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Stapellauf“ an Bord

Rückblick der DGzRS: Letzter Besuch am Geburtsort ­– Anna Börgmann auf der „Hannes Glogner“

Als Seenotkreuzer der 23,3-Meter-Klasse war die „Hannes Glog­ner“ mit ihrem Tochterboot „Flinthörn“ von April 1991 bis Januar 2002 auf Langeoog im Einsatz. Anschließend diente sie als Reservekreuzer. Im Juli 2018 wurde sie ausgemustert und nach Südamerika verkauft. Zuvor gab es aber für eine frühere Langeoogerin ein Wiedersehen mit ihrem „schwimmenden Kreißsaal“. Die DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger) blickt in ihrem Jahrbuch 2019 zurück:
Maschinist Kai Hettmann schraubt das Foto des kleinen blonden Mädchens von der Wand und steckt den Teddy „Hannes“ ein. Noch einmal blickt er zurück, dann geht er von Bord – für immer. Die „Hannes Glogner“ hat nach 27 Jahren ihren Dienst bei der DGzRS beendet. Verkauft an die Marine Uruguays, ist mit ihr ein besonderes Stück Seenotretter-Historie nach Südamerika ausgewandert. Der Seenotrettungskreuzer rettete nicht nur ungezählte Leben – an Bord begann sogar ein Leben: Anna Börgmann, das Mädchen auf dem Foto in Kai Hettmanns Händen, hatte dort vor gut 25 Jahren ihren „Stapellauf“
Sie fahren bei stärkstem Orkan hinaus, um Menschen aus Seenot zu retten. Sie gefährden oft das eigene Leben, um anderen zu helfen – die Seenotretter. Und dann gibt es Tage in ihrem ­Leben, die im Logbuch einen ganz besonderen Platz einnehmen, die unvergessen bleiben.
Hafen Langeoog, 24. Juli 1993, kurz nach 19 Uhr. Während Seenotretter und Landrettungsdienst überlegen, ob die Hochschwangere am Anleger nicht doch besser mit einem Hubschrauber direkt in ein Krankenhaus am Festland geflogen wird, marschiert die 28-jährige Gabriele Börgmann entschlossen an Bord. Die Insulanerin ist bereits Mutter und spürt: Das Kind will geboren werden, jeden Moment. So erzählt es heute ihre Tochter Anna, die damals zur Welt kam.
Hausarzt und Rettungssanitäter, die die werdende Mutter im Rettungswagen zum Anleger gebracht haben, reisen mit zum Festlandhafen Bensersiel. Routine, die Seenot­retter machen das nicht zum ersten Mal. Doch in diesem Fall wird Maschinist Kai Hettmann, damals 33, ungefähr auf der Hälfte der Strecke unversehens zum Geburtshelfer. „Ich kam gerade aus der Maschine“, erinnert er sich, „plötzlich ging alles ratzfatz. Ich habe Anna rausgezogen.“

„Ne Deern!“

Ein Jahr zuvor ist er selbst zum ersten Mal Vater geworden. „Bei der Geburt meines Sohnes war ich nur ,dabei‘ und hatte es geschafft, nicht umzukippen“, erinnert er sich und schmunzelt. „Bei Anna war ich die Hebamme.“ Ein kräftiger Schrei übertönt das Brummen der 2.000 PS. „Wat is?“, ruft der Vormann. Kai Hettmann durchtrennt die Nabelschnur: „Ne Deern!“ Mutter und Tochter kommen ins Kreiskrankenhaus Wittmund. Vater und großer Bruder reisen später nach.
Im Logbuch der „Hannes Glogner“ ist verzeichnet: „Geburt eines gesunden Mädchens um 19.20 Uhr in Höhe der Fahrwassertonne A 16, Position 53 Grad 42,5 Minuten Nord/7 Grad 31,5 Minuten Ost, ca. 3 Seemeilen vor Bensersiel“.

Emotionaler Abschied
25 Jahre später verabschiedet sich Anna von „ihrem“ Seenotrettungskreuzer. Ein letztes Mal treffen sich im Juli 2018 die junge Frau und ihr Geburtshelfer an Bord der „Hannes Glogner“ – natürlich auf Langeoog. Es sind sehr emotionale Momente. „Mir ist es ganz und gar nicht egal, dass es die „Hannes Glogner“ bei der DGzRS jetzt nicht mehr gibt“, sagt Anna wehmütig.

Ihr ungewöhnlicher Geburtsort ist für Anna seit jeher ein nahezu einmaliger Bezug zu den Seenotrettern. Ihre Mutter besucht mit ihr im Kinderwagen regelmäßig das Schiff im Hafen von Langeoog. Kai Hettmann wird Annas Patenonkel. Als die Mutter zwei Jahre nach Annas Geburt mit den Kindern ans Festland zieht, bleibt der Kontakt bestehen. Besucht Anna ihren Vater auf Langeoog, schaut sie oft auch bei den Seenotrettern vorbei.
2001 verlässt die „Hannes Glogner“ die Insel. Von nun an reist sie als Rettungseinheit ohne feste Station an die Orte, an denen sie gebraucht wird – etwa, um andere Schiffe während einer Werftzeit zu vertreten. Anna und ihr Patenonkel verlieren sich dennoch nicht aus den Augen. Kai Hettmann bleibt seinem Schiff treu. Bis heute telefonieren und schreiben sich die beiden regelmäßig. „Ich bin für Anna da, wenn sie mal ’ne starke Schulter braucht“, sagt der inzwischen weißhaarige Seebär und Vater dreier erwachsener Kinder.

Eine ganz besondere Verbindung

Anna ist stolz auf ihre Verbindung zu den Rettern. Sie durfte auch schon mal in den roten Seenotretter-Overall mit SAR-Schriftzug steigen. „Darin fühle ich mich ziemlich cool“, sagt sie und lacht. Tatsächlich spielte sie mit dem Gedanken, selbst Seenotretterin zu werden. Doch zurzeit lebt sie lieber mit ihrem Partner auf dem Festland in Ochtersum und arbeitet in der Gas­tronomie.
Die „Hannes Glogner“ macht sich im Herbst 2018 gemeinsam mit der gut vier Meter längeren „Hermann Helms“ auf den Weg nach Uruguay. Weit weg ist sie nun in einem neuen Revier im Einsatz. Immerhin: Es gibt sie noch. Kai Hettmann ist dennoch wehmütig. „Vielleicht besuche ich sie einmal in Südamerika.“
Das Maskottchen des Seenotrettungskreuzers, den Teddy „Hannes“, hat Anna bekommen. Und auch das Foto aus ihren Kindertagen, das rund 20 Jahre lang in der Messe der „Hannes Glog­ner“ an die Wand geschraubt war und Besuchern verkündete: „Sie hatte hier Stapellauf.“ -DGzRS-

Ein Gewinn für die Notfallversorgung

Neue Rettungswache Langeoog offiziell eingeweiht
Seit Januar ist die neue Rettungswache auf Langeoog in Betrieb. Nun wurde sie offiziell eingeweiht. In enger Abstimmung mit dem Landkreis Wittmund und der Inselgemeinde hat die Tochtergesellschaft MKT des DRK Rettungsdienst Mittelhessen (RDMH) das Projekt umgesetzt. Spatenstich war am 18. Oktober 2017. Am 17. Mai konnten sich die Gäste im Rahmen einer Feierstunde vor Ort von den Vorzügen des neuen Domizils überzeugen.
Der Neubau war notwendig geworden, da die bisherigen Räumlichkeiten nicht mehr den Erfordernissen eines modernen Rettungsdienstes entsprachen. Mit der Vollendung der Wache sei damit ein Provisorium beendet worden, sprach Bürgermeister Uwe Garrels von einem guten Tag für Langeoog. „Von nun an stehen alle Fahrzeuge unter Dach und Fach, alle Rettungskräfte sind in hervorragend ausgestatteten Aufenthaltsräumen untergebracht.“ Das Gelände am Süderdünenring sei verkehrstechnisch perfekt und ein Superstand-ort, auch wenn der Kaufpreis von 90 Euro pro Quadratmeter für Landkreis und Gemeinde eine große Belastung dargestellt habe. Der RDMH habe ein Kleinod geschaffen, das für den schwierigen und höchst verantwortungsvollen Dienst an Insulanern und Gäs- ten beste Voraussetzungen biete. Garrels lobte zudem die hervorragende Zusammenarbeit mit dem RDMH sowie die enge persönliche Bindung zwischen Einsatzdienst-Mitarbeitern, Feuerwehr, Ärzten und weiteren Einsatzbeteiligten. RDMH-Geschäftsführer Markus Müller sprach von einem großen Gewinn für die Notfallversorgung auf Langeoog und die diensthabenden Mitarbeiter. Die funktionale und wertige Ausstattung der Wache und der Unterkünfte solle dazu beitragen, dass man hier nicht nur gut, sondern auch gerne arbeitet. Mit den Worten: „Gut Ding will Weile haben“, zeigte sich auch Wittmunds Landrat Holger Heymann sehr froh über den fertigen Neubau. Es sei eine gute und zukunftsweisende Entscheidung Anfang der 1990er-Jahre gewesen, den MKT mit dem Rettungsdienst auf Langeoog zu beauftragen. „Die mehr als 25-jährige Kooperation, inzwischen auch auf Spiekeroog, ist geprägt von einer stets vertrauensvollen und verlässlichen Zusammenarbeit“, betonte Heymann. Markus Müller sei der Garant für diese Erfolgsgeschichte. Matthias Acker von der mittelhessischen Unternehmensgruppe Christmann & Pfeifer, die in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Artec um Architekt Gerd Kaut schon etliche Wachen für den MKT gebaut hat, ließ den Respekt vor dem Inselprojekt nicht unerwähnt. „Die Insulaner haben es uns jedoch leicht gemacht“, resümierte Acker. Alles sei gut gelaufen und man habe viel an Erfahrung gewonnen, die nun im kommenden Jahr in einem ähnlichen Projekt auf Spiekeroog eingesetzt werden könne, schmunzelte er in Richtung Spiekeroogs Bürgermeister Matthias Piszczan, der ebenfalls zur Einweihung gekommen war. Das Bauprojekt wurde in Arbeitsteilung mit dem örtlichen Bauunternehmen Schreiber realisiert. Auch Handwerksfirmen von Langeoog und aus dem Landkreis Wittmund waren beteiligt. Ein Name war jedoch ganz eng mit dem Bau auf Langeoog verbunden: Michael Agena. Dem örtlichen Bereichsleiter gebührte von allen Seiten Lob, Anerkennung und Dank für sein Geschick, seinen Einsatz und seine Eigenleistung. Müller: „Michael Agena handelte stets so, als wäre es sein eigenes Projekt.“ Ein weiterer Dank ging an die beiden Marburger, Haustechniker Jürgen Ritter und Gebäudemanager Klaus Zarges. Nach der obligatorischen Schlüsselübergabe wurde Michael Agena mit einem Schild mit der Aufschrift „Ülk sin Pad“ überrascht, das die Außenwand der Wache ziert. „Ülk“ ist Agenas Spitzname. Der Betriebsleiter konnte zudem für die Wache Einzugsgeschenke von den Kameraden der freiwilligen Feuerwehr um Gemeindebrandmeister Olaf Sommer als künftige Nachbarn und von den Seenotrettern um Vormann Sven Klette entgegennehmen. -reh-

Meeresbrise zwischen plüschigen Ohren

Sieben Alpakas von Mai bis Oktober auf Langeoog

Eine kleine Herde Alpakahengste aus dem Münsterland hat am 16. Mai ihr „Urlaubsdomizil“ auf Langeoog bezogen. Ein Pferdeanhänger brachte die Tiere im Alter von zwei bis fünf Jahren von der Wiese der Züchterfamilie Beatrix und Frank Näsemann in Lüdinghausen direkt auf die Weide am Schniederdamm. Übers Wasser schipperte sie der Frachter „Pionier“. Musste Frank Näsemann am selben Tag wieder nach Hause, da auf dem heimischen Gut Aldenhövel bei den Alpakas jetzt Geburtensaison ist, genießen die sieben Alpakas nach einer entspannten Reise längst die frische Meeresbrise.  Einige Tage vor der Fahrt wurden die Tiere geschoren. Um sie für die erste Zeit besser unterscheiden zu können, tragen die Alpakas, die alle einen Namen haben, farbige Bändchen. So hat beispielsweise „Domino“ ein beiges Bändchen und „Capitol“ ein grünes. Alpakahengst „Jesus“ erkennt man an seinem schwarzen Halsband. Der Name weist auf sein Geburtsdatum am 24. Dezember hin. Auf Langeoog kümmert sich Claudia Frech liebevoll um die Tiere. Sie leitet den dazugehörigen „Abolengo de Alpaca-Laden“, der sich ganz in der Nähe der Weide am Schniederdamm befindet. Einmal täglich vormittags füttert die Langeoogerin ihre kleine Herde mit einer nährstoffreichen Trockenfuttermischung und füllt die Frischwasserwanne wieder auf. Mit den Alpakas hat sie sich in der kurzen Zeit schon sehr vertraut gemacht und kennt alle Tiere beim Namen – und das längst ohne Bändchen.  Kommt Claudia Frech mit ihren Schüsseln auf die Weide, folgen ihr die Hengste auf Schritt und Tritt. „Ich habe Respekt vor großen Tieren“, sagt sie. Doch die Alpakas machen es ihr leicht. „Sie sind lieb, sanft und machen glücklich“, schwärmt sie. Da es scheue Tiere sind, lassen sie sich jedoch nicht so einfach streicheln. Das Füttern der Tiere ist übrigens nicht erlaubt und auch nicht nötig, denn den ganzen Tag über steht ihnen saftiges Wiesengras zur Verfügung. Die Alpakahengste bleiben bis Oktober auf Langeoog. Der Grund: „Wir testen, wie sich ihr Vlies unter den Bedingungen des Seeklimas entwickelt“, erläutert Frank Näsemann. „Feinheit und Struktur des Haares hängen auch von klimatischen Gegebenheiten ab.“ Dies hier sei nach 2018 der zweite Testsommer. „Wir haben schon gute Vlieswerte erzielt und hoffen, diese zu verbessern.“ Vor und nach dem Inselaufenthalt werden Haarproben genommen und verglichen. Die Testphase auf Langeoog läuft voraussichtlich über drei Jahre. „Wir brauchen einen tragbaren Durchschnittswert und kein Zufallsergebnis.“ Sollte die Testphase positiv verlaufen, könnte auf Langeoog vielleicht eine Alpaka-Zucht ihren Anfang nehmen. Seit 2004 züchtet Familie Näsemann Huacaya-Alpakas. Deren Haar hat eine feine, gekräuselte Faser, die dem Tier
sein fluffiges Aussehen verleiht. Jede Zucht hat ihre Ziele: „Wir züchten vor allem auf Feinheit, in zweiter Linie aber auch auf Menge.“ Für Wolle und Vlies gilt: je feiner, desto hochwertiger. Derzeit umfasst die Herde 80 bis 90 Tiere in der Wollzucht. „Wir verarbeiten die Alpakawolle zu Bettdecken, die wir im Familienunternehmen DORMA VITA selbst herstellen“, so Frank Näsemann. Das Alpaka gehört übrigens zur Familie der Kamele – wie auch das Lama. -köp/reh-

Alpaka-Event-Langeoog:

Züchterfamilie Näsemann bietet in diesem Jahr ein ganz besonderes Alpaka-Event an mit interessanten Informationen über die Tiere, deren Haltung, Herkunft, die Zucht und vieles mehr. Termine sind am Sonntag, 2. Juni, Samstag, 8. Juni, und Montag, 10. Juni, jeweils im 10.00 Uhr und 15.30 Uhr. Der Treffpunkt ist am Gatter der Alpakas. Dauer zirka eineinhalb Stunden. Vorgesehen sind gemeinsame Spaziergänge mit den Alpakas auf der Wiese sowie ein kleiner Agilitykurs. Im Kostenbeitrag von 39,– Euro pro Person enthalten ist jeweils ein Paar feinste Abolengo-Alpakasocken (Wert: 24,50 Euro).Angesprochen sind Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren. Eine vorherige Anmeldung ist per Email unbedingt erforderlich: info@abolengo-alpaka.de.   -ut-

Wohngenossenschaft „Uns Oog“ am Start

Baustellenschild am 30. März 2019 aufgestellt: „Ein zukunftsträchtiger Schritt nach vorn“

240-1Sehr konkret wird bezahlbarer Mietwohnraum auf Langeoog: 31 Wohneinheiten sollen, im Rahmen genossenschaftlichen Wohnens, auf dem früheren Internatsgelände an der Kirchstraße entstehen. Die Planung läuft, mit dem Bau soll 2019 begonnen werden. Im Vorfeld hatte der Gemeinderat die TING-Projekte GmbH & Co.KG aus Schleswig-Holstein beauftragt, die Möglichkeiten für genossenschaftliches Wohnen, auch mit Wohnberechtigungsschein, auszuloten und eine Planung für das Areal vorzulegen. Danach gründete sich im März 2018 die „Wohngenossenschaft Uns Oog eG“ (der „Utkieker“ berichtete). Die Mehrzahl der Wohnungen ist bereits vergeben. Zwar steht der erste 240-2Spatenstich zum Genossenschaftsprojekt noch aus, doch wurde am 30. März schon das Bauschild aufgestellt. Dies geschah im Rahmen einer kleinen Feier, organisiert von der selbstorganisierten Veranstal-tungsgruppe der Genossenschaftsmit-glieder. Das lockere Miteinander lässt auf eine gute Gemeinschaft der künftigen Mietparteien schließen. Dies hob auch Dr. Jasna Baumgarten, Projektleiterin der begleitenden TING GmbH, in ihrer Ansprache hervor. Bei der Ausschreibung sei es wichtig, einen inselerfahrenen Generalunternehmer zu finden, der für eine sichere Abwicklung des Projektes sorge. Das 240Bauschild sei mehr als symbolträchtig: „Ich sehe den einen oder anderen hier schon wohnen.“ „Es gibt noch Zulauf, auch von Langeoogern“, nahm Bürgermeister Uwe Garrels in seinem Grußwort den Faden auf. Zehn Jahre nach Brand und Abriss des alten Internatsgebäudes entstehe hier demnächst neuer Wohnraum, der noch erweiterungsfähig sei. „Wir schaffen eine Infrastruktur für Menschen, die gern auf der Insel leben und arbeiten wollen.“ Für die Vorbereitung und Aufstellung des Bauschildes dankte der Bürgermeister dem Ratsherrn Jan Martin Janssen. Der hatte vor drei Jahren auf Amrum das dortige TING-Projekt kennengelernt und die Initiative für Langeoog angestoßen. Nun freute er sich „für Langeoog und alle, die demnächst hier wohnen werden. Dies ist ein zukunftsträchtiger Schritt nach vorn.“ -ut/köp-

Aktion „Futtern für den guten Zweck“

SB-Restaurant „Treffpunkt“ an der Barkhausenstraße sammelt bis Pfingsten für Langeooger Einrichtungen

211-1„Futtern für den guten Zweck“ lautet derzeit das Motto im „Treffpunkt“. Von „O bis P“, von Ostern bis Pfingsten, läuft die Benefiz-Aktion in dem SB-Restaurant an der Barkhausenstraße, und zwar nun schon das neunte Jahr in Folge. Seit 2011 bietet das „Treffpunkt“-Team im Frühjahr eine zusätzliche „Benefiz-Speisetafel“, um mit eigens ersonnenen Snacks für Langeooger Einrichtungen zu sammeln. „Die Einnahmen werden zu 100 Prozent gespendet“, erklärt Inhaber Damir Jelic. Diesmal werden die Kita Wichtelnüst, das Jugendhaus am Meer und die Jugendfeuerwehr bedacht. Außerdem ist ein Beitrag zur Ferienpass-Aktion der Inselgemeinde vorgesehen. Das Spenden wird den Gästen kulinarisch leicht gemacht – mit einem abwechslungsreichen Angebot hausgemachter kleiner Köstlichkeiten, die je 3,– Euro kosten. Der „Treffpunkt“ stiftet ­Zutaten und Zubereitung, die Kunden zahlen und lassen es sich schmecken. Als Klassiker lockt die Fischfrikadelle, auf dem Plan stehen im Wechsel aber auch 211-2Cremesüppchen, Eintöpfe und andere Angebote. Man darf sich überraschen lassen. Über die „wohltätigen Snacks“ hinaus lockt der tagsüber durchgehend geöffnete „Treffpunkt“ mit einem frischen Angebot vom Fischbrötchen bis zum kompletten Menü. Alle Gerichte gibt es auch zum Mitnehmen. Das gilt gleichfalls für die Benefiz-Aktion. Übrigens kamen seit deren Bestehen mehr als 21.000 Euro zusammen: „Futtern für den guten Zweck“ lohnt sich also. -köp-

„Eigentlich eine Ode an Langeoog“

Neues Album „Nachtstücke“ von Hajo Sanders –

239-2„Utkieker“-Gespräch mit dem Musiker und Komponisten Die Langeooger Musikszene ist vielfältig. Sie reicht von Volksliedern über Shantys und Folk bis Kirchenmusik – und sie reicht weit über Langeoog hinaus. Bis Amsterdam, um genau zu sein. Denn dort lebt Hajo Sanders. Der Buten-Langeooger Jahrgang 1969 arbeitet in den Niederlanden als freiberuflicher Musiker. Er ist gefragt, hat gut zu tun. So kam es, dass sein neues Album „Nachtstücke“, das Anfang Februar erschien, bis zu seiner Vollendung eine Woche – und sieben Jahre brauchte. „Nachtstücke“ ist ein ruhiges, zum Zuhören zwingendes Album, mit einem nachdenklichen bis vorwitzigen Solo-Piano, sphärischem Synthesizer und flüsternder Percussion. Hajo Sanders spielt alle Instrumente, hat mit eigenen Fotos auch das CD-Booklet selbst gestaltet. Die Langeooger Schneelandschaft auf dem Cover gibt die Stilrichtung der elf Stücke vor. Die tragen Titel wie „Eiszeit“, „Irrlicht“, „Unterwegs“ und „Niemandsland“. Langsame Bass-Akkorde, überbrückt von gleitend-perlenden Figuren, erzeugen Harmoniefolgen wie schwebende Klangteppiche, die Assoziationen wecken und Bilder voll freundlicher Melancholie beschwören. Gegliedert wird das Album durch zwei Singstücke, die Annette de Rozarios lyrischer Sopran ausfüllt. Eines ist Rainer Maria Rilkes „Lied vom Meer“, von Hajo Sanders vertont. Das andere ein weltberühmter Klassiker, den man aber so noch nie gehört hat: „Lili Marleen“. Hier scheint es weniger ein Lied zu sein als vielmehr die Erinnerung an ein solches. Schließt man beim Hören die Augen, sieht man ein verfallenes Hotel vor sich, in 239-1dessen verstaubter Bar ein Klimperpiano aus der Stummfilmzeit geisterhaft erklingt. Dazu singt eine bezaubernd verhallte Stimme das Lied, immer langsamer werdend, als Echo einer entschwundenen Zeit. „Nachtstücke“ ist als CD über Hajo Sandersʼ Facebook-Seite erhältlich sowie online bei Spotify abrufbar. Nähere Infos zu Künstler und Werk auf www.hajosanders.com im Internet. -köp- Wie er zur Musik kam, was sie und Langeoog für ihn bedeuten, warum sein Album „Nachtstücke“ heißt – das und mehr erzählt Hajo Sanders im folgenden Gespräch mit dem Utkieker. Du bist in Amsterdam geboren, auf Langeoog aufgewachsen und lebst jetzt wieder in Amsterdam. Was bedeutet die Insel für Dich? Die emotionale Bindung ist stark. Es hat mich mindestens 20 Jahre gekostet, mich daran zu gewöhnen, nicht mehr auf Langeoog zu leben. Ich komme gern hierher, um meine Eltern und Freunde zu sehen. Und wenn ich zurückfahre, habe ich auf dem Weg zum Bahnhof immer noch Blei in den Schuhen … Wie bist Du zur Musik gekommen? Dein Vater ist Mitbegründer des Shantychors – hat er Dich geprägt? Zur Musik bin ich nicht durch Els gekommen, sondern durch meine Oma. Die hatte eine Plattensammlung mit alten Jazz- und Klassikplatten. Mit zwölf Jahren habe ich die entdeckt und war danach nicht mehr zu halten. Pianist wollte ich werden, so lange ich denken kann. Was durchaus bemerkenswert ist, da sich in meiner Umgebung überhaupt keine Klaviere befanden – bis auf den Flügel meiner Urgroßmutter. Der wurde allerdings verkauft, als ich drei Jahre alt war. Eine meiner ersten Kindheitserinnerungen ist, dass ich als Dreijähriger nicht an diesem Flügel sitzen durfte … Wie ging es bei Dir musikalisch weiter? Ich habe in Amsterdam, Utrecht (bei Håkon Austbö) und an der Folkwang Schule in Essen (bei Catherine Vickers) klassisches Klavier studiert. Danach habe ich in Hilversum bei Karel Boelhee und Rob Madna noch zwei Jahre Jazz studiert. Seit dem Studium bin ich inzwischen über 20 Jahre als freischaffender Musiker in den Niederlanden tätig. In dieser Zeit habe ich mit zahllosen nationalen und internationalen Künstlern zusammengearbeitet, wie zum Beispiel Three Degrees, The Weather Girls, Tavares, Tony Hadley von Spandau Ballet oder Gloria Gaynor. Die letzten fünf Jahre bin ich viel mit der holländischen Singer/Songwriterin Leonie Meijer getourt. Und 2018 war ich zum ersten Mal auf Tournee mit einem Jazz-Musical. Seit Anfang dieses Jahres konzentriere ich mich hauptsächlich auf die Promotion meines Albums. Zwischendurch gibt es hier und da noch Auftritte. Ich habe auch noch ein Projekt laufen mit der holländischen Band „Mama DC“, mit der wir voraussichtlich dieses Jahr noch ein Album herausbringen werden. Klingt vielseitig. Du bist ein Allrounder? Naja, es gibt wenige Situationen, die ich als Musiker nicht mitgemacht habe. Vom klassischen Liederabend in einer Kirche über Polonaise im Bierzelt bis zu freier Improvisation in einer Kunstgalerie und Jazz in der Kneipe war eigentlich alles dabei. Neben den Konzerten und Auftritten gebe ich auch Klavierunterricht. Und in meinem kleinen Studio produziere ich neben eigener Musik auch gelegentlich für andere Künstler. Was waren Deine beruflich-musikalischen Höhepunkte? Da gab’s einige … Sicherlich meine Arbeit mit dem holländischen Volkssänger André Hazes. Inzwischen leider 15 Jahre verstorben, war er schon zu Lebzeiten eine Legende. Wir haben eigentlich nur in Stadien gespielt. Und seine Begräbniszeremonie in der Amsterdam Arena, bei der wir live vor 50.000 Menschen im Stadion und nochmal fünf Millionen vorm Fernseher gespielt haben, war ein unglaublich beeindruckendes Erlebnis. Auch meine Auftritte in Oman, Dubai und mehrmals in Tansania waren Höhepunkte sowie ein Silvester-Auftritt 2015/16 mit der holländischen Band „BZN“ in Iasi in Rumänien – ein Freiluftkonzert bei minus 13 Grad. Die Tourneen mit Leonie möchte ich ebenfalls dazurechnen. Aber es gibt auch viele kleine Momente, die man so nicht einfach nennen kann. Wenn bei einem Konzert oder Auftritt wirklich etwas passiert mit der Musik und den Menschen, dann ist das immer ein Höhepunkt. Da kann auch eine ganz gewöhnliche Hochzeitsfeier urplötzlich zu einem magischen Moment werden. Und natürlich waren auch Produktion und Release meines neuen Albums ein absoluter Höhepunkt. Wie kam es zum Album „Nachtstücke“? Eigentlich wollte ich nach „Married Horses“, das 2009 erschien, kein Album mehr machen. Aber dann bin ich im Winter 2012 doch mit dem Synthesizer nach Langeoog gefahren. Und kam bei minus 14 Grad in einer traumhaften Winterlandschaft an. Da entstand auch das Coverfoto. Innerhalb einer Woche habe ich dann die Basisideen für alle Stücke entwickelt. 239-4Dann dauerte es noch sieben Jahre, weil ich, wie eben gesagt, viel gearbeitet habe. Als „Hobby-Nebenbei-Projekt“ musste die CD oft zurückstecken. Daraus ergab sich ein anderes Problem: In sieben Jahren habe ich mich weiter entwickelt, musikalisch und persönlich, und die Stücke distanziert betrachtet. In der Richtung ist 2017 eine Menge passiert: Da habe ich viele Klavierparts neu arrangiert, aufgenommen und abgemischt. Mit dem Ergebnis jetzt bin ich sehr zufrieden. Was besagt der Titel „Nachtstücke“? Er gibt die Atmosphäre wieder, in der viele Stücke entstanden, eben nachts. Am Anfang standen Improvisationen, die ich später in Noten übertragen habe. „Nachtstücke“ ist das Gegenteil meines ersten Albums „Married Horses“. Da ist jede Tonspur vollgepackt: Viel Synthesizer und Elektronik mit Einflüssen von Wea­ther Report, elektronischer Dance-Musik und einigen klassischen Sachen. Das Album ist vergriffen, man kann es aber noch auf Spotify hören. Welche Botschaft trägt „Nachtstücke“? Zu Beginn gab es eigentlich noch keine Botschaft. Mit Klavier und Synthesizer wollte ich einfach nur Ruhe und Stille darstellen. Doch es war mir wichtig, das Album auf der Insel zu machen. Die wesentlichen Dinge sind auf Langeoog passiert und ins Album eingeflossen. So habe ich hier Landschaftsvideos gedreht, um sie der Musik zu unterlegen. Die Sequenzen passen perfekt, das ist Langeoog. Und wenn ich jetzt sehe, wie Leute auf die CD reagieren, und auch, wie gut die Fotos und Videos von Langeoog zur Musik passen, ist mir deutlich geworden: Das Album ist eigentlich eine Art Ode an Langeoog. War überhaupt nicht meine Absicht, aber ich denke, man muss das Kind auch beim Namen nennen. Es ist meine musikalische Essenz. Und „Lili Marleen“? Ich wollte ein Stück mit meinem alten Klavier machen, auf dem ich spielen gelernt habe. Das steht noch bei meinen Eltern und ist seit 25 Jahren nicht mehr gestimmt worden. „Lili Marleen“ passte perfekt dazu; ich bin mit dem Lied aufgewachsen, es gehörte zu Langeoog und zu mir. Es musste einfach aufs Album. Eine Langeooger Herzensangelegenheit, wenn man so will.

Von „Zwerg Nase“ bis „Zauberflöte“

 4. Puppenspäler-Fest zu Ostern – Langeooger Puppenkiste feiert Geburtstag

Und wieder lässt Langeoog die Puppen tanzen: Vom 18. bis 21. April 2019 geht das „4. Langeooger Puppenspäler-Fest“ über die Bühne. Mit neun Stücken dabei sind fünf 139-1Puppentheater aus ganz Deutschland: Das Theater Spielberg aus Würzburg, das Figurentheater Cornelia Fritzsche aus Dresden, das Theater ­Le petit bec aus Weimar und das Theatrium Steinau aus Hessen spielen im „Haus der Insel“ (HDI), während die gastgebende Langeooger Puppen­kiste wie gewohnt in der „Spöölstuv“ auftritt. Am Donnerstag, 18. April eröffnet das Theater Spielberg um 15 Uhr den Reigen im HDI mit „Zwerg Nase“ nach Wilhelm Hauff: Der Klassiker für Kinder ab fünf Jahren erzählt von der ­Verwandlung des kleinen Jakob durch eine böse Kräuterhexe. Mithilfe der gleichfalls verzauberten Gans Mimi will er seine ursprüngliche Gestalt zurückgewinnen (Eintritt: 8,–/6,– Euro). Um 20 Uhr zeigt das Theatrium Steinau „Novecento – die ­Legende vom Ozeanpianisten“: Auf dem Luxusdampfer „Virginia“ wird im Jahr 1900 ein ausgesetztes Baby gefunden. Niemand ahnt, welch seltsames Schicksal dieses Findelkind haben wird – eine anrührende Geschichte um Musik, Leidenschaft und die Macht der Freundschaft (Eintritt: 16,–/8,– Euro). Am Karfreitag, 19. April lädt das Figurentheater Cornelia Fritzsche139-2 zum Zuschauen ein. Um 11 Uhr verspricht „In Kaspers Küche ist der Teufel los“ viel Spaß für die ganze Familie: Kasper liebt Omas leckere Eierpfannkuchen mit Apfelmus und Marmelade über alles. Und wenn Oma nicht da ist, kann man selbst welche brutzeln – steht ja im Kochbuch. Doch spätestens, wenn Herr Teufel als unerwarteter Besuch erscheint, kommt es zu Turbulenzen … (Eintritt 8,–/6,– Euro). Spaß für das „große“ Publikum bietet „Rattenscharf“ um 20 Uhr. Rattendame Ursula von Rätin hat ihre eigene Sicht auf die Welt – eine augenzwinkernde Puppenrevue mit Gesang und Sketchen, begleitet von Konrad Möhwald am Klavier (Eintritt 16,–/8,– Euro). Außerdem tritt am Freitag die Langeooger 139-3Puppenkiste auf. Viel zu lachen haben junge Besucher am Ostersamstag, 20. April, wenn das Theatrium Steinau um 11 Uhr einen Kinderbuch-Klassiker von Sven Nordqvist auf die Bühne bringt: In „Pettersson und Findus – ein Feuerwerk für den Fuchs“ versuchen der Bauer und sein genialer Kater, ihre Hühner vor dem Raubtier zu retten – eine irrwitzige Geschichte (Eintritt 8,–/6,– Euro). Nicht minder turbulent geht es um 15 Uhr bei „Hänsel & Gretel“ vom Theater Le petit bec zu. Das Märchen frei nach Grimm spielt Hiltrud Vorberg-Beck mit fast lebensgroßen Textilfiguren (8,–/6,– Euro). Am Ostersonntag um 20 Uhr zieht „Die Zauberflöte“ kleine wie große Zuschauer magisch in ihren Bann, wenn Vogelfangoberhofgärtner Papageno sich erinnert, wie er damals mit 139-4Tamino zum Tempel von Sarastro zog, um Tamina zu befreien (16,–/8,– Euro). Karten für die genannten Stücke sind in der Tourist-Info/Rathaus, online auf www.langeoog.de sowie jeweils an der Tages- oder Abendkasse erhältlich. Zehn Jahre Langeooger Puppenkiste Federführende Initiatorin des Puppenspäler-Festes ist die Langeooger Puppenkiste e.V. Mit zwei selbst geschriebenen Stücken wirkt die Gruppe um Leiterin Dr. Gabriele Hübener aktiv am Karfreitag mit: Um 15 Uhr beginnt „Zauberer Zipp Zapp in Nöten“, gefolgt von „Kasper und das Krokoweh“ um 16 Uhr, Spielort ist die „Spöölstuv“ am Kavalierpad. Der Eintritt beträgt 5,– Euro „pro Nase“, in dieser Saison sogar (solange der Vorrat reicht) inklusive einer Jubiläumsüberraschung. Denn 2019 feiert das beliebte Kasperletheater für Jung und Alt seinen runden Geburtstag: 139-5Seit zehn Jahren lässt die Langeooger Puppenkiste ihre Original Hohnsteiner Handspielfiguren pro Saison zwei spannende Vorstellungen in der „Spöölstuv“ bestehen. Die Spielgruppe besteht aus Kindern der Inselschule und Erwachsenen unter der Leitung von Dr. Hübener. Jeden Freitag von Ostern bis November begeistern Kasperle, Gretel, Seppl und Co ihr jung(geblieben)es Publikum. Dabei gehen der erste und letzte Vorstellungserlös der Saison an das Kinderhospiz Bremen-Syke. -köp/ut-

„Die Weichen für die Zukunft stellen“

Neujahrsempfang am 6. Januar 2019 im „Haus der Insel“

151-2Rück- und Ausblick von Bürgermeister Garrels: „In positivem Sinne über den besten Weg Langeoogs streiten“ Das Wetter draußen war heiter bis regnerisch am 6. Januar zum Neujahrsempfang der Inselgemeinde. Ein wechselhaftes Bild der Inselgemeinde zeichnete auch die Neujahrsansprache von Bürgermeister Uwe Garrels, der an diesem Sonntagnachmittag rund 290 Teilnehmer zu der Veranstaltung im HDI begrüßte. Zu den Anwesenden zählten Ehrenbürger Frerich Göken, Altbürgermeister Ulf Lümkemann, Vertreter aus Rat und Verwaltung sowie die Repräsentanten der Langeooger Institutionen, Betriebe, Rettungsdienste und Vereine. In seiner gut einstündigen Rede warf Uwe Garrels einen faktenreichen Blick auf die Themen 2018 und Projekte 2019 der Inselgemeinde. Einen Themenschwerpunkt setzte er im Bereich politischen Engagements. Arbeit im Gemeinderat Gleich zu Beginn würdigte der Bürgermeister die Arbeit des ehrenamtlich tätigen Gemeinderats. Der habe 2018 insgesamt 260 Vorlagen bearbeitet. Davon wurden 98 ausschließlich im Verwaltungsausschuss entschieden, dessen Mitglieder damit das größte Ratspensum zu bewältigen haben. Es fanden insgesamt 49 Sitzungen, davon 15 Verwaltungsausschuss- und 14 Ratssitzungen, statt. Neben den grundsätzlich nichtöffentlichen 151-1Verwaltungsausschusssitzungen gab es acht weitere nichtöffentliche Zusammen-künfte. „Nichtöffentliche Sitzungen zur Vorbereitung von Entscheidungen sind in schwierigen Angelegenheiten sehr hilfreich, um einen Sachverhalt unbe-fangen erarbeiten zu können“, erklärte Garrels. Darauf folge in den Rats-angelegenheiten immer ein öffentlicher Beschluss. Nicht unerwähnt ließ Garrels bestehende Differenzen zwischen ihm und dem Gemeinderat, an den er einen Appell zur konstruktiven Zusammenarbeit richtete: „Bürgermeister und Gemeinderatsmitglieder sind gewählt, um den Menschen auf dieser Insel zu dienen. Tun wir genau das!“ In diesem Sinne ermunterte der Bürgermeister die Besucher des Neujahrsempfangs, sich für die Kommunalpolitik auf Langeoog zu engagieren. „Wir brauchen Menschen unterschiedlicher Berufs- und Lebenssituationen: Menschen, die hier aufgewachsen sind, und Zugezogene.“

151-3Denn auf Langeoog gebe es viel zu bedenken und viel zu entscheiden. „Damit die Handelnden die Weichen für die Zukunft richtig stellen können, müssen wir uns in positivem Sinne über den besten Weg Langeoogs streiten.“ Haushalts-ausgleich Thema der letzten Jahre, so Garrels, sei die Haushaltskonsolidierung gewesen. Von 2011 bis 2016 gelang es der Inselgemeinde, die Verschuldung von zehn Millionen auf fast null Euro zu senken. Seit 2017 verfüge Langeoog wieder über einen entschuldeten Haushalt. Dadurch könne man wieder über Investitionen selbst entscheiden. Anzupacken seien die Sanierung der alten Liegenschaften und Senkung der zu hohen Betriebskos-ten. Ziel sei es, den „Eigenbetrieb Tourismus-Service Langeoog (TSL) so aufzustellen, dass er über genügend Finanzmittel verfügt, um sich einige Jahre selbst zu finanzieren. Durch die Modernisierung sollen die Betriebskosten gesenkt werden.“ Dabei müsse man Schwerpunkte setzen. KWC und HDI Das Kur- und Wellness-Center ist nach dem Wegfall der klassischen Badekuren für seinen heutigen Zweck zu groß dimensioniert und fährt jährlich über 200
.000 Euro an Verlusten ein. Daher soll der Anwendungsbereich als Anbau in das Erlebnisbad umziehen. Allerdings konnte der ursprüngliche Kostenrahmen von zwei Millionen Euro aufgrund verschiedener Faktoren, die noch aufzuklären seien, nicht eingehalten werden. Die Entscheidung zum Umzug des KWC ins Bad hielt Garrels dennoch für grundsätzlich richtig: „Sie erspart dem Tourismus-Service langfristig Millionen an Euro.“ Im Gesamtumfang der Sanierung, die über mehrere Jahre verteilt etwa acht Millionen Euro kosten werde, sei der Kostenanteil eher gering, aber gleichwohl ärgerlich. Weiter in der Schwebe ist ein Kernprojekt der TSL-Sanierung, das Haus der Insel. Gebäude und Tagungskonzept seien, so der Bürgermeister, veraltet, eine Sanierung müsse mit einer Neukonzeptionierung verbunden werden. Der Rat sei grundsätzlich derselben Meinung gewesen, ein neues Veranstaltungshaus zu bauen. Er habe mit großer Mehrheit ein Interessenbekundungsverfahren (IBV) zur Neuentwicklung des HDI, zusätzlich mit der Liegenschaft des KWC, auf den Weg und in einer Reihe von Sitzungen fast zur Entscheidungsreife gebracht, dann aber die Entscheidung vertagt [Inzwischen wurde das IBV aufgehoben, siehe separaten Artikel; die Red.]. Ohne eine Entscheidung in dieser Angelegenheit, das stellte der Bürgermeister klar, klaffe 2019 im Wirtschaftsplanentwurf des TSL eine Lücke von sechs Millionen Euro, die im vom Gemeinderat beschlossenen Wirtschaftsplan 2018 als Mindesterlös eingestellt wurden. Damit würde jede Investition über den KWC-Umzug ins Bad hinaus gestoppt werden müssen. Letztlich könne der Haushaltsausgleich der Gemeinde insgesamt in große Gefahr geraten. „Ich bin aber überzeugt, dass wir eine gute Lösung finden werden, wenn Rat, Verwaltung und Öffentlichkeit in dieser Frage den Schulterschluss suchen … Wir lösen das nur gemeinsam. Ich bin dazu bereit.“ Mietwohnungsbau Wer auf Langeoog leben und arbeiten möchte, braucht eine angemessene und bezahlbare Unterkunft. „Dafür muss Langeoog endlich mehr Mietwohnungen bauen“, appellierte der Bürger­meister an den Gemeinderat, gemeinsam mit der Verwaltung entschlossen an den arbeitgeberunabhängigen Mietwohnungsbau auf dem Gelände des ehemaligen Internats zu gehen. Dort sei ein Gelände, das städtebaulich für insulares Wohnen bes­tens geeignet sei. Die Erschließung sei in Planung. „Die Wohngenossenschaft Uns Oog mit 31 Wohnungen in nachhaltiger Bauweise zu angemessenen Mieten bei höchster Wohnsicherheit startet dort als erster Schritt mit dem Baubeginn im Frühjahr 2019.“ Investitionen Seit der Entschuldung investiert die Gemeinde laut Garrels wieder. So wurde der letzte Abschnitt zum barrierefreien Ausbau der Hauptstraße zur Hauptsaison fertig. Die Kosten von 900.000 Euro wurden im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms mit 264.000 Euro gefördert. Anhängig sei hier noch die ebenfalls förderwürdige Neugestaltung des Rathausparks. Im November begann sie Sanierung von Vormann-Otten-Weg und Rosenweg (siehe separaten Bericht). Die Weiterführung der Schmutz- und Regenwasserkanalsanierung sowie die Erneuerung der Stra-ßendecke schlage mit 785.000 Euro zu Buche. Auffälligstes Projekt 2018 war der Bau der neuen Feuerwache am Süderdünenring. Vier Millionen Euro kostet die Errichtung, die von der Firma Johann Bohlen aus Moormerland als Generalunternehmer übernommen wurde: „Dieser Bau wird im
Sommer 2019 eine lange Zeit des gebäudetechnischen Mangels beenden“, ist sich Garrels sicher. Sechs Stellplätze für den kleinen Ort Langeoog seien der Insellage geschuldet: „Unsere Feuerwehrfrauen und -männer sind im Ernstfall auf sich allein angewiesen. Das rechtfertigt diese gute Ausstattung allemal.“ Direkt nebenan entsteht die neue Rettungswache, die der Rettungsdienst Mittelhessen im Auftrag des Landkreises baut. – Auf dem Klärwerksgelände wurde eine solare Klärschlammtrocknungsanlage errichtet (siehe separaten Bericht), die helfen soll, Entsorgungskosten zu senken. In die Schiffahrt der Inselgemeinde … wurde und wird ebenfalls investiert. Die Gleisbauarbeiten konnten im Frühjahr 2018 abgeschlossen werden, die Inselbahn fährt wieder ohne Schläge zwischen Bahnhof und Hafen. Der Frachter Pionier erhielt eine neue Steuerbord-Hauptmaschine für 50.000 Euro und einen Hilfsdieselgeneratorensatz für knapp 30.000 Euro, den auch die Langeoog II benötigte. Die Überlegungen für ein Nachfolgeschiff der 50 Jahre alten Langeoog I sind im Gang, ebenso für ein neues Frachtschiff, oder aber für ein Kombischiff für Fracht und Personen. Diese Optionen werden gerade intensiv durch die Schiffskonzeptplaner der Firma Technolog Services aus Hamburg geprüft und gerechnet. Die Neuplanung der bereits beauftragten Brückenanlagen soll im Herbst dieses Jahres mit den beiden Brücken in Bensersiel beginnen. Die Containerbrücken sind mit je 1.250.000 Euro und die Fußgängerbrücken mit je ca. 600.000 Euro geschätzt. Gemeinde in Zahlen und Fakten Per 31. Dezember 2018 lebten 1.825 Einwohner mit Hauptwohnsitz oder Arbeitsmittelpunkt auf Langeoog, 40 mehr als im Vorjahr. Dabei stehen 15 Geburten, davon eine auf Langeoog, 22 Sterbefällen gegenüber. Das Standesamt verzeichnete mit 230 Eheschließungen und Lebensprtnerschaften einen neuen Rekord. Die Schiffahrt Langeoog bewies 2018 erneut ihre Leis­tungsfähigkeit: Sie transportierte 937.120 Personen – ein Zuwachs von 5,1 Prozent. Auch bei den Tagesgästen gab es mit 182.157 Personen gegenüber dem Vorjahr ein Plus, und zwar von 19,7 Prozent. Rund 1,5 Millionen Gästeübernachtungen wurden registriert, was einem Mehr von 4.100 Dauereinwohnern 151-4entspricht. Beschäftigte mit Neben-wohnsitz hinzugerechnet, kommt Langeoog im Jahresschnitt auf rund 6.000, im Hochsommer auf über 11.000 Einwohner. Auftritte Wie erstmals im Vorjahr traten die Langeooger Sternsinger auf. Betreut wurden sie von Pastoralreferentin Susanne Wübker sowie Regina und Martin Willenberg. Mit dem Lied „Du schickst uns als Boten aus“ und dem traditionellen Segensspruch waren sie am Vortag von Haus zu Haus gezogen. Bei der Aktion kamen über 2.000,– Euro für Kinder mit Behinderungen in Peru zusammen. „Es ist gut, dass Langeooger
151-5Kinder sich dafür einsetzen, Kindern in der ganzen Welt ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen“, lobte Uwe Garrels die Aktion. „Der Blick über den Tellerrand unserer Inselwelt hinaus gehört zu unserem insularen Selbstverständnis.“ Den musikalischen Rahmen der Veranstaltung zimmerten beschwingt „de Flinthörners“. Der Langeooger Shantychor unter Leitung von Elisabeth „Puppa“ Peters intonierte vier seewassergetränkte Seasongs aus seinem Repertoire, darunter ein aktuelles Stück aus dem neuen Programm. Für die Bewirtung der Besucher mit Tee, Kaffee und Kuchen sorgte das Team um die Gastronomen Udo Streitbörger und Olaf Wegener. -köp/ut-

Nordlichter glänzten im Süden

Kulturfahrt der Inselgemeinde in den Schwarzwald In den spätherbstlichen Schwarzwald führte vom 17. bis 21. ­November die Kulturfahrt 2018 der Inselgemeinde Langeoog. Weitere Stationen waren unter anderem das Elsass und eine Musikshow in Köln. Die Langeoogerin Bärbel Kraus nahm an der fünftägigen Kurzreise teil. Hier sind ihre Reiseeindrücke:

828-1Auf der diesjährigen Kulturfahrt der Inselgemeinde vom 17. bis 21. November in den Schwarzwald hatten die Insulaner unglaublich tolles Reisewetter. Augenzwinkernd könnte man auch sagen, dass das gute Wetter von den Gästen mitgebracht worden ist! Sehr viel Sonne schien bis in die Herzen der Reiseteilnehmer, sprich: Die Stimmung an Bord war eine sehr gute! Im neuen Fünf-Sterne-Premium-Bistroliner aus Wittmund ging es am Samstag, 17. November ganz entspannt in den Schwarzwald nach Zell am Harmersbach. Hier wurde in einem Hotel für drei Übernachtungen eingecheckt – und erstmal ausgeruht. Am Sonntagmorgen ging es bei strahlendem Sonnenschein auf die französische Rheinseite ins Elsass, ins wunderschöne Colmar und das malerische Weindorf Riquewihr. Weiter entlang der Weinstraße erwartete die Gruppe eine traditionelle – schon seit 1776 bestehende – Weinkellerei: Selbstverständlich mussten dort nach einer Führung durch die Gewölbe auch noch unterschiedliche Weine verkostet werden. Insgesamt ein wunderschöner Tag für die Insulaner … Am Montag führte die Fahrt, bei wiederum bestem 828-2Wetter, durch das Elztal nach Freiburg mit seinem historischen Stadtkern und dem berühmten Münster. Mit genügend Zeit zur freien Verfügung erkundete jeder Freiburg auf seine Weise. Danach ging die Reise durch das romantische Höllental vorbei am Hirschsprungfelsen zum Titisee. Hier schaltete das Wetter um auf Winter, sprich „Leise rieselte der Schnee“ draußen, während sich die Insulaner drinnen im Café mit Schwarzwälder Kirschtorte und Tee oder Kaffee verwöhnen ließen. Da Kirschtorte und Kuckucksuhr ja typische Symbole für den Schwarzwald sind, besuchten die Nordlichter noch die weltgrößte Kuckucksuhr im Eble Uhrenpark bei Triberg. Diese „Uhr der Superlative“ im Maßstab 60:1 konnte von innen 828-3und außen besichtigt werden. Auf der Rückfahrt zum Hotel stand noch die Besichtigung einer Schwarzwälder Schnaps- brennerei nebst „hochgeistiger Verkös­tigung“ auf dem Plan. Dienstag erfolgte bei gutem Wetter die erste Etappe zurück in Richtung Nordsee, mit einem Übernachtungsstopp in Köln. Dort war Zeit zur freien Verfügung, die für einen Besuch von Dom, Altstadt, Schokoladenmuseum und anderen Sehenswürdigkeiten gern genutzt wurde. Nach dem Abendessen bestand im ­Musical Dome die Möglichkeit, die Beatles-Show „Let it be“ zu besuchen. Diese Schau zeigte die unglaubliche Erfolgs­geschichte der Beatles, die die Insulaner an einem „Reunion-Konzert“ teilhaben ließ. Die begeisternde Show mit grandioser Stimmung und tollen Effekten riss viele Insulaner mit: Spontan rockten sie richtig ab! Am Mittwochmorgen zog der Bistroliner unwiderruflich in Richtung Bensersiel, allerdings mit einem Stopp zum Mittagessen in Friesoythe. Dort wurden die Insulaner bei einem umfangreichen Buffet noch einmal nach Herzenslust kulinarisch verwöhnt. Dann ging es endgültig zum Anleger, wo man sich herzlich vom aufmerksamen Bistroliner-Team verabschiedete. Alle Insulaner waren begeistert von der mehr als interessanten Fahrt voller Höhepunkte und freuen sich schon jetzt auf die Kulturfahrt 2019! -Bärbel Kraus-

Mit einer Stimme sprechen

Neuer Gewerberat sucht Dialog mit der Gemeinde Als Informationsgeber zur Verfügung stehen, mit Fachwissen unterstützen, Denkanstöße geben, Sichtweisen darlegen und gemeinsam Entscheidungen herbeiführen – der neue Gewerberat Langeoog hat sich so einiges auf seine Fahnen geschrieben. Gegründet hat sich das Gremium um den geschäftsführenden Gesellschafter Olaf Hube am 2. September 2018. Acht Gewerbetreibende aus verschiedenen Branchen zählen zu den Gründungsmitgliedern. Der Gewerberat fungiert seitdem als eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts, kurz GbR. „Interessierte können jederzeit in die Gesellschaft eintreten“, sagt Hube. Eine ers­te Informationsveranstaltung im Oktober stieß mit rund 60 Zuhörern auf große Resonanz. Den Anstoß zur Gründung gab, laut Hube, die Diskussion um die künftige Nutzung des „Haus der Insel“ (HDI). Der Gewerberat sucht daher mit der Gemeinde den Dialog und möchte auch bei künftigen Themen gegenüber Rat und Verwaltung mit einer Stimme sprechen. „Wir möchten aber keine Politik machen, sondern wollen gute Ratgeber sein“, betont Hube ausdrücklich. Daher lautet das Motto: „Mitgestalten und Schwerpunkte setzen“. -reh-