Archiv der Kategorie: Ortshandwerk

50 Jahre Ortshandwerkerschaft

Verband wurde 1969 gegründet – Zahlreiche Aktivitäten

135-1Die jüngste Jahreshauptversammlung der Ortshand-werkerschaft war nicht nur vom Vorstandswechsel geprägt, sondern stand auch ganz im Zeichen des 50-jährigen Bestehens des Verbandes. Hans-Jörg „Atze“ Numrich, der zum letzten Mal in seiner Funktion als Vorsitzender die Mitglieder begrüßte, fasste das vergangene halbe Jahrhundert prägnant zusammen. Demnach wurde die Ortshandwerkerschaft im Frühjahr 1969 in der Kaapstube gegründet. Vorsitzender war Bauunternehmer Hinrich Eilts. Fünf Jahre später wurde Schustermeister Wilhelm Wiß- mann sein Nachfolger, bevor 1979 Malermeister Peter Zwarte den Vorsitz übernahm. Den Verband über 36 Jahre maßgeblich geprägt hat „Atze“ Numrich. Der Langeooger Fliesenlegermeister war vom 6. Mai 1983 bis zum 14. März dieses Jahres ununterbrochen „Chef“ der Ortshandwerkerschaft. Sein Nachfolger ist Tischlermeister Holger Schwede. Anfangs vereinte die Ortshandwerkerschaft 18 eingetragene Betriebe. Zu Spitzenzeiten in den 1990er Jahren waren es sogar 29 Handwerksfirmen. Aktuell sind es nun 20 Unternehmen. Zu den Aktivitäten zählte Numrich die legendären Handwerkerbälle, diverse Handwerkerfahrten zum Festland und „Fahrten in See“, den Stammtisch, der 1983 ins Leben gerufen wurde, und nicht zuletzt die beliebten Skatturniere für Jedermann, die 1986 zum ersten Mal von „Atze“ organisiert wurden. Erster Sieger war damals Robert Scholten. Die geselligen Aktivitäten, aber auch der 1989 eingeführte „Altendank“ für Handwerksmeister und Handwerkerwitwen sowie das Schnüren von Weihnachtspäckchen für Senioren sollten vor allem den Zusammenhalt und die Fürsorge innerhalb der Handwerkerschaft stärken. Übrigens: 2018 wurden insgesamt 19 Päckchen mit weihnachtlichen Leckereien verteilt. Um die Handwerkerschaft auf einen Blick zu präsentieren, hatte sich Numrich seinerzeit dafür eingesetzt, dass im „de Utkieker“ seit 1983 eine Handwerkerliste und regelmäßige 135-2Berichte vom Handwerk veröffentlicht werden. Nicht unerwähnt ließ der Vorsitzende den Handwerkerbaum, der seinen Platz im kleinen Park am Bahnhof hat, und die Initiative auf der Messe „Job 1993“ in Wilhelmshaven, Lehrlinge für das Handwerk anzuwerben. -reh-

Kromminga verabschiedet

822Handwerkskammer für Führungswechsel gut aufgestellt Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Ostfriesland, Peter-Ulrich Kromminga, wurde nach 37-jähriger Tätigkeit von der Vollversam-mlung in den Ruhestand verabschiedet. Als Leiter der Betriebsberatungsstelle begann der Diplom-Ökonom und Diplom-Betriebswirt 1981 seine Tätigkeit. 2004 wurde er zum stellvertretenden Haupt-geschäftsführer und ein Jahr später zum Hauptgeschäftsführer gewählt. „Durch hohe Kompetenz, Gradlinigkeit, Zuverlässigkeit und strategisches Vorgehen hat Kromminga im ostfriesischen Handwerk, aber auch auf Landes- und Bundesebene Akzente gesetzt“, zollte Kammerpräsident ­Albert Lienemann seinem Wirken Respekt. Das Dienstleistungszentrum des Handwerks sei in der Bevölkerung, wie auch in ­Politik, Gremien und Institutionen, sehr gut vernetzt und habe ein hohes Ansehen. Zu einigen von Krommingas Meilensteinen seines 13-jährigen Wirkens als Hauptgeschäftsführer zählen unter anderem die Zertifizierung der Verwaltung und des Berufsbildungszentrums als eine der ersten Handwerkskammern in Deutschland, die energetische Sanierung und Modernisierung der Gebäude in Höhe von zwölf Millionen Euro, die Umstellung von der Kameralistik zur Doppik oder die Einführung des Studiums zum Betriebswirt des Handwerks und dem damit verbundenen Aufbau des gleichnamigen Netzwerkes in Ostfriesland. Der Träger des Handwerkszeichens in Gold betonte, dass seine Erfolge nicht ohne das Zutun seiner Mitarbeiter möglich gewesen wären. Seinem Nachfolger Jörg Frerichs sowie Dirk Bleeker als künftigem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer wünschte Kromminga als ehemaliger Segler „Mast- und Schotbruch und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel“. Mit seinem Ausscheiden übernehmen die „Neuen“ einen einstimmig verabschiedeten Wirtschaftsplan für das Jahr 2019.

Dem Ehrenamt eine Stimme geben

Thorsten Tooren aus Leer übernimmt Geschäftsführung der Kreishandwerkerschaft LeerWittmund
Die Kreishandwerkerschaft (KH) LeerWittmund hat eine neue Führungsspitze: Seit Anfang Oktober leitet Thorsten Tooren die Geschicke des freiwillig organisierten Handwerks in den Landkreisen Leer und Wittmund. Der Diplom-Kaufmann aus Leer mit Wurzeln in Weener vertritt nun 15 Innungen mit 499 Meisterbetrieben. Der verheiratete 47-jährige Vater zweier Töchter (13 und 18 Jahre) tritt damit die Nachfolge von Detlef Greek an, der im Juli dieses Jahres seine Stelle freigab. Erste Kontakte zur Kreishandwerkerschaft hatte Thorsten 815Tooren bereits in seiner langjährigen Tätigkeit als Ausbildungsleiter der Bünting-Unternehmensgruppe, aber auch als Vorstands- und Gründungsmitglied des Fördervereins „Chance: Azubi“. „Ich habe bei Bünting mit einem wirklich tollen Team zusammengearbeitet, möchte mich jetzt aber neuen Herausforderungen widmen“, berichtet er. Beziehungen zum Wirtschaftszweig gebe es einige, habe der gelernte Kaufmann im Großhandel doch in eine Handwerkerfamilie eingeheiratet. Die Kreishandwerkerschaft LeerWittmund beschäftigt in den Geschäftsstellen Leer und Wittmund sowie in der Akademie der Innungen in Leer rund 30 Angestellte. Für die Zukunft hat sich Tooren einiges auf die Fahnen geschrieben: Wichtigste Aufgabe sei es, die Kreishandwerkerschaft als kompetenten Ansprechpartner unter anderem in rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Themen rund um Aus- und Weiterbildung sowie Fachkräfteentwicklung aufzustellen. Dazu gehöre auch, die Meisterbetriebe dabei zu unterstützen, als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen zu werden: „Viele Handwerksbetriebe sind einfach zu bescheiden, wenn es darum geht, die eigenen Leistungen darzustellen“, sagt er. Zum anderen will der neue Geschäftsführer das Ehrenamt weiter unterstützen, „damit Ehrenamt auch Ehrenamt bleiben kann“. Für ihn ist es beeindruckend, wie viel Zeit Mitglieder unentgeltlich darin investieren, über die Innung die Interessen des Handwerks zu vertreten und gesellschaftliche Aufgaben in der Region wahrzunehmen. Gleichzeitig profitieren die Handwerker auch wirtschaftlich vom Austausch untereinander. „Die Vernetzung der Betriebe in den Innungen ist uralt, aber heute zeitgemäßer und wichtiger denn je und kommt auch der beruflichen Bildung zugute“, erklärt Tooren. Beispielsweise werden Abschlussprüfungen in den einzelnen Gewerken durch die Innungen vorgenommen, Aus- und Weiterbildungskurse werden angeboten und mit den Berufsbildenden Schulen in Ostfriesland eng zusammengearbeitet.

Infos aus der Ortshandwerkerschaft

50 Jahre Langeooger Ortshandwerkerschaft
Die Ortshandwerkerschaft Langeoog kann im Jahr 2019 auf ihr 50-jähriges Bestehen zurückblicken. Die Jahreshauptversammlung am Donnerstag, 14. März 2019, ab 18.30 Uhr, im Hotel Strandeck wird daher ganz im Zeichen des besonderen Jubi­läums stehen. Dazu werden Ehrengäste, unter anderem aus Kreishandwerkerschaft, der Handwerkskammer für Ostfriesland und Krankenkassen eingeladen. Ortshandwerksmeister Hans-Jörg Numrich wird die vergangenen 50 Jahre Revue passieren lassen. „Langeoog war damit die erste der Ostfriesischen Inseln, die eine Ortshandwerkerschaft hatte“, erinnert sich Numrich, der seit 36 Jahren deren Vorsitzender ist. Gründungsvorsitzender war 1969 der Langeooger Bauunternehmer Heinrich Eilts. Neben Grußworten sind Neuwahlen ein weiterer Tagesordnungspunkt. „Ich werde für die Position des Vorsitzenden nicht wieder kandidieren“, betont Numrich, der 2017 sein 50-jähriges Meisterjubiläum feiern konnte (der „Utkieker“ berichtete). Er werde jedoch weiterhin mit Rat und Tat der Ortshandwerkerschaft zur Seite stehen. Seine Stellvertreter sind Holger Schwede und Helge Bents.

Weihnachtspäckchen
Traditionell werden die Senioren der Langeooger Ortshandwerkerschaft sowie die Witwen von Ortshandwerksmeistern zu Weihnachten mit kleinen Aufmerksamkeiten bedacht. Auch in diesem Jahr soll der schöne Brauch fortgesetzt werden. Päck­chen mit Stollen, Obst, Nüssen und kleinen Naschereien werden von Hans-Jörg Numrich gepackt und verteilt.

Skatturnier für Jedermann
SkatblattEin genauer Termin steht zwar noch nicht fest, dennoch können sich die Freunde des gepflegten Skatspiels Anfang 2019 wieder auf ein Turnier freuen. Die 16. Auflage wird in bewährter Form von Hans-Jörg Numrich organisiert, der auch Start und Spielorte rechtzeitig bekannt geben wird. An drei Abenden ab Ende Januar werden die jeweiligen Sieger ermittelt. Zum Schluss wird der Gesamtsieger gekürt. Wie in den Vorjahren gibt es wieder Preise zu gewinnen, die von dem zu entrichtenden Startgeld in Höhe von 10,– Euro finanziert werden. Die Spielrunden finden jeweils freitags ab 19.00 Uhr statt. -reh

„Ein Praktikum ist Gold wert“

711-113 Inselschüler schnuppern Betriebsluft in Langeooger, Esenser und Wittmunder Unternehmen Für drei Wochen haben die Acht- und Neuntklässler der Inselschule ihre vertrauten Klassenräume verlassen und die Gelegenheit genutzt, in die Arbeitswelt handwerklicher und kommunaler Betriebe hineinzuschnuppern. Dabei geht es nicht etwa um „richtiges Schuften“. Vielmehr konnten die Jungen und Mädchen den Kollegen über die Schulter schauen, um einen ersten Eindruck von den Arbeitsabläufen und vielseitigen Tätigkeiten des jeweiligen Berufes zu bekommen. Jedoch durften sie durchaus auch selbstständig Aufgaben erledigen. Die Schülerinnen und Schüler waren in klassischen Ausbildungsbetrieben auf Langeoog, in Esens und Wittmund eingesetzt. Das Berufspraktikum ist wichtige Orientierungshilfe bei der Berufswahl. Laut Uwe Fiebig, der als Lehrer für Berufsbildung, Wirtschaft und Deutsch die Schülerpraktikanten betreut, kann das Praktikum sogar zum Türöffner für Berufsstarter werden. „Laut Statistik beginnen über 40 Prozent der Inselschüler ihre Ausbildung dort, wo sie zuvor ihr Praktikum absolvierten. Praktika sind somit Gold wert“, ergänzt Fiebig. Aber auch die Unternehmen selbst können zahlreiche Vorteile aus einer Praktikantenbeschäftigung ziehen. Unter anderem lernen sie frühzeitig geeignete Nachwuchskräfte kennen, denn Auszubildende 711-2werden in jeder Branche gesucht. Im Bereich der Hauptschule sind ab Klasse acht vier Berufspraktika vorgesehen. Realschüler absolvieren ab Klasse neun jeweils zwei Praktika. Im Rahmen einer schulinternen Präsentation stellten die Jugendlichen ihre Betriebe und Tätigkeiten in Wort und Bild vor. Zudem schilderten sie ihre persönlichen Eindrücke. Wertvolle Tipps für die berufliche Laufbahn kamen dabei auch vom Berufsberater Werner Helbig von der Arbeitsagentur in Norden. Folgende Schüler absolvierten ihr Praktikum: Annelie Barenthin entschied sich für das Berufsbild „Goldschmiedin“ in der Hofgoldschmiede am Meer. Lea Dokoupil schnupperte zunächst als „IT-Fachangestellte“ beim „Taktischen Luftgeschwader 71“ und wechselte anschließend in die Apotheke „Am Markt“ in Wittmund. Hauke Gabler interessierte sich für das Berufsbild „Land- und Baumaschinenmechatroniker“ bei der Firma Johann Classen-Landtechnik in Wittmund-Funnix, wäh­rend Finn Janßen und Wiebke Matzies sich als Koch beziehungsweise Köchin im Langeooger „Seekrug“ probierten. Der Beruf „Kauffrau für Tourismus und Freizeit“ bei 711-3der Inselgemeinde sprach Mareikje Matzies an, während es Emilia Schadel in die Bärenapotheke nach Esens zog. Den Beruf der Erzieherin schaute sich Lea Freimuth im Kindergarten „Wichtelnüst“ genauer an. Im Bereich Handwerk bewies Lilli Sowe im Langeooger Blumenhaus Peters ein Händchen im Binden von Sträußen und dem Dekorieren von Gestecken. Vielseitige Einblicke in die Arbeit eines Tischlers bekam Jan Hoffmann in der Langeooger Tischlerei Schwe­- de. Paula Möller lernte das breite Spektrum des Malerberufes in der Nordseemalerei Edith Ehmen kennen. Im BZN Baustoffzentrum und Hagebaumarkt Hedlefs in Esens erfuhr Kai Peters viel über den Kaufmann im Einzelhandel. Maxima Rohr absolvierte ihr Praktikum auf Langeoog in der Inselapotheke am Wasserturm. -reh-

Von Bits und Bytes und virtuellen Realitäten

Beim Frühstück der Handwerkskammer drehte sich alles um die Digitalisierung „Das Handwerk unterliegt einem großen Wandel. Die Digitalisierung bringt Veränderungen mit sich, die wir nicht ignorieren dürfen“, sagte Albert Lienemann, Präsident der Handwerkskammer für Ostfriesland, bei seiner Eröffnungsrede am Tag des Handwerks. Rund 100 Gäste waren zum Frühstück in der hauseigenen Mensa erschienen. Der Präsident appellierte an die Gäste, mit der Zeit zu gehen: „Es muss nicht immer große Veränderungen in Betrieben geben. Manchmal genügen schon kleine Anpassungen.“ Mit zwei Impulsvorträgen und einer Interviewrunde gab die Handwerkskammer den Gästen Strategien für den Umbruch an die Hand. Digitalisierungsexperte Torsten Fell aus Esens referierte zum Thema „Momente für heute, morgen und übermorgen? – Wie kann Digitalisierung helfen, Momente intensiver zu erleben? Er verdeutlichte, dass Digitalisierung auch einen stärkeren Fokus auf Kundenbedürfnisse bedeute. Beispielsweise führten schnellere Arbeitsabläufe dazu, dass der Kunde seine Dienstleistung oder sein Produkt früher erhalte. Ein Zukunftsfeld sah Fell im Bereich der VR-Brillen. Diese ermöglichen es, in virtuelle Welten abzutauchen oder 360-Grad-Videos anzusehen. Damit könnten Bauherren beispielsweise durch ihr zukünftiges Eigenheim wandern oder ihr Badezimmer vorab bewundern. Es gäbe viele Möglichkeiten, den Arbeitsalltag digital zu gestalten. „Es ist aber nicht immer alles sinnvoll, was technisch möglich ist. Jeder Betrieb muss individuell entscheiden, wie er die Digitalisierung am besten umsetzt“, sagte Fell. Wie eine gelungene Umstellung aussehen kann, darüber informierte Benjamin Elsen, Geschäftsführer von Elsco Haustechnik aus Moormerland. Der Betrieb setzt verschiedene Programme ein, die durch Schnittstellen miteinander verbunden sind. Durch die Verknüpfung der Daten ergibt sich eine große Zeitersparnis. So können beispielsweise Rechnungen und Angebote schneller erstellt werden. In der anschließenden Interviewrunde gingen neben Torsten Fell und Benjamin Elsen auch Angela Mandel, Geschäftsführerin des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer, kurz BBZ, und Helge Valentien, Leiter der Betriebsberatung der Handwerkskammer, auf den technischen Wandel ein. Im ersten Schritt wolle die Handwerkskammer mit ihrer Beratungsleistung die Betriebe für das Thema sensibilisieren, so Valentien. Unternehmer könnten sich bei Fragen jederzeit an die Betriebsberatung wenden. Angela Mandel erklärte, dass die Handwerkskammer auch ihr Bildungsangebot einem Wandel unterziehe. So gibt es mittlerweile Kurse mit Online-Klassenräumen. Zudem wird ein virtueller Schweißtrainer im BBZ eingesetzt, an dem Kursteilnehmer ohne Materialverschwendung erste Handgriffe erlernen können.

„Holz ist mein Element“

Salomon Heinert überzeugt mit seinem Gesellenstück,
einem Fernsehschrank aus massiver Esche

525-1In der Tischlerei fühlt sich Salomon Heinert am wohlsten: „Holz ist mein Element, das mir viele Möglichkeiten bietet, es zu bearbeiten“, schwärmt er. In der Langeooger Tischlerei von Holger Schwede hat der 19-Jährige jetzt seine Ausbildung zum Tisch­lergesellen erfolgreich absolviert. Auf den Lehrbetrieb aufmerksam geworden war der gebürtige Leeraner durch die Kreishandwerkerschaft Leer/Wittmund, die ihn 2015 auf die Insel vermittelt hat. „Schon als Kind war ich vom Holz und seiner Maserung fasziniert“, erinnert sich Salomon Heinert, der mittlerweile in Esens lebt und täglich zu seinem Arbeitsplatz pendelt. In seinem Berufsgrundbildungsjahr hatte er schließlich den Tischlerberuf kennen und lieben gelernt. Das Handwerk sei für ihn nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung, meint der frisch gebackene Geselle. Die vergangenen drei Ausbildungsjahre seien für ihn eine „tolle und vielseitige Zeit“ gewesen. „Auf Langeoog machen wir praktisch alles – von Fenstern, Türen, Möbeln bis hin zur Ausstattung von Neubauten und Sanierungen“, zeigt sich Heinert begeistert. Damit habe er die Möglichkeit bekommen, den Beruf von der Pike auf zu lernen. Als sehr angenehm bezeichnet er zudem das gute Betriebsklima in der Schwede GmbH. Besonders viel Aufmerksamkeit widmete der Azubi in jüngster Zeit seinem Gesellenstück, bei dem er viele eigene Ideen verwirklichen konnte. So entstand in zirka 80 Stunden ein moderner Fernsehschrank aus massiver Esche mit zwei Türen und Einlegeböden. Lag zunächst ein vier Meter langes und 25 Zentimeter breites Brett vor ihm, musste dieses in Streifen zugeschnitten und mehrfach aneinandergeleimt werden. Die Holzoberfläche wurde mit farbigem Hartwachsöl behandelt. Die Ecken wurden mit Schwalben-schwanzzinkung ausgearbeitet, die Schrankseiten und Einlegeböden gegratet. „Nichts wurde geklebt oder geschraubt“, erläutert Heinert. Eine handwerkliche Herausforderung an seinem Gesellenstück ist die abschließbare Schublade. Nach seiner Freisprechung am 6. August bleibt der junge Tischler weiterhin auf der Insel. Ich bin übernommen worden und möchte nun Berufserfahrung sammeln. „Mal sehen, wo es mich später einmal hin verschlägt,“ überlegt Salomon Heinert. Er sei froh, eine handwerkliche Ausbildung zu haben, mit der er überall mit eigenen Händen etwas Nützliches schaffen könne. -reh

Startschuss für Meisterprämie

Das niedersächsische Landeskabinett stärkt die handwerkliche Berufsausbildung Seit Herbst 2017 steht fest, dass es eine Meisterprämie in Höhe von 4.000,– Euro für niedersächsische Meisterabsolventen gibt, die seit dem 1. September 2017 ihre Prüfung bestanden haben. Darauf hatten sich der damalige niedersächsische Wirtschafts- und Arbeitsminister Olaf Lies sowie die Vertreter der Handwerkskammern und Unternehmerverbände des Handwerks verständigt. Nun hat die niedersächsische Landesregierung verkündet, dass ab dem 14.5.2018 die Antragsstellung für die bereits angekündigte Meisterprämie möglich ist. „Dieser Schritt des Landes Niedersachsen hat bundesweit Signalwirkung. Junge Menschen, die eine Berufskarriere im Handwerk anstreben, erhalten damit nicht nur eine finanzielle Unterstützung. Ihnen wird damit auch eine besondere Wertschätzung der Landesregierung zuteil“, erklärt Karl-Wilhelm Steinmann, Vorsitzender der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN). Die Meisterprämie wurde im September 2017 beschlossen und fördert mit 4.000,– Euro alle Meisterinnen und Meister, die nach dem 1. September 2017 ihre Meisterprüfung erfolgreich bestanden haben. „Wir brauchen die qualifizierten Nachwuchshandwerker in Zeiten des Fachkräftemangels mehr denn je. Für die ostfriesische Wirtschaft ist es wichtig, dass der Meister durch diesen Beschluss gestärkt wird. Schließlich soll die Versorgung mit fachlich guten handwerklichen Leistungen auch in Zukunft gesichert sein“, sagt der Präsident der Handwerkskammer für Ostfriesland, Albert Lienemann. „Die Politik hat mit der Meisterprämie einen ersten Schritt in Richtung Gleichstellung von beruflicher und akademischer Ausbildung gemacht. Um diese zukünftig zu stärken, ist es aber dringend erforderlich, dass auf der Bundesebene grundsätzliche Änderungen im Rahmen der Aufstiegsfortbildungsförderung in Betracht gezogen sind“, sagte Peter-Ulrich Kromminga, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Ostfriesland. Die Meisteranerkennungsprämie wird allen Meisterinnen und Meistern gezahlt, die ihren Hauptwohnsitz und / oder Arbeitsplatz in Niedersachsen und nach dem 1. September 2017 ihre Prüfung bestanden haben. Die Prämie von 4.000,– Euro muss innerhalb eines Jahres nach der Prüfung beantragt werden. Weitere Infos zur Antragsstellung können bei NBank unter: http://kundenportal.nbank.de/irj/portal abgerufen werden.

Dem Handwerk über die Schulter geschaut

526-1Genusstag in Remmers Backstube war ein voller Erfolg Unter dem Motto „Geschmack ist die Kunst, sich auf Kleinigkeiten zu verstehen“ hat Remmers Backstube Mitte Juli am Schniederdamm die Nacht zum Tag gemacht und erstmals zu einem „Genusstag“ eingeladen. Interessierte hatten einen ganzen Nachmittag lang bis in den frühen Abend hinein Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen des Unternehmens zu werfen. Bäcker arbeiten, wenn es dunkel ist. Und deshalb bekommt kaum einer mit, wie sie Nacht für Nacht in der Backstube stehen, Teig vorbereiten, kneten und daraus unzählige Brote und Brötchen formen. Bäckermeister Jannes Remmers und sein Team haben darum ihre Leidenschaft fürs Backen am Donnerstag, 19. Juli einem großen Publikum öffentlich gemacht, denn die Aktion war ein voller Erfolg. Dabei konnten alle kulinarisch Interessierten den Bäckern bei ihrer Handarbeit über die Schulter schauen. Bereitwillig beantworteten sie die vielen Fragen der Gäste, gaben wertvolle Tipps und erklärten in angenehmer Atmosphäre die einzelnen Arbeitsschritte, die nötig sind, damit die Brötchen morgens auch rechtzeitig zum Frühstück fertig werden. Der Verkaufstresen war für die Zeit der Veranstaltung in die Backstube verlegt worden, so dass die Besucher freien Zutritt zu den Arbeitsflächen und Backöfen hatten. Doch nicht nur sehen und riechen konnten sie die ofenfrischen Brote und Brötchen, sondern auch schmecken. Diese sowie leckere Kuchen, Flammkuchen und vieles mehr konnten natürlich in der Backstube gekauft und verzehrt werden.

Hofgoldschmiede
526-3Doch damit nicht genug. Denn um einige Eindrücke reicher geworden waren die Besucher auch am Stand von Hofgoldschmiedin Martina Runge. Erstmals hatte die Inhaberin der „Hofgoldschmiede am Meer“ ihren Arbeitsplatz draußen direkt vor der Back­stube aufgebaut, um das traditionelle Goldschmiedehandwerk zu präsentieren. 526-2Neben einer feinen Schmuckauswahl aus eigener Herstellung konnten Kinder ihren ganz persönlichen Ring aus Silber kreieren. So durften sie beispielsweise mit Hilfe der Hofgoldschmiedin selbst ihren Namen oder ein Motiv ihrer Wahl in den Ring gravieren. Martina Runge stellte dafür ihr klassisches Goldschmiedewerkzeug zur Verfügung. Die Kombination der beiden uralten Handwerksberufe „unter einem Dach“ kam bei Groß und Klein sehr gut an. -reh-

Auf Langeoog seine Heimat gefunden

Hans-Jörg Numrich beging 50-jähriges Firmenjubiläum

423Etliche Langeooger Lebenslinien beginnen mit „Ich fand die Insel von Anfang an so toll, dass ich bleiben wollte“. Am Ende waren es viele Jahre, die man auf Langeoog verbrachte. Ob es daran liegt, dass das Eiland auch den Zusatz „Insel fürs Leben trägt?“ Neben vielen anderen gehört auch Hans-Jörg Numrich zu den im positiven Wortsinne Gestrandeten. In Berlin-Lichterfelde geboren, erlernte er den Beruf des Fliesen-, Platten- und Mosaik­legermeisters. Als 21-Jähriger zog es „Atze“, wie er von Freunden und Bekannten genannt wird, dann nach Wilhelmshaven, wo man ihm eine Anstellung angeboten hatte. Dort angekommen, konnte sich jedoch niemand an das Versprechen erinnern. „Kurzerhand kam ich bei meinem Bruder unter und hielt mich als Auslieferungsfahrer einer Wäscherei über Wasser“, erinnert sich der heute 76-Jährige. Ein Jahr später klappte es schließlich mit der gewünschten Arbeitsstelle in Norden. Für die neue Firma war Numrich auch auf den Ostfriesischen Inseln tätig und lernte so Langeoog kennen. Im November 1967 erlangte der Handwerker seinen Meistertitel und machte sich im Mai des Folgejahres schließlich auf Langeoog selbstständig. Damals boomte das Handwerk und im Gegensatz zu heute hatte man keine Mühe, Auszubildende und Gesellen zu finden. „In Spitzenzeiten beschäftigte ich 19 Mitarbeiter. Darüber hinaus bildete ich 14 Lehrlinge aus“, blickt Hans-Jörg Numrich zurück. Zum Auftragsvolumen gehörten Privathäuser, Ferienhäuser und -wohnungen, Kurheime, das Kur- und WellnessCenter, die Kläranlage am Hafen und die Spielhäuser. Einige dieser Immobilien sind mittlerweile der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Vor einigen Jahren zog sich Hans-Jörg Numrich aus dem aktiven Geschäft zurück und meldete seinen Betrieb als „ruhend“. Zum Goldjubiläum gratulierte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft LeerWittmund, Detlef Greek, persönlich und überreichte Ehrenurkunden der Kreishandwerkerschaft sowie der Handwerkskammer für Ostfriesland. Zu den weiteren Gratulanten zählten von der Ortshandwerkerschaft Langeoog der stv. Vorsitzende, Tischlermeister Holger Schwede, sowie der zweite Stellvertreter, Bootsbaumeister Helge Bents und Ehrenmitglied Tischlermeister Heinz Schwede. Hans-Jörg Numrich steht der Ortshandwerkerschaft, die 2019 ihr 50-jähriges Bestehen feiert, übrigens seit 35 Jahren ununterbrochen vor. -sf-