht in der Fremde aus, so dass er 1962 wieder zu Christoph Bäckmann zurückkehrte. Im Sommer desselben Jahres lernte Johannes Westerkamp seine spätere Ehefrau Maria kennen. Schon im August 1963 läuteten die Hochzeitsglocken. „Aus heutiger Sicht war das vielleicht schnell, aber so war die Zeit damals“, lächelt der Handwerker, der seiner Insel fortan treu blieb.
1966 besuchte Johannes Westerkamp schließlich die Meisterschule der Handwerkskammer Aurich. Fast jeden Samstag fand dort der Unterricht statt und Zuhause wurde neben dem Beruf viel Zeit investiert, um sich das notwendige Wissen zu erarbeiten. Mit Erfolg: am 7. Juni 1968 wurde dem damals 30-Jährigen der ersehnte Meisterbrief ausgehändigt. Am 1. September 1971 machte sich der Tischlermeister zunächst mit einer Werkstatt in den Kellerräumen seines Eigenheims an der Kaapdüne 7 selbstständig. Ein 323-2halbes Jahr wurde dort gewerkelt, dann reichte der Platz nicht mehr aus. Eine Lösung war aber schnell gefunden: An den Bauhöfen verpachtete Bauunternehmer Manfred Schreiber dem Existenzgründer passende Räumlichkeiten. Zwei Jahre später ergab sich die günstige Gelegenheit zu einem nochmaligen Umzug. Am Jacob-Pauls-Weg übernahm der Tischlermeister die Werkstatt von Heinrich „Hinni“ Eilts. Schon bald nach seiner Selbstständigkeit musste Johannes Westerkamp Fachleute einstellen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Meist beschäftigte er zwei oder drei Gesellen, die Privathäuser, Pensionen, Hotels oder Neubauten mit Möbeln aus der eigenen Werkstatt einrichteten. „In 28 Jahren Selbstständigkeit bildete ich 12 Tischlerlehrlinge aus. Darunter befand sich auch der heutige Langeooger Bürgermeister Uwe Garrels“, der mir natürlich auch persönlich zum Geburtstag gratulierte“, freut sich Johannes Westerkamp.
323-3Seit seine Frau vor 10 Jahren verstarb, lebt der Langeooger alleine in seinem Haus. Seine Zeit verbringt Johannes Westerkamp gerne im Garten mit dem Pflanzen und Pflegen seiner Blumen oder er steigt regelmäßig die Holztreppe zum Keller hinunter: Dort unten nämlich hat er noch eine kleine Werkstatt mit Drechselmaschine, auf der Kerzenständer, Teller und anderes mehr aus Edelholz entstehen. Zudem knotet Johannes Westerkamp „Affenfäuste“, um seine Fingerfertigkeit zu erhalten. Für Ablenkung sorgen zudem Freunde, die regelmäßig vorbeischauen sowie Bruder Dieter. Mit dem 87-Jährigen geht’s dann jeden Sonntag zum Essen in die „Kajüte am Hafen“. „Außerdem versorge ich meine grauen Gehirnzellen mit dem Lesen von Tatsachenabenteuern“, erzählt der Jubilar, der den Tischlerberuf immer wieder erlernen würde.

Backen mit Dinkel

Bäckerei Seekrug über die Vorzüge dieses Getreides

Wie sein Bruder Michael schwört auch Hubert Recktenwald auf Bio-Produkte. Der Langeooger, der im Mai sein 25-jähriges Meis­terjubiläum als Konditor begeht, probiert dazu immer wieder Neues oder verfeinert bestehende Rezepturen. So auch beim Dinkelbrötchen. „Obwohl dieses Brötchen gut angenommen wurde, fehlte mir irgendetwas daran“, so der Inhaber der Bäckerei Seekrug. Durch Lehrgänge und Fortbildungen, die der Fachmann bei „Dinkelpabst“ Horst Deffland belegte, hatte er alsbald die zündende Idee. Er mischte kurzerhand zusätzlich Lein­samen, Sonnenblumenkerne und Sesam hinzu, die dem Backwerk zusätzlichen Geschmack geben. „Man benötigt schon einiges an Fachwissen, weil Dinkel recht schwierig zu verarbeiten ist“, erläutert Hubert Reckenwald. Seit Jahren befasst er sich mit dieser Getreideart, die fast schon ausgestorben war.
212-1Im Zuge der landwirtschaftlichen Industrialisierung war der Dinkel zunehmend in Vergessenheit geraten. Mit Weizen lassen sich bis zu 40 Prozent höhere Erträge erzielen, was sich natürlich positiv auf den Profit auswirkt. Mindestens zwei Gründe sind hierfür verantwortlich: das Dinkelkorn ist von einer Schutzhülle, dem Spelz umgeben, die in einem Arbeitsschritt, dem Gerbgang, entfernt werden muss. Zudem spricht Weizen sehr gut auf Kunstdüngergaben an, während sich Dinkel davon nicht beinflussen lässt. Letzteres mauserte sich daher zu einem idealen Produkt der Bio-Landwirtschaft. Die beim Dinkel vorhandene und in einem separaten Arbeitsschritt zu entfernende Spelzhülle wird keineswegs als Nachteil gesehen. Sie schützt nämlich das Korn vor Schädlingen, Pilzen und allen möglichen Umwelteinflüssen und dürfte ein Hauptgrund für die Widerstandsfähigkeit dieses Getreides sein. Ein weiterer Vorteil ist, dass es allergikergeeignet ist. Detaillierte Informationen 212-2über diese Getreideart erfährt man unter www.zentrum-der-gesundheit.de/dinkel.
Wie eingangs erwähnt, verwenden das Panoramarestaurant Seekrug sowie die Bäckerei Seekrug möglichst viele Bioprodukte. „Unsere Brote und Brötchen sind allesamt Bio-Erzeugnisse, lediglich die Croissants fallen nicht darunter“, sagt Hubert Recktenwald. Seit diesem Jahr verwendet der Betrieb zudem aus­schließlich Zucker und Mehl aus Bioproduktion. „Ich würde gerne noch mehr Rohstoffe auf „Bio“ umstellen, allerdings sind sie nur schwer zu beziehen. Aber ich bleibe da am Ball“, verspricht Hubert Recktenwald.

„Geht nicht – gibt’s nicht“

Sonderanfertigungen und etliches mehr von der Tischlerei Schwede

202-1„Bei uns gehören Sonderanfertigungen quasi zum Alltag“, berichtet Tischlermeister Holger Schwede. Jede noch so kleine Nische in selbst bewohnten Räumen oder solchen, die von Feriengästen bezogen werden, wird optimal genutzt. Einbauschränke, Regalsysteme oder tolle Wohnlösungen – für die Handwerker der Tischlerei Schwede sind diese Dinge Normalität. „Meine Kunden verlangen funktionale Lösungen, die oftmals auch trendige Stilrichtungen beinhalten“, so Holger Schwede. Kaum hat der stellv. Obermeister der Tischlerinnung Kreis Wittmund den Satz ausgesprochen, klingelt sein Smartphone. Ein Kunde ist dran und möchte den vereinbarten Termin vorverlegen. Es geht um ein Aufmaß für Möbel, die gefertigt werden sollen.
202-2„Geht nicht – gibt’s nicht“ ist die Devise des Inseltischlers. Seit etlichen Jahren fertigt er mit seinen Mitarbeitern auch schicke Einbauküchen. Meist sind helle unifarbene Dekore gefragt, ein anderes Mal verlangen die Auftraggeber Holzfronten. Die Fülle an unterbreiteten Lösungen schließt auch die Wiederverwendung bisher genutzter Küchenelektrogeräte mit ein. Nicht zu vernachlässigen ist das Thema Licht, schließlich hilft eine blendfreie Beleuchtung den Arbeitsplatz optimal zu erhellen. Meist werden unter 202-3Hängeschränken montierte Lampen verlangt. Edel wirkt allerdings der Einsatz von halbtransparentem Plexiglas, hinter dem LED-Lampen für einen tollen Look sorgen und die Küche so in ein völlig neues Licht rücken.
Seit vielen Jahren empfiehlt sich die Tischlerei Schwede mit ihrem am Schniederdamm gelegenen Betrieb auch als Spezialist für Kunststofffenster. „Wir haben eine Reihe an Profilen im Sortiment, die je nach Einsatzzweck Verwendung finden“, sagt Holger Schwede und verweist darauf, dass auch in diesem Segment Sonderlösungen an der Tagesordnung sind.

Rückblick und Vorausschau

49. Jahreshauptversammlung der Langeooger Ortshandwerkerschaft

Ein wenig enttäuscht zeigte sich Hans-Jörg Numrich ob der Resonanz bei der 49. Jahreshauptversammlung der Langeooger Ortshandwerkerschaft. Lediglich 9 von 20 Mitgliedskollegen waren der Einladung des Ortshandwerksmeisters am Donnerstag, 8. März ins Hotel Strandeck gefolgt. Nach seiner Begrüßung verlas Hans-Jörg Numrich sogleich den Kassenbericht. An­schließend ließ er das vergangene Jahr Revue passieren. Mit dem Skatturnier für Jedermann wurde das noch junge Jahr 2017 eingeläutet. Nur wenig später nahm man Martina Runge als neues Mitglied in die Ortshandwerkschaft auf. Die Goldschmiedin hatte Anfang desselben Jahres die Räumlichkeiten der bisherigen Goldschmiede „Schmucklust“ bezogen und am 8. April dort ihre „Hofgoldschmiede am Meer“ eröffnet. Hans-Jörg Numrich, Stellvertreter Holger Schwede und zweiter Stellvertreter Helge Bents hatten der Neu-Langeoogerin zur Eröffnung gratuliert. Im Juni informierten Hans-Jörg Numrich und Rathaus Mitarbeiter Wilko Hinrichs in der Inselschule Kinder und Jugendliche über Praktika und Ausbildungsberufe in Inselgemeinde und Betrieben der Ortshandwerkerschaft. „Ziel ist es, Nachwuchs von der Insel zu gewinnen und der nachrückenden Generation die ansässigen Berufe näher zu bringen“, erklärte Numrich.
Als nächster Tagesordnungspunkt der Jahreshauptversammlung standen zwei Neuwahlen auf dem Programm. Holger Schwede wurde für weitere zwei Jahre einstimmig zum stellvertretenden Ortshandwerksmeister wiedergewählt. Das Amt des Kassenwartes übernimmt mit einstimmigem Votum ab sofort Daniel Lang-Redel. Mit dem Austritt von Fliesenleger- und Maurermeister Timothy Winston hat die Ortshandwerkerschaft leider einen Abgang zu verzeichnen.
Im weiteren Verlauf des Abends folgte ein gegenseitiger Erfahrungsaustausch. „Hierbei wies der Vorsitzende der Ortshandwerkerschaft darauf hin, dass die Inselschiffahrt besser als bisher über Fahrplanänderungen informiert. Dadurch könnten Wartezeiten bei den Passagieren vermieden werden“. Hintergrund: Bedingt durch Eisgang oder Niedrigwasser konnten die „Arbeiterschiffe“ früh morgens nicht wie geplant ab Bensersiel gen Langeoog ablegen, so dass sich deren Abfahrtszeiten teils deutlich veränderten. Dem Informationsdefizit könnte die Langeoog-App entgegenwirken, die man ab sofort im App-Store downloaden kann.

Die Handwerkskammer für Ostfriesland informiert:

Die neue App „Handwerk“

Aktuelle Handwerksinformationen auf dem Smartphone
Mit der App holen Sie sich täglich aktuelle News und Tipps für Ihren Betrieb direkt auf Ihr Smartphone. Sie erhalten aktuelle und wichtige Informationen von handwerk.com und aus Ihrer Handwerkskammer – relevant, kurz, verständlich. So sind Sie stets auf dem aktuellen Stand hinsichtlich der Entwicklungen im Handwerk und in Ihrem Kammerbezirk.
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Sag es mit Blumen

Franka Mollenhauer bestand ihre Prüfung zur Floristin –
Blumenhaus Peters mit bis zu 250 Hochzeiten jährlich

Franka Mollenhauer ist glücklich: Ende Januar hat die 20-jährige Langeoogerin ihre Abschlussprüfung zur Floristin bestanden. Ausgebildet wurde sie von Floristmeisterin Sonja Peters, Inhaberin von Blumen Peters. „Endlich hat die Berufsschulzeit ein Ende“, flachst Franka Mollenhauer. Einmal wöchentlich musste sie an der BBS in Aurich die Schulbank drücken. Neben Deutsch und Mathe stand auf Floristik bezogener Fachunterricht wie Gestaltungslehre oder Pflanzenaufbau und -pflege auf dem Stundenplan. Schon am Vortag fuhr sie nach der Arbeit ans Festland, um keinen Unterrichtsstoff zu versäumen. Nach Schulschluss ging es zurück auf die Insel.
112-11Den Abschluss der dreijährigen Ausbildung bildete die praktische Prüfung. Drei Arbeitsproben musste Franka Mollenhauer vor Ort anfertigen: einen Blumenstrauß für den VIP-Bereich eines Hotels. Darin waren Elemente aus Metall oder Glas einzuarbeiten. Weiterhin wollten die Prüfer ein dekoratives Gesteck und eine Pflanzschale sehen. Für jede Arbeitsprobe standen 40 Minuten zur Verfügung. „Beim Strauß entschied ich mich für Eukalyptus, gefüllte Ranunkeln, weiße Calla, Pistazien, Lysianthus und einem Geäst aus Korkenzieherhaseln“, erzählt die frischgebackene Floristin. Bei der Pflanzschale kam Sansevieria zum Einsatz. Die Hauptprüfungsaufgabe stand jedoch noch bevor: Zwei Blumengirlanden, die für eine Hochzeit als Autoschmuck fürs Dach innerhalb von 90 Minuten angefertigt werden muss­ten. Zwei Wochen vor der Abschlussprüfung bekam Franka Mollenhauer ihre Prüfungsaufgaben mitgeteilt. Die verwendeten Blumen, Pflanzen und Gestaltungselemente mussten von ihr mitgebracht werden. 112-2Hierbei konnte sie auf die Unterstützung von vielen Freunden und Bekannten zurückgreifen, die alle tatkräftig halfen, sei es beim Anfertigen von Gestaltungselementen oder dem Transport zum Prüfungsort an der BBS. „Ich möchte mich hiermit bei allen bedanken, die mir geholfen oder einfach nur die Daumen gedrückt haben“, freut sich Franka Mollenhauer, die während der Saison noch beim Blumenhaus Peters beschäftigt sein wird, bevor die „große weite Welt“ ruft.
Das Blumenhaus Peters ist nicht nur bei Langeoogern gefragt, wenn es um Blumengrüße oder bunte Frühlingssträuße geht, die das eigene Heim verschönern. Auch Hochzeitspaare wissen um die gute Qualität der Brautsträuße oder Gestecke. „Für bis zu 250 Hochzeiten jährlich müssen wir den Blumenschmuck anfertigen. Oft sind es sogar zehn an einem einzigen Wochenende“, sagt Sonja Peters. Langeoog ist somit als Heiratsort bei Paaren, die sich das Ja-Wort geben wollen, weiterhin Spitze.

Gibt es Diamant-Meister

Els Sanders: 60 Jahre Kürschnermeister im Januar 2018

Wenn ein Ehepaar 60 Jahre zusammen ist, feiert es diamantene Hochzeit. Doch was ist mit einem Kürschner, der vor 60 Jahren seinen Meister machte – nennt er sich jetzt Diamant-Meister?
106-1Eine Frage, die sich Els Sanders stellen kann. Am 22. Januar 1958 legte der gewitzte Langeooger vor der Handwerkskammer Lüneburg-Stade die Meisterprüfung ab. Waschbärmantel und Nerzstola fertigte der damals 27-Jährige als Meisterstücke. ­Anders als heute waren Pelze damals absolut „en vogue“. ­Ursprünglich hatte Els Sanders in Aurich Putzmacher gelernt – eine Notlösung: „Lieber wäre ich ja zur See gefahren, aber das klappte damals nicht“, erinnert sich der gebürtige Esenser, der in Norden sogleich die Ausbildung zum Kürschner anschloss. Vor seiner Meisterprüfung arbeitete er einige Jahre als Geselle in Luxemburg.
Der frischgebackene Kürschnermeister leitete zunächst ein Pelzgeschäft in Leer, dann bereiste er acht Jahre lang als Einkäufer einer Amsterdamer Firma die Auktionen der Pelzbörsen von Frankfurt und London über Kopenhagen und Helsinki bis Leningrad (heute St. Petersburg). Die Zeit des Handels war der Winter. Im Sommer blieb Zeit zum Segeln. So machte Els die Seefahrt immerhin zum intensiven Hobby. 106-2Beim Segeln lernte er seine Frau Hilke kennen, eine Insulanerin. 1969 machte man sich auf Langeoog selbstständig. In seiner „Pelzboutique“, wie sie ursprünglich hieß, bot Sanders vorwiegend Lederwaren, Pelze und Damenkonfektion an. Mit dem Umbau des Hauses in den 70er-Jahren änderte sich das Sortiment: Die Pelze verschwanden, Hosen und maritime Kleidung von Elbsegler bis Fischerhemd bildeten einen neuen Schwerpunkt.
Nebenher gehörte Els Sanders dem Ensemble der Langeooger Inselbühne an. Aktiv war er auch im Shantychor, dem er zudem fünf Jahre im Vorstand vorstand; bis heute unterstützt er die – „reifen Sängerknaben“ als passives Mitglied. Fernsehruhm als Humorist erwarb das 106-3Insel-Original in der Sendung „Gaudimax“ mit seinen „wahren Geschichten von Willm Willms ut Willmsfeld“. Anschließend entflossen seiner Feder sieben Büchlein mit ulkigen Döntjes um seinen Helden Willm Willms.
2003 schloss Els mit 72 Jahren sein Geschäft und widmete sich dem Unruhestand. Gelegentlich führte er noch kleine Flickarbeiten an Segeln und Textilien aus. Seine Aufmerksamkeit aber galt und gilt, neben der Familie, weiterhin dem Shantychor und dem Segeln. Noch immer fährt er mit seiner Zeeschouw „Mien Problem“ aus, einem alten niederländischen Plattbodenschiff aus den 30er-Jahren. Geplant hat Els Sanders auch für 2018 einen Törn; voraussichtlich im Mai, nach seinem 87. Geburtstag. Fährt er allein? „Büst du mall?“, entgegnet er. Crew muss sein. Sie ist vom Feinsten – und von der Familie: An Bord dabei sind Sohn Hajo und Enkel Jelle. Gute Fahrt!

Neues aus der Ortshandwerkerschaft

Ortshandwerksmeister Hans-Jörg Numrich informiert
Am Donnerstag, den 8. März 2018 lädt Hans-Jörg Numrich die Mitglieder der Langeooger Ortshandwerkerschaft zur 49. Jahreshauptversammlung ein. Nach der Begrüßung um 18.30 Uhr im Panoramarestaurant „Seekrug“ lässt der Ortshandwerksmeis­wter das abgelaufene Geschäftsjahr 2017 Revue passieren. Zudem wird Kassenwart Jan Donner über den aktuellen Stand der Finanzen berichten. „Neuwahlen finden dieses Mal nicht statt“, so Hans-Jörg Numrich, der um zahlreiches Erscheinen bittet. In Kürze werden den Mitgliedern der Ortshandwerkerschaft die Einladungen zugestellt.

Weihnachtspäckchen
Traditionell werden die Senioren der Langeooger Ortshandwerkerschaft sowie die Witwen von Ortshandwerksmeistern zu Weihnachten mit Aufmerksamkeiten bedacht. „Auch in diesem Jahr ist dieser schöne Brauch geplant“, sagt Hans-Jörg Numrich. Neben Stollen, Obst und Nüssen befindet sich auch ein Jahreskalender der Ortshandwerkerschaft LeerWittmund.

Skatturnier für Jedermann
Alle Jahre wieder treffen sich Skatfreunde zum Kartenspiel. Das Skatturnier für Jedermann findet bereits zum 15. Mal statt und wird in bewährter Form von Hans-Jörg Numrich organisiert. An drei Abenden werden die jeweiligen Sieger ermittelt, zum Schluss wird der Gesamtgewinner gekrönt. Wie in den Vorjahren gibt es wieder Preise zu gewinnen, die von dem zu entrichtenden Startgeld von 10,– Euro eingekauft werden. Die Spielrunden finden jeweils freitags ab 19.00 Uhr statt. Termine: 19. Januar (Restaurant „In’t Dörp“), 2. Februar (Restaurant „Alte Post“), 16. Februar („In’t Dörp“).

Die Handwerkskammer für Ostfriesland informiert:

Handwerk ist gefragt wie nie
Aber: Fachkräftemangel in allen Berufen spürbar –

Positive Erwartungen für die kommenden Monate
„Das ostfriesische Handwerk läuft auf Hochtouren“, zu dieser Einschätzung kommt Hauptgeschäftsführer Peter-Ulrich Kromminga nach der Auswertung der aktuellen Konjunkturumfrage. An der Herbstumfrage 2017 beteiligten sich 94 Betriebe aus allen Handwerkssparten. 87 Prozent der befragten Handwerksbetriebe beurteilen ihre derzeitige Geschäftslage als gut oder befriedigend. Die zukünftigen Erwartungen werden ebenfalls mit 57 Punkten (Vorjahr 55) bewertet. Zwei Drittel der Unternehmen glaubt, dass die Geschäftslage in den kommenden drei Monaten so bleibt. Ein Viertel der Betriebe ist optimistisch gestimmt und erwartet positive geschäftliche Entwicklungen mit weiter steigenden Umsätzen und Auftragseingängen. „So positiv hat sich das Handwerk lange nicht mehr eingeschätzt“, sagte Kromminga.
Die beste Konjunktur verzeichneten die Gesundheitshandwerke: So legten die Augenoptiker, Zahntechniker, Hörgeräteakustiker, Orthopädieschuhmacher und -techniker gegenüber dem Vorjahr um 15 Punkte zu. Trotz des Fachkräftemangels konnten die Betriebe Personal einstellen, um den hohen Auftragsbestand abzuarbeiten. Drei Viertel der Befragten erwarten künftig mehr Aufträge und Umsatzsteigerungen.
Das Lebensmittelhandwerk folgte mit 71 Punkten (Vorjahr 63) und erreichte damit einen neuen Spitzenwert der Branche der letzten sechs Jahre. Dabei verzeichneten die Bäcker, Konditoren und Fleischer eine gute Umsatzentwicklung und die meisten Investitionen. Um der Auftragslage weiterhin gerecht zu werden, werden jedoch dringend Fachkräfte benötigt. Das Bauhaupt­gewerbe profitiert vom schwungvollen Wohnungsneubau. Neun von zehn Unternehmen beurteilen die Geschäftslage als gut oder befriedigend. Auch hier sind fehlende Fachkräfte ein Sorgenthema. Die Ausbauhandwerke melden durchweg positive Ergebnisse. Ein Ende der ausgesprochen guten Stimmung ist nicht in Sicht.
Der Optimismus des ostfriesischen Kfz-Handwerks ist getrübt. Erfreulich ist jedoch, dass jeder vierte Betrieb höhere Verkaufspreise durchsetzen konnte; vor allem wurden Benziner mehr nachgefragt – eine Folge der Dieselkrise. Von gedämpfter Konjunkturlage wird in den Dienstleistungshandwerken gesprochen. Das Friseurhandwerk ist unmittelbar vom Fachkräftemangel betroffen. „Der Fachkräftemangel ist ein Dauerthema in allen Handwerksberufen. Deshalb arbeitet die Handwerkskammer intensiv daran, junge Menschen für eine Karriere im Handwerk zu interessieren“, versicherte Kammerchef Kromminga.
Der Arbeitsmarkt entwickelt sich im Gesamthandwerk per Saldo 6,4 Prozent im Plus. Fast ein Fünftel der Betriebe stellte zusätzliches Personal ein; rund 12 Prozent haben ihr Team verkleinert. Über Umsatzsteigerungen und Auftragszuwächse mit einer Auftragsweite von rund sechs Wochen freut sich das Handwerk. Das Investitionsvolumen konnte branchenübergreifend im Vergleich zu den Vormonaten leicht um 8,5 Prozent angehoben werden. Jeder fünfte Betrieb hat Investitionen getätigt.
Mehr Informationen unter: www.hwk-aurich.de/uber-uns/zahlen-daten-fakten

Fördersummen für junge Talente aufgestockt
Bewerber erhalten ab diesem Jahr die Chance auf eine Begabtenförderung in Höhe von 7.200,– Euro.
Wer sich beruflich weiterbilden will, muss je nach Gewerk viel Geld in die Hand nehmen. Umso positiver sind die Neuigkeiten, die es in diesem Jahr von der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung, kurz sbb, gibt. Sie hat die Fördertöpfe für Berufs­einsteiger erhöht. Seit diesem Jahr erhalten Stipendiaten einen Zuschuss von bis zu 7.200,– Euro in maximal drei Jahren bei einem Eigenanteil der Kosten von 10 Prozent. Zuvor waren es 6.000,– Euro. Das Weiterbildungsstipendium unterstützt junge Menschen nach dem besonders erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung bei der weiteren beruflichen Qualifizierung.
Aus der Region können sich frischgebackene Handwerksgesellen bei der Handwerkskammer für Ostfriesland bewerben. Gefördert werden fachliche Lehrgänge, zum Beispiel die Fortbildung zum Techniker, zum Handwerksmeister oder zum Fachwirt, aber auch fachübergreifende Weiterbildungen wie EDV-Seminare oder Intensivsprachkurse. Unter bestimmten Bedingungen kann auch ein berufsbegleitendes Studium unterstützt werden. Vorausgesetzt: Der Bewerber muss jünger als 25 Jahre alt sein und hat seine Ausbildung mit mindestens 87 Punkten oder besser als die Note „gut“ bestanden.
Das Weiterbildungsstipendium kann darüber hinaus künftig nicht nur für Lehrgangskosten, sondern auch für Prüfungskosten verwendet werden. Zudem gibt es einen IT-Bonus: die Stipendiaten erhalten einen Zuschuss von 250,– Euro, wenn sie sich einen Computer anschaffen wollen. Das Programm wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert.
Ansprechpartnerin in der Handwerkskammer ist Anita Friedrichs, erreichbar unter Tel. 04941/1797-78 oder E-Mail a.friedrichs@ ­hwk-aurich.de. Nähere Infos auf www.sbb-stipendien.de.

„Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich“

Tischlerei Schwede: Sonderanfertigungen und mehr

„Langeoog scheint mich wohl anzuziehen“, schmunzelt Manfred Wochnik. Während seiner Ausbildung zum Möbeltischler in einem Esenser Unternehmen war er erstmals 1977 auf der Insel tätig. Damals baute der Handwerker Pantrys in ein Hotel am Kurviertel ein. Vierzig Jahre später arbeitet der heute 58-Jährige bei der Tischlerei Schwede. Seit Oktober dieses Jahres kümmert sich der Neuzugang vornehmlich um den Möbelbau. Oftmals werden von den Kunden Sonderanfertigungen für Ferienwohnungen oder -appartements verlangt. „Das sind beispielsweise Schränke unter Dachschrägen oder nach Maß gefertigte Küchen“, beschreibt Manfred Wochnik die Aufträge. Vor Kurzem war er damit beschäftigt, eine Küchenzeile rund einen Zentimeter höher zu setzen, damit das vom Eigentümer verlegte 814Laminat auch unter der Küche weiterlaufen kann. Eine kniffelige Angelegenheit, da hierzu die rückseitigen Aussparungen für Spülmaschinenanschluss und Spülenabfluss vergrößert werden muss­ten. Zudem war darauf zu achten, dass sich die Arbeitsplatte nicht durchbog oder gar brach. Doch am Ende meisterte Manfred Wochnik auch diese Herausforderung. „Im Vergleich zum Festland fallen auf der Insel mehr Reparaturen an“, hat der Möbeltischler festgestellt. „Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich, denn jeden Tag gibt es andere Aufgaben auszuführen“. Werktäglich pendelt der Holtgaster von seinem Wohnort nach Langeoog. Während etliche seiner Handwerkskollegen dies eher nachteilig beurteilen, sieht es Manfred Wochnik positiv: „Der Anfahrtsweg ist gar nicht so lang. Im Sommer kann man während der Überfahrt die Seeluft genießen und im Winter hat man es auf den Straßen nicht mit Schnee und Eis zu tun.“
In den Wintermonaten gibt es für die Tischlerei Schwede und die anderen Ortshandwerksbetriebe am meisten zu tun. „Die Bautätigkeit ist dann in vollem Gange. Außerdem lassen Ferienwohnungsbesitzer während der Nebensaison einiges renovieren“, erläutert Tischlermeister Holger Schwede. Allerdings ist die Nachsaison im Vergleich zu früheren Jahren deutlich kürzer geworden, seit die Urlauber die Nordseeinseln als ganzjährige   Feriendestination für sich entdeckt haben.