Archiv der Kategorie: Ortshandwerk

„Ein Praktikum ist Gold wert“

711-113 Inselschüler schnuppern Betriebsluft in Langeooger, Esenser und Wittmunder Unternehmen Für drei Wochen haben die Acht- und Neuntklässler der Inselschule ihre vertrauten Klassenräume verlassen und die Gelegenheit genutzt, in die Arbeitswelt handwerklicher und kommunaler Betriebe hineinzuschnuppern. Dabei geht es nicht etwa um „richtiges Schuften“. Vielmehr konnten die Jungen und Mädchen den Kollegen über die Schulter schauen, um einen ersten Eindruck von den Arbeitsabläufen und vielseitigen Tätigkeiten des jeweiligen Berufes zu bekommen. Jedoch durften sie durchaus auch selbstständig Aufgaben erledigen. Die Schülerinnen und Schüler waren in klassischen Ausbildungsbetrieben auf Langeoog, in Esens und Wittmund eingesetzt. Das Berufspraktikum ist wichtige Orientierungshilfe bei der Berufswahl. Laut Uwe Fiebig, der als Lehrer für Berufsbildung, Wirtschaft und Deutsch die Schülerpraktikanten betreut, kann das Praktikum sogar zum Türöffner für Berufsstarter werden. „Laut Statistik beginnen über 40 Prozent der Inselschüler ihre Ausbildung dort, wo sie zuvor ihr Praktikum absolvierten. Praktika sind somit Gold wert“, ergänzt Fiebig. Aber auch die Unternehmen selbst können zahlreiche Vorteile aus einer Praktikantenbeschäftigung ziehen. Unter anderem lernen sie frühzeitig geeignete Nachwuchskräfte kennen, denn Auszubildende 711-2werden in jeder Branche gesucht. Im Bereich der Hauptschule sind ab Klasse acht vier Berufspraktika vorgesehen. Realschüler absolvieren ab Klasse neun jeweils zwei Praktika. Im Rahmen einer schulinternen Präsentation stellten die Jugendlichen ihre Betriebe und Tätigkeiten in Wort und Bild vor. Zudem schilderten sie ihre persönlichen Eindrücke. Wertvolle Tipps für die berufliche Laufbahn kamen dabei auch vom Berufsberater Werner Helbig von der Arbeitsagentur in Norden. Folgende Schüler absolvierten ihr Praktikum: Annelie Barenthin entschied sich für das Berufsbild „Goldschmiedin“ in der Hofgoldschmiede am Meer. Lea Dokoupil schnupperte zunächst als „IT-Fachangestellte“ beim „Taktischen Luftgeschwader 71“ und wechselte anschließend in die Apotheke „Am Markt“ in Wittmund. Hauke Gabler interessierte sich für das Berufsbild „Land- und Baumaschinenmechatroniker“ bei der Firma Johann Classen-Landtechnik in Wittmund-Funnix, wäh­rend Finn Janßen und Wiebke Matzies sich als Koch beziehungsweise Köchin im Langeooger „Seekrug“ probierten. Der Beruf „Kauffrau für Tourismus und Freizeit“ bei 711-3der Inselgemeinde sprach Mareikje Matzies an, während es Emilia Schadel in die Bärenapotheke nach Esens zog. Den Beruf der Erzieherin schaute sich Lea Freimuth im Kindergarten „Wichtelnüst“ genauer an. Im Bereich Handwerk bewies Lilli Sowe im Langeooger Blumenhaus Peters ein Händchen im Binden von Sträußen und dem Dekorieren von Gestecken. Vielseitige Einblicke in die Arbeit eines Tischlers bekam Jan Hoffmann in der Langeooger Tischlerei Schwe­- de. Paula Möller lernte das breite Spektrum des Malerberufes in der Nordseemalerei Edith Ehmen kennen. Im BZN Baustoffzentrum und Hagebaumarkt Hedlefs in Esens erfuhr Kai Peters viel über den Kaufmann im Einzelhandel. Maxima Rohr absolvierte ihr Praktikum auf Langeoog in der Inselapotheke am Wasserturm. -reh-

Von Bits und Bytes und virtuellen Realitäten

Beim Frühstück der Handwerkskammer drehte sich alles um die Digitalisierung „Das Handwerk unterliegt einem großen Wandel. Die Digitalisierung bringt Veränderungen mit sich, die wir nicht ignorieren dürfen“, sagte Albert Lienemann, Präsident der Handwerkskammer für Ostfriesland, bei seiner Eröffnungsrede am Tag des Handwerks. Rund 100 Gäste waren zum Frühstück in der hauseigenen Mensa erschienen. Der Präsident appellierte an die Gäste, mit der Zeit zu gehen: „Es muss nicht immer große Veränderungen in Betrieben geben. Manchmal genügen schon kleine Anpassungen.“ Mit zwei Impulsvorträgen und einer Interviewrunde gab die Handwerkskammer den Gästen Strategien für den Umbruch an die Hand. Digitalisierungsexperte Torsten Fell aus Esens referierte zum Thema „Momente für heute, morgen und übermorgen? – Wie kann Digitalisierung helfen, Momente intensiver zu erleben? Er verdeutlichte, dass Digitalisierung auch einen stärkeren Fokus auf Kundenbedürfnisse bedeute. Beispielsweise führten schnellere Arbeitsabläufe dazu, dass der Kunde seine Dienstleistung oder sein Produkt früher erhalte. Ein Zukunftsfeld sah Fell im Bereich der VR-Brillen. Diese ermöglichen es, in virtuelle Welten abzutauchen oder 360-Grad-Videos anzusehen. Damit könnten Bauherren beispielsweise durch ihr zukünftiges Eigenheim wandern oder ihr Badezimmer vorab bewundern. Es gäbe viele Möglichkeiten, den Arbeitsalltag digital zu gestalten. „Es ist aber nicht immer alles sinnvoll, was technisch möglich ist. Jeder Betrieb muss individuell entscheiden, wie er die Digitalisierung am besten umsetzt“, sagte Fell. Wie eine gelungene Umstellung aussehen kann, darüber informierte Benjamin Elsen, Geschäftsführer von Elsco Haustechnik aus Moormerland. Der Betrieb setzt verschiedene Programme ein, die durch Schnittstellen miteinander verbunden sind. Durch die Verknüpfung der Daten ergibt sich eine große Zeitersparnis. So können beispielsweise Rechnungen und Angebote schneller erstellt werden. In der anschließenden Interviewrunde gingen neben Torsten Fell und Benjamin Elsen auch Angela Mandel, Geschäftsführerin des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer, kurz BBZ, und Helge Valentien, Leiter der Betriebsberatung der Handwerkskammer, auf den technischen Wandel ein. Im ersten Schritt wolle die Handwerkskammer mit ihrer Beratungsleistung die Betriebe für das Thema sensibilisieren, so Valentien. Unternehmer könnten sich bei Fragen jederzeit an die Betriebsberatung wenden. Angela Mandel erklärte, dass die Handwerkskammer auch ihr Bildungsangebot einem Wandel unterziehe. So gibt es mittlerweile Kurse mit Online-Klassenräumen. Zudem wird ein virtueller Schweißtrainer im BBZ eingesetzt, an dem Kursteilnehmer ohne Materialverschwendung erste Handgriffe erlernen können.

„Holz ist mein Element“

Salomon Heinert überzeugt mit seinem Gesellenstück,
einem Fernsehschrank aus massiver Esche

525-1In der Tischlerei fühlt sich Salomon Heinert am wohlsten: „Holz ist mein Element, das mir viele Möglichkeiten bietet, es zu bearbeiten“, schwärmt er. In der Langeooger Tischlerei von Holger Schwede hat der 19-Jährige jetzt seine Ausbildung zum Tisch­lergesellen erfolgreich absolviert. Auf den Lehrbetrieb aufmerksam geworden war der gebürtige Leeraner durch die Kreishandwerkerschaft Leer/Wittmund, die ihn 2015 auf die Insel vermittelt hat. „Schon als Kind war ich vom Holz und seiner Maserung fasziniert“, erinnert sich Salomon Heinert, der mittlerweile in Esens lebt und täglich zu seinem Arbeitsplatz pendelt. In seinem Berufsgrundbildungsjahr hatte er schließlich den Tischlerberuf kennen und lieben gelernt. Das Handwerk sei für ihn nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung, meint der frisch gebackene Geselle. Die vergangenen drei Ausbildungsjahre seien für ihn eine „tolle und vielseitige Zeit“ gewesen. „Auf Langeoog machen wir praktisch alles – von Fenstern, Türen, Möbeln bis hin zur Ausstattung von Neubauten und Sanierungen“, zeigt sich Heinert begeistert. Damit habe er die Möglichkeit bekommen, den Beruf von der Pike auf zu lernen. Als sehr angenehm bezeichnet er zudem das gute Betriebsklima in der Schwede GmbH. Besonders viel Aufmerksamkeit widmete der Azubi in jüngster Zeit seinem Gesellenstück, bei dem er viele eigene Ideen verwirklichen konnte. So entstand in zirka 80 Stunden ein moderner Fernsehschrank aus massiver Esche mit zwei Türen und Einlegeböden. Lag zunächst ein vier Meter langes und 25 Zentimeter breites Brett vor ihm, musste dieses in Streifen zugeschnitten und mehrfach aneinandergeleimt werden. Die Holzoberfläche wurde mit farbigem Hartwachsöl behandelt. Die Ecken wurden mit Schwalben-schwanzzinkung ausgearbeitet, die Schrankseiten und Einlegeböden gegratet. „Nichts wurde geklebt oder geschraubt“, erläutert Heinert. Eine handwerkliche Herausforderung an seinem Gesellenstück ist die abschließbare Schublade. Nach seiner Freisprechung am 6. August bleibt der junge Tischler weiterhin auf der Insel. Ich bin übernommen worden und möchte nun Berufserfahrung sammeln. „Mal sehen, wo es mich später einmal hin verschlägt,“ überlegt Salomon Heinert. Er sei froh, eine handwerkliche Ausbildung zu haben, mit der er überall mit eigenen Händen etwas Nützliches schaffen könne. -reh

Startschuss für Meisterprämie

Das niedersächsische Landeskabinett stärkt die handwerkliche Berufsausbildung Seit Herbst 2017 steht fest, dass es eine Meisterprämie in Höhe von 4.000,– Euro für niedersächsische Meisterabsolventen gibt, die seit dem 1. September 2017 ihre Prüfung bestanden haben. Darauf hatten sich der damalige niedersächsische Wirtschafts- und Arbeitsminister Olaf Lies sowie die Vertreter der Handwerkskammern und Unternehmerverbände des Handwerks verständigt. Nun hat die niedersächsische Landesregierung verkündet, dass ab dem 14.5.2018 die Antragsstellung für die bereits angekündigte Meisterprämie möglich ist. „Dieser Schritt des Landes Niedersachsen hat bundesweit Signalwirkung. Junge Menschen, die eine Berufskarriere im Handwerk anstreben, erhalten damit nicht nur eine finanzielle Unterstützung. Ihnen wird damit auch eine besondere Wertschätzung der Landesregierung zuteil“, erklärt Karl-Wilhelm Steinmann, Vorsitzender der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN). Die Meisterprämie wurde im September 2017 beschlossen und fördert mit 4.000,– Euro alle Meisterinnen und Meister, die nach dem 1. September 2017 ihre Meisterprüfung erfolgreich bestanden haben. „Wir brauchen die qualifizierten Nachwuchshandwerker in Zeiten des Fachkräftemangels mehr denn je. Für die ostfriesische Wirtschaft ist es wichtig, dass der Meister durch diesen Beschluss gestärkt wird. Schließlich soll die Versorgung mit fachlich guten handwerklichen Leistungen auch in Zukunft gesichert sein“, sagt der Präsident der Handwerkskammer für Ostfriesland, Albert Lienemann. „Die Politik hat mit der Meisterprämie einen ersten Schritt in Richtung Gleichstellung von beruflicher und akademischer Ausbildung gemacht. Um diese zukünftig zu stärken, ist es aber dringend erforderlich, dass auf der Bundesebene grundsätzliche Änderungen im Rahmen der Aufstiegsfortbildungsförderung in Betracht gezogen sind“, sagte Peter-Ulrich Kromminga, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Ostfriesland. Die Meisteranerkennungsprämie wird allen Meisterinnen und Meistern gezahlt, die ihren Hauptwohnsitz und / oder Arbeitsplatz in Niedersachsen und nach dem 1. September 2017 ihre Prüfung bestanden haben. Die Prämie von 4.000,– Euro muss innerhalb eines Jahres nach der Prüfung beantragt werden. Weitere Infos zur Antragsstellung können bei NBank unter: http://kundenportal.nbank.de/irj/portal abgerufen werden.

Dem Handwerk über die Schulter geschaut

526-1Genusstag in Remmers Backstube war ein voller Erfolg Unter dem Motto „Geschmack ist die Kunst, sich auf Kleinigkeiten zu verstehen“ hat Remmers Backstube Mitte Juli am Schniederdamm die Nacht zum Tag gemacht und erstmals zu einem „Genusstag“ eingeladen. Interessierte hatten einen ganzen Nachmittag lang bis in den frühen Abend hinein Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen des Unternehmens zu werfen. Bäcker arbeiten, wenn es dunkel ist. Und deshalb bekommt kaum einer mit, wie sie Nacht für Nacht in der Backstube stehen, Teig vorbereiten, kneten und daraus unzählige Brote und Brötchen formen. Bäckermeister Jannes Remmers und sein Team haben darum ihre Leidenschaft fürs Backen am Donnerstag, 19. Juli einem großen Publikum öffentlich gemacht, denn die Aktion war ein voller Erfolg. Dabei konnten alle kulinarisch Interessierten den Bäckern bei ihrer Handarbeit über die Schulter schauen. Bereitwillig beantworteten sie die vielen Fragen der Gäste, gaben wertvolle Tipps und erklärten in angenehmer Atmosphäre die einzelnen Arbeitsschritte, die nötig sind, damit die Brötchen morgens auch rechtzeitig zum Frühstück fertig werden. Der Verkaufstresen war für die Zeit der Veranstaltung in die Backstube verlegt worden, so dass die Besucher freien Zutritt zu den Arbeitsflächen und Backöfen hatten. Doch nicht nur sehen und riechen konnten sie die ofenfrischen Brote und Brötchen, sondern auch schmecken. Diese sowie leckere Kuchen, Flammkuchen und vieles mehr konnten natürlich in der Backstube gekauft und verzehrt werden.

Hofgoldschmiede
526-3Doch damit nicht genug. Denn um einige Eindrücke reicher geworden waren die Besucher auch am Stand von Hofgoldschmiedin Martina Runge. Erstmals hatte die Inhaberin der „Hofgoldschmiede am Meer“ ihren Arbeitsplatz draußen direkt vor der Back­stube aufgebaut, um das traditionelle Goldschmiedehandwerk zu präsentieren. 526-2Neben einer feinen Schmuckauswahl aus eigener Herstellung konnten Kinder ihren ganz persönlichen Ring aus Silber kreieren. So durften sie beispielsweise mit Hilfe der Hofgoldschmiedin selbst ihren Namen oder ein Motiv ihrer Wahl in den Ring gravieren. Martina Runge stellte dafür ihr klassisches Goldschmiedewerkzeug zur Verfügung. Die Kombination der beiden uralten Handwerksberufe „unter einem Dach“ kam bei Groß und Klein sehr gut an. -reh-

Auf Langeoog seine Heimat gefunden

Hans-Jörg Numrich beging 50-jähriges Firmenjubiläum

423Etliche Langeooger Lebenslinien beginnen mit „Ich fand die Insel von Anfang an so toll, dass ich bleiben wollte“. Am Ende waren es viele Jahre, die man auf Langeoog verbrachte. Ob es daran liegt, dass das Eiland auch den Zusatz „Insel fürs Leben trägt?“ Neben vielen anderen gehört auch Hans-Jörg Numrich zu den im positiven Wortsinne Gestrandeten. In Berlin-Lichterfelde geboren, erlernte er den Beruf des Fliesen-, Platten- und Mosaik­legermeisters. Als 21-Jähriger zog es „Atze“, wie er von Freunden und Bekannten genannt wird, dann nach Wilhelmshaven, wo man ihm eine Anstellung angeboten hatte. Dort angekommen, konnte sich jedoch niemand an das Versprechen erinnern. „Kurzerhand kam ich bei meinem Bruder unter und hielt mich als Auslieferungsfahrer einer Wäscherei über Wasser“, erinnert sich der heute 76-Jährige. Ein Jahr später klappte es schließlich mit der gewünschten Arbeitsstelle in Norden. Für die neue Firma war Numrich auch auf den Ostfriesischen Inseln tätig und lernte so Langeoog kennen. Im November 1967 erlangte der Handwerker seinen Meistertitel und machte sich im Mai des Folgejahres schließlich auf Langeoog selbstständig. Damals boomte das Handwerk und im Gegensatz zu heute hatte man keine Mühe, Auszubildende und Gesellen zu finden. „In Spitzenzeiten beschäftigte ich 19 Mitarbeiter. Darüber hinaus bildete ich 14 Lehrlinge aus“, blickt Hans-Jörg Numrich zurück. Zum Auftragsvolumen gehörten Privathäuser, Ferienhäuser und -wohnungen, Kurheime, das Kur- und WellnessCenter, die Kläranlage am Hafen und die Spielhäuser. Einige dieser Immobilien sind mittlerweile der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Vor einigen Jahren zog sich Hans-Jörg Numrich aus dem aktiven Geschäft zurück und meldete seinen Betrieb als „ruhend“. Zum Goldjubiläum gratulierte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft LeerWittmund, Detlef Greek, persönlich und überreichte Ehrenurkunden der Kreishandwerkerschaft sowie der Handwerkskammer für Ostfriesland. Zu den weiteren Gratulanten zählten von der Ortshandwerkerschaft Langeoog der stv. Vorsitzende, Tischlermeister Holger Schwede, sowie der zweite Stellvertreter, Bootsbaumeister Helge Bents und Ehrenmitglied Tischlermeister Heinz Schwede. Hans-Jörg Numrich steht der Ortshandwerkerschaft, die 2019 ihr 50-jähriges Bestehen feiert, übrigens seit 35 Jahren ununterbrochen vor. -sf-

Individuelle Schmuckstücke anfertigen

Hofgoldschmiede am Meer bietet etliche Kurse

426-2„Kinder können viel mehr, als wir ihnen oftmals zutrauen“, lächelt Martina Runge. Die Langeoogerin führt an der Barkhausenstraße 34 ihre Hofgold-schmiede am Meer und bietet dort eine Reihe interessanter Goldschmiedekurse an. Einer davon ist ein Kinderkurs, bei dem sich Mädchen und Jungen zwischen 7 und 12 Jahren als Goldschmied ausprobieren können. Die Eltern bringen ihren Nachwuchs vorbei, sind selber aber nicht mit dabei, wenn die Schmuckstücke entstehen. So können sich die Kinder ganz frei ausprobieren, während die Erwachsenen in den nachfolgenden zweieinhalb Stunden Zeit für sich haben. Zunächst verteilt Martina Runge an die jungen Teilnehmer quadratische Silberplatten von einem Millimeter Dicke. Danach werden einfache Motive auf ein Stück Papier gezeichnet und dieses auf das Silber aufgeklebt. Anschließend erfolgt das Aussägen mit einer Metallsäge entlang der aufgemalten Konturen. „Es ist sehr schön zu sehen, wie viel Feinmotorik die Kinder besitzen und wie426-1 geduldig sie sind“, sagt die Goldschmiedin. Im nächsten Schritt werden die Kanten mit Schleif-papier glatt geschmirgelt, bevor Martina Runge die Schmuckstücke mit einem Loch und einem kleinen Ring versieht, durch das die Kinder ein Lederband ziehen. „Das Strahlen der Kinderaugen ist ein so tolles Gefühl, das man kaum beschreiben kann, freut sich die Handwerkerin. Maximal 6 Kinder können pro Kurs, der donnerstags von 15.00 bis 17.30 Uhr stattfindet, in einen der ältesten Handwerksberufe der Welt hineinschnuppern. Daher wird um eine rechtzeitige Anmeldung gebeten. An ältere Teilnehmer richten sich die mittwochs von 14.00 bis 17.00 Uhr stattfindenden Schnupperkurse. Anfänger und Fortgeschrittene können sich dann im Silberringschmieden versuchen. „Mir macht es sehr viel Freude, wenn ich Essenzen meines Berufes vermitteln kann und sehe, wie sich die Teilnehmer freuen“, so Martina Runge, die in ihrer Hofgoldschmiede von Goldschmiedemeisterin Margaretha Arm unterstützt wird. Sehr gerne werden auch die Kurse zum Anfertigen von Trauringen angenommen. Schließlich 426-3gibt es kaum etwas persönlicheres, als einen handgemachten Ehering seines oder seiner Liebs­ten zu tragen. Oftmals streifen sich Hochzeitspaare diese Schmuckstücke während der Trauzeremonie im Lange-ooger Seemannshus, in dem sich auch das Standesamt befindet, gegenseitig über. Die Trauringkurse werden ausschließlich individuell vereinbart, damit sich das Team der Hofgoldschmiede am Meer perfekt um die Teilnehmer kümmern kann. Natürlich werden im Atelier nicht nur Kurse angeboten, man kann auch liebevoll und in Handarbeit angefertigte Schmuckstücke erstehen. -sf-

Ofenfrische Produkte kommen gut an

„Remmers Backstube auf Langeoog KG“ präsentiert sich am 19. Juli mit einem Tag der offenen Tür

425-1Die „Remmers Backstube auf Langeoog KG“ steht nicht nur für hochwertige Produkte, sondern präsentiert sich auch transparent. Zum einen verwendet Jannes Remmers eine Vielzahl an regionalen Produkten und verzichtet zudem auf Fertigmischungen. Zum anderen können Kunden, die den Laden am Schniederdamm betreten, auch in die dort befindliche Produktion blicken. „Wir haben nichts zu verbergen und möchten außerdem zeigen, wie wir tagtäglich unsere Produkte herstellen“, so der Bäckermeister. Dabei kann man nicht nur sehen, wie in der Backstube gleich hinter dem Tresen gearbeitet wird, man nimmt auch den unvergleichlichen Geruch von ofenfrischem Brot und Brötchen sowie einer Vielzahl weiterer Produkte auf. Für deren Produktion fertigen die Langeooger Bäcker425-3 allerhand Teige an, die eine zeitlang reifen müssen, bevor sie weiterverarbeitet werden können. „Das bedingt einen entsprechenden Aufwand, den man später beim fertigen Produkt auch schmeckt“, berichtet Jannes Remmers. Damit sich die Kunden eine Vorstellung davon machen können, wie die Teige entstehen und reifen, steht im Laden am Schniederdamm seit kurzem ein sogenannter Reifeschrank. In diesem „Aroma-Tresor“ befinden sich in Holzformen eine Reihe unterschiedlicher Teige für verschiedene Brotsorten. „Damit können wir selbstverständlich keine Tagesproduktion abdecken. Dieser Schrank zeigt lediglich, wie aufwändig wir unsere Teige herstellen“, erklärt Jannes Remmers und fügt hinzu, dass in der Backstube ein Reifeschrank viel größeren Ausmaßes steht. Einen umfassenden Einblick können sich Interessierte beim „Tag der offenen Tür“ am 425-2Donnerstag, 19. Juli von 14.00 bis 18.00 Uhr verschaffen. Dann zeigen die Fachleute, wie die tägliche Produktion von rund 14 Brötchen- und etlichen Brotsorten vonstatten geht. Außerdem wird demonstriert, wie Kuchen hergestellt werden. Zur Unterhaltung für junge Besucher wird Goldschmiedin Martina Runge übrigens ein Kindergoldschmieden anbieten. Gut angenommen wird auch das Frühstücksangebot ab 6.00 Uhr, welches drei Brötchen und verschiedene Aufschnitte beinhaltet. Getränke sind allerdings nicht enthalten. Apropos Getränk: Aktuell beteiligt sich die Bäckerei Remmers an der Aktion „Coffee to go im Pfandbecher“. Dabei handelt es sich um ein deutschlandweites Pfandsystem namens „Recup“. Auf Langeoog ist neben der Bäckerei Remmers auch die425-4 Bäckerei Seekrug mit von der Partie. Für 1,– Euro Pfand bekommt man den Becher Kaffee oder Latte Macchiato nicht mehr im umweltbelas­tenden Pappbecher, sondern in einem BPA- (Bisphenol A ist ein Weichmacher) freien Plastikbecher. Nach dem Austrinken wandert der Trinkbehälter nicht in den Müll, sondern kann bei einem der vielen Recup-Partnerbetriebe abge-geben werden. Welche das sind, erfährt man via App unter app.recup.de.

„Ich habe viel gelernt“

Felix Peters absolvierte Schulpraktikum bei Helge Bents

„Ich bin handwerklich interessiert und informiere mich über den Tischlerberuf, weil man sich dort kreativ entfalten kann“, ist Felix Peters überzeugt. Der Langeooger weiß schon recht genau, dass er später einmal den Beruf des Möbeltischlers erlernen möchte. Um sich allerdings ein so umfassendes Bild wie möglich zu machen, schaute der Langeooger dem Bootsbaumeister und Fachmann für Trocken- und Innenausbau Helge Bents vom 7. bis 25. Mai im Rahmen eines Schulpraktikums über die Schulter. Für Inselschüler Felix Peters war es bereits das zweite Praktikum. Im vergangenen Jahr absolvierte er eines in einem Tischlerbetrieb auf dem Festland. 335„Das gefiel mir aber nicht so gut, weil ich kaum Einblicke erhielt und nur Werkzeuge oder Materialien anreichen durfte“, erinnert sich der 15-Jährige. Bei Helge Bents sei das völlig anders. Hier muss der Jugendliche mit anpacken. Sei es beim Ausbau defekter Kunststofffenster, deren Verriegelung gangbar gemacht werden musste oder beim Errichten einer Holzabtrennung in Deckelschalung aus sibirischer Lärche im Restaurant „Steuerbord“.
Auch bei verschiedenen Innenausbauten musste Felix Peters mit „ran“. So ließ ihn Tisch­lergeselle Oliver Renger selbst einen Spiegel anbringen. „Über das Handwerkliche hinaus habe ich auch gelernt, dass Teamfähigkeit ganz wichtig ist“, berichtet Felix Peters. An seinem Berufswunsch hält der Jugendliche weiter fest, selbst wenn er für die Ausbildung zum Möbeltischler ans Festland wechseln müsste.

Ein Tischler mit Leib und Seele

Johannes Westerkamp beging seinen 80. Geburtstag – Am 7. Juni 50-jähriges Meisterjubiläum

Gleich zwei runde Ereignisse hält dieses Jahr für Johannes Wes­terkamp bereit. Am 30. April beging der Langeooger in der „Kajüte am Hafen“ seinen 80. Geburtstag. Nur wenige Wochen darauf, am 7. Juni, kann der Tischler auf 50 Jahre Meisterehren zurückblicken.
„Von 1953 bis ´56 ging ich zu Tischlermeister Christoph Bäckmann in die Lehre“, erinnert sich Johannes Westerkamp an seine Anfänge. 323-1Nach der Ausbildung verließ der frischgebackene Geselle zunächst für ein dreiviertel Jahr die Insel gen Bielefeld, kam für kurze Zeit in seinen Ausbildungsbetrieb zurück und kehrte schließlich Langeoog für drei Jahre den Rücken. „Während dieser Zeit arbeitete ich in Bremen und eignete mir dort weiteres Wissen an“, blickt Johannes Westerkamp zurück. Lange hielt es der junge Mann aber nicht in der Fremde aus, so dass er 1962 wieder zu Christoph Bäckmann zurückkehrte. Im Sommer desselben Jahres lernte Johannes Westerkamp seine spätere Ehefrau Maria kennen. Schon im August 1963 läuteten die Hochzeitsglocken. „Aus heutiger Sicht war das vielleicht schnell, aber so war die Zeit damals“, lächelt der Handwerker, der seiner Insel fortan treu blieb.
1966 besuchte Johannes Westerkamp schließlich die Meisterschule der Handwerkskammer Aurich. Fast jeden Samstag fand dort der Unterricht statt und Zuhause wurde neben dem Beruf viel Zeit investiert, um sich das notwendige Wissen zu erarbeiten. Mit Erfolg: am 7. Juni 1968 wurde dem damals 30-Jährigen der ersehnte Meisterbrief ausgehändigt. Am 1. September 1971 machte sich der Tischlermeister zunächst mit einer Werkstatt in den Kellerräumen seines Eigenheims an der Kaapdüne 7 selbstständig. Ein 323-2halbes Jahr wurde dort gewerkelt, dann reichte der Platz nicht mehr aus. Eine Lösung war aber schnell gefunden: An den Bauhöfen verpachtete Bauunternehmer Manfred Schreiber dem Existenzgründer passende Räumlichkeiten. Zwei Jahre später ergab sich die günstige Gelegenheit zu einem nochmaligen Umzug. Am Jacob-Pauls-Weg übernahm der Tischlermeister die Werkstatt von Heinrich „Hinni“ Eilts. Schon bald nach seiner Selbstständigkeit musste Johannes Westerkamp Fachleute einstellen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Meist beschäftigte er zwei oder drei Gesellen, die Privathäuser, Pensionen, Hotels oder Neubauten mit Möbeln aus der eigenen Werkstatt einrichteten. „In 28 Jahren Selbstständigkeit bildete ich 12 Tischlerlehrlinge aus. Darunter befand sich auch der heutige Langeooger Bürgermeister Uwe Garrels“, der mir natürlich auch persönlich zum Geburtstag gratulierte“, freut sich Johannes Westerkamp.
323-3Seit seine Frau vor 10 Jahren verstarb, lebt der Langeooger alleine in seinem Haus. Seine Zeit verbringt Johannes Westerkamp gerne im Garten mit dem Pflanzen und Pflegen seiner Blumen oder er steigt regelmäßig die Holztreppe zum Keller hinunter: Dort unten nämlich hat er noch eine kleine Werkstatt mit Drechselmaschine, auf der Kerzenständer, Teller und anderes mehr aus Edelholz entstehen. Zudem knotet Johannes Westerkamp „Affenfäuste“, um seine Fingerfertigkeit zu erhalten. Für Ablenkung sorgen zudem Freunde, die regelmäßig vorbeischauen sowie Bruder Dieter. Mit dem 87-Jährigen geht’s dann jeden Sonntag zum Essen in die „Kajüte am Hafen“. „Außerdem versorge ich meine grauen Gehirnzellen mit dem Lesen von Tatsachenabenteuern“, erzählt der Jubilar, der den Tischlerberuf immer wieder erlernen würde.